Constantin Schreiber und die wundersame Bekehrung zum lieben Islam

(David Berger) Einst recherchierte er über problematische Moscheepredigten, heute entdeckt er die spirituelle Kraft des Islam und plant einen Talk mit islamischen Gelehrten. Was steckt hinter Constantin Schreibers neuem Blick die Ideologie der Unterwerfung?

Es gab einmal eine Zeit, da gehörte Constantin Schreiber zu jenen wenigen deutschen Journalisten, die sich tatsächlich dafür interessierten, was in Moscheen gepredigt wird, wenn gerade kein Politiker zum interreligiösen Dialog vorbeischaut. Mit seinem Buch Inside Islam und seinen Recherchen über islamische Schulbücher machte er auf religiöse Vorstellungen aufmerksam, über die man in Deutschland lieber nicht allzu ausführlich sprach: Antisemitismus, ein problematisches Frauenbild, die Abwertung Andersgläubiger und religiöse Autoritätsansprüche, die mit dem Selbstverständnis einer freiheitlichen Gesellschaft schwer vereinbar sind. Schreiber hörte hin, las nach und konfrontierte die Öffentlichkeit mit Aussagen, die nicht recht zum offiziellen Bild einer Religion passen wollten, die vor allem für Frieden, Toleranz und kulturelle Bereicherung stehen sollte. Er tat, was Journalisten tun sollten, statt sich mit den wohlklingenden Erklärungen religiöser Funktionäre zufriedenzugeben. Bis er auf einmal beschloss, sich nicht mehr zum Islam zu äußern. Sein Abschied von der Tagesschau kam dennoch.

Nun hat Schreiber ein neues Buch geschrieben. Es trägt den Titel Die Kraft des Islam. Wie wir auf ein neues islamisches Zeitalter zusteuern. Darin interessiert ihn vor allem die religiöse Bindungskraft, die Gemeinschaft und die spirituelle Orientierung, die der Islam seinen Anhängern vermittelt. Wo früher die problematischen Erscheinungsformen im Mittelpunkt standen, richtet sich der Blick nun auf die Anziehungskraft der Religion. Aus dem kritischen Moscheereporter ist ein Laudator islamischer Gemeinschaftskraft geworden. Die alten Probleme sind damit nicht verschwunden. Sie treten nur hinter einer neuen Erzählung zurück.

Die Sehnsucht nach dem lieben Islam

Die Vorstellung eines friedlichen, liberalen und mit westlichen Freiheitsrechten vereinbaren Islam ist verlockend. Nur wird sie nicht dadurch zur gesellschaftlichen Wirklichkeit, dass Journalisten und Religionsgelehrte sie in Büchern beschreiben oder in Fernsehsendungen beschwören.

Wer über die Stellung der Frau im Islam spricht, kommt an den klassischen islamischen Rechtsvorstellungen zu Ehe, Scheidung, Erbrecht und männlicher Autorität nicht vorbei. Wer über Religionsfreiheit diskutiert, muss erklären, weshalb der Abfall vom Islam in traditionellen Rechtslehren mit schweren Strafen bis hin zur Todesstrafe bedroht wurde und in manchen Staaten bis heute strafrechtlich verfolgt wird. Und wer die friedensstiftende Kraft des Islam preist, darf die Geschichte religiös begründeter Herrschaftsansprüche ebenso wenig ausblenden wie deren gegenwärtige politische Erscheinungsformen. Es führt kein Weg an der Tatsache vorbei, dass der Islam eine Ideologie der Gewalt ist, eine zutiefst menschenverachtende Kultur des Todes hervorgebracht hat.

Die Unterschiede zwischen islamischen Strömungen sind erheblich. Doch gerade deshalb führt die bequeme Formel, all diese Probleme hätten mit dem eigentlichen Islam nichts zu tun, nicht weiter. Ganz im Gegenteil. Sie ersetzt die notwendige Auseinandersetzung mit religiösen Quellen, Rechtslehren und historischen Traditionen durch die Behauptung, die eigene Wunschvorstellung sei die einzig authentische Auslegung. Der gute Islam, den man sich wünscht, ist kein Ersatz für die Auseinandersetzung mit dem Islam, der tatsächlich gelehrt und praktiziert wird. Er verhindert nur den Blick auf die Realität.

Islam-Talk: Wenn religiöse Autoritäten über Freiheit sprechen

Besonders aufschlussreich ist Schreibers neues Fernsehprojekt. Ab 2027 soll er für den ägyptischen Sender Azhari TV die Sendung Islam Talk moderieren und mit islamischen Gelehrten über zentrale Glaubensfragen sprechen. Auch die Rolle der Frau im Islam soll dabei zur Sprache kommen. Schreiber erklärt, er wolle innerhalb der muslimischen Welt über Extremismus, Frauenrechte und Freiheit diskutieren. Das klingt nach einem anspruchsvollen journalistischen Vorhaben. Doch der Erfolg eines solchen Formats hängt nicht von der Freundlichkeit der Gesprächsatmosphäre ab, sondern davon, ob religiöse Autoritäten auch dort herausgefordert werden, wo ihre Lehren mit individuellen Freiheitsrechten kollidieren.

