Ein Heiliger auf dem Kaiserthron – Zum Gedenktag des seligen Kaisers Karl

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Am heutigen 21. Oktober gedenkt die Kirche eines Mannes, dessen Größe nicht in militärischen Siegen, politischen Triumphen oder weltlicher Macht bestand, sondern in seiner geradezu übermenschlich anmutenden Treue zu Gott: des seligen Kaisers Karl von Österreich. Eines Mannes, der eine Kaiserkrone trug, ohne ihr zu verfallen, der über Völker herrschte, ohne sich selbst zum Herrn über Wahrheit und Gewissen zu machen, und der schließlich alles Irdische verlor, ohne auch nur einen Augenblick das Entscheidende preiszugeben: seinen katholischen Glauben.

Karl war ein „sanfter Riese des Glaubens“, so einer seiner Nachfahren, Eduard von Habsburg-Lothringen heute (das Video ist am Ende des Artikels verfogbar). Sanft, weil ihm jene christliche Demut eigen war, die sich nicht mit Schwäche verwechseln lässt. Ein Riese, weil er in einer Epoche, in der Throne zusammenbrachen, Eide gebrochen und jahrhundertealte Ordnungen hinweggefegt wurden, an dem festhielt, was größer ist als alle Reiche dieser Welt: an Christus, dem König der Könige. Als letzter regierender Kaiser Österreichs und apostolischer König von Ungarn stand Karl an einer der tragischsten Wegscheiden der europäischen Geschichte. Der Erste Weltkrieg hatte die christliche Zivilisation Europas an den Rand des Abgrunds geführt. Während andere Staatsmänner noch vom Sieg träumten, bemühte sich Karl um den Frieden. Nicht aus Feigheit, nicht aus Gleichgültigkeit gegenüber den Pflichten seines Amtes, sondern aus der tiefen Überzeugung, dass ein christlicher Herrscher vor Gott auch für das Blut verantwortlich ist, das unter seiner Regierung vergossen wird. Papst Benedikt XV. fand in ihm einen jener wenigen regierenden Fürsten, die seine Friedensbemühungen ernsthaft unterstützten.

Gerade darin offenbarte sich eine Größe, die unsere Zeit kaum noch versteht. Karl begriff seine Herrschaft nicht als Selbstverwirklichung, sondern als Dienst, seine Krone nicht als Beute, sondern als Verpflichtung und seine Autorität nicht als menschliche Allmacht, sondern als Verantwortung vor dem ewigen Richter. Er war damit ein lebendiges Gegenbild zu jenem modernen Machtverständnis, das politische Herrschaft zunehmend von jeder höheren sittlichen Ordnung lösen möchte. Seine tiefe Verehrung des Allerheiligsten, seine Liebe zur Gottesmutter, seine Treue zur heiligen Messe und sein inniges Familienleben mit seiner Gemahlin, der Dienerin Gottes Zita, waren keine frommen Zugaben zu einer ansonsten weltlichen Existenz. Sie bildeten deren Mittelpunkt. Karl wusste, dass ein Herrscher, der vor dem Tabernakel nicht mehr knien kann, früher oder später vor den Götzen seiner Zeit niederknien wird.

Die Treue zum Kreuz war sein Sieg

Als ihm die Revolution schließlich die Macht nahm und er ins Exil gezwungen wurde, zeigte sich die eigentliche Größe seiner Seele. Der Mann, dem einst Millionen Untertanen anvertraut waren, starb am 1. April 1922 auf Madeira, erst 34 Jahre alt, in Armut und schwerer Krankheit. Seine letzten Leiden nahm er im Geist christlicher Opferbereitschaft an. Sein Leben war zu einem Kreuzweg geworden, den er im Vertrauen auf die göttliche Vorsehung ging. Nicht der Verlust des Thrones war seine Niederlage, sondern die Treue zum Kreuz sein Sieg.

Dass dieser von Papst Johannes Paul II. am 3. Oktober 2004 seliggesprochene Kaiser ausgerechnet im deutschsprachigen Raum bis heute vielen Menschen kaum bekannt ist, gehört zu den bitteren Ironien unserer Erinnerungskultur. Man kennt die Namen zahlloser Revolutionäre, Ideologen und Zerstörer des alten Europa. Aber wie wenig weiß man von diesem katholischen Kaiser, der den Frieden suchte, seine Familie liebte, seinem Gewissen folgte und im Leiden zu einer Heiligkeit heranreifte, die alle politische Größe weit überragt! Gewiss, Karl war kein unfehlbarer Politiker, und auch seine Regierungszeit darf historisch kritisch betrachtet werden. Doch die Kirche hat ihn nicht wegen politischer Erfolge seliggesprochen, sondern wegen seiner heroischen christlichen Tugenden. Gerade das macht ihn zu einem Vorbild, das weit über die untergegangene Donaumonarchie hinausweist.

Für den überzeugten Abendländer ist der selige Kaiser Karl deshalb weit mehr als eine ehrwürdige Gestalt aus einer versunkenen Welt. Er erinnert uns daran, dass die katholische Religion niemals bloß Privatsache sein kann, dass auch die öffentliche Ordnung sittlichen Maßstäben untersteht und dass wahre Autorität ihren höchsten Ausdruck nicht in der Durchsetzung des eigenen Willens, sondern im Dienst an Gott und den Menschen findet. Der Kaiser verlor seine Krone auf Erden. Aber er bewahrte jene Treue, ohne die keine irdische Krone ihren letzten Sinn besitzt. Möge dieser „sanfte Riese des Glaubens“ gerade heute, in einer Zeit der Glaubensverwirrung, der politischen Maßlosigkeit und des schwindenden Bewusstseins für die christlichen Wurzeln Europas, wiederentdeckt werden. Nicht als Gegenstand bloßer monarchistischer Nostalgie, sondern als leuchtendes Beispiel katholischer Standhaftigkeit, christlicher Herrschertugend und heiliger Demut.

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