(David Berger) In einer ungewöhnlich scharfen Rede vor rund 184 Diplomaten am Heiligen Stuhl hat Papst Leo XIV. die internationale Gemeinschaft eindringlich vor einer Rückkehr der Kriegsideologie und einer verzerrten Sprache gewarnt, die demokratische Formen aushöhle.
„Krieg ist wieder in Mode“, sagte der Papst am Freitag in seiner jährlichen außenpolitischen Ansprache, die traditionellerweise bei seinen Vorgängern eher diplomatisch zurückhaltend ausfiel. Er prangerte an, dass eine Diplomatie, die einst auf Dialog und Konsens beruhte, zunehmend durch eine auf militärischer Gewalt basierende Politik ersetzt werde. Diese Entwicklung bedrohe nicht nur den Weltfrieden, sondern auch die Grundpfeiler des internationalen Rechts und multilateraler Zusammenarbeit.
Antichristliche Kriegstreiberei
Leo, der erste US-amerikanische Papst, zeigte sich alarmiert über die zunehmende Bereitschaft von Staaten, ihre außenpolitischen Ziele mit Gewalt durchzusetzen. „Ein Eifer für den Krieg breitet sich aus“, sagte er besorgt. Außergewöhnlich, dass er hier zum ersten mal sogar vor den Gefahren des Dschihad warnt. Noch vor Kurzem hatte er die Gefahr, die von der Islamisierung für Christen in aller Welt ausgeht, auf seltsame Weise bagatellisiert. Hat hier – unter dem Druck der realen Verhältnisse und angesichts der Kritik von gläubigen Christen – ein Umdenken stattgefunden
Da Deutschland sowohl in der katholischen Welt als auch in der Friedenspolitik keine bedeutende Rolle spielt, nannte der Papst selbstverständlich hier weder Merz und Kiesewetter. Sie dürfen sich aber durchaus hier vom Papst verurteilt sehen, ebenso wie deutsche Kleriker, die in den letzten Jahren immer wieder fast direkt den Krieg gegen Russland „gesegnet“ haben.
Ehe nur zwischen Mann und Frau
Im Hinblick auf die zunehmende Auflösung von Ehe und Familie mahnte der Papst: „Die Berufung zur Liebe und zum Leben, die sich in herausragender Weise in der ausschließlichen und unauflöslichen Verbindung zwischen Frau und Mann zeigt, erfordert eine grundlegende ethische Verpflichtung: Familien in die Lage zu versetzen, werdendes Leben anzunehmen und sich umfassend um es zu kümmern. Dies ist mehr denn je eine Priorität, insbesondere in jenen Ländern, die einen dramatischen Rückgang der Geburtenrate erleben. Das Leben ist nämlich ein unschätzbares Geschenk, das sich im Rahmen einer verbindlichen Beziehung entwickelt, die auf gegenseitiger Hingabe und Dienst beruht.
In Anbetracht dieser tiefgründigen Anschauung vom Leben als einem Geschenk, das es zu bewahren gilt, und von der Familie als seiner verantwortlichen Hüterin, ergibt sich die kategorische Ablehnung von Praktiken, die den Ursprung des Lebens und seine Entwicklung verhindert oder instrumentalisieren. Dazu gehört die Abtreibung, die ein werdendes Leben beendet und die Annahme des Geschenks des Lebens verweigert. In diesem Sinne äußert der Heilige Stuhl tiefe Besorgnis über Projekte zur Finanzierung der grenzüberschreitenden Mobilität zwecks Zugangs zum sogenannten „Recht auf sichere Abtreibung” und hält es für beklagenswert, dass öffentliche Mittel für die Vernichtung von Leben verwendet werden, statt in die Unterstützung von Müttern und Familien investiert zu werden. Das vorrangige Ziel muss weiterhin der Schutz eines jeden ungeborenen Kindes und die wirksame und konkrete Unterstützung einer jeden Frau sein, damit sie das Leben annehmen kann.
