Es gibt Nachrichten, bei denen man zunächst glaubt, sie stammten aus der Feder eines Karnevalisten nach dem dritten Kölsch. Leider war diesmal kein Büttenredner am Werk, sondern der Kölner Alltag.
Im sich permanent für seine hippe Buntheit feiernden Köln-Ehrenfeld hat ein griechischer Imbiss eröffnet, der nach eigenen Angaben „Deutschlands erster Halal-Grieche“ sein will. Der Kölner Express feierte die Innovation gestern in höchsten Tönen. Die Gründer werben offensiv damit, beim Gyros vollständig auf Schweinefleisch zu verzichten und ausschließlich halal-zertifiziertes Fleisch anzubieten. Die Begründung liefern sie gleich mit: Man wolle auf diese Weise „die muslimische Bevölkerung erreichen“. Das Unternehmen betont zugleich, man bleibe selbstverständlich ein authentischer griechischer Imbiss – nur eben ohne das Fleisch, das Gyros in Deutschland seit Jahrzehnten ausmacht.
Natürlich. Warum auch nicht? Wenn man schon seit Jahren Fahnen mit dem Motto „Vedel gegen Rassismus“ heraushängt und sein Gebräu programmatisch nur noch Linksgrünen und Linksextremisten servieren will, in Köln schon jahrzehntelang übt, wäre es geradezu traditonsvergessen gewesen, ausgerechnet das Gyros zu verschonen.
Der nächste logische Schritt ist ohnehin überfällig. Bayerische Schweinshaxe ohne Schwein. Thüringer Rostbratwurst aus Tofu. Kölsch ohne Alkohol, Dom ohne Kreuz und Christopher Street Day mit Burka-Pflicht – selbstverständlich alles im Namen von Vielfalt und Offenheit. Denn Vielfalt bedeutet heute bekanntlich, dass am Ende überall dasselbe angeboten wird. Und da stehen die Weichen derzeit auf „halal“. Berlins neuer Shootingstar der komplett verkommenen CDU will jetzt sogar Schwulsein „halal““ gestalten.
Man erinnert sich noch an die endlosen Debatten über die vegane Wurst. Millionen Deutsche mussten lernen, dass etwas, das weder Fleisch enthält noch nach Fleisch schmeckt, selbstverständlich „Wurst“ heißen darf. Oder dass Personen, die einen Penis haben, aber sich zu einer Frau erklären, auch Frauen sind. Warum also sollte Gyros künftig noch etwas mit Schweinefleisch zu tun haben? Sprache ist schließlich nur ein soziales Konstrukt – jedenfalls solange niemand das falsche Pronomen benutzt.
Besonders kölsch wirkt allerdings die Begründung, man wolle „die muslimische Bevölkerung erreichen“. Man stelle sich den umgekehrten Fall vor. Ein türkischer Imbiss würde erklären, er stelle auf Schweinefleisch um, um die christliche Bevölkerung besser zu erreichen. Und er würde die Wände seines Restaurants mit Bibel- statt Koransprüchen dekorieren.
Man hätte vermutlich schon vor der Eröffnung einen Brennpunkt bei ARD und ZDF eingerichtet. Der Verfassungsschutz würde prüfen, ob zwischen Currysoße und Krautsalat rechtsextreme Netzwerke entstanden sind. Wie wir bereits erfahren mussten, wäre da sehr schnell die Polizei zur Hausdurchsuchung angerückt. Der WDR würde eine Sondersendung über „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Dönergewerbe“ produzieren, während sich die Oberbürgermeisterin betroffen vor die Kameras stellte.
Doch in Köln gelten bekanntlich andere Naturgesetze. Dort hängen Schilder mit der Aufschrift „Kein Kölsch für Nazis“, während man gleichzeitig jedem erklärt, kulturelle Anpassung sei eine Form struktureller Gewalt. Integration ist gut – allerdings nur in eine Richtung.
Der alte Kölner Leitspruch lautete einst: „Jeder Jeck ist anders.“ Heute heißt er offenbar: „Jeder Jeck ist gleich – solange er halal isst.“
Natürlich darf jeder Gastronom verkaufen, was er möchte. Das ist Marktwirtschaft und sein gutes Recht. Bemerkenswert ist nicht die Speisekarte. Bemerkenswert ist der kulturelle Reflex dahinter. Ausgerechnet ein Gericht, das in Deutschland über Jahrzehnte zu einem Stück griechischer Einwanderungsgeschichte geworden ist, wird nun umdefiniert, weil man sich den Erwartungen einer anderen religiösen Gemeinschaft anpassen möchte.
Es ist derselbe Geist, der Weihnachtsmärkte in „Wintermärkte“ umbenennen wollte, St. Martin in „Lichterfest“, den Nikolaus in einen neutralen „Geschenkebringer“ und Osterhasen in „Sitzhasen“, damit sich bloß niemand an der eigenen Kultur stößt. Die Botschaft lautet stets dieselbe: Die Mehrheitskultur soll möglichst geräuschlos verschwinden. Nicht durch Verbote – das wäre zu plump. Sondern durch sanfte Selbstauflösung. Scheibchenweise. Gyros für Gyros.
Aber vielleicht sehen wir das alles viel zu eng. Vielleicht erleben wir gerade lediglich die konsequente Evolution der deutschen Küche. Nach der veganen Leberwurst kommt eben der Halal-Gyros. Danach folgen koscheres Schweinefilet, alkoholfreies Kölsch mit Ramadan-Siegel und schließlich der Höhepunkt jeder postmodernen Kulinarik: eine Weißwurst, die weder weiß noch Wurst ist, dafür aber garantiert niemanden beleidigt. Nur eines wird es dann wahrscheinlich nicht mehr geben: Traditionen, die uns Wurzel und Stärke sind.
***
Dieser Blog ist weiterhin dringend auf Ihre finanzielle Unterstützung angewiesen. Wenn Sie helfen könnten, die Finanzierung der Technik sicherzustellen, wäre dies ganz großartig:
Oder per Überweisung auf
David Berger, IBAN: DE44 1001 0178 9608 9210 41 – BIC REVODEB2 – Stichwort: Schenkung
ÜBERWEISUNG (Stichwort: Schenkung)
Entdecke mehr von Philosophia Perennis
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.








