(David Berger) Der Publizist Horst G. Herrmann war am Dienstag im Rahmen der Sendung „Tag für Tag“ zu Gast im Deutschlandfunk. Auch weil das Hörfunk-Interview mit Frau Florin am Schluss ins offen Inquisitorische umschlug und zum Exorzismus werden sollte, habe ich bei Herrn Herrmann nochmal nachgefragt.

Herr Herrmann, Ihr Buch Im Moralapostolat geht seit dem Lob von Benedikt XVI. (Siehe Leseempfehlung am Ende des Beitrags) bei Amazon durch die Decke. Am Dienstag waren Sie nun zu Gast im DLF bei Christiane Florin, die Ihrem Vorwurf, wir befänden uns in einem »zivilreligiösen Setting« nicht viel abgewinnen konnte.

Vielleicht ist Frau Florin ja einfach nur »zivilreligiös unmusikalisch«, wie so viele, die sich als kritische Christinnen und Christen begreifen. Dass Frau Florin an die Denkfigur der Zivilreligion nicht richtig ran will, hat mich aber schon ein bisschen erstaunt, denn sie ist ja auch Politikwissenschaftlerin.

Und ich bin ja beileibe nicht der Einzige, der warnt, dass unsere sogenannte Zivilgesellschaft polarisiert abdriftet und zunehmend die Züge einer ungnädigen Zivilreligion trägt.

»Alternativlosigkeit« begründet nun mal keine politische Agenda sondern eliminiert politisches Denken, das sich auf Alternativen beziehen muss. Wenn der Begriff »Alternativlosigkeit« oder die unsägliche Wendung »es kann nicht sein, dass« zu Gehör gebracht werden, dann müssten eigentlich alle diskursiven Alarmglocken angehen – auch und gerade im Deutschlandfunk.

War es vielleicht die Befürchtung, dass Sie im DLF politisch nicht erwünschte Positionen vertreten könnten, der dazu führte, dass man nicht genauer nachgefragt hat?

Da ich selbst mit rechts und links absolut nichts am Hut habe, ist das für mich ja vielleicht augenscheinlicher als für die Gläubigen auf beiden Seiten: Alle Akteure, rechte wie linke, finden Gefallen daran, sich mittels Verdammungen und Verwerfungen zu exkommunizieren.

Wer z.B. der »Abschottung« huldigt, der sei ausgeschlossen, er wird »anathematisiert«. Gleichzeitig werden allerheiligste Begriffe wie »Europa«, »Schutzsuchende«, »Erinnerungskultur« aber auch »Obergrenze« und »Masterplan« wie eine Monstranz vor sich hergetragen.

Dass Fronleichnam, wo man mit dem Allerheiligsten auf die Straße geht, ein rein katholisches Fest ist, kann keiner mehr behaupten. Jeder Tag ist nun Fronleichnam und die Hostie trägt nun viele Namen.

Ihr Buch liefert neben einer Unmenge an witzigen, oft ironischen Wortspielen auch eine gehörige Portion Theologie. Zu meinem persönlichen großen Vergnügen, wie ich zugebe. Aber hätte man mit weniger Theologie nicht noch größere Leserkreise erreichen können?

Vielleicht wollte ich mit meinem Buch ja das Genre der Pop-Theologie begründen. Aber ernsthaft: Gerade weil wir es bei der Zivilreligion mit einer abgesunkenen Form von Religion zu tun haben, müssen wir wieder mehr Theologie wagen. Als ein Akt der Aufklärung.

Gerade Agnostiker und Atheisten, die ja – oft mit guten Gründen – nix mehr glauben wollen, sollten wissen, wie viel verkappte – zumeist reformatorische Theologien – nun als Glaubenswahrheiten im öffentlichen Raum kursieren.

Meine Vermutung oder Befürchtung: Entweder wir treten die Flucht nach vorne an und lassen das moralapostolische Setting möglichst schnell hinter uns – oder uns drohen neue, eventuell blutige Konfessionskriege, jenseits der alten Konfessionsschranken.

Ganz am Schluss des DLF-Interviews müssen Sie sich geradezu rechtfertigen, dass Ellen Kositza in der Zeitschrift Sezession Ihr Buch gelobt hat.

