Ein Gastbeitrag von Dr. Dr. Marcus Ermler

Die Hysterie um Greta Thunberg kennt keine Grenzen mehr: Omnipräsent in deutschen Talkshows, Vorgeschlagen für den Friedensnobelpreis und als Sahnehäubchen oben drauf: die Verleihung einer Goldenen Kamera. Das Ausmaß dieser Glorifizierung zeigt nichts mehr als Katrin Göring-Eckardts Kanzelrede vom 17. März 2019 im Rahmen der Duisburger Akzente:

Greta Thunberg erinnert mich manchmal an Propheten aus der Bibel. Es ist, wenn man genauer hinschaut, sogar erstaunlich, wie viele Parallelen es gibt […] [Propheten] sind Menschen, die besonders gut in die Gegenwart blicken können […] Gretas Schulstreik erinnert mich an die prophetischen Zeichenhandlungen […] Propheten, Prophetinnen sind immer gleichermaßen bewundert wie angefeindet“

Eines wird in diesem Kult völlig unter den Tisch gekehrt: Es ist der Missbrauch einer jungen Erwachsenen, die unter einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung leidet. Greta Thunberg umreißt ihre Entwicklungsstörung selbst recht eindrücklich. So zitiert die linksliberale US-amerikanische Website CommonDreams Thunberg wie folgt (Zitat ins Deutsche übersetzt):

Thunberg beschreibt, wie sie im Alter von Elf, wenige Jahre nachdem sie das erste Mal über das Konzept des Klimawandels erfahren hat, in eine Depression verfiel und krank wurde. ‚Ich hörte auf zu reden. Ich hörte auf zu essen‘, erklärt sie. ‚In zwei Monaten verlor ich zehn Kilo Gewicht. Später wurde bei mir dann das Asperger-Syndrom, OCD und selektiver Mutismus diagnostiziert – was grundsätzlich heißt, ich rede nur dann, wenn ich denke, dass es notwendig ist.‘

Der Kult um eine junge Erwachsene mit einer Entwicklungsstörung

Die Mannigfaltigkeit der Erscheinungsbilder des Asperger-Syndroms reicht von motorischen Koordinationsstörungen über das Unverständnis für zwischenmenschliche Gefühle bis hin zu unablässigen und langatmigen Reden über Lieblingsthemen. OCD, im Deutschen als Zwangsstörung klassifiziert, umfasst unter Anderem Reinlichkeits-, Kontroll- oder Verbalzwänge. Selektiver Mutismus ist eine emotional bedingte psychische Störung, mit einer starken Beeinträchtigung der sprachlichen Kommunikation, die sich beispielsweise in selektivem Schweigen zeigt. Die häufigste Begleiterscheinung aller drei Störungen ist die Depression.

Der renommierte irischer Psychiater Michael Fitzgerald, der sich in seiner Arbeit insbesondere mit dem Asperger-Syndrom befasst hat, stellt in einem Beitrag zu einem wissenschaftlichen Sammelband klar (Zitate ins Deutsche übersetzt):

Nur weniger als 1% der Bevölkerung haben Autismus und das Asperger-Syndrom. Es ist eine der am meisten fehldiagnostizierten Entwicklungsstörungen in der Erwachsenenpsychatrie. Depression ist gemeinhin damit verbunden und es kann so mit Antidepressiva Abhilfe geschaffen werden. Das Selbstmordrisiko ist sehr viel höher, als es bislang erkannt worden ist.“

Einen möglichen Verlauf dieser Entwicklungsstörung beschreibt Fitzgerald in seinem Papier recht prägnant. Ein 25 Jahre alter studierter Maschinenbauer, der aufgrund der Ausprägung seines Asperger-Syndroms nur schwerlich einen Job fand beziehungsweise nur solche, die nicht zu ihm passten, bekam aufgrund dessen Depressionen. Und obwohl er in psychiatrischer Behandlung war und Antidepressiva einnahm, verlor er alle Hoffnungen bezüglich seiner Zukunft und versuchte sich schließlich mit Autoabgasen in einer geschlossenen Garage zu töten.

