Joschka Fischer meldet sich mit altbekanntem Pathos zurück und fordert nichts Geringeres als eine atomare Bewaffnung der EU – ausgerechnet jener Mann, der einst zu den fanatischsten Gegnern jeder Form von Kernkraft zählte. Sein Vorstoß steht exemplarisch für die radikale Kehrtwende und den alarmistischen Militarismus einer grünen Polit-Generation, die ihre eigenen früheren Überzeugungen heute mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit entsorgt. Ein Gastbeitrag
Die sich verändernde Weltlage überfordert nicht nur die aktuelle deutsche Politkaste; auch halb vergessene Fossile der vorherigen Generation meinen, sich wieder verstärkt zu Wort melden zu müssen. Dazu gehört auch der grüne Ex-Außenminister Joschka Fischer, der nun mit seiner altbekannten Aufgeblasenheit ernsthaft eine atomare Bewaffnung der gesamten EU fordert – natürlich wegen Trump, dank dem die amerikanische Schutzgarantie „ab sofort ungewiss“ sei.
Eine eigene deutsche Atombombe lehnt Fischer jedoch strikt ab. Zwar stehe Deutschland in der Verantwortung, eine Führungsrolle in Europa zu übernehmen, „aber immer gemeinsam mit den anderen“. Es sollte „nie wieder allein agieren, nie wieder. Wir brauchen unsere europäischen Partner“, beschwor er. Auch das Bekenntnis, er selbst würde heute Wehrdienst leisten, durfte nicht fehlen: „Die Zeit ist eine andere. Wir werden bedroht. Wir müssen uns verteidigen“, meint er – als ob es in Fischers jungen Jahren im Kalten Krieg keine Bedrohung gegeben hätte und Verteidigung unnötig gewesen wäre, abgesehen davon, dass die Gefahr durch die hochgerüstete und nach weltweiter Dominanz strebende Sowjetunion wesentlich realer war als die herbeigelogene Gefahr eines Angriffs des heutigen Russlands auf NATO-Gebiet, zu dem dieses weder willens ist noch fähig wäre.
Von Defätisten zu markigen Patrioten
Man weiß wahrlich nicht, worüber man hier mehr den Kopfschütteln soll: Über die grüne Schizophrenie, binnen weniger Jahrzehnte alles auf den Kopf zu stellen, wofür man einst eingetreten ist, oder der Alarmismus dieses hysterischen Geschwafels, das mittlerweile typisch ist für zu Kriegstreibern und Schein-Patrioten mutierte Grüne. Auch Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck gab sich ja bekanntlich bereits als reumütig-geläuterter Kriegsdienstverweigerer, der heute zur Bundeswehr gehen würde: „Ich hätte heute kein moralisches Argument mehr zu verweigern. Ein Aggressor wie Putin nutzt Schwäche eiskalt aus“, hatte er zum Thema “Kriegstüchtigkeit” erklärt.
Derlei doppelmoralische Grünen-Gestalten, die jahrelang verkünden zu müssen meinten, dass jede Landesverteidigung ewiggestrig und nationalistisch sei, die wie Habeck sogar in Buchform („Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht“) den Defätismus zum Lebensinhalt gemacht haben und es sich ihr Leben lang im „Schweinesystem“ auf Kosten anderer bequem gemacht haben, inszenieren sich nun als verhinderte Vaterlandsverteidiger gegen die imaginäre Gefahr eines russischen Angriffs und neuerdings auch gleich noch als um die US-Bündnistreue besorgte Patrioten, während in ihrer Jugend die hochgradig reale Gefahr durch die Sowjetunion für sie kein Grund war, Wehrdienst zu leisten.
Und just die Gurus des deutschen Atomausstiegs, die selbst die friedliche Nutzung von Kernkraft jahrzehntelang verteufelt haben und deren Irrsinn Deutschland auf allen Gebieten in den Untergang treibt, wollen nun die atomare Großbewaffnung Europas, um Deutschland zu schützen. Ein Land also, mit dem sie zeitlebens fremdelten und das sie selbst so gründlich zerstört haben, dass es heute de facto nur noch ein geographischer Begriff ist, der als kulturelle Einheit gar nicht mehr existiert. Fischers großspuriges Geschwafel ist ein weiteres Dokument der grenzenlosen Verkommenheit dieser defekten “Eliten”.
Erstveröffentlichung bei ANSAGE.ORG.
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