Darf eine muslimische Frau einen Christen heiraten, ohne ihren Glauben aufgeben zu müssen? Darf sie traditionelle religiöse Vorschriften öffentlich zurückweisen? Darf ein Muslim zum Christentum konvertieren, ohne die Todesstrafe befürchten zu müssen? Und darf ein Christ den Islam öffentlich kritisieren, ohne deshalb als Feind der Religion zu gelten? Wer Religionsfreiheit nur so lange anerkennt, wie niemand die eigene Religion verlässt oder kritisiert, verteidigt keine Religionsfreiheit, sondern ein religiöses Privileg.

Hinzu kommt ein Problem, das in der Debatte über den Islam häufig entweder polemisch überzeichnet oder vollständig ausgeblendet wird: die Tradition der Taqiyya, der unter bestimmten Umständen erlaubten Verheimlichung des eigenen Glaubens. Wie kann Schreiber den Zuschauern garantieren, dass nicht genau diese im Dialog mit ihm eingesetzt wird, um das Toxische des Islam zunächst hintanzustellen Religiöse Autoritäten müssen sich daran messen lassen, ob ihre öffentlichen Erklärungen mit den Lehren übereinstimmen, die sie gegenüber den eigenen Gläubigen vertreten. Was wird in einer Fernsehsendung über Toleranz gesagt, und was steht in den maßgeblichen Lehrtexten? Welche Positionen vertreten die Gesprächspartner, wenn sie nicht vor einem internationalen Publikum sitzen? Ein freundliches Fernsehgespräch ersetzt keine kritische Recherche und kann in diesem Zusammenhang zu einer echten Gefahr werden.

Und was ist mit den verfolgten Christen?

Während in Europa unablässig über die Anerkennung muslimischer Identität diskutiert wird, geraten die Lebensbedingungen christlicher Minderheiten in Teilen der islamischen Welt völlig aus dem Blick. Dabei werden Christen in verschiedenen Ländern wegen ihres Glaubens diskriminiert, bedroht, vertrieben und ermordet. Dabei sprechen die Nachrichten der letzten Wochen eine erschütternde Sprache: Allein im nigerianischen Bundesstaat Benue wurden nach Berichten vom 12. Oktober mindestens zwölf christliche Dorfbewohner bei Angriffen am 7. und 9. Oktober ermordet, darunter ein dreijähriger Junge. Im Bundesstaat Plateau wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation International Christian Concern innerhalb einer einzigen Septemberwoche mindestens 27 Menschen getötet. Unter den Opfern war Pastor Samuel Nandi, der am 20. September auf dem Weg zum Gottesdienst erschossen wurde.

Nicht weniger grausam ist die Lage im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Dort wurden am 29. September neun Christen aus dem Dorf Bandisende von Kämpfern einer mit dem Islamischen Staat verbundenen Terrororganisation verschleppt und anschließend enthauptet. Nach Angaben des christlichen Hilfswerks Barnabas Aid wurden seit Dezember 2024 mehr als 1.385 Christen im Nordosten des Landes von dieser Terrororganisation getötet.

Das sind keine theologischen Gedankenspiele über einen möglicherweise toleranteren Islam, sondern Menschen, die ihren Glauben mit dem Leben bezahlen. Während hierzulande über die gesellschaftliche Kraft des Islam philosophiert wird, müssen christliche Gemeinden andernorts um ihre bloße Existenz fürchten. Gewiss lassen sich nicht sämtliche Konflikte Afrikas auf religiöse Gegensätze reduzieren. Doch wo islamistische Terrorgruppen Christen ausdrücklich als religiöse Feinde verfolgen, darf der religiöse Hintergrund der Gewalt nicht hinter beschwichtigenden Formeln verschwinden.

Wer über religiöse Toleranz sprechen will, muss auch diese Wirklichkeit beim Namen nennen. Religionsfreiheit bedeutet nicht nur, in Berlin eine Moschee besuchen zu dürfen, sondern ebenso, im Kongo ohne Angst eine Kirche zu betreten, in Nigeria ungehindert einen Gottesdienst zu feiern oder in einem islamisch geprägten Staat vom Islam zum Christentum überzutreten. Vielleicht sollte Constantin Schreiber in seinem neuen Islam-Talk nicht nur islamische Gelehrte über die Vorzüge ihrer Religion befragen, sondern sie auch mit dem Schicksal jener Christen konfrontieren, die unter Berufung auf den Islam verfolgt und ermordet werden.