Der Philosoph Hans Blumenberg hat mal von der »Übertribunalisierung der menschlichen Wirklichkeit« gesprochen. Sie haben nicht unrecht: Ich befand mich in einem prototypischen protestantischen »Rechtfertigungsgeschehen« – zwar ohne Gott aber mit Frau Florin. Und ich hätte aus der Nummer als simul iustus et peccator, als »gerecht und Sünder zugleich« rauskommen können, wenn ich nur glaube und bekenne, dass gewisse Passagen meines Buches über die Willkommens- oder Erinnerungskultur die Neue Rechte munitionieren.

»Widersagt Du dem Satan?« Darauf lief die letzte Frage Frau Florins tatsächlich heraus.

Sie wollte mir damit eine Brücke zum Guten bauen; die ich aber nicht so gerne betreten wollte, weil mir ein wunderbarer Satz von Helmut Dubiel viel mehr einleuchtet: »Vielleicht lässt sich erst heute der Gedanke denken und aushalten, dass der Faschismus so falsch war, dass nicht einmal sein Gegenteil richtig ist.«

Dieser Satz, der in meinem Buch steht und den ich in dem DLF-Interview Frau Florin gegenüber zitiert habe, ist leider der nach-bearbeitenden Schnittschere zum Opfer gefallen, for whatever reason.

Ihr Buch Im Moralapostolat hat ja nicht nur das Lob von Ellen Kositza sondern auch das Lob von Benedikt XVI. bekommen. Der emeritierte Papst nennt es »ein mutiges Buch«.

Im Deutschlandfunk das Kositza-Lob mit dem Benedikt-Lob zu kontern – dafür war ich mir dann doch zu schade. Wie gesagt: Ich freue mich über jedes Lob. Übrigens Herr Berger: das von Ihnen steht noch aus.

***

Lesen Sie auch:

Benedikt XVI. lobt deutsche Neuerscheinung: „Ein mutiges Buch“

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Jupp
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Jupp

Ich hatte keine Angst vor einem Faschismus, der als Faschismus daherkommt. Ich habe Angst vor einem Faschismus, der als Demokratie daherkommt.

Sirene
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Weil Papst Benedikt das Buch gelobt hat,hab ich s bestellt und freu mich drauf.

Sirene
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Sirene

Ich bin so dankbar ,dass Benedikt dieses Buch gelobt hat.Ich hab’s bestellt und werd es lesen!

Dorothea
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Dorothea

Längst überfälliges Buch. Hätte der amtierende Pontifex nicht dem Klerus mit seinem als christlichen Humanismus getarnten New Age Kasperkram (Kommunismus in einem anderen Kleidchen)den Verstand ausgeblasen und damit den Untergang unseres geistig-spirituellen Fundaments befeuert, hätte er uns Europäern, mehr zugehört und weniger belehrt, wäre es kaum entstanden.

Karin Adler
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Karin Adler

Kritik im öffentlichem Rahmen, eigenes Denken ist nicht erwünscht. Die Medien sind meist gleichgeschaltet, sodaß nur eine bestimmte Denk-lenkrichtung genehmigt ist.Alles andere wird pseudo vorgestellt und dann zur Drohung zerrissen,damit gleich klar ist,was mit denen passiert die dieser Meinung sind. Besonders wenn dieses Denken die Wahrheit berührt.

LISA
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LISA

Meine Gedanken dazu waren, dass die neue Menschenchartaideologie die neue Religion ist. Da Religion wohl sowieso nur Mittel zur Lenkung einfacherer Leute herhalten soll, muss nachdem die Kirche dazu nicht mehr anbot eine neue Ideologie her und die „humanistische“ Variante ist da gut, denn da muss man nicht an die ökonomischen Seite ran, sondern kann wieder das allzu Persönliche ansprechen.

Bernhard Heinrich Freienstein
Gast
Bernhard Heinrich Freienstein

Solche Leute wie Horst G. Herrmann sind total abzulehnen. Im obigen Beitrag gibt es ein Zitat von ihm, das folgendermaßen beginnt: „Gerade Agnostiker und Atheisten, die ja – oft mit guten Gründen – nix mehr glauben wollen“. Es gibt keine guten Gründe für den Agnostizismus und Atheismus. Beide Ideologien müssen vielmehr als schwer verbrecherisch und unendlich böse bezeichnet werden. Gott ist gut.

maru
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maru

Moralisieren kommt aus dem religiösen Kontext, ist aber später zur MACHTSTRATEGIE weiterentwickelt worden.

Laut Freud ist Moralisieren eine indirekte Form der AGGRESSION, die sich als Belehrung tarnt und sich damit Legitimität verschaffen will.

In Dtschld. kann man das täglich erleben, nicht nur bei den Asyl-Buntblödeln, sondern überall im Alltag. Woanders habe ich das nie erlebt.

maru
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maru

„Vielleicht lässt sich erst heute der Gedanke denken und aushalten, dass der Faschismus so falsch war, dass nicht einmal sein Gegenteil richtig ist“.

Habe ich gleich in meine Aphorismen-Sammlung aufgenommen. Schade, daß der Satz im Buch gestrichen wurde.

Norbert Reuther
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Norbert Reuther

Der Podcast mit Frau Florin war ein Lehrstück in ideologischer Besessenheit. Florin, Reschke, Will oder Miosga, da es gibt nicht mal einen Unterschied in der Wortwahl, wenn diese „Journalisten“ ihre „Gegner“ diskreditieren.
Da reden gar keine Individuen mehr, da redet die Ideologie, die die Hirne dieser Leute gefressen hat. Und das in allen Mainstream-Medien. Irgendwie dämonisch, oder?

K. M. Vent
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Ich zolle dem Autor an dieser Stelle das ersehnte Lob – nicht nur für sein Buch, sondern auch für seine ruhige, unaufgeregte Art des Antwortens…

K. M. Vent
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Gut, dass das vorliegende Interview nachgeschoben wurde; dasjenige im DLF erinnerte mich nämlich stellenweise schon an die spanische Inquisition bzw. hochnotpeinliche Befragungen, vielleicht sogar mediale Hinrichtungen von Politikern, die aus der Reihe zu tanzen scheinen:
Lindner durch Slomka, Seehofer durch Maischberger.

Beate Führer
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Beate Führer
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Buch klingt spannend – gerade im Bezug auf Glaubenswahrheiten!

„Denkräume o. Denk-Boxen machen eines immer – sie nehmen Gedanken gefangen,
die sich nur in diesen Gedanken-Gefängnissen bewegen dürfen – ein Denk-Fehler!
Es ist übrigens nicht nur ein Fehler, es ist eine Folge von Denk-Fehlern,
denn der eine ist vom anderen abhängig – existenziell u. subtil der Irrtum.“
bf2018

Beate Führer
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Beate Führer
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Ja, er erleuchtet:
„… Gedanke denken & aushalten, dass der Faschismus so falsch war,
dass nicht einmal sein Gegenteil richtig ist.“

Meine eigenen Gedanken: „Teufelskreise“:
1.
„In einer Welt der Täter,
erschaffen sie ihren eigenen Opfer-Nachschub (Nachwuchs).“

2.
„Obwohl es keinerlei Mangel gibt,
wurde dieses System allein dazu geschaffen künstlich Mangel zu erzeugen!“

Peter Schwarz
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Peter Schwarz

Berechtigte Kritik am Islam, sollte nicht dazu dienen andere Religionen reinzuwaschen. Religion ist und bleibt irrationale Indoktrination.Forschung und Wissenschaft ist der einzig mögliche Weg zur Erkenntnis.
Es bedarf wirklich nur wenig Intelligenz um zu erkennen, das in keinem religiösen Buch dieser Welt eine Göttliche Wahrheit steht.Im Gegenteil, sie strotzen vor Menschlicher Abgründe.

Gerd Peter
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Gerd Peter
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Bücher hin – Bücher her: solange die katholische Kirche nichts gegen weltweite Christenmorde unternimmt und schweigt, kann sie abgeschafft werden, Filz, Intrigen und Geldmacht dominieren die zölibaten Bessermenschen, pfui!

LISA
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LISA

Habe das Interview gehört und war entsetzt, was in den ÖR inzwischen möglich ist und zum Standard zu werden, droht. Es war unerträglich, wie der Gesprächspartner von Frau Florin angegangen und in die Enge getrieben wurde, unwürdig und mit den Ansprüchen einer wahren Demokratie nicht vereinbar aus meiner Sicht. Die Leute in den Medien und Politikzentralen sind zwischen so verhetzt, dass sie eigene

Donatien
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Donatien
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Sehr guter Beitrag wieder einmal und ja , unsere Welt driftet immer mehr in Richtung Satan ab ……
Gott haben viele aus sich heraus verbannt