Während EU auf Konfrontation setzt: Papst Leo hält den direkten Draht nach Moskau offen

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Während die Europäische Union ihren politischen und wirtschaftlichen Druck auf Russland weiter verschärft, setzt der Vatikan unter Papst Leo XIV. auf eine diplomatische Methode: reden statt isolieren. Erzbischof Paul Richard Gallagher, der „Außenminister“ des Heiligen Stuhls, ist zu hochrangigen Gesprächen nach Moskau gereist.

Gallagher traf am Dienstag mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow zusammen. Es handelt sich um den ersten persönlichen hochrangigen Austausch dieser Art seit fünf Jahren und um Gallaghers ersten Moskau-Besuch seit dem Beginn des Ukrainekrieges. Im Mittelpunkt standen mögliche Wege zu einem Ende des Krieges sowie humanitäre Fragen. Gallagher bezeichnete ein Ende des Krieges als dringend notwendig und bekräftigte die Bereitschaft des Heiligen Stuhls, diplomatische und humanitäre Initiativen zu unterstützen. Beide Seiten vereinbarten zudem eine weitere Zusammenarbeit zugunsten der vom Krieg betroffenen Kinder.

Damit setzt der Vatikan einen bemerkenswerten Kontrapunkt zur gegenwärtigen Russlandpolitik der Europäischen Union und besonders auch der Bundesregierung. Brüssel hat erst Ende Juli sein inzwischen 21. Sanktionspaket gegen Russland verabschiedet. Nach eigener Darstellung will die EU damit Russlands Wirtschaft und Kriegsfähigkeit weiter schwächen und den Druck auf Moskau erhöhen. Die seit 2022 verhängten Maßnahmen bezeichnet die EU selbst als „massiv“ und „beispiellos“. Und Merz hat schon kurz nach seinem Sommerurlaub Andeutungen gemacht, die auf eine gewollte Eskalation gegen Russland hindeuten.

Moskau weiter Gesprächspartner des Vatikan

Rom wählt einen anderen Weg. Das bedeutet keineswegs, dass Leo XIV. die russische Kriegsführung billigt. Der Papst hat wiederholt die Opfer des Krieges beklagt, und auch Gallagher machte in Moskau deutlich, dass der Krieg beendet werden müsse. Doch der entscheidende Unterschied liegt in der diplomatischen Methode: Der Heilige Stuhl behandelt Russland weiterhin als Gesprächspartner. Wo andere auf zusätzlichen Druck und Sanktionen setzen, hält Rom die Kommunikationskanäle offen.

Das ist auch praktisch von Bedeutung. Der Vatikan hat sich bereits in der Vergangenheit bei humanitären Fragen und Gefangenenaustauschen eingeschaltet. Nun spricht sein oberster Diplomat wieder unmittelbar mit der russischen Führung über mögliche Wege aus dem Krieg. Gerade angesichts eines Konflikts, der seit mehr als vier Jahren immer neue Opfer fordert, erscheint diese vatikanische Diplomatie keineswegs weltfremd. Denn irgendwann wird auch dieser Krieg nicht allein auf dem Schlachtfeld, sondern am Verhandlungstisch beendet werden müssen. Dass Leo XIV. den direkten Draht nach Moskau nicht abreißen lässt, könnte sich dann als wichtiger erweisen, als es gegenwärtig in Brüssel erscheinen mag.

CIA-Direktor John Ratcliffe ebenfalls in Moskau

Am heutigen Tag ist auch CIA-Direktor John Ratcliffe in Moskau eingetroffen. US-Medien zufolge reiste der Geheimdienstchef an Bord einer amerikanischen C-17-Militärmaschine zu bislang nicht näher bezeichneten Gesprächen in die russische Hauptstadt. Es dürfte sich um Ratcliffes ersten Russlandbesuch als CIA-Direktor handeln; mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Naryschkin stand er allerdings bereits zuvor in Kontakt. Über Gesprächspartner und Zweck der ungewöhnlichen Reise schweigen Washington und Moskau bislang. Dass zeitgleich mit dem vatikanischen „Außenminister“ auch einer der wichtigsten Sicherheitsbeamten der Trump-Regierung persönlich in Moskau verhandelt, unterstreicht jedoch: Während Brüssel den Druck auf Russland erhöhen will, setzen sowohl Washington als auch der Vatikan weiterhin auf direkte Gesprächskanäle zum Kreml.


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