Gemeinschaft ist noch kein Wahrheitsbeweis

Die Faszination für die Bindungskraft des Islam verweist auf eine reale Schwäche westlicher Gesellschaften. Der Verlust gemeinsamer Überzeugungen, religiöser Bindungen und verbindlicher Vorstellungen vom guten Leben hat eine Leere hinterlassen, die durch Konsum, Unterhaltung und politische Ersatzreligionen nicht gefüllt wird. Doch aus dieser Leere folgt nicht, dass jede Religion, die feste Überzeugungen und eine starke Gemeinschaft hervorbringt, eine überzeugende Antwort auf die geistige Krise Europas bietet. Auch autoritäre Gemeinschaften können ihren Mitgliedern Geborgenheit, Identität und klare Regeln vermitteln. Entscheidend ist, welchen Preis der Einzelne für diese Zugehörigkeit bezahlt und ob er die Gemeinschaft ohne Sanktionen verlassen kann.

Religion ist zudem mehr als ein gesellschaftliches Bindemittel. Ihre Wahrheit entscheidet sich nicht daran, wie viele Menschen sie mobilisiert, wie diszipliniert ihre Anhänger leben oder wie erfolgreich sie ihre Überzeugungen an die nächste Generation weitergeben. Wer Religion vor allem unter dem Gesichtspunkt ihrer gesellschaftlichen Wirksamkeit betrachtet, verwechselt religiöse Vitalität mit religiöser Wahrheit. Das Christentum lässt sich nicht auf eine nützliche Gemeinschaftsideologie reduzieren. Sein Zentrum ist die Person Jesu Christi, nicht die Unterordnung des Menschen unter ein religiöses Kollektiv. Die christliche Tradition kennt selbst eine widerspruchsreiche Geschichte im Umgang mit religiöser Freiheit. Doch die Würde der menschlichen Person und ihre Verantwortung vor Gott setzen jedem religiösen und staatlichen Machtanspruch Grenzen. Der Glaube verlangt Zustimmung. Eine erzwungene Zustimmung ist kein Glaube.

Europa bewundert den Islam und vergisst das Christentum

Während die christlichen Grundlagen Europas zunehmend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden, entdeckt man mit wachsender Faszination, dass Menschen offenbar doch nicht dauerhaft ohne Glauben, verbindliche Überzeugungen und religiöse Gemeinschaft leben wollen. Über Jahrhunderte haben christliche Theologie, Philosophie, Liturgie, Kunst und das christliche Verständnis der menschlichen Person die europäische Kultur geprägt. Heute erscheint diese Tradition in weiten Teilen der öffentlichen Debatte nur noch als historische Belastung, während die religiöse Vitalität des Islam als gesellschaftliches Phänomen Aufmerksamkeit und Bewunderung hervorruft.

Das Christentum soll sich möglichst geräuschlos aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, während die wachsende Sichtbarkeit des Islam als Ausdruck religiöser Vielfalt begrüßt wird. Die Kirchen selbst haben an dieser Entwicklung ihren Anteil, indem sie ihre Verkündigung vielerorts durch politische Stellungnahmen, moralische Allgemeinplätze und die ständige Versicherung gesellschaftlicher Anschlussfähigkeit ersetzt haben. Europa hat seine eigene religiöse Überlieferung nicht deshalb verloren, weil sie keine Antworten mehr zu bieten hätte. Es hat weithin aufgehört, ihre Antworten überhaupt noch hören zu wollen. Man bewundert an einer anderen Religion jene Verbindlichkeit, die man der eigenen über Jahrzehnte systematisch ausgetrieben hat.

Constantin Schreibers neue Position mag nicht einfach eine vollständige Abkehr von seinen früheren Erkenntnissen sein. Aber das Nichtsehenwollen des Widerspruchs zwischen der kritischen Untersuchung religiöser Machtansprüche und der Bewunderung religiöser Gemeinschaftskraft ist doch auffällig. Mit seinem Islam Talk wird Schreiber Gelegenheit haben, diesen Widerspruch aufzulösen – nicht durch weiteres freundliches Islam-Appeasement, sondern durch die konsequente Konfrontation seiner Gesprächspartner mit den unbequemen Fragen nach Religionswechsel, Frauenrechten, Kinderehe, Kritikfreiheit und aggressiv religiöser Herrschaft durch Kriegsführung und Terror. Der Islam braucht keine weiteren Fernsehsendungen, in denen seine guten Absichten versichert werden. Er braucht eine offene Auseinandersetzung darüber, welche Gefahren die von den Linken naiv vorangetriebene Islamisierung nicht nur Deutschlands in sich birgt. Constantin Schreiber wusste einmal sehr genau, wie man darauf hinweist. Es wäre zu wünschen, dass er es nicht verlernt hat.

**

Seit mehr als zehn Jahren kämpft dieser Blog unerschrocken gegen die Islamisierung unseres Landes. Fast ebenso lange sind wir perfiden Schikanen ausgesetzt, die darauf abzielen, uns finanziell in die Knie zu zwingen und so zum Schweigen zu bringen. Umso dringender sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Hier mit einem Klick:

PAYPAL (Stichwort Schenkung)

Oder per Überweisung auf

David Berger, IBAN: DE44 1001 0178 9608 9210 41 – BIC REVODEB2 – Stichwort: Schenkung

ÜBERWEISUNG (Stichwort: Schenkung)


Entdecke mehr von Philosophia Perennis

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

Trending

VERWANDTE ARTIKEL