Ein Gastbeitrag von Collin McMahon (KEINE SATIRE!)

Wer ist Dagmar Rosenfeld-Lindner, die stellvertretende Chefredakteurin der Welt am Sonntag, die möglicherweise die Veröffentlichung der wahrscheinlich gefälschten “Weidel-Mail“ mit abgesegnet hat?

Christian Lindner und Dagmar Rosenfeld (geb. 1972 in Köln) haben 2011 geheiratet. Nun ist es nicht ungewöhnliches, dass Journalistinnen erfolgreiche Politiker kennenlernen und ehelichen, man denke nur an das Ex-Ehepaar Gerhard Schröder und Doris Köpf. Mit dem kleinen Unterschied, dass Doris Schröder-Köpf nach ihrer Heirat 1997 beim Focus kündigte und sich ihrer Position als Kanzlergattin widmete, vermutlich auch um den Anschein eines Interessenkonfliktes zu vermeiden.

Rosenfeld wies dagegen alle Vorwürfe, ihre Ehe mit dem FDP-Spitzenkandidaten könne ihre Objektivität trüben, 2016 in einem Essay für die Zeit entrüstet zurück. „Meine Beziehung hat selbstverständlich Einfluss auf meine journalistische Arbeit. Als ich 2009 bei der ZEIT anfing, zählte die FDP zu meinem Themenbereich. Das hat sich verändert, als Christian Lindner und ich ein Paar wurden, ich schreibe seitdem weder über die FDP noch über ihre Akteure. Wie alle Paare tauschen wir uns über unsere Arbeit aus, wodurch ich einen besonderen Einblick in die Partei bekomme. Das beeinflusst meine Ansichten über die FDP, nicht aber meine Überzeugungen. Und auch nicht mein journalistisches Handwerk.“

Sie wehrte sich dagegen, von der FAS oder Emma als „Ehefrau von FDP-Lindner“ identifiziert zu werden: „Soll dieser Zusatz einen aufklärenden Charakter haben? Und wenn ja, was genau soll er aufklären?“ Natürlich hat dieser Satz aufklärenden Charakter, Frau Rosenfeld. Sowas nennt man auf English „Full Disclosure“ („völlige Offenlegung“) und wird mittlerweile von jedem seriösen Nachrichtenmedium in USA praktiziert: Wenn die Möglichkeit eines Befangenheitsvorwurfs besteht, sollte man ihn vorher von selber offenbaren.

Rosenfeld protestierte gegen dieses „Outing“, argumentierte in der nächsten Zeile jedoch,

„Die Tatsache, dass ich mit Christian Lindner verheiratet bin, ist schließlich kein Geheimnis.“

Wo ist also das Problem? Statt Offenlegung schwang Rosenfeld lieber die Sexismuskeule, ausgerechnet gegen eine Frau: „’Bin ich Verschwörungstheoretikerin, wenn ich Befangenheit unterstelle?’, hat eine Leserin, die als Genderexpertin journalistisch tätig ist, anlässlich meines Textes zu Maas in einer Mail geschrieben. Vielleicht keine Verschwörungstheoretikerin, aber doch eine Sexistin, die mich auf das Ehefrauendasein reduziert.“

Die Behauptung Rosenfeld „schreibe seitdem weder über die FDP noch über ihre Akteure“ hat sich zumindest im Wahlkampf 2017 wieder relativiert:

Am 29.8. schrieb Dagmar Rosenfeld (ohne Nennung ihres Zweitnamens) in der „Welt“ zum höchst seriösen Wahlkampfthema „Meine Stylingtipps für Christian Lindner und Co.“ ohne ausdrückliche Kennzeichnung des Eheverhältnisses über ihren Mann:

„Der Spitzenkandidat der FDP mit Haut und Haaren für den Wiedereinzug in den Bundestag, dafür zeigt er sich in Wahlwerbespots schon mal im Unterhemd. Liberalismus ist für ihn auch eine Kopfsache: Um liberales Wachstum zu generieren, ließ er sich erst einmal Haare transplantieren. Stiltipp: Bei der Wahl der Oberbekleidung für Werbespots künftig vorher die Ehefrau fragen. Duft: Comme des Garçons, Amazingreen (riecht nach schwarz-gelb-grüner Regierung).“

Im Anschluss gab Frau Rosenfeld – die ja jeden Vorwurf der politische Befangenheit entrüstet zurückweist – ungebeten ihre süffisanten „Stiltipps“ für AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland ab: „Leider sind die Stiltipps vor Veröffentlichung entsorgt worden. Sorry.“ Warum sie es nötig hatte, derart überheblich über einen 76-jährigen Gentleman zu lästern, oder warum sie nicht viel eher Stiltipps für Alice Weidel abgab, sagte Frau Rosenfeld nicht. Vielleicht könnte die adrette Weidel je eher ihr und ihrem Unterhemd-tragenden Ehemann ein paar Stiltipps geben?

Wir werden vermutlich in den nächsten Tagen noch viel mehr über Frau Rosenfeld und die Befangenheitsdiskussion erfahren.

Vielleicht stößt es auch eine längst überfällige Diskussion über die Verwicklungen zwischen den Medien und der Politik an – ob es nun um Angela Merkels Freundinnen Liz Mohn und Friede Springer geht, um die Nähe der SPD zur WAZ-Gruppe und vielen weiteren Zeitungen, oder um die Parteibücher von eigentlich zur Staatsferne verpflicheten öffentlich-rechtlichen Sendern, Rundfunkräten und Intendanten wie Ulrich Wilhelm (BR/CSU).

Ein Leser schrieb als Kommentar auf JouWatch:

Weidel-Sieg auf ganzer Linie – man schaue auf die über tausend Kommentare, von denen nur eine Minderheit auf „Welt-Linie“ war, und man achte auch auf die Kommentarbewertungen der nichtschreibenden Leser. Das Ding ist denen dermaßen auf die Füße gefallen – es hat sogar Wähler anderer Parteien dazu gebracht, sich nun öffentlich für die AfD auszusprechen.“