Niclas Ehrenberg (25), schon seit früher Jugend an bei den Grünen engagiert (u.a. ehemaliges Jugendratsmitglied und Mitarbeiter von Torsten Lemmer), stellte sich im Zusammenhang mit dem Fiasko der CSD-Veranstaltung, bei der über das CSD-Motto „Einigkeit, Recht, Freiheit“ diskutiert werden sollte, deutlich gegen die Gewaltattacken von linken Gruppen, die in eine regelrechte Hetzjagd gegen PP-Macher David Berger ausarteten. Während Berger und sein Partner fast unverletzt blieben, zog sich Ehrenberg im Gerangel eine Schulterverletzung zu. David Berger hat heute mit ihm gesprochen.

Herr Ehrenberg, derzeit gibt es eine umfangreiche Debatte über die Änderung des Kölner CSD-Mottos, die auch die Mainstreammedien erreicht hat. Sie waren bei der letzten Diskussion anwesend, die vermutlich letztlich den Ausschlag gab, dass der Veranstalter von seinem Motto „Einigkeit, Recht, Freiheit“ abgerückt ist. Können Sie aus Ihrer Sicht noch einmal beschreiben, wie die Versammlung verlief?

Niclas Ehrenberg: Die Versammlung verlief für mich sehr erschreckend ab. Da ich für das Motto „Einigkeit! Recht! Freiheit!“ bin, wurde ich als Nazi beschimpft. Aus meiner Sicht gab es keine Diskussion, sondern mehr nur Pöbeln und Geschrei von linken Autonomen.

Wie beurteilen Sie die Änderung des CSD-Mottos vor diesem Hintergrund?

Niclas Ehrenberg: Das neue Motto hätte ich ohne Zweifel mitgetragen, aber unter dem Eindruck der Via, über die es errungen wurde, werde ich auf der Parade dieses Jahr mal aussetzen. Vielleicht schaue ich mal am Heumarkt vorbei. Ich hatte keine Ahnung, dass queer zu sein bedeutet, sich nicht mit Einigkeit, Recht und Freiheit im BRD-Kontext identifizieren zu können. Für mich war das stets kombinierbar oder ging gut nebeneinander. Momentan fühlt es sich nicht ehrlich, nicht richtig und nicht nach mir an, ein Stück weit auch gegen das alte Motto zu demonstrieren. Denn dieses gehört zu meiner Lebensphilosophie. Ich muss das mal für mich ordnen und bin dann auf neutralem Grund nächstes Jahr wieder dabei.

Wie waren die Reaktionen aus der Community auf Ihr Engagement gegen Gewalt? Hat sich auch der CSD-Veranstalter dazu Ihnen gegenüber geäußert?

Niclas Ehrenberg:  Die Antworten waren unterschiedlich von „Du bist ja irre“ bis „Genau richtig gehandelt“. Ein Mitglied des Vorstands hat sich bei mir bis heute nicht persönlich gemeldet.

Sie haben sich dann ja zunächst so geäußert, dass Sie mir deshalb geholfen haben, dass ich sicher aus der Veranstaltung komme, weil „Rechte“ auf einer solchen Veranstaltung nichts zu suchen hätten und kein Recht haben, sich zu solchen Fragen zu äußern? Das war eine große Enttäuschung für viele, die sie – obwohl Sie bei den Grünen aktiv sind – als Kämpfer für die Meinungsfreiheit feierten. Was sagen Sie dazu?

Niclas Ehrenberg: Dies kam wohl falsch rüber, ich rede mit jedem, auch wenn er anderer Meinung ist. Ein Diskurs ist da leider nur selten möglich, meistens werden beide Seiten beleidigend oder beenden die Diskussion, da man auf keinen gemeinsamen Nenner kommt. Ich werde aber immer die Gespräche auch mit Andersdenkenden suchen; das gehört zur Demokratie dazu.

Sie haben sich bei der Rettungsaktion eine heftige Verletzung an der Schulter zugezogen. Haben Sie Anzeige gegen die Gewalttäter aus dem linksextremen Spektrum erstattet? Welche beruflichen Folgen hat die Verletzung für Sie

Niclas Ehrenberg: Ich habe leider eine Verletzung erlitten; dies ist für mich ärgerlich, besonders beruflich, weil ich dadurch finanzielle Einbußen habe und mich daher über Unterstützung freue (https://www.paypal.me/niclasehrenberg). Anzeige habe ich nicht und werde ich nicht erstatten, da ich dies für ein falsches Mittel halte, diesen Leuten Aufmerksamkeit zu schenken. Wie es sportlich weitergeht, steht in den Sternen.

Vielen Dank für das Gespräch und Ihren Einsatz.