Ein Gastbeitrag von Ralf Höcker*

Ist Huntingtons Kampf der Kulturen da? Befinden wir uns in einem Religionskrieg mit dem Islam?

Nein, wir wissen noch nicht, wer den Anschlag in Schweden begangen hat. Nein, wir kennen auch die Motive noch nicht. Aber da ich ja kein Journalist bin, darf ich hier völlig frei herumspekulieren und tue das auch. Wem das nicht passt, der soll an dieser Stelle aufhören, weiter zu lesen.

Angenommen, nur mal angenommen, es sollte sich herausstellen, dass die Täter Islamisten sind, also Muslime, die ihren Glauben mit Gewalt verbreiten wollen – die Vermutung ist ja nicht vollkommen abwegig nach allem, was wir in den letzten Jahren erlebt haben. Dann hätten sie das Land angegriffen,

– das nicht in der NATO ist,
– dessen nahezu nicht mehr vorhandenes Militär sich weigert, Kampfeinsätze gegen den IS zu fliegen,
– das als erster westeuropäischer Staat den Palästinenserstaat anerkannt hat, was zu einem Abzug des israelischen Botschafters aus Stockholm geführt hat,
– das prozentual zur Bevölkerung mehr Flüchtlinge aufgenommen hat als jedes andere Land der Erde,
– in dessen Schulen der Unterricht mittlerweile in den Sprachen von Zuwanderern aus islamischen Ländern abgehalten wird (z.B. in Örebrö).

Wen oder was greifen die also an?

Die Antwort ist klar: Uns als „ungläubige Kuffar“. Und auch die Botschaft ist klar: Wir können uns verhalten, wie wir wollen. Solange wir nicht zum Islam übertreten, und zwar zu exakt dem ihrer Lesart, sind wir in den Augen dieser Typen legitime Opfer.

Und jetzt erzähle mir niemand, dass das alles doch nur Psychopathen seien und sie auch in islamischen Ländern Anschläge verüben. Für Verharmlosungen und Relativierungen ist die Situation zu ernst.

Die religiöse Motivation der Täter ist eindeutig, selbst wenn sie alle geisteskrank sein sollten, was ich bezweifle.

Die Terroristen morden mit dem Koran in der Hand. Dass sich ihr Hass und ihr Fanatismus auch gegen Glaubensbrüder wendet, macht es keinen Deut besser. Angesichts des enormen weltweiten Ausmaßes des Terrors, der Etablierung des islamischen Staates, der radikalen Islamisierung ehemals halbwegs zivilisierter islamischer Länder und ihrer sich verschärfenden anti-westlichen Rhetorik halte ich es inzwischen für angemessen, die Situation anders zu beschreiben, als die meisten Experten, Politiker und Medien es bislang tun: nämlich als Religionskrieg des Islams gegen den Westen.

Ja ja, ich weiß, DEN Islam gibt es nicht – das erzähle man mal den Opfern, die als letzte Worte vor ihrem Tod „Allahu Akbar“ hören mussten.

Samuel Huntingtons Kampf der Kulturen ist da. Wir befinden uns in einem Religionskrieg, der dem freien Westen, seiner Zivilisation, seiner Kultur und seiner religiösen Vielfalt von außen aufgezwungen wird und der weder durch irgendwelche militärischen Auslandseinsätze, noch durch Waffenlieferungen oder die Nahostpolitik von weiß der Himmel wem ausgelöst wurde.

Ich weiß, dass diese Analyse auf Widerspruch treffen wird. Denn viel schöner, als sich einzugestehen, dass man sich im Kriegszustand befindet, ist es, Augen, Mund und Ohren zuzuhalten und so zu tun, als seien die Realisten die Spinner.

Eine ähnliche Realitätsverweigerung gab es in den siebziger und achtziger Jahren, als gefordert wurde, den kalten Krieg einseitig einzustellen, als ob dies einseitig möglich sei. Es herrscht Krieg und wir müssen unser Denken ändern. Ich stelle das mal zur Diskussion.

***

  • höcker bild
  • Der Autor ist Professor für dt. und int. Marken- und Medienrecht bei CBS Cologne Business School.