(Patrizia von Berlin) Dass die Opposition ein ziemlich bunter Haufen ist, ist zwar für linke Journalisten etwas Ungeheuerliches, weil sie doch lieber von „braunen Netzwerken“ halluzinierend ihr Geld verdienen, aber trotzdem Fakt. Und so ist es auch nicht verwunderlich, wenn es Zoff gibt. Worum geht es, was steckt dahinter und wie geht es weiter?

Dass es zwischen Schnellroda, also Götz Kubitschek, EinProzent und der Zeitschrift „Sezession“ auf der einen und „Philosophia Perennis“ und den wichtigsten „freien Medien“ auf der anderen Seite, gerade ein bisschen kracht, ist mittlerweile weithin bekannt.

Warum und wieso ist Gegenstand vieler Fragen und Diskussionen. Patrick Lenart, Vize der IB Österreich, hat in einem sehr versöhnlichen Videostatement, über das wir berichtet haben, zur Gemeinsamkeit aufgerufen.

Philosophia Perennis an Patrick Lenart

Lieber Patrick,

danke erstmal für Deinen wohlgemeinten Versuch die Wogen zu glätten und zur Gemeinsamkeit, zum Gemeinsinn, einer typisch deutschen Tugend, aufzurufen. Wir wollen in unserer Antwort da beginnen, wo es den Anfang nahm.

Vorweg: PP hat -wie es unser Job als Medium ist- sowohl die IB, als auch Schnellroda über viele Jahre journalistisch fair begleitet. Zahlreiche Artikel belegen das. Vielleicht erinnerst Du Dich auch an unser persönliches Gespräch in Berlin, wo ich sagte, solange die IB im Rahmen der Verfassung und gewaltfrei bliebe, würde das so bleiben. Jetzt aber zum eigentlichen Thema.

Konferenz der Freien Medien und das Milo-Problem

Die Konferenz der Freien Medien war ein unglaublicher Erfolg. Die AfD hatte eingeladen und sich als perfekter und professioneller Gastgeber erwiesen. Die Abendveranstaltung mit Milo Yiannopoulos war, trotz einigem AfD-internen Knatsch, wie es bei jeder Großveranstaltung vorkommt, ein voller Erfolg. Selbst ich, als Milo-Skeptikerin (aufgrund seiner sexistischen Sprüche), war angenehm überrascht. Als er mit mir dann ein Erinnerungsfoto machte, habe ich ihm im Moment vor dem Knipsen einen sexistischen, männerfeindlichen Spruch reingedrückt, um mal zu sehen …

… das Ergebnis ist ein erst sehr überraschter, dann ein spontan losprustender Milo auf einer Bilderserie. Wenn er einstecken kann, dann darf er auch gerne austeilen, habe ich für mich beschlossen und meinen Frieden mit ihm gemacht. Nun aber mal weg von meinem persönlichen Erleben. Ich wollte nur zeigen, dass man bei uns nicht meint, man müsse ihn unbedingt toll finden. Nonkonformismus ist doch eine durchgängige und liebenswerte Eigenart vieler im Widerstand.

Milo ist eine schillernde Persönlichkeit, wer wollte das bestreiten. Sein Ego ist enorm, auch klar. Dass er selbst Missbrauchsopfer wurde und das aufarbeiten muss, finde ich, ist gewiss kein Grund über ihn herzuziehen. Opfererfahrung ist etwas Furchtbares und verdient Empathie im Bewusstsein, dass man selbst dankbar sein darf, solche Dinge nicht erlebt zu haben. Und dass nicht immer die passenden Worte gefunden werden, ist einfach so. Aber das sollten Oberflächlichkeiten sein.

Wir finden, man kann zusammenfassen: es war ein toller Abend, der auf einen tollen Tag folgte, super Stimmung. Die AfD Abgeordneten und zwar nicht nur die vier Musketiere, die für den tollen Tag verantwortlich zeichneten, waren mitten im Fußvolk und Teil der tollen Stimmung und auch sonst war es ein mehr als buntes Volk.

Die Kollegen der Jüdischen Rundschau, Orit Arfa schmuggelte im Bauch sogar ihren Nachwuchs (mazeltov!) ein, der Videoblogger Feroz Khan, Oliver Flesch, Thomas Böhm von Youwatch, ich kann sie gar nicht alle einzeln aufzählen und, liebe Leute, Ihr verzeiht mir das sicherlich, wenn Ihr nicht genannt werdet, denn es war eigentlich alles da, was in der alternativen Medienszene unterwegs ist und alle waren gut drauf: Konservativ, liberal, hetero, homo, lez, weiß, schwarz, braun, im Anzug oder Jeans, Christen, Juden, Ex-Moslems, Atheisten – sozusagen der bunte Alptraum typisch spießerdeutscher Linker vereint.

