(David Berger) Das neue Heft von „Cato“ ist vielleicht eines der besten, das je in dieser Reihe erschienen ist. Das Cover zeigt den Brand von Notre Dame und macht die Frage „Ist die Kirche noch zu retten?“ zum Schwerpunkthema.

Dass dabei die Catholica im Mittelpunkt steht, ist nicht nur sachlich gut verständlich (im Zusammenhang mit den Protestanten kann man schwerlich noch von Kirche sprechen), sondern zeigt sich auch an den Autoren, unter denen sich ein solch bekannter Wissenschaftler und Kirchenmann wie Kardinal Walter Brandmüller findet.

Athen, Jerusalem und Rom

Brandmüller zum Brand von Notre Dame: „Dieser Brand war – und die Ruinen sind es noch immer – ein Fanal. Was ist ein Fanal? Was ist ein Fanum, was ist profan? Nun, wer dächte nicht zunächst an die Wortbedeutung »heiliger Bezirk« oder »Sakralbereich«. Aber dann belehrt uns das Wörterbuch, daß ein Fanal ein militärisches Feuersignal, ein Leuchtfeuer sei. Im abgeleiteten Sinne ein Aufmerksamkeit erregendes, bedeutungsschweres Zeichen oder Ereignis … Merkwürdig, wie alle diese Bedeutungen durch die lodernden Flammen der brennenden Notre-Dame sich erfüllen. Frankreich hat dieses Flammenzeichen verstanden.“

Die emotionale Erschütterung, die der zahllosen Menge anzusehen gewesen sei, könnte für viele ein „Impuls sein, der Horrorvision von Michel Houellebecq endlich Widerstand zu bieten“. Es sei höchste Zeit, „dem sterilen und gefährlichen, heute den französischen Alltag bestimmenden Erbe einer rein diesseitigen Aufklärung adieu zu sagen.

Es gilt endlich wiederzuentdecken, was Frankreich, was Europa für Jahrhunderte groß gemacht hat, das Erbe von Athen, Jerusalem und Rom. Ein Erbe, für dessen Größe und Wirkmacht die Kathedrale im Herzen von Paris steht, Notre-Dame.“

Wir brauchen die Wiederherstellung des Katholizismus, wenn Europa eine Zukunft haben soll

Ein Gespräch zwischen Michel Houellebecq und Geoffroy Lejeune, Chefredakteur des wöchentlich erscheinenden, liberal-konservativen Finanzmagazins „Valeurs Actuelles“, bildet dann auch den vermutlichen Höhepunkt des Heftes. „Kann die alte Strahlkraft des Katholizismus wiederhergestellt werden und kann das unsere schwer beschädigte
Zivilisation erneuern?“ fragen sich die beiden Gelehrten. Und sie sind sich in diesem Punkt sehr einig: Sie kann und sie muss, wenn Europa eine Zukunft haben soll.

Eine stärkere Abgrenzung des Katholizismus vom Protestantismus

Wie das geschehen soll, da gehen die Denkwege der beiden weit auseinander. Und ich muss gestehen, dass mir das, was Lejeune sagt, wesentlich plausibler klingt als die Ausführungen Houellebecqs, der im Laufe des Gesprächs auch immer weniger mithalten kann.

Der Romancier fordert vor allem eine stärkere Abgrenzung des Katholizismus vom Protestantismus, eine Verlagerung von zuviel Vernunft auf mehr Emotion. Er sähe am liebsten eine Wiedervereinigung von Orthodoxie und römischem Katholizismus. Auch um die übermäßige Konzentration der römisch-katholischen Kirche auf die Sexualität wieder auf ein vorreformatorisches Maß zurückzufahren:

„Das Interesse der katholischen Kirche an der Sexualität der Gläubigen erscheint mir völlig übertrieben. Das geht nicht auf den Ursprung des Christentums zurück…

