Kissler rechnet ab: So unterwirft sich die Kirchensteuerkirche dem Islam

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(David Berger) Alexander Kissler dürfte unter den bekannten deutschen Journalisten zu jenen gehören, die mit dem Katholizismus, seiner Theologie und seinem Selbstverständnis am besten vertraut sind. Umso schwerer wiegt seine Diagnose: Unter dem Schlagwort des interreligiösen Dialogs betreibe die katholische Kirche ein immer weitergehendes Islam-Appeasement – bis hin zur Preisgabe ihres eigenen Missionsauftrags.

Anlass für Kisslers Kommentar ist ausgerechnet ein offizielles katholisches Verkündigungsformat im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der katholische Theologe Marko Kuhn berichtete am 15. August im „Wort zum Tag“ von SWR Kultur über eine Reise in die kenianische Küstenstadt Malindi. Dort habe ihn besonders der christlich-islamische Dialog beeindruckt. Als dessen Ziel beschreibt Kuhn, dass „Christen im Dialog zu besseren Christen werden, und Muslime zu besseren Muslimen“. Entscheidend sei, einander kennenzulernen und Einblick in den Glauben des anderen zu gewinnen: „Nicht, die anderen zu überzeugen oder zu bekehren.“ Diese Aussagen sind im veröffentlichten Originaltext des SWR tatsächlich nachzulesen.

Damit Muslime die besseren Muslime werden

Für Kissler ist damit eine rote Linie überschritten. Denn die Kirche habe von Christus keinen Auftrag erhalten, Muslime zu besseren Muslimen zu machen. Ihr Auftrag sei vielmehr die Verkündigung des Evangeliums an alle Menschen. Kissler erinnert damit an den Missionsbefehl Christi: „Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19). Aus seiner Sicht ist eine Kirche, die Bekehrung ausdrücklich nicht mehr anstrebt, mit ihrem eigenen neutestamentlichen Fundament in Konflikt geraten.

Dabei richtet sich Kisslers Kritik nicht gegen den Dialog mit Muslimen als solchen. Auch die Achtung der Menschenwürde und ein friedliches Zusammenleben stehen nicht zur Debatte. Der entscheidende Punkt ist vielmehr die Frage, ob Dialog die Mission ergänzt oder ersetzt. Wenn aus der Achtung vor dem Muslim die Überzeugung wird, er solle gerade in seinem islamischen Glauben bestärkt werden, verändert sich nach Kisslers Argumentation der Charakter des interreligiösen Dialogs fundamental. Das Beispiel Kuhns steht für ihn deshalb für eine viel weiter reichende Entwicklung. Die großen „Kirchensteuerkirchen“, wie Kissler sie zutreffend nennt, sprächen zwar weiterhin von Verkündigung, ersetzten aber zunehmend die spezifisch christliche Botschaft durch politische und gesellschaftliche Allgemeinplätze. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk werde dann über Zivilgesellschaft, Klimapolitik, Toleranz und gesellschaftlichen Zusammenhalt gesprochen – während Sünde, Erlösung, Wahrheit, Bekehrung und der Anspruch Christi immer stärker in den Hintergrund träten.

Kissler führt diese Entwicklung bis in das Pontifikat von Papst Franziskus zurück. Besonders problematisch erscheint ihm das 2019 in Abu Dhabi gemeinsam mit dem Großimam von Al-Azhar, Ahmad al-Tayyeb, unterzeichnete „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen“. Dort heißt es tatsächlich, der „Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion“ entsprächen einem „weisen göttlichen Willen“. Gerade diese Passage hat seit ihrer Veröffentlichung erhebliche theologische Diskussionen ausgelöst; Franziskus erläuterte später, Gottes Wille sei hinsichtlich der Verschiedenheit der Religionen im Sinne seines zulassenden Willens (voluntas permissiva) zu verstehen. Auch in der theologischen Literatur wird die ursprüngliche Formulierung dennoch als zumindest missverständlich und relativismusverdächtig diskutiert. Dieser Kritikpunkt dürfte der fatalste in einer ganzen Reihe von Verfehlungen dieses Papstes sein, die ich bereits in meinem Nachruf auf Franziskus angeführt hatte.

Religiöse Selbstaufgabe

Damit berührt Kissler einen tatsächlich fundamentalen Punkt katholischer Ekklesiologie: Die Kirche versteht sich traditionell nicht lediglich als eine Religionsgemeinschaft neben anderen, die gemeinsam mit diesen an einer allgemeinen religiösen Verbesserung der Menschheit arbeitet. Ihr Missionsauftrag beruht auf dem Anspruch, dass in Jesus Christus die Wahrheit und das Heil für alle Menschen offenbar geworden sind. Religionsfreiheit verbietet Zwangsbekehrungen; Respekt vor Muslimen verbietet Verachtung und Feindseligkeit. Beides bedeutet jedoch keineswegs, dass die Kirche auf Mission und den Wunsch nach freiwilliger Bekehrung verzichten müsste. Genau hier setzt Kisslers schärfste These an: Eine Kirche, die nicht mehr darauf hofft, dass ein Muslim Christus erkennt und Christ wird, sondern ausdrücklich erreichen möchte, dass er ein „besserer Muslim“ wird, betreibe keinen christlichen Dialog mehr, sondern religiöse Selbstaufgabe.

Sein Kommentar trägt deshalb den programmatischen Titel „Katholische Kirche kapituliert vor dem Islam“. Kisslers Vorwurf ist ebenso drastisch wie zutreffend: Unter den wohlklingenden Begriffen Dialog, Toleranz und Brüderlichkeit werde der universale Wahrheits- und Missionsanspruch des Christentums Stück für Stück preisgegeben. Am Ende stehe eine Kirche, die zwar noch institutionell präsent sei, sich aber nicht mehr traue, das zu wollen, wozu sie nach ihrem eigenen Glauben gesandt wurde: alle Menschen zu Jesus Christus zu führen.

Das vollständige Video von Alexander Kissler:


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