Ein Gastbeitrag von Alexander Schramm

Belgien – mehrmals auf dramatische Weise; Frankreich – wiederholt und mit erschütterndem Ausgang; häufiger inzwischen auch – Deutschland. Das Herz Europas wurde in den letzten zwei Jahren vermehrt von islamistisch motivierten Terroranschlägen getroffen. Ob durch den sogenannten Islamischen Staat (IS), Al-Qaida (in Europa vor allem al-Qaida auf der arabischen Halbinsel, kurz AQAP) oder vermeintliche Einzeltäter, die sich aber vermehrt zum IS bekennen, eine erhöhte Frequenz ist nicht von der Hand zu weisen.

So ist es nicht erstaunlich, dass 76% der Deutschen im ARD-DeutschlandTrend August 2016 auf die Frage „Fürchten Sie, dass es in nächster Zeit in Deutschland terroristische Anschläge geben wird oder fürchten Sie dies nicht?“ mit „Ja, fürchte ich“ antworteten.

Diese Befürchtung kann einen lähmen, genauso kann sie einen zu Vorurteilen und Vorverurteilungen animieren. Eine kleine Hilfe im Umgang mit unserer Angst und der reellen Bedrohung durch den Terrorismus hat nun der Terrorismusexperte und studierte Islamwissenschaftler Florian Peil vorgelegt.

Mediale Präsenz wichtiger als Opferzahl

In der Absicht, dem Leser aufzuzeigen, wie jeder Einzelne sich wieder sicherer fühlen, aber auch durch erhöhte Aufmerksamkeit im besten Falle zur Vereitelung von weiteren Anschlägen beitragen kann, erläutert Florian Peil in den ersten zwei Kapiteln seinen Ratgebers „Terrorismus – Wie wir uns schützen können“, welches die Ziele der Terroristen sind und wie sie zur Erreichung dieser Ziele vorgehen.

So erwähnt Peil des Öfteren, dass eines der wesentlichen Ziele von Anschlägen in erster Linie nicht unbedingt eine hohe Zahl von Todesopfern ist, sondern ein großes, möglichst hysterisches Medienecho. Insbesondere Bilder bleiben in den Köpfen, dank der sozialen Medien kann hier die Hysterie auf eine ganz neue Ebene gebracht werden und ein weiteres Opfer kommt hinzu – unsere Psyche.

520 Gefährder in Deutschland

Es ist hilfreich, dass sich der Sicherheitsberater Peil, nicht nur auf einen ausgedehnten Erfahrungsschatz berufen kann, sondern diesen auch betont sachlich in Textform zu bringen vermag. Wenn er zum Beispiel vier verschiedene Arten von Terroranschlägen genauer beschreibt oder in einem späteren Kapitel erläutert, wie sich bei Terroranschlägen oder auch Entführungen am besten zu verhalten sei.

Auch wiederholt er immer wieder die Zielsetzung des IS, die „Auflösung der Grauzone“ – „den Krieg der Zivilisationen, den Bürgerkrieg in Europa“, erinnert den Leser daran, nicht durch Reaktionen aus Angst, eine Stimmung zu erhöhen, die diesem Ziel unterstützend sein könnte. Dennoch wird einem an der ein oder anderen Stelle ein wenig mulmig, beispielsweise wenn Peil erklärt, dass sich mit Stand September 2016 insgesamt 520 als besonders gefährlich eingestufte Personen in Deutschland aufhalten.

Aufmerksamkeit erhöhen und die Angst minimieren

Nicht nur Tipps zum Verhalten bei Terroranschlägen gibt der Autor, sondern auch zum Erkennen von Anzeichen anstehender Anschläge. Beginnend bei Anhaltspunkten von Ausspähungen, über Hinweise zum Bombenbau, bis zur mentalen Vorbereitung auf den Fall der Fälle. So schließt das fünfte Kapitel mit starkem Bezug zum zweiten Teil des Buches, in welchem er den „Prozess rund um den terroristischen Angriffszyklus“ erläutert.

Durch eine geschulte Wahrnehmung, einen Ablaufplan im Kopf und indem wir uns weniger stark den Bilderfluten der Medien aussetzen, sollen wir uns wieder bewusst werden, dass wir dem Terrorismus nicht hilflos ausgeliefert sind und unser Denken frei bleiben kann. Doch liegt hierin ein Problem.

Trotz des sachlichen Tons und der nicht dramatisierten Schreibweise, prasseln in sehr kompakter Form unzählige unschöne Informationen auf den Leser ein. Sicherlich ist es genauso wenig einfach, auf vermeintliche Anzeichen zu achten, sich immer der Gefahr eines Anschlags bewusst zu sein, einen Reaktionsplan im Kopf zu haben, quasi immer wachsam zu sein und dennoch verhältnismäßig ruhig und gelassen durch den Tag zu gehen.

Dies mag für Menschen, die sich seit langer Zeit nicht nur mit dem Thema beschäftigen, sondern auch häufig in weit stärker vom Terrorismus geprägten Gebieten unterwegs sind vermutlich etwas leichter sein.

Dennoch ist das Buch ein guter Ratgeber, den man sich in Teilen immer mal wieder vornehmen kann, und so eine Routine entwickeln dürfte, durch die die Umsetzung der von Florian Peil gegebenen Ratschläge leichter fallen sollte.

Florian Peil: „Terrorismus – Wie wir uns schützen können“, Sachbuch, Murmann Publishers, Hamburg, Oktober 2016 ,Taschenbuch, 128 S., 12€; e-Book 8,99€

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Foto: Die sog. Nizza-Sperre © von Lupus in Saxonia (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons