Ein Gastbeitrag von Jürgen Fritz

A. Vorwort

Er war ein großer Gelehrter, Zivilisationskritiker und Regierungsberater. 1949 in Stuttgart geboren, lehrte er seit 2000 an der Universität St. Gallen Geschichte, lebte in Heidelberg, wo er sich am 17. September im Alter von 67 Jahren das Leben nahm. Im Winter 2015/16 erschien sein letzter Essay „Deutschland, Schlaraffenland – Auf dem Weg in die multitribale Gesellschaft“.

Ich selbst hatte in der Oberstufe Geschichte Leistungskurs, habe in Heidelberg Geschichte im Nebenfach studiert und dann später unterrichtet. Ich kann mich nicht erinnern, je einen besseren Text eines Historikers gelesen zu haben. Bereits nach den ersten Sätzen von Rolf Peter Sieferle spürt man regelrecht: Hier schreibt ein großer Geist. Ein großer Geist, dessen Bücher und Essays aber viel zu wenig gelesen werden. Daher will ich im Folgenden versuchen, seinen letzten veröffentlichten Essay einem größeren Leserkreis ein klein wenig näher zu bringen, a) weil dieser Mann das verdient hat und b) weil er uns so viel zu sagen hat, auch über seinen Tod hinaus.

B. Rolf Peter Sieferle: Deutschland, Schlaraffenland – Auf dem Weg in die multitribale Gesellschaft (Stammes-Gesellschaft)

Europa werde derzeit von einer Migrationswelle von präzedenzlosem Umfang überschwemmt, so Sieferle. Millionen machten sich auf, um in das gelobte Land zu gelangen. Die Bevölkerung Afrikas, aktuell über eine Milliarde, wachse jährlich um etwa 3 Prozent, also um 30 Millionen Menschen. Einige Millionen davon machten sich jährlich auf den Weg in ein erhofftes besseres Leben. Selbst wenn es nur 10 Prozent des Zuwachses seien (nicht einmal 0,3 Prozent der Bevölkerung), so wären dies 3 Millionen im Jahr.

In 30 Jahren circa 100 Millionen Immigranten nur aus Afrika!

Hinzu kämen Migrationen aus den Bürgerkriegsgebieten des Nahen Ostens. Allein in Libyen sollen etwa eine Million Migranten darauf warten, einen Platz in einem der Boote zu finden, die sie auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer bringen.

Europa befinde sich in dieser Hinsicht in einer besonderen Situation, was mit seiner geographischen Lage zu tun habe. In Europa sei es im Gegensatz zu den USA physisch praktisch unmöglich, die Außengrenzen abzuschirmen, weil diese viel größer seien als die relative kurze Grenze zwischen USA und Mexiko. (Persönliche Anmerkung: Dies sehe ich anders. Ich halte es für durchaus möglich, Europas Außengrenzen weitgehend zu sichern. Eventuell müssen auf lange Sicht die vielen kleinen griechischen Inseln aufgegeben werden. jf) Hinzu komme, dass sich gerade in den Grenzgebieten in Nordafrika und im Nahen Osten immer mehr unberechenbare Staaten fänden, auf deren Kooperation nicht gebaut werden könne.

Andere Industrieländer wie Japan, Südkorea, Australien, Neuseeland befänden sich so weit von möglichen Herkunftsorten entfernt, dass die Anreise von boat people sehr riskant und relativ leicht zu kontrollieren sei. Länder wie China oder Rußland seien schwer zu erreichen und bildeten (noch) keine attraktiven Ziele. Es bleibe also Europa als der Raum, in dem der stärkste Einwanderungsdruck zu erwarten sei. Die Europäer stünden daher vor einer Völkerwanderung vergleichbar der in der Spätantike. Weshalb aber wollen so viele Menschen in Länder wie Deutschland einwandern? Die Gründe dafür lägen auf der Hand:

In Deutschland herrschten 1. Wohlstand und 2. Sicherheit. Es gebe einen funktionierenden Rechtsstaat, es drohten keine Kriege oder Bürgerkriege, keine Seuchen, das Gesundheitssystem sei exzellent und gratis, die Arbeitslosigkeit gering, die sozialen Netze seien üppig ausgebaut. Im Grunde handele es sich um eine Art Schlaraffenland.

Weshalb seien die Verhältnisse in Deutschland aber so viel besser als etwa im Irak? Das sei schließlich nicht immer so gewesen. Noch vor tausend Jahren habe dies völlig anders ausgesehen. Und vor dreitausend Jahren wären Lebensstandard und zivilisatorisches Niveau in Europa zweifellos niedriger gewesen als in Mesopotamien. Hier habe sich also in den letzten Jahrtausenden etwas drastisch geändert und es stelle sich die Frage, was es war. Wie ist es Europa gelungen, aus den agrarischen Zivilisationen auszubrechen und einen neuen Typus von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hervorzubringen, der Wohlstand und Sicherheit für alle miteinander kombiniere?

Sieferle nennt drei Faktorenkomplexe, die den Weg Europas in die rechtsstaatlich konstituierte Industriegesellschaft, in »die Moderne« verursacht hätten: 1. technisch-industrielle, 2. kulturell-mentale und 3. politisch-institutionelle Ursachen.

Die Entwicklung zur Industriegesellschaft sei unstrittig von Europa ausgegangen, doch habe sie Nachahmer gefunden a) in den neo-europäischen Kolonien (USA, Kanada, Australien, Neuseeland), die das europäische Muster problemlos übernahmen, und b) in Asien: in Japan, Südkorea und Taiwan. Vermutlich würden früher oder später auch Festlandchina und Indien dazukommen. Diese Länder hätten keine autochthone Industrialisierung hervorgebracht, doch sei es ihnen in relativ kurzer Zeit gelungen, auf den Zug aufzuspringen.

Andere Länder wären weniger erfolgreich, obwohl sie den europäischen Sonderweg aus nächster Nähe beobachten konnten: vor allem Rußland, das seit dreihundert Jahren versuche, mit Europa Schritt zu halten, und das doch immer wieder in die alte Misere zurückfalle. Ähnlich verhalte es sich mit dem Osmanischen Reich, von dem nur eine einzige Provinz wirklich erfolgreich war, nämlich Palästina/Israel. Dies aber nur infolge der zionistischen Einwanderung aus Europa. (Hier haben wir bereits einen ersten Hinweis, dass es in erster Linie mit mentalen Gegebenheiten zu tun haben könnte. jf)

Eine erfolgreiche Industrialisierung beruhe also offenbar auf bestimmten historischen, vor allem kulturellen und institutionellen Voraussetzungen, die nicht leicht zu imitieren seien. Die Menschen lebten gerne im Schlaraffenland. Deshalb dränge es sie zur Migration in die Industrieländer, denn irgendetwas hindere sie daran, dieses Schlaraffenland bei sich zuhause zu errichten. Offenbar sei die Immigration in ein bereits existierendes Schlaraffenland leichter als der Aufbau eines solchen im eigenen Land.

Weshalb aber ist das so? Nach Sieferle war es sei ein hoch unwahrscheinlicher Prozess, der in den europäischen Ländern über Jahrhunderte hinweg Mentalitäten und Institutionen geschaffen hat, deren Ergebnisse wir heute vor uns haben. Dieses Erfolgsmuster könne nicht ohne weiteres kopiert werden.

Transfer von Technologie sei leicht, Transfer von Institutionen aber schwer. Transfer von kulturell-mentalen Mustern sei praktisch unmöglich.

(Persönliche Anmerkung: Weil die Seelen von Menschen und deren Formung sich nicht so einfach von heute auf morgen ändern lassen, was die entwicklungspyschologischen, erziehungswissenschaftlichen und anthropologischen Analphabeten in Berlin nicht begreifen. jf)

Die vielleicht wichtigste Voraussetzung der europäischen Entwicklung war die Zerschlagung von tribalen Strukturen durch die Staaten der frühen Neuzeit. Dies war eine elementare Vorbedingung des Nationalstaats, der zum institutionellen Zentrum der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde. Er zielte auf die Herstellung einer homogenen Einheit von Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsgewalt, die sich von anderen Einheiten (Staaten) unterscheidet und abgrenzt. Der Nationalstaat löste die Herrschaft der Stämme, Clans, Großfamilien, Personenverbände und Klientelsysteme aller Art auf.

Nationalstaat als Rechtsstaat bedeutete: gleiches Recht für alle innerhalb des Staatsgebietes. Und es bedeutete ein staatliches Gewaltmonopol mit Polizei und Armee.

Dieser Nationalstaat vereinheitlichte die Infrastruktur: Geld, Recht (Zivilprozeß statt Fehde), Sprache, Verwaltung, Verkehrswesen, Staatsangehörigkeit. Um diese Leistungen erbringen zu können, musste eine zentrale, von oben nach unten durchstrukturierte Verwaltung errichtet werden, die den Ansprüchen bürokratischer Rationalität genügte (gegen Korruption und Klientelwesen).

Der Nationalstaat definierte als Identitätseinheit des Staates das Staatsvolk. Im 18. Jahrhundert gab es zwar kaum ethnisch homogene »Nationen«. Dennoch gewann dieses Konzept eine erstaunliche Anziehungskraft. Diese Ideologie tendierte dazu, dem Nationalstaat quasitribale Züge zuzuschreiben. Der nationalistisch geprägte Nationalstaat verstand sich als Vertreter einer Abstammungseinheit, und er forderte von seinen Mitgliedern eine umfassende Loyalität, wie man sie sonst nur in Stammesgesellschaften kannte. Der Konflikt mit anderen Nationalstaaten nahm daher leicht totale Züge an. Die daraus resultierenden Exzesse fanden vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei aufgrund dieser Exzesse die Ideologie des Nationalismus unter den Eliten der fortgeschrittenen Länder anrüchig geworden. Hier habe daher eine ideologische Verschiebung vom völkischen zum demokratischen Akzent des Volkes stattgefunden. Damit aber sei der Volksbegriff zunehmend universalistisch begründet worden, obschon die Völker de facto nach wie vor innerhalb exklusiver (ausschließender), nichtuniversalistischer Nationalstaaten organisiert seien. Der Nationalstaat stehe daher heute vor dem Problem, dass seine primäre Legitimation, der Nationalismus, obsolet geworden sei, seine sekundäre Legitimation, der demokratische, humanitäre Universalismus, aber mit seiner exklusiven Organisationsform nicht kompatibel sei. Wenn Volk A, B und C alle gleich sein sollen, weshalb soll es dann noch Grenzen zwischen ihnen geben?

Besonders brisant werde diese Problematik, wenn es um den Sozialstaat gehe. In den europäischen Agrargesellschaften hatten die Gemeinden bestimmte Aufgaben der Daseinsvorsorge für ihre Mitglieder übernommen, die von den Familien nicht erbracht werden konnten, vor allem Armenpflege und Unterstützung in Notfällen. Mit der Industrialisierung sei die Mitgliedschaft in einer Gemeinde zum Mobilitätshindernis und damit obsolet geworden. Die Gemeindebürgerschaft sei so zur Staatsbürgerschaft ausgeweitet worden. Der Nationalstaat sei aber in größerem Maßstab ebenso exklusiv gewesen wie die Bürgergemeinde. Die Leistungen des Sozialstaates seien seit dem späten 19. Jahrhundert immer weiter ausgedehnt worden, kamen aber immer nur den eigenen Staatsbürgern zugute.

In diesem Sinne war der Sozialstaat immer exklusiv nach außen, aber inklusiv (alle einschließend) nach innen.

Eben diese Relation von Ausschließung und Einschließung definiere aber das problematische Wesen des (nationalen) Sozialstaats. Dieser stehe heute nach dem Plausibilitätsverlust des Nationalismus vor dem Problem, dass er praktisch nur als Nationalstaat möglich ist, dass seine daseinsvorsorgende Inklusivität also de facto auf Exklusion, auf Ausschließung beruhe. Die offizielle Ideologie, mit deren Hilfe die Umverteilung im Sozialstaat begründet wird (aus Motiven der Gleichheit und Gerechtigkeit), sei jedoch universalistisch angelegt.

Wenn der Sozialstaat seine Programme der sogenannten „sozialen Gerechtigkeit“ aber aus dem humanitären Universalismus begründet (Menschenrechte), kann der Verwirklichungsraum dieser Gerechtigkeitsprogramme schwerlich der ausschließende Nationalstaat sein. Der Umverteilungssozialismus müsste sich nach dieser Logik als universalistische Ideologie auf den Weltstaat beziehen. Dieser existiere aber in der Realität nicht. Ergo müsse der Sozialstaat sich nach dieser Logik für jede Zuwanderung in die Sozialsysteme öffnen. Das Ergebnis wäre natürlich die Zerstörung des Sozialstaats, nicht aber dessen Universalisierung. Ein Ausbau des Sozialstaats bei gleichzeitiger Öffnung der Grenzen für Immigranten wäre zweifellos nicht nachhaltig.

Es wäre so, als drehte man die Heizung auf und öffnete gleichzeitig die Fenster.

Eine Reaktion auf diese Unmöglichkeit könne darin bestehen, dass man dies als Anlass nehme, den Sozialstaat abzubauen. Dies wäre eine konsequente liberale Lösung. Der Staat müsste sich auf seinen rechtsstaatlichen Kern zurückziehen und soziale Interventionen völlig unterlassen, wie dies etwa in den USA im 19. Jahrhundert während der Masseneinwanderung aus Europa der Fall war. Dies läge allerdings nicht im Interesse der Unterschichten in den Sozialstaaten, die gegen eine solche Entwicklung populistischen Widerstand leisten würden.

Somit stelle sich also die generelle Frage, was die Immigration von Menschen aus gescheiterten bzw. nicht entwicklungsfähigen Staaten in den Zielländern anrichten. Importieren sie ihr Scheitern in diese Gesellschaften? Zerstören sie dort die kulturellen und institutionellen Voraussetzungen der Industrialisierung, die sie in ihren Herkunftsländern nicht besaßen und nicht hervorbringen konnten?

Diejenigen, die heute von bunter Vielfalt sprechen, meinen, dass die Frage nach der historischen Entstehung der Industriegesellschaft nicht identisch sei mit der Frage nach den Bedingungen, unter denen eine Industriegesellschaft, die bereits existiert, weiterhin existieren kann. Das Schlaraffenland sei kulturell strapazierbar und eben darauf setzen sie.

Aus schlichter ökonomischer Perspektive werde die Einwanderung nach Deutschland heute ebenfalls begrüßt, da man sich von ihr eine Vergrößerung des Arbeitskräftepotentials verspreche. Damit könne man die extrem negative demographische Entwicklung ausgleichen, so die Hoffnung. Sieferle macht aber deutlich, dass dies eine stark verkürzte vulgärökonomische Argumentation ist, für die nur Kapitalressourcen und Arbeitskräfte eine Rolle spielen. Betrachte man das Ganze umfassender und nehme auch soziales und kulturelles Kapital ins Visier, also immaterielle Faktoren, die zum Wohlstand beitragen, sehe die Sache völlig anders aus.

Dieses kulturelle Kapital beruhe auf Überlieferung sowie auf der Eindeutigkeit der Gruppenzugehörigkeit. In das Paket des kulturellen Kapitals, das für eine funktionierende demokratische, aufgeklärte und wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaft charakteristisch ist, gehörten etwa die folgenden Elemente:

Rechtsstaatlichkeit, Fairplay, Rechte des Individuums, Beschränkung der Staatsgewalt, Verbindung von Individualismus und Gemeinwohlorientierung, Meinungsfreiheit (inklusive Religionsfreiheit), Arbeitsethos, Orientierung am Fortschritt, Ausbildung von Vertrauen, Wertschätzung von Bildung und Erziehung. Diese Kombination bilde das kulturelle Erfolgsgeheimnis der erfolgreichen Länder.

Ein wichtiges, wenn nicht das entscheidende Element des kulturellen Kapitals sei aber das Vertrauen. Es gebe, wie empirische Vergleiche verschiedener Länder zeigen, eine enge Korrelation zwischen dem Ausmaß von Vertrauen und der ökonomischen Effizienz.

Das Maß des Vertrauens ist ein Maß der Zivilisiertheit und Leistungsfähigkeit.

Im Jahr 2000 beantworteten 67 Prozent der Dänen und 66 Prozent der Schweden die Frage, ob man den meisten Menschen vertrauen könne, mit ja, aber nur 3 Prozent der Brasilianer.

Kooperationsbereitschaft und Vertrauen erleichterten den gesellschaftlichen Umgang. Kulturelles Kapital werde durch Tradierung übertragen. Eine Kultur sei zwar niemals homogen. Nicht alle Menschen, die einem Volk angehören, teilten sämtliche kulturellen Merkmale. Umgekehrt sei es immer in einem gewissen Umfang möglich, fremde Menschen zu assimilieren, d. h. mit dem kulturellen Kapital ihrer neuen Gesellschaft auszustatten, was auch als Integration verstanden werden könne. Allerdings gebe es hierfür Grenzen. Je größer die Zahl von Immigranten und je rascher sie immigrieren, desto geringer sei die Chance der Assimilation. Es besteht dann die Gefahr, dass die durch Immigration entstehende multikulturelle Gesellschaft kulturelles Kapital vernichtet, mit dem Effekt, dass sich die ethnisch und kulturell recht homogenen Industrieländer in multitribale Gesellschaften transformieren.

In solchen Gesellschaften würden mit hoher Wahrscheinlichkeit wichtige institutionelle und mental-kulturelle Voraussetzungen einer funktionierenden Industriestruktur zerstört. Die Basis, die alles zusammenhalte, das gegenseitige Vertrauen verschwände. An die Stelle des Rechtsstaats mit seinem Gewaltmonopol trete dann wieder das Fehderecht. Wenn Konflikte auftreten, versuche man zunächst, diese innerhalb des eigenen Stammes-Rahmens zu lösen, eventuell durch Mobilisierung durchsetzungsstarker Verbündeter. Wenn dieser Prozess einmal in Gang gekommen sei (und erste Ansätze dazu ließen sich in zahlreichen europäischen Großstädten beobachten), könne er sich leicht selbst verstärken und eine Eigendynamik entwickeln. Dann könnten sich immer mehr tribale Gruppen bilden, mit eigenem Steuersystem (Schutzgeld) und eigener Entscheidungskompetenz.

Diese Gruppen träten zunächst in Konkurrenz zu dem überkommenen Rechtsstaat und seinen Polizeikräften. Am Ende werde dem Staat aber nichts übrigbleiben, als sich selbst nur noch als Stamm unter Stämmen zu verhalten. Für diejenigen Bürger, die keinem spezifischen Stamm mehr angehören, sondern auf den Rechtsstaat gesetzt hatten, werde dies fatal.

Wenn eine solche Bewegung in Gang kommen sollte, so hätten wir einen evolutionären Prozess der Selbstzerstörung einer Industriegesellschaft vor uns: Eine bestimmte kulturelle Konstellation habe historisch erfolgreich die Industrialisierung und Moderne erzeugt, habe dabei aber normative Merkmale des humanitären Universalismus entwickelt, so dass es nicht mehr möglich sei, den Zuzug von Angehörigen fremder Kulturen zu regeln bzw. zu unterbinden.

Eine solche Gesellschaft, die nicht mehr zur Unterscheidung zwischen sich selbst und sie auflösenden Kräften fähig ist, lebe moralisch über ihre Verhältnisse. Sie sei in normativem Sinne nicht nachhaltig. Durch Relativierung zerstöre sie schließlich ihre kulturelle Identität, die Voraussetzung ihrer Leistungsfähigkeit. Damit setze sie sich selbst ein Ende.

Die europäischen Gesellschaften seien von dem Grundgedanken des Egalitarismus (der wie ein Fetisch angebetet wird und der von der tief internalisierten Christenmoral herrühren dürfte, jf) regelrecht besessen. Diese Ideologie produziere die Utopie der totalen materiellen Gleichheit. Ungleichheiten würden dagegen als unnatürlich empfunden. Aus dieser Perspektive eines universalistisch-egalitären Programms sei jede reale Ungleichheit schlechthin unerträglich. Die Konfrontation mit Leid, Armut, Unterdrückung, Elend und enttäuschten Hoffnungen löse daher Hilfsreflexe aus, von denen der einfachste (und gesinnungsethischste) laute: refugees welcome, also Aufnahme von jedem und allen in Europa, mit Zugang zum gesamten Leistungspaket des Sozialstaats. Dieser Reflex durchdringe große Teile der Gesellschaft in den Wohlstandszonen.

Die Realpolitiker und Verwaltungen, die dann mit dem konkreten Vollzug der Hilfe zu tun haben, stünden dann ebenso vor einem Problem wie die Teile der Bevölkerung, die in der Massenimmigration die Gefahr einer Unterminierung der vertrauten sozialen und politischen Ordnung erblicken. Medial würden sie angegriffen und mit dem radikalen Gegenbegriff zum Egalitarismus, dem Rassismus, bedacht, der seit dem Nationalsozialismus natürlich extrem negativ konnotiert und völlig unzutreffend sei, da hier ja ethnisch-kulturelle und keine rassischen Differenzen angesprochen würden. Viele Zeitgenossen duckten sich daher lieber weg, hielten den Mund und hofften, dass der Kelch irgendwie an ihnen vorüberginge.

Ist es wirklich möglich, fragt Sieferle, dass eine Gesellschaft sich durch solche Prozesse der ideologischen Verwirrung selbst zerstört? Ja, meint er. Denn Kulturen und Ideologien seien enorm machtvolle Kräfte.

Menschen sprengten sich für Allah in die Luft. Warum sollten sie nicht eine Sozialordnung zerstören, die sie ebenso wenig verstehen, wie sie diese lieben?

Der Sozialstaat werde von den meisten Menschen als selbstverständlich angesehen, ebenso wie der Rechtsstaat (historische und staatstheoretische Analphabeten, jf). Dass beide dies nicht sind, sondern auf sehr fragilen und unwahrscheinlichen Grundlagen beruhen, werde man erst begreifen, wenn sie verschwunden seien, d. h. wenn eine neue multitribale Struktur sie verdrängt habe. Vielleicht sei der Untergang Europas dann ein Lehrstück für andere industrialisierte Zivilisationen (wie China), und vielleicht würden die letzten Europäer in Übersee Zuflucht suchen.

Abschließend betrachtet Sieferle diesen Vorgang aus kühler universalgeschichtlicher Perspektive. Vor mehr als 60.000 Jahren (0:00 Uhr) hätten die Menschen Afrika verlassen und sich allmählich über die ganze Erde ausgebreitet. Es bildeten sich zahlreiche separate Völker mit eigenen Kulturen, die zum Teil über sehr lange Zeiträume hinweg keinerlei Kontakt miteinander gehabt hätten. Dieser Trend habe vor etwa 5.000 Jahren (nach 22 Uhr) eine erste Umkehr erfahren, als die agrarischen Zivilisationen begannen, größere Reiche zu bilden und Fernhandel zu treiben.

Vor 500 Jahren (23:48 Uhr) sei dies durch die europäischen Seefahrer noch einmal drastisch beschleunigt worden und seit etwa 200 Jahren (23:55 Uhr) stünden im Prinzip alle Menschen miteinander in Kontakt. Der Prozess der Globalisierung, der seit wenigen Jahrzehnten in Gang sei (23:59 Uhr), habe die Mobilität von Informationen, Gütern und auch Menschen noch einmal enorm ausgeweitet.

Dieser Prozess der Universalisierung und Globalisierung sei wohl unvermeidlich, und die Völker, die die Geschichte der letzten Jahrtausende geprägt haben, würden letztlich von ihm verschlungen werden.

Viele Deutsche möchten heute gerne als Volk verschwinden, sich in Europa oder in die Menschheit auflösen. Harmonisch werde dies alles nicht abgehen, zumal einzelne Kulturen versuchen würden, bei dieser Gelegenheit ihre tradierten Muster universell durchzusetzen, sei es in Gestalt der westlichen Menschenrechte, sei es in Gestalt des islamischen Dschihad  oder was auch immer. Die Immigrationskrise, in der wir uns aktuell befänden, sei daher vielleicht nur der Vorbote umfassenderer Konvulsionen, in denen alles untergehen werde, was uns heute noch selbstverständlich scheine.

Hier kann Sieferles Essay im Original nachgelesen werden:

„Deutschland, Schlaraffenland – Auf dem Weg in die multitribale Gesellschaft“

Dieser Artikel erschien auch auf dem Blog des Autors:

Jürgen Fritz Blog

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jurgen-fritzZum Autor:

Jürgen Fritz studierte Philosophie, Erziehungswissenschaft, Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt).

Für seine philosophische Abschlussarbeit wurde er mit dem Michael-Raubal-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet. Inzwischen ist er als freier Autor tätig.

 

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Foto: Das Schlaraffenland von Pieter Brueghel dem Älteren

33 Kommentare

  1. Selbstverständlich ist BK.Merkel-Mekka für alle u. jeden Paßlosen Moslim & Araber mit webewirksamer Einladung zur kostenloser betreuter Rundumversorgung,
    einseitigen Abgreifen aller maroden Dt. Sozialsysteme – ohne Einzahlung – mit Jährlichen ca 100 Milliarden an IST- u. FOLGEKOSTEN Bund, Ländern u. Gemeinden,
    die künftige gallopierende Armut Deutschlands!

  2. Wir wollen in einer Demokratie leben, frei, gerecht und in Frieden.“ Das sollte unser aller Herzensanliegen sein.
    Ich glaube an die spirituelle Kraft in uns: GLAUBT AN DIE KRAFT UND DAS GUTE IN UNS WAS UNS HILFT FREI ZU WERDEN!!
    Der Deutsche gleicht dem Sklaven, der seinem Herrn gehorcht ohne Fessel, ohne Peitsche, durch das bloße Wort, ja durch einen Blick.
    Die Knechtschaft ist in ihm selbst, in seiner Seele; schlimmer als die materielle Sklaverei ist die spiritualisierte.
    Man muss die Deutschen von innen befreien, von außen hilft nichts. Heinrich Heine (1787-1856)

    Der Wunsch nach Frieden, nach einem offenen Zusammenleben, nach einer Ordnung, die gegenseitige Akzeptanz und Förderung gewährt, die Erfahrungsaustausch und persönliche Begegnung ermöglicht, Freiräume und gleichzeitig Verbindung schafft, ist gerade unter jungen Menschen groß.
    Frieden geschieht aber nicht von allein. Frieden kann harte Arbeit für jeden einzelnen von uns bedeuten. Die Friedensbewegung beginnt nirgends als in unser aller Herzen und in unseren Köpfen. Erkennen wir, wie ähnlich uns unser Gegenüber ist, wie ähnlich letztendlich unsere Sehnsüchte und Wünsche für das Leben sind, werden wir aufhören, uns zu bekriegen und zu zerstören. Es ist die Liebe, das Mitgefühl, die Hilfsbereitschaft und Achtsamkeit, die wir uns alle wünschen.
    Das bedeutet wiederum, dass wir uns selbst, unseren Mitmenschen, der Natur und dem Planeten liebevoll begegnen. Und letzteres, die Natur, ist es, die vorrangig die Vielfältigkeit des Lebens auf der Erde ermöglicht. Mit ihr im Einklang leben heißt Rücksicht zu nehmen auf die Schöpfung, die uns am Leben erhält.
    Selbstgerechtigkeit ist es, wenn die Ungerechtigkeit erst dann zum Anliegen wird, wenn man sich selbst betroffen wähnt.
    Wacht alle besser auf oder Ihr werdet wachgerüttelt werden.“
    Denn die Natur wird ihr Gleichgewicht wieder herstellen müssen!
    Über vier Milliarden Jahre herrschte auf der Erde ein sensibles, aber stabiles Gleichgewicht.
    Wenige Jahrzehnte hat der Mensch gebraucht, um dieses Gleichgewicht vollkommen durcheinander zu bringen.
    Auch das war bis jetzt alles egal, bis es uns irgendwann selbst betrifft.
    Es wird sich alles zum Guten wenden wenn wir es wollen.
    „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“
    Bertolt Brecht

