Endlich sozialistisch wohnen in Berlin: Teurer, schäbiger, enteignet-volkseigen!

(David Berger) Berlin entdeckt den Sozialismus wieder. Die Wohnungen werden teurer, die Häuser verfallen – aber wenigstens gehört das Elend dann dem Volk.

Es gehört zu den zuverlässigsten Eigenschaften des Sozialismus, dass er zunächst das Paradies verspricht und anschließend die Rechnung präsentiert. Und wenn das Paradies ausbleibt, liegt es selbstverständlich daran, dass noch nicht genügend enteignet wurde. In Berlin steht nun unter Rot-rot-grün die nächste Aufführung dieses historischen Erfolgsmodells bevor. Die großen Wohnungskonzerne sollen verschwinden, damit endlich Schluss ist mit dem unerträglichen Skandal, dass Menschen Wohnungen vermieten und dabei Geld verdienen.

Die politischen Erben der SED, die sich heute unter dem freundlicheren Namen „Die Linke“ präsentieren, dürften ihre helle Freude daran haben. Endlich wieder Klassenkampf mit Immobilien! Dass durch die Enteignung keine einzige neue Wohnung entsteht, kein Dach repariert und keine Heizung erneuert wird, sind lästige Einzelheiten, mit denen sich sozialistische Erlösungsphantasien traditionell nicht aufhalten. Hauptsache, der Kapitalist ist weg. Das Geld wird ihm folgen. Und die funktionierenden Heizungen irgendwann auch.

Denn selbst die revolutionärste Wohnungsverwaltung wird feststellen, dass Heizungsmonteure nicht von Klassenbewusstsein leben und Milliardenentschädigungen sich nicht mit Marx-Zitaten bezahlen lassen. Die Kosten steigen, die Sanierungen bleiben aus, und der Schimmel an der Wand wird zum gesellschaftlichen Eigentum erklärt. Ein historischer Fortschritt.

Die Linkenwähler werden am Ende die Zeche zahlen

Besonders köstlich ist die Rolle jener Berliner Mieter, die sich von der Enteignung ihre Befreiung versprechen. Sie glauben offenbar, man müsse nur den Eigentümer beseitigen, und schon verschwänden mit ihm die wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten. Die Mieten werden steigen, die Wohnungen werden herunterkommen, und die begeisterten Befürworter werden feststellen, dass man in einem sozialistischen Paradies zwar hervorragend Klassenkampf führen, aber immer schlechter wohnen kann. Die Antwort darauf wird selbstverständlich lauten: mehr Staat, mehr Regulierung, mehr Sozialismus. Und wenn das Dach einstürzt, gehört der Schutt schließlich ebenfalls allen.

Das eigentlich Schöne an der Berliner Enteignungsromantik ist ihre unfreiwillige Komik. Ausgerechnet jene Mieter, die sich begeistert gegen die vermeintlichen Kapitalistenschweine mobilisieren lassen, werden am Ende selbst die Zeche zahlen – als Steuerzahler, als Wohnungssuchende oder als Bewohner eines Hauses, dessen Sanierung dem nächsten sozialistischen Finanzierungswunder geopfert wird. Erst werden sie befreit, dann werden sie zur Kasse gebeten. Und wenn sie sich beschweren, haben sie die historische Notwendigkeit offenbar noch immer nicht verstanden.

Vielleicht wird die Linkspartei dann endlich erkennen, wer die wahren Klassenfeinde sind: diese unverschämten Mieter, die bezahlbare Wohnungen, funktionierende Heizungen und trockene Wände verlangen, statt sich dankbar am historischen Sieg über das Privateigentum zu berauschen. Dabei hätten sie aus der DDR doch lernen können, wie sozialistischer Wohnkomfort funktioniert: Wer eine Wohnung wollte, wartete. Wer eine Reparatur brauchte, wartete länger. Und wer sich beschwerte, hatte den Sozialismus nicht verstanden und landete im Knast, wo es noch ungemütlicher war. Schließlich war nie versprochen worden, dass alles funktioniert – nur, dass alles allen gehört. Enteignet endlich auch die Mieter! Wer den Sozialismus herbeijubelt, soll schließlich nicht um das Privileg gebracht werden, als Erster für ihn zu bezahlen.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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