Der Hl. Paulus ist wie gewöhnlich über jeden Zweifel erhaben: »Es ist nämlich besser zu heiraten, als sich in Begierde zu verzehren«, und in der Genesis heißt es erhaben: »… und sie werden ein Fleisch.« Der Ärger fängt beim Hl. Augustinus (Foto l. (c) ClenX [CC BY-SA 4.0]) an, aber für viele Jahrhunderte bleiben die Konsequenzen noch aus. Erst in der Moderne kommt es zum Durchbruch, zweifellos auch als Folge der Ansteckung mit dem Virus des Protestantismus und dem sich daraus entwickelnden Puritanismus. Da stehen wir heute noch, und mich befällt ein echtes Unbehagen, wenn ich höre, daß sich manche Priester über den Gebrauch von Kondomen erregen. Egal, ob es um Aids geht oder nicht – was um Himmels willen geht sie das an?“ Anders sei das in der Orthodoxie. Dafür führt Houellebecq ein Zitat von Athinagoras an, der von 1948 bis 1972 Patriarch von Konstantinopel war:

„Wenn ein Mann und eine Frau sich wirklich lieben, dann habe ich nichts in ihrem Schlafzimmer zu suchen. Alles, was sie tun, ist heilig.“

Die Forderung nach dieser Emotionalisierung kann Lejeune nicht verstehen, die Abgrenzung vom Protestantismus schon eher. Ihre Erhabenheit kann die Catholica nur mit einer Rückbesinnung auf die Tradition wieder erlangen, in der Körper und Seele, ratio und emotio, Natur und Gnade ein analektisches Gleichgewicht bildete. Und einen Kontrast zur Moderne.

Die Anpassung der Catholica an den Zeitgeist kommt einem Selbstmord nahe

Denn sie habe „sich in wesentlichen Dingen den Entgleisungen einer Welt angepaßt, die sie eigentlich hätte retten sollen. Diese Rollenverkehrung kam ihrem Selbstmord gleich, aber selbst in den Augen Gottes gibt es nach diesem tragischen Schachzug immer noch einen Weg zum Heil. Der Heilige Pfarrer von Ars sagte eines Tages einer Mutter, die über den Selbstmord ihres Sohnes verzweifelt war, daß er zwischen der Brücke, von er er sich gestürzt hatte, und dem Wasser, in dem er ertrank, reichlich Zeit gehabt habe, zu bereuen und die göttliche Barmherzigkeit zu erflehen.

Um zu retten, was zu retten ist, müßte man mit dem Relativismus brechen, der seit den sechziger Jahren in Mode ist. Vielleicht fände die Kirche ein wenig von ihrer Erhabenheit zurück, wenn sie aufhörte, »cool« sein zu wollen, und wenn sie wieder die Gottesfurcht lehrte, ohne die es keine Liebe gibt. Auch in der Kindererziehung wurde die elterliche Autorität untergraben; die Konsequenzen sind dieselben.

Vielleicht sollte die Kirche ihre Faszination für fremde Religionen mäßigen. Auch die für den Protestantismus. Wie kann man ein trojanisches Pferd wie den [früheren] Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz Monsignore Nunzio Galantino tolerieren, der kürzlich sagte, daß »die von Luther vor 500 Jahren eingeleitete Reformation ein Ereignis des Heiligen Geistes gewesen sei«? (…)  Es müßte Schluß gemacht werden mit der permanenten Jagd nach Emotionen. Die Kirche kann nicht mit Musik und Film konkurrieren. Aber wenn sie sich auf ihre Mission konzentriert, Gott zu verkünden und die Menschen zum ewigen Leben zu führen, bleibt sie unersetzlich.

