
Das Brot, das wir im Herbst dieses Jahres und im nächsten Jahr kaufen werden, wird teurer sein. Der Grund hierfür ist die nicht ausreichend erfolgte Düngung der Äcker. Wenn Dünger unbezahlbar wird, bleiben Ähren klein und Brötchen werden teuer. Die Krise beginnt nicht im Supermarkt, sondern auf dem Acker. Gastbeitrag von Meinrad Müller
Ich bin auf einem Hof groß geworden. Damals kam der Dünger aus dem Stall. Kühe, Schweine und Hühner lieferten, was die Äcker brauchten. Kunstdünger gab es auch, aber er war teuer und wurde nur auf mageren Feldern sparsam eingesetzt. Heute aber hängt die moderne Landwirtschaft an Harnstoff. Ohne diese kleinen weißen Körnchen wächst vieles nur noch halb so gut.
Ein großer Teil dieser Düngemittel kommt aus Regionen, in denen billiges Gas die Herstellung möglich macht. Dazu gehört auch die Golfregion. Wenn die Straße von Hormus blockiert ist, hängen Schiffe fest, Lieferketten reißen und Preise für Kunstdünger steigen. Dann wird aus einem fernen Seeweg plötzlich eine Frage für Bäcker, Bauern und Verbraucher.
Bayer-Chef Bill Anderson hat vor geringeren Ernten auf der Nordhalbkugel gewarnt, wenn diese Route länger gestört bleibt. Das klingt zunächst nach Agrarwirtschaft. Tatsächlich betrifft es jeden, der Brot, Kartoffeln, Milch, Eier oder Fleisch kauft. Und für dieses Jahr ist es mit dem Düngen ohnehin zu spät.
Teurer Dünger macht alles teurer
Harnstoff ist bereits stark im Preis gestiegen: Seit Februar verteuerte sich die Tonne von rund 450 auf etwa 750 Euro. Wenn Dünger zu teuer wird, lohnt sich der Einsatz nicht mehr.
Das trifft Weizen, Mais, Kartoffeln und Gemüse. Mais ist zugleich wichtiges Futter für Hühner, Schweine und Rinder. Wird Mais knapp und teuer, steigen auch die Preise für Eier, Milch, Käse, Hackfleisch und Schnitzel.
2022 war nur der Vorgeschmack. Schon 2022 zeigte der Ukraine-Krieg, wie empfindlich unsere Ernährung geworden ist. Düngerlieferungen aus Russland wurden sanktioniert.
Die Politik wird beschwichtigen, doch bezahlen müssen am Ende andere. Der Bauer auf dem Feld, der Bäcker am Ofen und der Bürger an der Kasse. Unser tägliches Brot steht diesmal wirklich auf dem Spiel. Die Zeit des billigen Essens geht zu Ende.
Ohne Kunstdünger können bis zu 50 % der Ernte ausfallen.
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