Gastbeitrag von Udo Hildenbrand

In den (europäischen) Großstädten sind bezeichnender Weise die Einwanderer der zweiten und dritten Generation am anfälligsten für islamisch geprägte demokratiefeindliche Ideologien. Dazu kommt der Machtwahn nicht weniger Muslime. Sie wollen ihre religiös-gesellschaftlichen, moralischen Vorstellungen auch der nicht-muslimischen Mehrheitsbevölkerung aufzwingen.

Deren Ziel ist es nicht, den Islam in den demokratischen Gesellschaften demokratiekompatibel zu machen, sondern umgekehrt: diese schrittweise

zunächst islamkompatibel zu gestalten,

sie dann islamkonform umzugestalten,

ihnen schließend die Scharia aufzuzwingen,

sie schlussendlich islamisch zu beherrschen.

Diese Vorgehensweisen werden auf eigene Weise durch die fast unübersehbare Anzahl von Veröffentlichungen mit problembeladenen Informationen, Erfahrungsberichten und Fragestellungen zum Thema Islam dokumentiert. Seit Jahren vergeht kaum ein Tag, an dem nicht bestimmte, mit dem Islam mehr oder minder eng zusammenhängende Konfliktfelder in den Medien berichtet, kolportiert, diskutiert und kommentiert werden. Gelegentlich scheint durch die entsprechende Nachrichtenschwemme sogar die Gefahr der „medialen Überfütterung“ zu bestehen.

So sind etwa folgende Töne zu hören:

Täglich werde ich mit dem Islam konfrontiert und bombardiert.

Man hört fast nichts anderes mehr. Islam, Islam, Muslime, Terroristen:

‚Hat alles nichts mit dem Islam zu tun‘. Islam ist das beherrschende Thema in allen Varianten. Ich kann es einfach nicht mehr hören – will es nicht mehr hören.“

Manchen Beobachtern dieser verschiedenartigen Vorgänge stellt sich die Frage, ob z. B. der Historiker H.-U. Wehler mit seiner These recht hat, dass die „muslimische Diaspora … im Prinzip nicht integrierbar“ ist, oder auch, ob die viel zitierte These von S. P. Huntington vom „Kampf der Kulturen“ lediglich „ein pessimistisches und verantwortungsloses Geschwätz“ ist oder eher doch eine nüchtern-realistische Analyse.

Wenn übrigens der Westen unter keinen Umständen einen „Kampf der Kulturen“ will bzw. in den derzeitigen Vorgängen im Zusammenhang mit dem Islam keinen „Kampf der Kulturen“ erkennen kann, dann ist damit keineswegs gesagt, dass dies die islamische Welt ebenso sieht. Der Islam ist ja von seiner Natur aus angelegt auf den Kampf der Kulturen, nämlich der muslimischen gegen die nichtmuslimischen. Er will die Welt beherrschen, Nichtmuslime ggf. auch mit Gewalt zu Muslime, zumindest aber zu Dhimmis machen, zu Unterworfenen, zu Menschen minderen Rechts. Wer sich ihm in den Weg stellt, der wird vernichtet.

Die erheblichen Probleme anderer Länder mit dem Islam könnten auch hierzulande noch intensiver drohen, wenn wir nicht umfassende Vorsorge treffen. Leider drängt sich jedoch allzu oft der Eindruck auf, bestimmte Problemthemen und –situationen

würden auch in unserer Medienlandschaft „um des lieben Friedens willen“ bzw. aus einem falsch verstandenen Liberalitäts- und Toleranzverständnis schöngeredet, gerechtfertigt, bagatellisiert, „wegbeschwichtigt“, bewusst übersehen, ausgeklammert bzw. einfach „unter den Tisch gekehrt“ − gelegentlich wohl auch wider besseres Wissen.

In Richtung der oben angezeigten Verhaltensweisen geht auch folgende Beobachtung, die auf einseitig islambegünstigende Wertungen bestimmter Vorgänge durch die hiesigen Medien hinweist:

Hier bei uns wird die katholische Kirche wegen ihrer ‚Unbarmherzigkeit ‚in den Talkshows in die Mangel genommen, die worin besteht? Dass sie Homosexuellen nicht das Sakrament der Ehe spenden will. Soll das ein Witz sein? Dort unten werden Schwule an Kranen gehenkt, und keiner rührt sich.“ (Matthias Matussek)

Bereits vor drei Jahren schrieb Michael Klonovsky unter der Überschrift „ Ein Glaube zum Fürchten“ offen und gegen den Medien-Mainstream:

Deutsche ziehen in den Dschihad, Muslime liefern sich bei uns Straßenschlachten, ein Kabarettist soll den Mund halten: Der Islamismus ist ein deutsches Problem geworden. Doch vieles, worauf sich die Extremisten berufen, ist im Islam angelegt … Ausläufer des Kriegs in Nahost haben uns längst erreicht. Antiisraelische muslimische Demonstrationen zogen mit ‚Juden ins Gas‘-Rufen durch deutsche Innenstädte. Im Hamburger ‚Moscheeviertel‘ Sankt Georg fielen Hunderte Kurden und Salafisten mit Messern und Knuppeln übereinander her. In Celle machten Tschetschenen Jagd auf Jesiden. Bis zu tausend junge Männer aus Deutschland kämpfen und töten inzwischen als Dschihadisten im Irak und in Syrien.“

Viele wohlmeinende, aber die Probleme ignorierende Zeitgenossen sehen in der Fülle sowohl der publizierten Meinungsbeitrage als auch der Gesprächs- und Diskussionsforen den Islam offensichtlich so, wie sie ihn durch die Brille ihrer persönlichen säkularen Gesellschaftsvorstellungen sehen wollen, und nicht so, wie er sich selbst mit seinen eigenen Grundlagen und Zielsetzungen sieht. Unliebsame Wahrheiten werden einfach ignoriert. Der Islam hat so zu sein, wie man ihn sich erwünscht und vorstellt, und nicht, wie er sich selbst versteht und täglich erfahrbar ist. Er wird auf Biegen und Brechen passend gemacht. Und er lässt sich (bei uns) passend machen, wenn es ihm nur dient.

Was würde wohl Ferdinand Lassalle zu einem solchen Verhalten sagen?

Alle große politische Aktion besteht in dem Aussprechen dessen, was ist, und beginnt damit. Alle politische Kleingeisterei besteht im Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist“.

Auch im politischen Bereich ist exakt diese Verhaltensweise anzutreffen. Denn wenn es sein muss, „backt sich die Politik ihren Islam notfalls selbst.“ Vor den massiven (Integrations-) Problemen der wachsenden islamischen Gemeinschaften stecken sie mit den Medienvertretern und vielen anderen Verantwortungsträgern gleichsam den Kopf in den Sand, indem sie der autosuggestiven Redensart zu folgen scheinen: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“

Dazu die Feststellung des Katholischen Theologieprofessors Martin Rhonheimer:

Angesichts der bestehenden „Herausforderungen und der damit verbundenen Risiken ist es entscheidend, … jegliche Blauäugigkeit gegenüber den religiösen Vorstellungen des Islam zu vermeiden. Man muss ihn zunächst einmal so verstehen, wie er sich selber versteht, und nicht, wie wir oder ‚aufgeklärte‘ westlich orientierte säkulare Muslime oder im interreligiösen Dialog engagierte Christen ihn gern sehen mochten“.

Die türkischstämmige Sozialwissenschaftlerin und Publizistin Necla Kelec notiert im Blick auf eine bestimmte Politikerklasse:

An den Universitäten wie in der Politik ist inzwischen die Generation der 68er in ihrem Marsch durch die Institutionen ganz oben angekommen. Sie sind Minister, Staatssekretäre, Bundesbeauftragte, Gleichstellungsbeauftragte; sie haben Lehrstühle, hohe Posten in Verwaltung und Forschung und erwecken doch den Eindruck, als hätten sie auf dem Weg nach oben vergessen, wofür sie dereinst losmarschiert sind. Während viele von ihnen auf der einen Seite für die gleichgeschlechtliche Ehe eintreten, Diskriminierung von Frauen in Beruf, Gesellschaft und Familie aufs Schärfste geißeln, scheinen dieselben Leute gegenüber dem Islam mit Blindheit geschlagen zu sein. Da protestiert kaum einer, wenn Schwule im Islam gesteinigt werden; da wird Verständnis für kulturelle Eigenheiten aufgebracht, wenn Mädchen von Teilen des Schulunterrichts ferngehalten werden; da wird nicht eingegriffen, wenn Sechsjährige das Kopftuch tragen müssen oder Frauen wie Sklavinnen verschachert werden.“

Verharmlosen, Wegducken und Leisetreterei sowie illusorische, sozialromantische Schönfärberei sind allzu oft Verhaltensweisen, die bei problembeladenen Islamthemen beinahe an der Tagesordnung sind. Um kritische Punkte nicht anzusprechen, wird gelegentlich auch auf die hohe Anzahl der rund 4 Millionen muslimischen Gläubigen in Deutschland verwiesen, deren Religion Respekt entgegenzubringen sei. Doch die Anzahl von Menschen kann keinesfalls ein Kriterium sein für die Beurteilung einer Weltanschauung oder Religion.

Auch wird in den Medien und in der Politik, ebenso in den Kirchen bewusst teilweise übersehen und trotz eigenen Wissens verschwiegen, dass der Islam in der Mehrheitssituation immer den bevormundenden, totalitären Anspruch hat, dass jede Gesellschaft gleichsam von A-Z nach den Gesetzen des koranischen Allahs zu gestalten und alle Gesetze des Menschen aus Allahs Gesetzen abzuleiten sind.

