Vatikan ehrt iranischen Botschafter mit höchstem Diplomatenorden

(David Berger) Der Vatikan hat dem iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl, Mohammad Hossein Mokhtari, die höchste diplomatische Auszeichnung des Kirchenstaates verliehen. Papst Pope Leo XIV überreichte dem Diplomaten den Großkreuzorden des Piusordens – eine Ehrung, die traditionell nur an hochrangige Botschafter und Persönlichkeiten mit besonderen Verdiensten um Diplomatie und Frieden vergeben wird.

Die Auszeichnung ist zwar ein Routineakt anlässlich des Endes seiner Amtszeit verdienter Botschafter, gilt aber auch als bemerkenswertes Signal in einer Zeit zunehmender Spannungen im Nahen Osten. Nach Angaben iranischer Medien würdigte der Vatikan insbesondere den Einsatz der iranischen Botschaft für Dialog, internationale Verständigung und Friedensbemühungen. Der Piusorden wurde bereits im Jahr 1847 unter Papst Pius IX. gestiftet und zählt zu den bedeutendsten Ehrungen des Heiligen Stuhls.

Beobachter sehen in der Verleihung auch eine diplomatische Botschaft des neuen Pontifikats von Papst Leo XIV. Der Papst hatte in den vergangenen Monaten wiederholt zu Frieden und internationaler Zusammenarbeit aufgerufen. Bei einem Treffen mit Vatikan-Diplomaten betonte er zuletzt, die Kirche müsse als „Brücke des Friedens“ wirken und Menschenrechte sowie internationale Kooperation fördern.

Problem von Leo: Trump-Phobie

Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem Iran gelten trotz politischer Differenzen seit Jahren als vergleichsweise stabil. Der Heilige Stuhl pflegt weiterhin diplomatische Kontakte nach Teheran und setzt traditionell auf Dialog mit Staaten unterschiedlicher politischer Systeme. Bereits zuvor hatte Papst Leo XIV. Vertreter der katholischen Kirche im Iran empfangen und die Bedeutung diplomatischer Vermittlung in Konfliktzeiten hervorgehoben. Das kann man zu dem Verhältnis des Vatikans zu den USA nicht mehr sagen, seitdem ein Papst aus den Vereinigten Staaten der römischen Kirchen vorsteht.

Die Frage steht im Raum, ob nicht mit der Ehrung eines iranischen Diplomaten ein problematisches politisches Signal gesendet wird. Anlass dafür ist die Menschenrechtslage im Iran sowie die enge Verbindung zwischen Diplomatie und Staatsführung in Teheran. Damit bekommen die Bedenken neue Nahrung, die bereits  bezüglich der seltsamen, wohl auch von Trump-Phobie bestimmten Haltung des Papstes zum Iran-Konflikt aufkamen und die zu den diplomatischen Verstimmungen zwischen dem Heiligen Stuhl und den USA führten. Die Verleihung des Piusordens geht nicht nur weit über die geforderte diplomatische Neutralität hinaus, der Vatikan wertet damit ein autoritäres Islam-Regime unnötig auf.

„Ich rufe den Papst dazu auf, mit Präsident Trump zusammenzuarbeiten …“

Ein Katholik aus Nordisrael hat dazu auf X folgende Worte gefunden, die wir nicht weiter kommentieren möchten:

„Ich bin ein maronitischer aramäischer Christ, Katholik aus dem Nordisrael, Galiläa. In den letzten sieben Jahrzehnten hat der Vatikan versagt, Christen in unserer Region im Nahen Osten zu schützen, ihre Beschwichtigungspolitik wie auf diesem Foto und ihre Diplomatie haben das Christentum im Heiligen Land geschwächt und Muslime dazu ermutigt, ihre Unterdrückung gegen alle Christen fortzusetzen, insbesondere im Libanon, Syrien, im Irak und in Bethlehem.

In der Vergangenheit hat der Vatikan gegen unseren syrisch-maronitischen Patriarchen Anton Arida gehandelt, der für Frieden mit Israel eintrat.

Nun höre ich viele Menschen hier vor Ort sagen, wir haben die Hoffnung auf diese Art von Führung verloren, und wir sehen in Trump einen Verteidiger unseres Bestehens als Christen in dieser Region. Ich rufe den Papst dazu auf, mit Präsident Trump zusammenzuarbeiten, anstatt das iranische islamische Übelregime zu besänftigen, und auf einer Linie mit Präsident Trump zu sein, anstatt mit seiner Führung zu kollidieren. Das würde allen Christen zugutekommen, von allen Seiten, aus allen Hintergründen.“


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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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