Es ist kein Wunder, dass man eine Satire über die herrschenden Zustände nicht so leicht erkennt, weil die Realität für sich wie eine Satire wirkt, unglaublich und verrückt.
Eine Satire von der Satire nenne ich Sarkasmus, und das ist das letzte Mittel vor der Resignation.

(Aus einem Leserbrief zu dem folgenden Beitrag)

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(David Berger) Sie wollten auf die Leichtgläubigkeit der Nannymedien und ihrer Leser hinweisen: Jetzt packen Aktionskünstler rund um das Kollektiv Ping-Pong aus und sagen: Die E-Mail, die unter dem Namen der AfD-Politikerin Alice Weidel veröffentlicht wurde, war nur eine Attrappe, die ganze Aktion Satire.

Damit erlebt die Bundesrepublik nun innerhalb kürzester Zeit den zweiten Skandal, in dem ein gut gemeintes und politisch wertvolles Kunstwerk von der Öffentlichkeit nicht verstanden wurde. Vorausgegangen war der Kunstaktion „Rechtsradikale Mail“ des Ping-Pong-Kollektivs die Aktion „Votebuddy“ des „Peng Kollektivs.

Eine angebliche Mail Alice Weidels hatte in den letzten Tagen für Aufregung gesorgt. In der Mail wurden für Weidel eher ungewöhnliche, teilweise radikale Äußerungen getätigt, die die sich im Ausnahmezustand der Endphase des Wahlkampfs befindliche Politikerriege von den Linken bis zu der CSU in die übliche helle Aufregung versetzen. Genau damit hatte das Künstlerkollektiv offensichtlich gerechnet.

In linken Kreisen kochte die Empörung dann schnell hoch. Innerhalb kürzester Zeit sprangen linksradikale und linke Blogs und Nachrichtenseiten auf die Provokation an – ohne zu bemerken, dass es sich hier ganz offensichtlich um ein Kunstwerk handelt.

Besonders Politiker aus der links gerutschten Union und der die AfD als größten inhaltlichen Konkurrenten sehenden FDP sahen sich in ihrer Vermutung bestätigt, dass es sich bei Alice Weidel um eine schlau getarnte Rechtsextreme handeln müsse. Und hofften damit, der AfD besonders zu schaden und ihre Angst vor den Wiedereinzug einer echten Opposition in den zukünftigen Bundestag irgendwie zu besänftigen.

Die gefakte E-Mail verstößt zwar gegen deutsches Recht, weswegen auch die Anwälte rechtliche Schritte gegen das Künstlerkollektiv prüfen. Die Aktionskünstler können diese juristischen Schritte gar nicht verstehen und sagen, dass die Mail lediglich ein Fake sei, in Wahrheit sei sie ja nie abgeschickt worden.

Die jungen Berliner Künstler des Ping Pong Kollektivs berufen sich auf die Kunstfreiheit. Die ganze Aktion sei ein Kunstwerk, das darauf hinweisen wolle, wie leicht gerade die großen Medien und Politiker auf Fakes hereinfallen, wenn sie in ihr etwas durch die gemerkelte und gemaaste Gleichschaltung der Publikationslandschaft notgedrungen etwas eingeengtes Weltbild passen.

Eine von Kunstwissenschaftlern gestartete Petition möchte jetzt erreichen, dass die E-Mail ausgedruckt, gerahmt und in der Neuen Nationalgalerie in Berlin ausgestellt wird.