(Patrizia von Berlin) AfD und Frauen? Ein Thema bei dem Mainstreammedien abwinken oder die „wenigen Frauen“ als Problem beschreiben. Das mit Alice Weidel die erste offen lesbische Frau einer Bundestagsfraktion vorsteht passt nicht ins Bild. Dabei fehlen der Politik doch gerade die Menschen, welche nur schwer in eine Schublade passen.

Carolin Matthie gehört in diese Kategorie. Wenn man die Punkte aufzählen möchte, in denen diese junge Frau gegen den linken Zeitgeist verstößt, kommt man in Bedrängnis. Wo anfangen? Vielleicht genauso unkonventionell? Ein Instagrambild das Carolin Matthie als Anime Figur „Onpu Segawa“ zeigt ist ein guter Start, denke ich.

Onpu Segawa, eine Figur aus dem japanischen Animé Universum, so lässt sie auf Instagram wissen, sei ihre Lieblingsfigur. Onpu, so weiß eine Fanseite, kann gut auf Menschen zugehen, ist beliebt, zielstrebig und sehr direkt, wenn es um Themen geht, die ihr wichtig sind.

Instagram: Eine schöne Frau und Politik?

Auf Instagram hat Carolin Matthie über 30.000 Abonnenten, zum Vergleich Robert Habeck (Bundesvorsitzender der Grünen) 25.000. Ihr Profil zeigt eine junge, sehr attraktive Frau, die sich dessen bewusst ist, die mit ihrer Weiblichkeit in all ihren Facetten zu spielen vermag und es augenscheinlich genießt. Und die gleichzeitig ernste Themen angeht und diese auf Youtube vertieft. Klug argumentierend, nachdenklich, nicht verbissen ihre Meinung findend und vertretend.

Wie nennt man diese Kombination? Postfeministisch? Eine Generation von Frauen, die ihre Freiheit nicht mehr hinterfragt, sondern selbstverständlich selbstbewusst sind und dies in einer authentischen Symbiose mit ihrer natürlichen Weiblichkeit zu verbinden wissen? Ein Gegenentwurf zu so manchen verbiesterten grünen Parteifrauen? Hat ihr schon jemand politisierenden Sexismus vorgeworfen? „Ihr Auftreten, Ihre Bilder auf Instagram,“ kommentiere ich im Gespräch, „sind politisch höchst unkorrekt.“ – „Ja“, sagt sie schmunzelnd.

„Köln“ als prägender Auslöser politischer Aktion

Wer das Eingangs erwähnte, animétypische Bild von ihr sieht, kann sich zunächst gar nicht vorstellen, dass eines ihrer Themen der freiere legale Zugang zu Waffen ist. „Postergirl der deutschen Waffenlobby“ und „Feuer frei“ titelt der Spiegel im Januar 2018. Liest man ihren Artikel im Deutschland Kurier Wie sich Frauen vor Migranten-Gewalt schützen können dann ändert sich, auch für Kritiker dieser Forderung, zu denen ich mich zähle, das Bild. Sie beschreibt, wie sich speziell nach Köln, das Sicherheitsgefühl der Menschen geändert hat, berichtet vom Anstieg der Sexualstraftaten in der Polizeilichen Kriminalstatistik. Die Polizei, so Matthie, sei in einer akuten Gefährdungssituation einfach zu spät vor Ort.

Sie wägt ab und findet Kampfsport für viele Menschen ungeeignet. Es dauert Jahre und gleicht körperliche Unterlegenheit der meisten Frauen nicht aus. Kurz Gedanken, die sich sehr viele Frauen genauso machen. Ihre Lösung: Bewaffnung. Und sie setzt das um. Sie erwirbt den „Kleinen Waffenschein“, kauft sich eine sog. „Schreckschusswaffe“ und führt sie mit, vor allem wenn sie abends alleine unterwegs ist. Nun ist es eine Sache Waffengebrauch theoretisch zu denken, eine ganz Andere in der realen Welt, vielleicht sogar mit einer scharfen Waffe.

