
Ausgerechnet aus der Spitze der deutschen Arbeitgeberverbände kommt nun deutlicher Widerspruch gegen die sogenannte „Brandmauer“ zur AfD. Das berichtet das Nachrichtenportal Nius. Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und selbst ehemaliger CDU-Politiker, erklärte im Gespräch mit dem Journalisten Paul Ronzheimer, dass er und Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger mit diesem Prinzip wenig anfangen könnten.
Der Grund dafür ist bemerkenswert einfach: In deutschen Unternehmen arbeiten Menschen mit ganz unterschiedlichen politischen Überzeugungen – darunter selbstverständlich auch Wähler und Anhänger der AfD. Es sei nicht Aufgabe der Arbeitgeber, so Kampeter, ihren Beschäftigten vorzuschreiben, „was sie zu wählen haben, was sie zu unterlassen haben“. Auch in betrieblichen Interessenvertretungen gebe es Menschen, die der AfD nahe stünden. Deren Rechte müssten ebenso respektiert werden.
Damit setzt Kampeter einen bemerkenswerten Kontrapunkt zur inzwischen in weiten Teilen von Politik, Verbänden und Institutionen gepflegten Ausgrenzungsstrategie. Ein Arbeitgeberverband sei schließlich Interessenvertretung und keine „politische Volkshochschule“, die ihren Mitgliedern die politisch erwünschte Haltung beizubringen habe.
Auch eine grundsätzliche Gesprächsverweigerung gegenüber AfD-Politikern lehnt Kampeter ab. Man rede mit denen, die den Dialog suchten, Veranstaltungen besuchten oder sich an den Verband wendeten. Ein aktives Gespräch mit AfD-Chefin Alice Weidel habe er bislang allerdings nicht gesucht.
Die Äußerungen sind auch deshalb politisch interessant, weil Kampeter aus der CDU kommt und von 2009 bis 2015 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium war. Während führende Unionspolitiker die Brandmauer weiterhin verteidigen, wird deren Sinn inzwischen offenbar selbst im wirtschaftsnahen Umfeld der Union zunehmend hinterfragt.
Kampeters Argument dürfte dabei schwer zu widerlegen sein: Wer Millionen AfD-Wähler beschäftigt, mit ihnen arbeitet und ihre Arbeitnehmervertretungen respektiert, kann kaum gleichzeitig so tun, als dürften diese Menschen im gesellschaftlichen und politischen Raum grundsätzlich nicht als Gesprächspartner vorkommen. Die Brandmauer bekommt damit einen weiteren Riss – diesmal aus einer Richtung, die man kaum als politisch radikal abtun kann.







