(David Berger) Mit einer „Grenzziehung“ haben zwei renommierte Autoren des Manuscriptum-Verlags klar gestellt, warum sie es bedauern, dass dort auch ein Interview-Buch mit dem umstrittenen AfD-Politiker Björn Höcke erschienen ist.

Dass 2018 ein Interviewbuch des Thüringer AfD-Landtagsabgeordneten und Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke mit einem Vorwort des TUMULT-Herausgebers Frank Böckelmann im Verlag Manuscriptum erschienen ist, hat zahlreiche Leser und Beitragende 11des Magazins, Kunden und Autoren des Verlags verunsichert.

Nun haben Peter J. Brenner und Josef Kraus, deren Bücher „Fremde Götter“ (Brenner, 2017), und „50 Jahre Umerziehung“ (Kraus, 2018) im Manuscriptum-Verlag erschienen sind und die auch für „Tumult“ schreiben, unter dem Titel „Höcke und wir“ eine „Grenzziehung“ veröffentlicht.

Eindruck einer Verwandtschaft mit dem Denken Höckes entstanden

„Damit sind wir“ so schreiben sie – unbeabsichtigt institutionell in die Nähe dieses Politikers gerückt worden, sodass dem oberflächlichen Betrachter – und deren gibt es viele in Medien und Politik – der Eindruck einer und sei es auch nur entfernten Verwandtschaft entstehen könnte.“

Dabei fürchten sie sich weniger vor den Inhalten des Interviewbuches mit Höcke. Denn so die Autoren: „…es handelt sich um ein Buch von einer geradezu bestürzenden Harmlosigkeit, das dem Ruf seines Autors als Bürgerschreck in keiner Weise gerecht wird… Der politische Kern des Buchs ist ein ziemlich biederer »solidarischer Patriotismus«, der nicht gerade furchterregend wirkt, und der flankiert wird von einer gut bürgerlichen Halbbildung, die als Gewährsleute herbeizitiert, was gerade am Wegesrand liegt: Schopenhauer, Nietzsche, Buber, Heidegger; Karl Martell, Bismarck, Adenauer. Außer dem Makel der Langeweile bietet das Buch wenig Ansatzpunkte für eine kritische Auseinandersetzung. Auf kuriose Weise erscheint Höckes Buch als eine auf rechts gewendete Neuauflage der 68erPolitik.

Wer alt genug ist, wird sich noch erinnern an die »fundamentale Kritik des Bestehenden« – eine Formulierung Höckes, nicht Herbert Marcuses –, an die Unzufriedenheit mit dem »System«, an die auf die Zukunft gerichteten Heilserwartungen. Ernstnehmen kann man das bei Höcke genauso wenig wie die seinerzeitigen Phantasmagorien eines Ernst Bloch oder eines Herbert Marcuse. Damit kann man nichts anfangen, weder philosophisch noch politisch, weder damals noch heute. Deshalb können wir auch das Vorwort des TUMULT-Herausgebers zu Höckes Buch nicht nachvollziehen.“

Dieter Stein: „Ein sich selbst maßlos überschätzendes ideologisches Irrlicht“

Ähnliche Kritik hatte bereits vor Wochen der Chefredakteur der „Jungen Freiheit“ Dieter Stein an dem Höcke-Buch geübt: Höcke sei nicht mehr als ein sich selbst maßlos überschätzendes ideologisches Irrlicht: „Im Grunde weiß Höcke gar nicht, was er will. Einmal erklärt er das Gewissen zur entscheidenden politischen Urteilsinstanz, dann ist es plötzlich die Suche nach Kompromissen; einmal will er aus Verantwortung für das eigene Volk handeln, dann aber plädiert er für „Wirklichkeitsverachtung“ – beides auf einer Seite.

Einerseits will er die „Grenze des Sagbaren immer wieder mit kleinen Vorstößen“ erweitern, andererseits empfiehlt er eine „allgemeine Mäßigung im Ton“. Einmal erklärt er den Begriff „völkisch“ für untunlich, nur um dann aber das Grundgesetz selbst als „völkisch“ zu bezeichnen.

Einerseits will er die AfD „von einem dämonisierten Außenseiter zum Teilnehmer an der demokratischen Normalität“ mit kompromißbereiter Regierungsverantwortung machen, andererseits lehnt er jeden Ausgleich mit der politischen Klasse, den „herrschenden Obernichtsen“, ab und beschwört den Volksaufstand. Ja, was denn nun?“ fragte Stein ratlos…

Gefährdete Anschlussfähigkeit zur konservativen, bürgerlichen und liberalen Mitte

Zu einem ganz ähnlichen Urteil scheinen auch Brenner und Kraus gekommen zu sein. Aber neben dieser von ihnen beklagten langweiligen Harmlosigkeit des Buches äußern beide echte Bedenken:

„Es belastet … unsere politische und publizistische Anschlussfähigkeit zur konservativen, bürgerlichen und liberalen Mitte. Dem Anliegen dieser Mitte, deren Vitalisierung unsere publizistische und politische Arbeit in erster Linie dienen soll, ist damit nicht geholfen.“

Damit gerät durch die Veröffentlichung des Höcke-Buches bei Manuskriptum das zentral Anliegen der beiden Autoren in Gefahr: „In unseren Analysen der politischen und geistigen Situation der Zeit, die wir in TUMULT und anderswo veröffentlichen, stellen wir uns mit Gründen und Argumenten gegen die Verwerfungen eines Zeitgeistes, der die Tugenden, Einstellungen und Lebensformen der bürgerlichen Mitte immer weiter an den Rand
drängt.“

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