Bei dieser Haltung der Realitätsverweigerung bzw. der Realitätsverleugnung werden die harten Konturen des Islam einfach weichgespült. Doch nach Kurt Schumacher (SPD) beginnt Politik und somit jedes verantwortungsbewusste Handeln mit dem Betrachten und Beachten der Wirklichkeit. Von Wladimir Iljitsch Lenin stammt der in diesem Falle zutreffende Aphorismus: Schlimmer als blind sein ist, nicht sehen wollen.Mit dieser Haltung des Nicht-Sehen-Wollens geht gelegentlich auch noch einher jene der „vorauseilenden kulturellen Selbstaufgabe“, bzw. der „vorauseilenden Entchristlichung“.

Der Islamwissenschaftler Tilman Nagel zeigt sich nach „langjähriger Erfahrung“ enttäuscht

über die mangelnde Bereitschaft vieler, wenn nicht der meisten Mitglieder unserer politisch-medialen Klasse zur nüchternen, wirklichkeitsnahen Wahrnehmung des Islams und derjenigen seiner Charakterzüge, die unserer Kultur zuwiderlaufen … Indem sich die Mehrheit unserer politisch-medialen Klasse auf die politische Korrektheit beruft, verbittet sie sich die kritische Auseinandersetzung mit dem Islam. Ein solcher Versuch der Einschränkung der Wissenschafts- und Meinungsfreiheit ist nur damit zu erklären, dass man sehr wohl weiß, dass die Kritiker einen wunden Punkt ansprechen.“

Wann endlich werden die Schönfärber, Ausblender und Sozialromantiker unter den Verantwortungs- und Entscheidungsträgern in der Politik und in den Medien, aber auch auf allen Ebenen unserer Gesellschaft zu einer nüchternen, wirklichkeitsnahen Analyse und Wertung der Islamproblematik kommen?

Wann endlich werden die genannten Zielgruppen sich wenigstens mit den gesellschaftsrelevanten Grundzügen der Theologie und Polit-Ideologie, auch mit der Gewaltgeschichte des Islam ernsthaft auseinandersetzen?

Wann endlich werden sie sich die Mühe machen, einen Koran nicht nur in die Hand zu nehmen, sondern ihn von der ersten bis zur letzten Seite auch zu lesen?

Wann endlich verzichten bestimmte Parteien auf ihre Politik der Schönfärberei und der Faktenverschleierung gegenüber dem Islam mit verstohlenem Blick auf die Rekrutierung (künftiger) muslimischer Wählerstimmen?

Wann endlich verzichtet die übergroße Anzahl der Medienvertreter auf eine ideologiegesteuerte und zugleich faktenferne Berichterstattung bei Islamthemen zulasten der Wahrheit?

Sollten in nicht allzu ferner Zukunft bestimmte Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Islam zulasten unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung z. B. aufgrund demografischer Veränderungen unumkehrbar sein, werden sich die heutigen Verantwortungs- und Entscheidungsträger auf allen gesellschaftlichen Ebenen nicht exkulpieren können mit dem fadenscheinigen Ausrede: „Hab´ ich alles nicht gewusst“.

Jene, die ihre Eltern- und Großelterngeneration gefragt haben: „Was habt ihr gemacht, um das Dritte Reich zu verhindern?“, werden dann vorwurfsvoll selbst befragt werden: „Was habt ihr gemacht, um uns vor dem Dhimmitum zu bewahren?“ Muss es wirklich soweit kommen?

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44589735zZum Autor: Udo Hildenbrand, Dr. theol., Spiritual. Zuvor langjähriger Gemeindepfarrer, Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Universität Freiburg im Breisgau, Referent für Priesterfortbildung, Diözesanpräses des Allgemeinen Cäcilienverbandes der Erzdiözese Freiburg, Generalpräses des deutschsprachigen Cäcilienverbandes. Dozent im Fach Liturgik an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg und an anderen Ausbildungsstätten. Herausgeber einiger Bücher und Zeitschriftenartikel mit Schwerpunkt Liturgie und Kirchenmusik.

Seit etwa 20 Jahren intensive Beschäftigung mit der Islam-Problematik, verbunden mit einer Reihe themenbezogener Vorträge. (Mit-)autor verschiedener Veröffentlichungen zum Islam u.a.: Freiheit und Islam. Fakten, Fragen, Forderungen, Bad Schussenried 2016.

Buch-Hinweis: Udo Hildenbrand, Friedrich Rau, Reinhard Wenner, Freiheit und Islam. Fakten, Fragen, Forderungen. – Bad Schussenried 2016.

Das Buch kann hier bestellt werden: BÜCHER.DE