Dann kam ein lesenwerter, weil die Fronten klärender Aufsatz von Götz Kubitschek zur Veranstaltung und im Gefolge eine Kettenreaktion im Umfeld von Schnellroda, die im Nachhinein zunächst noch vergleichsweise beschaulich wirkte. Kern: Die „Dekadenz der Schwulen“ und ihre Untauglichkeit für den „patriotischen Kampf“ lautete das Thema. Zunächst war der schillernde Milo dran, dann der eher dezente David, selbst an Bannon -weder schwul noch Jude- arbeitete man sich ab, als er klar den wachsenden Antisemitismus anprangerte. Israel und die „Dekadenz der Schwulen“ stört manche anscheinend mehr als die Islamisierung. Bis heute steht als Antwort auf Twitter unter einem Retweet von „Sezession im Netz“, wie man Philosophia Perennis einschätzt:

Wir wollen uns nicht bei den ganzen Einzelheiten aufhalten, es dauerte fast zwei lange Wochen permanenter Angriffe unter der Gürtellinie, bevor David Berger im Interview mit Oliver Flesch und Uta Ogilvie ernsthaft Kritik übte und zur Versöhnung aufrief. Es lief aber alles wie gehabt nach diesem Warnschuss weiter. Ja, gerade aus dem Umfeld von Schnellroda geriet man nun erst so richtig in Rage.

Man bekam das Gefühl, dass -offensichtlich unter Minderwertigkeitskomplexen leidende- Hobbyphilosophen auf dem Land, neben Langeweile, vor allem zwei Themen haben: Homosexualität, gegen die man „selbstverständlich“ nichts hat und ihre „Kritik“ an Israel, die „selbstverständlich“ nichts mit Antisemitismus zu tun hat. Das Ganze eskalierte dann weiter und eine Reihe von wichtigen Oppositionellen ergriffen das Wort, was aber in Schnellroda nicht auf Wohlgefallen stieß.

  • Oliver Flesch – wurde abgekanzelt
  • Uta Ogilvie – wurde abgekanzelt
  • Lisa Licentia – wurde abgekanzelt
  • Ramin Peymani, Jürgen Fritz und viele Andere erklärten sich solidarisch.

David Berger wurde -und zwar immer direkt oder aus dem zurechenbaren Umfeld von Schnellroda- wegen seiner Homosexualität angegriffen. „Darkroom-Hedonismus und Thomasstudien“ hieß -passend zum Autor- ein besonders dämlicher Spruch. Da wird fast der Verdacht laut, dass sich der Autor in Darkrooms etwas besser auskennt und David Berger dort schon in „hedonistischer Manier“ angetroffen hat. Ob wir mal nachfragen sollen?

Dass es für den ehemals aussichtsreichsten, jungen deutschen katholischen Theologen kein Vergnügen war, wegen seiner Homosexualität ausgestoßen zu werden, lässt diese Angriffe sehr sauer aufstoßen. Lebensplan kaputt. Kann man Witze drüber machen, muss man aber nicht. An irgendeinem Punkt waren wir, auch nach zahlreichen Gesprächen im engverbundenen Kollegenkreis soweit, dass es uns reichte und zwar so richtig. Und dass es an der Zeit war, die Grundsatzfragen zu stellen. Dazu gleich mehr.

Das, lieber Patrick, ist meine persönliche, sehr subjektive und logischerweise parteiische Schilderung der Ereignisse. Du wirst mir nachsehen, dass es für mich wichtig ist, auf Deine im Video enthaltene Schilderung, die ich eben nicht teilen kann, meine Sichtweise entgegenzusetzen. Ich überlegte, ob ich das Punkt für Punkt konventionell abarbeiten sollte, habe mich dann aber dafür entschlossen, das -genau wie Du- in einer sehr persönlichen Schilderung der Situation und deren Entstehung zu machen. Denn jede Objektivität, die man hier vorschieben würde, wäre doch bewusst oder unbewusst überlagert von den Emotionen dahinter. Also: lieber authentisch und subjektiv. Das ist auch den Lesern gegenüber fairer.

Wofür kämpfen wir?

Du, lieber Patrick und auch Martin Sellner, Ihr habt „Solidarität im patriotischen Lager“ angemahnt und, wie so manch Andere, denen man das abnimmt, Euren Unmut über Zwist, der nur der Gegenseite nützen würde, ausgedrückt. Wir haben, auch wenn ein paar harsche Reaktionen das nicht auszudrücken scheinen, grundsätzlich Verständnis dafür. Nur gemeinsam, solidarisch können wir gegen den übermächtigen Mainstream bestehen.

Wir haben Dein Video in einem PP Artikel verlinkt und zusammen mit ein paar ersten Gedanken veröffentlicht. Das macht man nicht, wenn man nicht fair sein will und eine Chance zum Gespräch offen halten will.