  3. Hat dies auf Bayern ist FREI rebloggt und kommentierte:
    Erst wenn der Vorwurf der Egalitärbigotterie schwerer wiegt als der Vorwurf des „Rassismus“, kann sich das Blatt zu wenden beginnen. Dann wird wahrscheinlich die Grundlage des meisten einst florierenden europäischen Nationalstaaten unwiederbringlich zertrümmert sein, aber es wird sich noch immer lohnen. Unser Jahrhundert wird wohl nicht nur multipolar werden müssen (wie es etwa Russland und China gerne fordern). Die erneut zum Grundprinzip werdende Souveränität wird vor allem eine Souveränität des Abschottens sein müssen, und man wird baldmöglich das Denken, das im späteren 20. Jahrhundert zu Unrecht für die vorige kriegerische Entwicklung verantwortlich gemacht wurde, nämlich das Pochen auf dem Volk als generationenüberdauernder Vertrags- und Verantwortungsgemeinschaft, möglichst schnell wieder erlernen müssen. Das bedeutet nicht, dass man die Abstammung mit besonderen Mythen überbetonen und zu einem Reinheitsfimmel steigern muss, aber das steht sowieso nie zur Debatte. Die Hauptursache für den Ersten Weltkrieg ist im Wettbewerb der Imperien zu suchen, hinter dem wiederum Generationen überschüssiger junger Männer stehen, die als Kanonenpulver sozialisiert wurden. Die Hexenjagd gegen angeblich gefährlichen „Nationalismus“ ist größtenteils ein anachronistische Bewegung. Ideologien, die den Krieg legitimieren, sind austauschbar und vielfältig. Derzeit taugt dazu neben dem Koran besonders die Ideologie der Menschenrechte. Sie sind meistens ein oberflächlicher geistiger Überbau über den materiellen Wirkungskräften, die aber nicht von Karl Marx sondern von Gunnar Heinsohn adäquat beschrieben wurden.

  4. Sieferle ignoriert biologische-genetische Ursachen.

    „Sieferle nennt drei Faktorenkomplexe, die den Weg Europas in die rechtsstaatlich konstituierte Industriegesellschaft, in »die Moderne« verursacht hätten: 1. technisch-industrielle, 2. kulturell-mentale und 3. politisch-institutionelle Ursachen.“

    Sieferle ignoriert hier völlig die biologisch-mentalen bzw. genetisch-mentalen Ursachen. Und diese sind die wesentlichen Ursachen.

    Schon Sarrazin hat in seinen Büchern immer wieder auf genetische Intelligenzunterschiede zwischen Völkern hingewiesen und vor der Einwanderung aus Ländern mit niedrigerer erblicher Intelligenz gewarnt.

    Der dänische Psychologieproffesor und Intelligenzforscher Helmut Nyborg von der Universität Aarhus hat sich ausgiebig mit dem Zusammenhang zwischen genetischer Intelligenz, Ethnie und gesellschaftlicher Entwicklung beschäftigt. Er warnt vor Einwanderung aus nichteuropäischen Ländern.

    Die „Blaue Narzisse“ hat die Ergebnisse seine Forschungsarbeit folgendermaßen zusammengefasst:

    „Europa, so argumentiert er,… zeichnete sich historisch durch seine harschen Überlebensbedingungen aus, die in der Folge die natürliche Auslese – im weltweiten Vergleich – hochintelligenter Menschen begünstigt habe, welches wiederum zu der Zivilisation geführt habe, die nun auf diesem Kontinent existiert. Diese Zivilisation gründe also auf einem hohen durchschnittlichen IQ (ca. 100) und setze diesen auch für ihr Fortbestehen voraus, da beispielsweise Institutionen wie Demokratie und Sozialstaat unmittelbar mit der durchschnittlichen Intelligenz eines Volkes zusammenhingen. Untersuchungen des finnischen Politikwissenschaftlers Tatu Vanhanen, auf die Nyborg sich bezieht, legen nahe, dass damit demokratische Gemeinwesen überhaupt funktionieren, ein durchschnittlicher nationaler IQ von mindestens 90 vorliegen muss.“

    „Doch neben dem internen Aussetzen der natürlichen Selektionskriterien sieht Nyborg eine wesentlich größere Bedrohung für den Fortbestand der europäischen Zivilisation: Die Masseneinwanderung, die er als „externe Entspannung der darwinschen Selektionskriterien“ bezeichnet. Gerade die Einwanderung aus Ländern der arabischen Welt und Afrikas mit einem durchschnittlichen IQ von 70 bis 85 bereitet Nyborg Sorge. Er errechnet ein für die Dänen schockierenden Ausgang dieses multiethnischen Experiments, bleiben Einwanderungs– und Geburtenraten gleich: 2072 läge demnach der Anteil der neugeborenen Einwanderer des IQ-​Spektrums von 70 bis 85 bei 60 Prozent in Dänemark. Diese Kinder hätten demnach einen Intelligenzquotienten der 13 bis 28 IQ-​Punkte unter dem heutigen Durchschnitt des Landes läge.

    Die Folge wäre ein Absinken des nationalen IQs Dänemark auf 93 Punkte. Das sind dann jene fünf Punkte, die einen Einbruch des BIP um 35% bedeuten würden, da eine derartige Abnahme der durchschnittlichen Intelligenzleistung sich durch die gesamte Gesellschaft ziehen würde: Schulische Standards würden aufgeweicht oder gar aufgehoben, die öffentliche Verwaltung würde immer ineffizienter und auch Innovation und Wirtschaftsleistung selbst nähmen drastisch ab. Dass mit einem derartig niedrigeren BIP noch ein Sozialstaat zu erhalten wäre, ist ebenfalls mehr als unwahrscheinlich. “
    http://www.blauenarzisse.de/index.php/anstoss/item/5712-wie-entwickelt-sich-der-durchschnitts-iq

    Und diese genetischen Ursachen sind wesentlich. Erstens weil diese allen anderen Ursachen zu Grunde liegen. Die technisch-industriellen und die politisch-institutionellen Ursachen sind die Folgen der kulturell-mentalen Ursachen und biologisch-mentalen Ursachen. Und zweitens weil sie unveränderlich sind. Sie lassen sich nicht einfach durch eine bessere „Integration“ aus der Welt schaffen.

    Es ist allerdings nicht verwunderlich, dass Sieferle diese Ursachen ausklammert, sind diese doch hochgradig politisch korrekt. Linke Ideologen haben nicht nur in Deutschland sondern in der gesamten westlichen Welt ihr Dogma durchgesetzt, dass alle Menschen genetisch völlig gleich und austauschbar seien, und dass Unterschiede zwischen Menschen, Menschengruppen und Völkern allein durch Umwelteinflüsse bestimmt seien. Auf diesem Gleichheitsdogma beruht auch die Gender-Ideologie.

    • Auch von mir vielen Dank für diese wichtige Ergänzung, Marcel. Ich glaube, dass Sie Recht und Unrecht zugleich haben. Inwiefern?

      Mit Intelligenzforschung habe ich mich die letzten Monate auch etwas beschäftigt. Ich meine, dass Sie diesen Faktor überbewerten. Sie haben aber gleichwohl Recht, wenn Sie sagen, dieser Faktor spielt eine nicht unerhebliche Rolle und darf nicht – der politischen correctness willen – ausgeblendet werden. Wenn Sie meine Darstellung genau lesen, finden Sie auch zarte Hinweise darauf, die bei Sieferle wohl nicht direkt anklingen.

      Meines Wissens gibt es tatsächlich empirische Studien, die massiv darauf hinweisen, dass die angeborene Intelligenz zwischen Afrikanern, Europäer und Ostasiaten unterschiedlich ist. Dass die Unterschiede so groß sind, wie von Ihnen beziffert, glaube ich nicht, aber es gibt wohl Unterschiede. Die Gleichheitsfanatiker und -fetischisten werden mit allen Mitteln versuchen, das breitere Bekanntwerden dieser Fakten zu verhindern, weil es ihrem Menschenbild, dem innersten Kern ihrer Überzeugungen widerspricht.

      Entscheidend ist aus meiner Sicht aber nicht dieser biologisch-genentische Unterschied, sondern – und da bin ich ganz bei Sieferle – der kulturelle, wobei die unterschiedliche kulturelle Höhe natürlich wiederum mit den biologischen Intelligenzunterschieden korrelieren. Das heißt, bei Sieferle steckt das implizit mit drin, auch wenn er es nicht explizit genannt hat.

      Es ist aber gut, dass Sie das explizit ansprechen und mit ins Feld führen. Daher nochmals vielen Dank dafür!

      • Natürlich ist Intelligenz nur einer von einer Vielzahl weitgehend genetisch determinierter Aspekte unserer menschlichen Persönlichkeit, und selbstverständlich gibt eine genetische Anlage immer nur eine gewisse Bandbreite für die konkrete Entwicklung zur Ausgestaltung einer speziellen Anlage eines Individuums in seiner Wechselwirkung mit der Umwelt vor( Kultur, Bildung und Erziehung, sozialer Einfluß).
        Auch muß man mit den zweifellos bestehenden Intelligenzunterschieden zwischen verschiedenen Völkern sensibel umgehen, und sollte versuchen, hierbei keine unnötigen Spaltungen zu produzieren. Und auch dann, wenn ich das Glück habe, einem ausgesprochen intelligenten Volk anzugehören, so ist dies nicht mein persönlicher Verdienst. Zudem werden hier Aussagen über die Durchschnittsintelligenz und ihre Verteilungsparameter über ein Volk eventuell mit dem anderer Völker verglichen. Das hat aber keinerlei Aussagekraft für die konkreten Gegebenheiten einer einzelnen Person, die sehr viel höher oder sehr viel niedriger sein können, als dies für den Durchschnitt eines anderen Volkes gelten mag.
        Auf Herder geht die Charakterisierung zurück, daß Völker wie die Gedanken Gottes seien, die man in ihrer Eigenart und Besonderheit hegen und pflegen müsse. Wer wollte bestreiten, daß es sehr vielfältige Mentalitätsunterschiede zwischen den Völkern gibt, wobei hierfür sicher auch immer eine Mischung aus Anlage, Epigenetik und Umwelt (hierbei insbesondere Sprache) für deren konkrete Ausformung über viele Generationen entscheidend ist.
        Die Preisgabe, ja geradezu die systematisch betriebene Zerstörung der in den verschiedenen Völkern gewachsenen mentalen Strukturen ist, um es mit Herder zu bewerten, eine veabscheuungswürdige Niedertracht!
        Durch die betriebene Zerstörung und Abschaffung der Völker entkernt man vordem sich gedeihlich entwickelnde Völker als zu regionalen Wirtschaftsstandorten verkommene Aggregate, zerstört ihre menschliche Wesensart und mithin ihre menschliche Seele.

      • An Ihre Kommentare und Antworten könnte ich mich gewöhnen, Sabrina. Ich finde, Sie arbeiten immer wieder ganz wesentliche Aspekte wunderbar heraus. Kompliment!

      • Über die evolutionspsychologischen Fragen einschließlich Helmut Nyborg gibt es auf bayernistfrei.com einen Haufen Artikel, die wiederum auf Youtube-Videogesprächen mit führenden Experten verweisen. Z.B. zuletzt http://bayernistfrei.com/2016/11/06/imo-rangordnung/. Es ist ein Schlüsselthema, aber nicht jeder, der über anderes schreibt oder davon abstrahiert, ignoriert es. Sieferle sagt in seinem Essay schon das entscheidende. Heinsohn, der stets zwischen den Zeilen davon spricht, liefert uns die Erkenntnis, dass die ideologische Unterminierung des Nationalstaats nach 1945 eine unberechtigte Verirrung war, da die Kriege nicht aus dem Gedanken der Vertrags- und Abstammungsgemeinschaft resultierten sondern aus Überschüssen an jungen Männern. Die Idee, dass Kriege aus dem Willen zu nachhaltiger generationenübergreifender Existenz entstehen, war schon immer unverantwortlicher Schwachsinn, wie er nur Bestand haben kann, wenn sich das Denken in die Kloake des öffentlichen Raumes begibt, in den man beliebig viel Müll werfen kann ohne unmittelbar persönlich betroffen zu sein (Allmendentragödie). Generationen von Intellektuellen haben die größten selbstzerstörerischen Torheiten verbreitet, und der Antinationalismus ist die letzte davon.

  5. Hat dies auf Gschwollschädel: Operative Kommunikation rebloggt und kommentierte:
    Viele Deutsche möchten heute gerne als Volk verschwinden, sich in Europa oder in die Menschheit auflösen. Harmonisch werde dies alles nicht abgehen, zumal einzelne Kulturen versuchen würden, bei dieser Gelegenheit ihre tradierten Muster universell durchzusetzen, sei es in Gestalt der westlichen Menschenrechte, sei es in Gestalt des islamischen Dschihad oder was auch immer. Die Immigrationskrise, in der wir uns aktuell befänden, sei daher vielleicht nur der Vorbote umfassenderer Konvulsionen, in denen alles untergehen werde, was uns heute noch selbstverständlich scheine.

      • Ich habe für mich beschlossen, liebe Sabrina, mich dem nicht einfach so ergeben zu wollen. Und ich will andere, möglichst viele dazu ermuntern, ebenfalls die Bereitschaft zu entwickeln, sich dem entschieden entgegenzustellen. Europa darf nicht untergehen!

      • Gerade die Idiotie des Menschenrechts-Universalismus und die Antworten finden sich hier beschrieben http://bayernistfrei.com/politik/loesungen/. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass es zu manchen Problemen KEINE europäischen und erst recht KEINE globalen politischen Lösungen gibt. Wir müssten wieder lernen, in der Politik nicht den universalen Riesenhammer zur Erschlagung aller Probleme zu suchen und froh sein, auf nationaler Ebene ein Minimum an Funktionsfähigkeit erreichen zu können.

  6. Das ist mal wieder eine ganz hervorragende Ausarbeitung und Durchdringung von Ihnen, lieber Herr Fritz, die Sie mit Bezug auf den wirklich zu Unrecht leider weitgehend unbekannten Rolf Peter Sieferles hier vorgelegt haben; Respekt!
    Die Beleuchtung der Auswirkungen die mit den „Werkzeugen“ (Immigranten) des kultur- und zivilisationszerstörerischen Prozesses angestrebt und erreicht wird, haben Sie hier schon mal sehr gut charakterisiert.
    Ergänzend würde ich in einem weiteren Schritt die Beleuchtung der Perspektive vorschlagen, die mit dem von den Machteliten bewußt und aktiv betriebenen Umvolkungsprozeß verbunden sind, wobei hierzu sicher die fundierte Monographie von Kelly M. Greenhill: „Massenmigration als Waffe“, ebenso wie die gut-fundierte Monographie von Friederike Beck: „Die geheime Migrationsagenda“ sehr gutes und unerläßliches faktisches Hintergrundwissen vermitteln, welches dann auch mehr die Perspektive der hier aktiv Agierenden in den Fokus der Betrachtung des Gesamtgeschehens rückt.

    • Vielen Dank a) für die positive Rückmeldung , liebe Sabrina, und b) für die weiteren Anregungen und Literaturhinweise. Im Moment ist Schwerpunkt meiner Recherchen und schriftstellerischen Aktivitäten die Tiefenanalyse des Islam, daneben philosophische, historische und gesellschaftsanalytische Untersuchungen. Die Dinge hängen natürlich alle irgendwie zusammen, auch die von Ihnen sehr zurecht angesprochenen Punkte.

      Sie sollten hier übrigens selbst schreibend tätig werden, wie ich finde. Wenn Sie das schon tun, sagen Sie mir bitte wo. 🙂

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