(David Berger) Wenn es einen bekannten Dramatiker Deutschlands gibt, der auch philosophisch als Schwergewicht zu gelten hat, so ist die Botho Strauß. Sein im Spiegel vor 25 Jahren erschienener Essay „Anschwellender Bocksgesang“, der damals einen Epochenwechsel ankündigte, ist heute aktueller als zu seiner Entstehungszeit, griff damals Fragen auf, die heute immer mehr in breiteren Bevölkerungsschichten diskutiert werden (müssten).

So etwa in dem bekannten Passus:

„Wir warnen etwas zu selbstgefällig vor den nationalistischen Strömungen in den osteuropäischen und mittelasiatischen Neu-Staaten. Daß jemand in Tadschikistan es als politischen Auftrag begreift, seine Sprache zu erhalten, wie wir unsere Gewässer, das verstehen wir nicht mehr.

Daß ein Volk sein Sittengesetz gegen andere behaupten will und dafür bereit ist, Blutopfer zu bringen, das verstehen wir nicht mehr und halten es in unserer liberal-libertären Selbstbezogenheit für falsch und verwerflich.“

In diesem Zusammenhang prophezeite er Konflikte, „die sich nicht mehr ökonomisch befrieden lassen.“ Was dann eine Rolle spielen wird, sagte er schon damals ungeschönt:

„Die Hypokrisie der öffentlichen Moral, die jederzeit tolerierte (wo nicht betrieb): die Verhöhnung des Eros, die Verhöhnung des Soldaten, die Verhöhnung von Kirche, Tradition und Autorität, sie darf sich nicht wundern, wenn ihre Worte in der Not kein Gewicht mehr haben.“

Andreas Lombard David BergerAus Anlass dieses Jubiläums hat das das neue CATO-Heft, das von Andreas Lombard (Foto l.) als Chefredakteur betreut wird, 29 bekannte Autoren um Stellungnahmen aus heutiger Sicht gebeten, darunter Persönlichkeiten, die bereits zum Sammelband Die selbstbewußte Nation (1994) beitrugen.

Beachtenswert ist in dem aktuellen Heft ebenfalls das Interview mit dem Künstler Ivan Steiger, der die Coverzeichnung zur Verfügung gestellt und in 45 Jahren über 9.000 Zeichnungen allein in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht hat.

Der bekannte Architekt und Stadtplaner Léon Krier schreibt und zeichnet zum Thema „Handwerk im Industriezeitalter“. Thilo Sarrazin rezensiert das Buch von Ryszard Legutko (Krakau): Der Dämon der Demokratie. Totalitäre Strömungen in liberalen  Gesellschaften. Sebastian Hennig porträtiert die türkische Pianistin İdil Biret. Außerdem würdigen wir, daß Torsten Kulke von der „Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden“ mit dem „Henry Hope Reed Award“ geehrt wird.

Neu ist die Astrologie-Kolumne von Horst G. Herrmann „Der Himmel über Berlin“. Hinzu kommen die Rubriken: „Was ist deutsch?“, „Kaleidoskop“, „Gefährdete Gesten“ und der Comic von Patrice Reytier, diesmal zu Botho Strauß.

CATO ist das erfolgreiche neue meinungsbildende Magazin, das für den vergessenen Wert des Bewahrens eintritt. Die dritte Ausgabe, Heft 2/2018 (Februar/März 2018) ist soeben erschienen.

Das Heft kann hier bestellt, das Magazin abonniert werden: CATO

cato hefte