So fasst Fitzgerald das Ergebnis verschiedener wissenschaftlicher Untersuchungen in seinem Artikel folgendermaßen zusammen:

Selbstmordgedanken sind bei Menschen mit Asperger-Syndrom sehr üblich. Sie erscheinen besonders häufig in der Pubertät und dem frühen Erwachsenenleben […] Von der Zeit der Pubertät an werden Selbstmordversuche ziemlich häufig […] Vollendeter Selbstmord kann ebenso auftreten […] Üblicherweise haben die Patienten eine chronische Geschichte von Depression, mit nur einer teilweisen Reaktion auf Antidepressiva“

Wobei Fitzgerald weiter ausführt, dass dieses Verhalten weniger einem tatsächlichen Selbstmordwunsch entspricht, sondern durch das Asperger-Syndrom gesteuert wird und sogar mittels einfacher Manipulation beziehungsweise Zustimmung zu diesem Verhalten befördert werden kann. So gäbe es Fälle, in denen Schüler mit dem Asperger-Syndrom einen Selbstmordversuch unternahmen, weil ihnen ein Mitschüler im Ärger zurief: „Los, töte Dich selbst!“.

Fridays for Future als Gretas Therapiesitzung

Aber zurück zu Thunberg. Ihre freitägliche Demonstration vor dem schwedischen Parlament ließe sich im Kontext der von ihr selbst beschriebenen Ausprägung ihrer Entwicklungsstörung auch als selbsttherapeutischer Ansatz sehen: Fridays for Future als eine große Therapiesitzung für Greta. Nur was passiert mit Thunberg, wenn dieses Thema irgendwann wieder von den Bildschirmen verschwunden ist? Was macht das mit ihrer vermeintlich besiegten Depression?

Insbesondere wenn man ferner weiß, dass Greta Thunberg im Kindesalter bereits ein  maximal selbstzerstörerisches Verhalten an den Tag legte, indem sie nichts mehr aß. Was genau glauben, die, die sie heute zur Prophetin erkoren haben, eigentlich, was passieren wird, wenn der Klima-Mohr Greta seine Schuldigkeit getan hat?

Thunberg selbst sagt, laut CommonDreams, dass für Menschen wie sie, die am Asperger-Syndrom erkrankt sind, „nahezu alles schwarz oder weiß ist“. So kommt sie für sich zu der Erkenntnis, dass sie „normal und alle anderen Menschen sehr merkwürdig sind“. In dieser Rezeption der Welt wird es für Thunberg auch nicht passen, dass es für die von ihr imaginierte Klimakrise eben keine Antwort in Schwarz oder Weiß geben wird, sondern immer einen politischen Konsens, den Mittelweg der Demokratie. Wie würde Thunberg darauf reagieren?

Es stellt sich weiter die Frage, ob einem elfjährigen Kinde mit der großen Klimaapokalypse Angst zu machen und es dazu zu treiben, nichts mehr zu essen, nicht bereits den Fall einer konkreten Gefährdung des Kindeswohl zeitigte!? Ein „emotionaler Missbrauch“, der sich gerade und insbesondere in der psychischen Manipulation („Die Welt geht unter!“)und emotionalen Erpressung („Du musst etwas tun!“) manifestiert?

Welche moralischen wie ethischen Prämissen legen eigentlich die Apologeten und Auguren der klimapokalyptischen Endzeit bei sich selbst an, wenn sie nicht einmal davor zurückschrecken, selbst ein Kind mit einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung für ihre politische Agenda zu missbrauchen?

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Zum Autor: Dr. Dr. Marcus Ermler (Jg. 1983) ist Mathematiker und Informatiker. Bisher hat er v.a. zu den Themenbereichen Junk Science, die politische Linke sowie religiösen Fundamentalismus bei der „Achse des Guten“, „Tichys Einblick“ und bei „Science Files“ publiziert.

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