Unsere erste Frage an Euch: Sie betrifft den Patriotismus, also die Liebe, die Wertschätzung für die Heimat, die ja nicht nur kein Verbrechen, sondern ein Gefühl ist, dass auf der ganzen Welt von allen, nicht von Selbsthass getriebenen, Menschen geteilt wird. Warum sprecht Ihr immer nur von „Patriotismus“? Ist Euch dieser Wert, der ja weltweit jedenfalls, den Normalzustand darstellt, mehr wert als alle anderen?

Weiterhin fällt es auf, dass sich im direkten Umfeld der oben Angesprochenen Menschen tummeln, die klar neonazistisches, rassistisches Gedankengut absondern. Und diese sind augenscheinlich wohl gelitten, sie schreiben von euch unwidersprochen, sind mit euch vernetzt. Soll für diese Menschen auch Platz unter den breiten Schirm der „Patrioten“ sein, unter dem sich anständige Deutsche, Europäer unterschiedlichster Abkunft sammeln sollen? Ist unter Eurem Schirm für „Patrioten“ auch Platz für unsere Landleute mit Migrationshintergrund, die oft mehr für die Freiheit unserer Länder tun, als wir Eingeborene? Ist Platz für eine Leyla Bilge, eine Laleh Hadjimohamadvali, für Jaklin Chatschadorian, für Feroz Khan, für Imad Karim und für die vielen Anderen, die unsere gemeinsame Heimat ebenfalls lieben?

Wir wollen Euch aber auch erklären, an was wir glauben.

Unsere Grundwerte: Demokratie und Menschenrechte

Wir bei Philosophia Perennis glauben an

über die Zeit hinweg gültige Werte, die ihren Ursprung in der europäischen, jüdisch-christlichen Tradition haben. Eng verwandt sind diese Überzeugungen mit den Werten der deutschen Verfassung, des Grundgesetzes, dessen Verteidigung eines unserer zentralen Anliegen ist.

Wir sind bei dem, was das in der Konsequenz bedeutet, typisch deutsch, sehr geradlinig und sehr direkt:

Wer die Grundwerte unserer Verfassung, die ja eine enorme Bandbreite an unterschiedlichsten politischen Meinungen schützt, nicht teilt, mit dem haben wir keine Basis. Das ist nicht verhandelbar.

Wenn jemand diese Verfassung in der Substanz angreift, dann ist er auch kein politischer Gegner, sondern Feind. Da kann er noch so oft sein Patriot-sein unterstreichen. Das ist eine für uns zwingende Erkenntnis aus zwei deutschen Diktaturen im vergangenen Jahrhundert. Aus diesen Werten speist sich auch unsere Islamkritik, nebenbei bemerkt.

Unsere deutsche Geschichte ist etwas, auf das wir stolz sein können. Genauso wie jedes andere Land. Dazu gehört aber auch, dass wir es nicht den Feiglingen gleich tun, die sich eine Softie-Version unserer Geschichte zurecht lügen, weil sie nicht den Mut haben, unsere schwärzesten 12 Jahre und insbesondere den, in deutschem Namen, begangenen Völkermord in diese, unsere deutsche Geschichte mit einzubeziehen.

Und es ist kein Argument, wenn andere Nationen schreckliche Verbrechen in ihrer Geschichte verklären und verfälschen. Wir sind in erster Linie für uns selbst verantwortlich. Dann können wir mit dem Finger auf andere zeigen. Wer es braucht. Es geht dabei schon gar nicht um eine „Erbschuld“, die es nicht geben kann. Es geht um die Übernahme historischer Verantwortung und dies heißt in erster Linie Lehren für die Gegenwart und Zukunft ziehen.

Dazu gehört die -zentrale- Erkenntnis und das Bekenntnis, dass das Existenzrecht Israels unantastbar sein muss und dass Antisemitismus, ebenso -und hier mache ich bewusst eine Klammer zu PP auf- wie Homophobie oder Rassismus, mit unseren Werten nicht vereinbar sein kann. Freiheit steht für uns an erster Stelle und dazu gehört auch Freiheit von all diesen menschgemachten, auf Unfreiheit basierenden Unmenschlichkeiten.

Man kann es auch anders sagen: der Widerstand wird demokratisch, im System oder gar nicht sein. Es lohnt nicht gegen eine menschenrechtsfeindliche, demokratiefeindliche, homophobe, sexistische, rassistische Ideologie anzugehen, wenn die Alternative genauso hässlich aussieht. Wir jedenfalls sehen keine relevante Kraft, die das anders sieht.

Haben wir eine gemeinsame Wertebasis? Kämpfen wir alle für Freiheit?

Folglich lautet logischerweise die Frage:

  • Wie haltet Ihr es mit diesen Werten?
  • Mit Demokratie?
  • Mit Menschenrechten?
  • Mit all den zentralen Werten, die unsere modernen europäischen Verfassungen ausmachen?

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