„Wie weit,“ so frage ich sie, „würden Sie denn beim Schusswaffengebrauch gehen?“ – „So weit wie ich muss“ lautet die konsequente Antwort. „Selbstverständlich,“ ergänzt sie, „als allerletzte Möglichkeit in einer Bedrohungssituation, in der es heißt er oder ich.“ Meinen Einwand, dass Konservative in Deutschland dem privaten Waffenbesitz eher zurückhaltend gegenüber stehen würden, quittiert sie mit einem Schmunzeln.

Carolin Matthie und die AfD

Sie ist aber tatsächlich Mitglied der konservativ-liberalen AfD, Mitglied in einem Bezirksvorstand in Berlin. Wie bei so vielen AfD Mitgliedern, war sie zunächst in der Jungen Union. Die Politik der CDU trieb sie dann dort weg. Die FDP als einzige überlegenswerte weitere Alternative schloss sie dann aus. Sie war ihr zu wechselhaft, heute so, morgen so, zu sehr getrieben vom Willen zum Machterhalt.

Sie selbst begreift sich eher als libertär, denn als konservativ und beschreibt ihr Credo mit dem Satz „tu was Du möchtest, aber schade niemandem“. Und dann zur AfD?, frage ich. Ja, so Matthie, dort sind die Strukturen noch längst nicht so verkrustet, wie in anderen Parteien, dort ist mehr Diskussion möglich. Auch, ergänzt sie, ist es leichter abweichende Meinungen zu vertreten. Niemand ist ihr dort deswegen bisher deswegen böse gewesen. Und Mitglieder, die völlig absurde Dinge verträten, so frage ich nach.

„Mut zur Idiotie“, meint sie, „die Meisten, welche in diese Kategorie fallen sind völlig bedeutungslos und völlig einflusslos. Man sollte damit keine Zeit verschwenden.“ Und schmunzelt.

Die junge Generation zwischen Protest und Karriere

Den Kontakt mit den Gegnern scheut sie nicht. Nach einem Besuch einer Antifa Veranstaltung spricht sie sehr differenziert darüber, raisonniert darüber dass auch dort die Mobilisierung schwierig sei und überlegt, ob man vom Gegner lernen könne. „Ihre Generation macht auf die Älteren häufig den Eindruck einer Generation von angepassten Duckmäusern,“ werfe ich ein. „Für uns,“ so erzähle ich, „wäre es undenkbar gewesen so kritiklos der Regierungspolitik zu huldigen.

Selbst wenn wir grundsätzlich damit übereingestimmt hätten, hätten wir kritische Distanz statt Beifall klatschendes Mitläufertum vorgezogen.“ Sie widerspricht nicht direkt, statt dessen erzählt sie. Vom „zielgerichtetem Engagement“ in der CDU Jugend, bei der es „sich nicht gut macht kritisch zu sein“. Von einer medialen Berichterstattung, die ein Klima der Angst vor Äußerung politisch unkorrekter Meinungen erzeugen würde. „Viele Jugendliche sind nicht gefestigt. sie fürchten sich gerade in den sozialen Medien vor Mobbing, vor Shitstorms und vermeiden deswegen ein Abweichen von dem was als erlaubt angesehen wird.“

Auch der Druck in den Schulen habe sich verändert. Konnte sie mit ihren Lehrern noch ohne Konsequenzen diskutieren, so habe sie bei ihren jüngeren Geschwistern den Eindruck, dass dies heute nicht mehr so sei. „Ja,“ führe ich den Gedanken weiter, „und die Generation heute reagiert auf Einschränkung der Demokratie nicht mit Protest, sondern mit Anpassung.“ Ihre Antwort?

„Die wissen alle, dass wenn man unbequem ist, dann kommt man nicht weit.“

Und sie schmunzelt nicht.

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