Ein Gastbeitrag von Marcus Franz

Die Pille kam, der Patriarch ging. Die Krise des abendländischen Mannes wurde nicht mit dem Kampf um die Gleichberechtigung und dem Beginn des Feminismus in Form der Sufragetten-Bewegung zur Realität, sondern erst mit der Erfindung der oralen Kontrazeption, umgangssprachlich „Pille“ genannt.

Die Empfängnisverhütung änderte alles

Als die Frauen die Kontrolle über die Empfängnis erlangten, bedeutete dies den jederzeit möglichen Ausbruch aus ihrer biologischen Bestimmtheit, zumindest aber den Gewinn einer gewissen Macht über dieselbe. Das hat Folgen, die bis heute unvermindert nachhallen und die Gesellschaft prägen.

Die sexuelle Revolution und der Umbruch der Rollenbilder in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts konnte nur stattfinden, weil den Frauen dieses Instrument in die Hand gegeben wurde. Die großflächig eingesetzte „Empfängnisverhütung“ änderte alles.

Die Zerstörung der Familie

In Union mit dem nach der 68er Revolution tief in die Gesellschaft hinein getrieben kultursozialistischen Ziel der Gleichheit und durch die gewollte Erosion der familiären Strukturen geriet die über Jahrtausende unangetastete Position des Mannes als Ernährer, Beschützer und Erhalter der Familie und somit auch der Frau zunehmend unter Beschuss. Die sogenannten „männlichen Bastionen“ wurden samt und sonders gestürmt und gesetzliche Grundlagen wie der Gleichheitsgrundsatz und die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau schufen ein Fundament, auf dem sich die Frauen offenbar schneller ihr neues Selbstbild errichten als die Männer ihr traditionelles an dasselbe anpassen konnten.

Durch den Furor der Gleichstellung entstanden völlig neue Phänomene. Die noch nie dagewesene geänderte Identitätsfindung und -bildung der Frau setzte die Männer unter Druck.

Weil der starke Mann und der Patriarch  von den Feministinnen der frühen Jahre zunächst angefeindet und dann nur noch belächelt, ja lächerlich gemacht wurde und der nunmehr zum abfällig „Macho“ genannten Archetypus transformierte Mann lange eher für die Karikatur taugte denn als Rolle für den Alltag, mussten die männlichen Abendländer sich neu definieren.

Das neue Bild des Mannes

Die neue Selbstdefinition scheint aber noch immer nicht endgültig gelungen zu sein: Der 68er Hippie hat sich nicht sehr lange bewährt, seine Wiedergänger wirken heute nur mehr verstaubt und Mitleid erregend. Die Devise „Make Love not War“ hat zwar die Promiskuität beider Geschlechter legitimiert, aber auch einen weiteren Archetypus des Mannes, nämlich den „Krieger“ zum Auslaufmodell erklärt.

Weitere Definitionsversuche folgten: Der Yuppie und der Softie sind die zwar kurz modern gewesenen, aber längst nicht mehr entsprechenden Typen der 80er und 90er. Der Metrosexuelle war auch nur ein Strohfeuer und der Bobo und die sich mittlerweile in diverse Typologien aufspaltenden beliebigen Rollenbilder der Nuller und der 10er Jahre (vulgo die Millennials) erscheinen wie verzweifelte Versuche, im Rahmen der Gleichheit von Mann und Frau nur ja nicht zu stark als Mann aufzufallen.

Nur nicht zu sehr Mann sein

Es ging lange Zeit gar nicht gut, wenn man sein Dasein als XY-chromosomal typisierter Mensch zu sehr in den Vordergrund stellt, da war der Feminismus und die eigene Irritation zu hinderlich. Lieber wollten wir die Ganzkörper-Rasur und den Lidstrich auch für die Männer zum Standard machen als dass wir in irgend einer Weise zu stark an den traditionellen Mann von früher erinnern. Das war die Devise und ist sie noch immer. Eine Ausnahme stellt der Hipster-Bart dar. Der darf  sein, weil er ja ohnehin nur eine Paraphrase auf wildere Zeiten ist.

Kommt der Mann wieder?

Natürlich kann man den Bart auch als ein Revival alter Muster betrachten und als ein Desiderat, das durchaus auch von den Frauen gewünscht ist, weil ihnen die gar zu neutralen und glatten, immer femininer werdenden Männer schön langsam auf die Nerven gehen. Vielleicht ist der Hipster-Vollbart das erste Anzeichen dafür, dass der Feminismus seine Kinder frisst, wer weiß?