Vielleicht würde die Kirche wieder mehr Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn sie aufhörte, sich wie eine NGO aufzuführen, die sich zwar karitativ gibt, aber nicht für Christus einsteht, der die Quelle ihrer Großzügigkeit ist. In der Politik gewänne sie vielleicht, wenn sie aufhörte, bestimmte Regierungen moralisch zu diskreditieren (ein gutes Beispiel ist die Kritik des Papstes an der Migrationspolitik des italienischen Innenministers Matteo Salvini).“

„Der Weihrauch, der im Kirchenschiff aufstieg, gab der Seele den Weg vor.“

Am deutlichsten kommt die tragische Wende der Catholica nach Lejeune in der reformierten Liturgie zum Ausdruck: „Das Latein wurde abgeschafft, der Schmuck wurde vereinfacht, der Priester wandte sich der Gemeinde zu. Die Gemeinden investierten in Synthesizer, und die Mädchen begannen in den Chören den Takt anzugeben. Aber die Tragik der Mode ist, daß sie aus der Mode kommt. Sechzig Jahre später sind die Synthesizer immer noch da und auch die jungen Mädchen, aber sie sind alt geworden, und ihre Stimmen zittern. Selbst die Priester ertragen sie nicht mehr.“

Hier werde überdeutlich, wie sich die Kirche einer gerade verkommenden Welt anpassen wollte. Und dadurch die Gläubigen vertrieb. Aber die Gläubigen haben einen „Anspruch darauf, daß die Kirche einen Weg zu Gott vorgibt – unabhängig von den Verwerfungen der Zeit – und daß sie beständig ist. Das Latein markierte den Unterschied zwischen der Alltagssprache und der, in der man sich dem Schöpfer zuwandte. Der Weihrauch, der im Kirchenschiff aufstieg, gab der Seele den Weg vor. Der Priester, der mit dem Rücken zu den Gläubigen stand, war in Wirklichkeit Gott zugewandt. Das Heilige wurde leise aus der Kirche vertrieben und durch lauter Cooles und Partymäßiges ersetzt – alles wunderbar, aber zum Verzweifeln menschlich.“

Ist Papst Franziskus die Erfüllung satanischer Pläne?

Welche letzte Konsequenzen aus dieser Entkatholisierung der Kirche erwachsen könnten, zeigt gut die ebenfalls im Heft abgedruckte Buchbesprechung des Romans „Der letzte Papst“ von Malachi Martin durch Ingo Langer:

Martin „sah schon 1996 die aktuelle Krise der Kirche kommen. Die Präzision seiner Voraussagen ist erstaunlich. Ein neues, humanitäres Weltethos ohne Christus und Kirchenlehren rückt unter Papst Franziskus immer näher.“ Selbst der Rücktritt eines Papstes, erzwungen von „EU-Kommissaren und Freimaurerlogen“ wird in dem Roman vorher gesagt:

„Danach soll die katholische Kirche eine symbiotische Einheit mit EU und UNO eingehen und die christliche Lehre mit einem allgemeinen Weltethos verschmolzen werden. Bergoglios Kritiker behaupten, genau das sei auch sein Agendum. In Malachi Martins Roman ist Luzifer höchstpersönliche Kraft hinter den satanischen Kardinälen. Kurz vor ihrem Sieg gelingt es allerdings einer kleinen Schar von traditionellen, mit der Tridentinischen Messe eng verbundenen Priestern, die Putschpläne aufzudecken und den Papst zu warnen.“

Vor allem aber muss die Kirche wieder katholisch werden

Diese Kritik Lejeunes ähnelt in auffälliger Weise den Äußerungen Papst Benedikts XVI. zu diesem Thema. Dieser wiederholt immer wieder, was bereits einem Vorgänger, dem heiligen Papst Johannes Paul II. ein Herzensanliegen war: Wenn Europa überleben soll, dann kann es das nur, wenn es sein katholisches Herz und seinen katholischen Verstand wieder entdeckt. Dazu muss aber die Kirche selbst wieder katholisch werden.

Und da sieht es unter Franziskus eher düster aus. Bei ihm hat man vielmehr den Eindruck, dass er die Schlüssel zur heiligen Stadt längst den anstürmenden Mohammedanern übergeben hat, während er ihnen die Füße wusch. Aber denken wir an den heiligen Pfarrer von Ars. In einer einzigen Sekunde kann die Gnade siegen und die Finsternis des Glaubensabfalls und der Sünde zerstören.

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