Ebenso gibt es das Phänomen der Leihmutterschaft, die durch die Umwandlung der Schwangerschaft in eine verhandelbare Dienstleistung sowohl die Würde des zu einem „Produkt“ reduzierten Kindes als auch der Mutter verletzt, indem sie deren Leib und den Prozess der Fortpflanzung instrumentalisiert und das ursprüngliche Beziehungsgefüge der Familie entstellt.“
Bei der Eröffnungsansprache anlässlich des vorgestern tagenden Konsistoriums hatte Kardinal Timothy Radcliffe aus dem Orden der Predigerbrüder, hart den modernen Freiheitsbegriff in der Transgender-Debatte kritisiert und vor der Vorstellung gewarnt, dass Identität eine bloße Willensentscheidung sei.
Warnung vor „Orwellscher Sprache“
Ein zentrales Element seiner Ansprache war die Kritik an einer sich formierenden, verzerrten politischen Sprache, die – trotz des angeblichen Anspruchs auf Inklusivität – faktisch abweichende Meinungen ausgrenzt. Der Papst warnte vor einer „neuen orwellschen Sprache“, die unter dem Deckmantel der politischen Korrektheit die Freiheit legitimer Ausdrucksformen beschneidet. So etwa, wenn das Recht der Menschen beschnitten wird, gegen Praktiken wie Abtreibung oder Sterbehilfe ihre Stimme zu erheben.
Es sei für ihn schmerzhaft zu sehen, wie gerade in Europa der Raum für echte Meinungsfreiheit rasant schrumpfe, so Leo weiter. Diese Tendenz gefährde nicht nur den gesellschaftlichen Diskurs, sondern auch das gegenseitige Vertrauen in demokratische Prozesse und Institutionen: „Es ist daher bedauerlich festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird, während sich eine neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack entwickelt, die in ihrem Bestreben, immer inklusiver zu sein, darin mündet, diejenigen auszuschließen, die sich nicht den Ideologien anpassen, von denen sie beseelt ist. Aus dieser Fehlentwicklung ergeben sich leider weitere, die dazu führen, dass die Grundrechte des Menschen beschnitten werden, angefangen bei der Gewissensfreiheit.“
JUST IN: Pope Leo XIV defends rights of people to refuse “to engage in
practices such as abortion or euthanasia.”Also warns “a new Orwellian-style language is developing”
Leo is delivering his annual State of the World Address today to diplomats at the Holy See pic.twitter.com/GzmuRDY3Py
— Michael Haynes 🇻🇦 (@MLJHaynes) January 9, 2026
Wie recht der Papst gerade mit dieser Einschätzung im Bezug auf die EU und Deutschland hat, zeigten zuletzt die Äußerungen des CDU-Politikers Günther und der immer üblere Formen annehmende Kampf der EU gegen Presse- und Meinungsfreiheit.
Ein leidenschaftlicher Appell
Die Rede, die in Ton und Inhalt weit über die normalerweise diplomatische Wortwahl eines Papstes hinausging, spiegelt Leos zunehmende Bereitschaft wider, weltpolitische Fragen offen und leidenschaftlich anzusprechen. Neben seinen Warnungen vor Kriegstreiberei und Sprachverzerrung äußerte er auch Sorge über subtilere Formen der religiösen Diskriminierung.
Beobachter sehen in dieser Ansprache einen Wendepunkt: Der Papst erhebt sich nicht nur als moralische Stimme der katholischen Kirche, sondern positioniert sich auch als kritischer Beobachter weltweiter Probleme. Im Hinblick auf sein Plädoyer für Frieden und Freiheit – notfalls auch gegen sich totalitär gebärdende Staaten – setzt er damit eine Tradition fort, die die Politik der großen Pontifikate des 20. Jahrhunderts so eindrucksvoll prägte.
***
Unterstützen Sie bitte die Arbeit von „Philosophia Perennis“! Hier mit einem Klick:
Oder per Überweisung auf
David Berger, IBAN: DE44 1001 0178 9608 9210 41 – BIC REVODEB2 – Stichwort: Schenkung
ÜBERWEISUNG (Stichwort: Schenkung)
Entdecke mehr von Philosophia Perennis
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.