Das Hochfest der Homosexualität

Ein weiteres interessantes Kennzeichen der Männer-Krise ist die Homosexualität, die heutzutage förmlich gefeiert wird und durchwegs als trendy gilt. Wer heute als Mann nicht zumindest ein bisschen schwul ist oder laut ausgesprochene Sympathien dafür hat, der ist unmodern und irgendwie verdächtig. Natürlich kommt dieses neue Phänomen auch im Namen der Gleichheit daher und die Homosexuellen wollen die Gleichstellung in allen Lebensbereichen inklusive Kinderkriegen.

Diesen chronischen Hype um die männliche Homosexualität muss man aber näher beleuchten, weil da könnte auch etwas anderes dahinter stecken: Die Homosexualität von Männern stellt ja im Grunde die tiefste Misogynie dar, die man sich nur vorstellen kann. Welche größere Schmach kann eine Frau erfahren als sexuell von einem Mann überhaupt nicht als Frau begehrt zu werden, ja nicht einmal das leiseste Gefallen bei diesem Mann zu verursachen? Die provokante Frage lautet:

Ist das in den letzten Jahren aufgepoppte und andauernde Hochfest der Homosexualität also in Wirklichkeit die perfide Rache des Mannes an der Frau?

Darüber sollte man noch eingehend nachdenken. Vor allem die Frauen sollten dies tun – und irgendwie tun sie es offenbar bereits schon: Es ist auffällig, dass Frauen oft demonstrative Sympathien für Schwule zeigen und gerne Männer aus diesen Kreisen als „gute Freunde“ haben. Ob da nicht vielleicht die Neugier, warum ein Mann so gar nicht „anspringt“ und ein geheimer Wille zur Verführung dieses den weiblichen Reizen gegenüber Resistenten dahinterstecken?

Der Backlash kommt

Überhaupt mehren sich die Anzeichen, dass ein Backlash bevorsteht und die Frau nach den Jahrzehnten des Geschlechterkampfes wieder auf der Suche nach dem dominanten Mann ist. Als der Film „50 Shades of Grey“ alle Kassenrekorde sprengte, lag das vor allem daran, dass sowohl das nämliche Buch wie der nachfolgende Film fast nur von Frauen konsumiert wurde. Und das wiederum wurde dahingehend interpretiert, weil die männliche Hauptrolle so angelegt war, dass ein Mann in allen Lebenslagen eine Frau beherrschte und diese Frau das auch wollte. Nicht umsonst haben die mittlerweile etwas derangiert wirkenden Feministinnen vor lauter Empörung über den Film und seine Sujets keine valide Erklärung für dieses Phänomen zustande gebracht. Die Entrüstung war aber demaskierend: Vermutlich ist die Zeit des Feminismus vorbei – und seine ermüdeten Kämpferinnen spüren das.

Die Realität sieht anders aus

Auch wenn staatlich alimentierte Frauenrechtlerinnen in allen Parteien aus Gründen der eigenen Daseinsberechtigung immer noch Gender-Kämpfe führen und die Frauen im permanenten Nachteil sehen, ist die Realität ganz anders. Die Frau hat ihre neuen Positionen längst gefestigt und lässt deswegen wieder mehr weibliche Haltungen zu. Der Feminismus ist der Mehrheit der Frauen relativ egal, das kann man in praktisch allen Umfragen und soziologischen Studien nachlesen.

Diese aktuell zu beobachtenden neuen Haltungen der Frauen haben durchaus etwas mit althergebrachten Rollenbildern und neuem Selbstbewusstsein zu tun und das berührt immer auch eine zentrale  Frage der Frau: Nämlich die der Familie und des Nachwuchses. Man muss ja als Frau kein Heimchen am Herd sein, wenn man sich einen starken Mann wünscht, der potenziell auch für guten Nachwuchs sorgen und für diesen gut sorgen kann, ganz im Gegenteil. Und der abendländische Mann muss  sich nicht in die Rolle eines feminisierten und naiv dauerlächelnden Papas werfen, der am liebsten eine männliche Form der Mutter darstellt. Auch hier gilt das Gegenteil. Wer braucht Männer, die die besseren Mütter sein wollen?

Die Frau macht den Mann

Die Redefinition des abendländischen Mannes geschieht also in Wirklichkeit durch die Frau: Hat sie ihn noch vor einigen Jahrzehnten als Patriarchen und Macho bekämpft, so will sie jetzt die modernisierte und geläuterte Version davon wieder zurück.

Mit Softies, Metrosexuellen und anderen verzweifelten und fehlgeleiteten Exemplaren einer irritierten Männlichkeit ist kein Staat und keine Familie zu machen.