Ein etwas ungewöhhnlicher Gastbeitrag von Joshua Salewski

Disclaimer: Jegliche Ähnlichkeit mit Menschen oder «taz»-Lesern ist rein zufällig.

The Great Nothing Formerly Known as Planet Earth. Wir schreiben das Jahr 12 A. K. K. (Anno Klima-Katastrophi). Rückblick. Ja, vernetflixt und zugenäht, da hatten wir den Salat! Das durch die Trinität Leitmedien, Demokraten und «Fridays for Future»-Sturmstaffel unermüdlich vom Thunberg gen Himmel geschossene Menetekel eines 99-prozentigen deutschen Anteils am Klimawandel war beständig ignoriert worden. Und DAS war moralisch mindestens so verwerflich, wie den Holocaust zu leugnen [1]. Strafe musste sein. Also erinnerte unser Schöpfer eines Klassikers humanistischer Pädagogik:

«Hm… Töte alle, erziehe Hunderte… Ja, mmh, ja doch, hat was!»

«Mit Verlaub, Eure Grundgütigkeit», intervenierte Vateramtschef Petrus Altmaier. «Seid Ihr sicher, dass das Zitat korrekt…»

«Ich denk schon», erwiderte Gott. «Na, gucken Sie halt bei Google, ob’s stimmt! Oder fragen Seehofer – der transrapidelte ja schon in den 80s durchs Web! [2]»

«Geht nicht», seufzte Petrus. «Der ist mit Söder in die Bavaria-One-Flitterwochen geflüchtet. Ausschau halten nach intelligentem Leben. Außerdem: wieder totaler Netzausfall! Die Digitalisierung lässt ge-Lindner gesagt zu wünschen übrig.»

«Na, dann fragen’s halt ’n anderen Liberalen… diesen… ähm… Dingenskirchen…»

«Wie bitte?»

«Moment, der Name liegt mir auf der Tsunge… Irgendwas mit… M… Merk… äh, Madu… nein, Matuss…

AH! Mao! Seine Zelle ist nur einen Großen Sprung entfernt.»

«Geht auch nicht. Er hatte doch für heute Ausgang beantragt. Er ist in den Wäldern auf Spatzenjagd.»

«Goddamnit! Kommunistisch – Einfach unverbesserlich!»

«Nun, ich schlag vor, Ihr beherzigt jetzt einfach sein Motto. Egal ob korrekt wiedergegeben. Falls nicht: Können danach immer noch behaupten, wir hätten nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.»

«Petrus, geheiligt sei Ihr Name! Für solche Zwickmühlen hab ich Sie eingestellt! Und natürlich, weil sich sonst keiner bewarb.»

SOUNDTRACK DER APOKALYPSE

Und so begab es sich der «COMPACT» Online’schen Legende nach, dass unser Schöpfer ein Wolkenheer entsandte, das aussah wie eine Riesenkrawatte – oder eine empörte Feministin vom Schlage einer Veronika Kracher (je nachdem, wen man fragt). Ja, G-N-A-D-E-N-L-O-S ergoss sich der giftig-ätzende «Purple Rain» über ganze Länder, Coppenrath und Wiesen. Um aber den Menschen, die so pflichtbewusst schrien wie bei Lanz geklatscht wurde, ein bisschen Entertainment Value zu kredenzen und den Publikumsflop «Bomber Harris» vergessen zu lassen, ließ sich Spottify nicht lumpen: Auf jedes Smartphone wurde ein kostenloser Live-Gig von «Greta and the Revolution» übertragen. Wohlgemerkt nachdem der ursprüngliche Vorschlag, Die Amigos mit «Ich geh für dich durchs Feuer» [3], als niveaulos verworfen wurde. Nun, ich sag Ihnen Folgendes: Der Patient ist König. Mit akustischer Untermalung starb’s sich ungleich besinnlicher:

«I never meant to cause you any sorrow

I never meant to cause you any pain

I only wanted to one time to see you laughing

I only wanted to see you

Laughing in the purple rain

Purple rain, purple rain […]»

Noch ehe das Leben auf unserem Planeten fast gänzlich erloschen war, titelte «Bild»: «Feiger Anschlag! War es Putin, Assad oder Maduro?» Ganz glaubwürdig erschien dies nicht. Jahre zuvor schon hatte die CIA die drei im Disneyland mit, nun ja, lockerem Achterbahn-Sitzkomfort überrascht. Doch Micky Maus, der Glöckner von Notre-Dame und Britney Spears konnten sich nur kurz des Geschenks der Demokratie erfreuen, denn…

VON KANTHÖLZERN UND KONSERVATIVEN – GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT

12 Jahre später. Von der Welt war nichts übrig, außer einer einsamen Blume inmitten eines großen gähnenden Nichts. Dazu eine Handvoll Überlebende, die eines Tages auf diese Blume stießen. Zwei blickten von links auf das zarte Gewächs, drei von rechts. Die Linken waren der Sojamilchbauer T. B. sowie die blinde, umweltbewusste Transgender-Schwarze Q. Ueer, die statt SUV das Ex-Finanzminister-Mobil bevorzugte. Vor der Klimakatastrophe stand sie kurz davor, das nächste James Bond zu werden.

eider wurde sie auf der Zielgeraden überholt. Von einer Konkurrentin, die all ihre Qualitäten erfüllte, aber zusätzlich einen Burkini trug. Die Rechten waren (von links nach rechts): J. Spiegelabhauer (fokussierter Kolumnist), R. Titty (Herausgeber «Tittys Kleinsicht») und M. Seltener (Österreicher).

Die Blume sorgte für hitzige Diskussionen. Die linke Fraktion unter Diskursführer T. B. forderte:

1) Die Zwangsverstaatlichung der Blume frei nach JUSO

2) Falls Widerstand gegen 1): Medienwirksame Denunziation der Anti-Demokraten (Böhmermann™)

3) Den Einsatz von ex-OBI-tanter Waffengewalt, falls das alles nichts nützte [siehe http://oi68.tinypic.com/nlzfbt.jpg].

Die Rechten taten ihr Bestes, T. B. mittels Fakten, historischen wie philosophischen Argumenten zu begegnen: Die Blume sei allein durch ihre schiere Existenz zu achten und zu schützen. Für ihr Möglichsein habe sie nicht die Erlaubnis einer vermeintlichen Deutungshoheit einzuholen, die darüber richtet, ob sie «zeitgemäß», «gut», «gerecht», oder «modern» sei. Doch immerzu zückte T. B. einen kleinen Lösch-Zauberstab und zack – «AbraCUCKdabra» –, waren die Einwände seiner Gegner verschwunden. Zudem sorgte T. B. aufgrund seiner moralischen Magnifizenz für offene Münder: Es sei ihm egal, ob die Blume einen Wert an sich darstelle. «Solange nicht jeder von seinem Kinositz ’ne gleich gute Sicht auf sie hat, gehört sie ausradiert!»

[kurze Stille]

«Mist, was machen wir denn da?!», polterte eine rechtspopulistische Zunge.

«Wir sollten die Amerikaner fragen», transatlantelte eine andere. Doch da kam Q. aus der Ecke geschossen und legte einen kessen argumentativen Wheelie aufs Parkett:

«IHR. SEID. ZU. DRITT. WIR. SIND. ZWEI. WIR. SIND. SCHÜTZENSWERTE. MINDERHEIT. WIR. HABEN. RECHT.»

Die Rechten waren völlig baff. «So haben wir das noch gar nicht betrachtet», bemerkte J. «Na schön, dann zeig der Blume doch, was ’ne Christchurch ist», entfuhr es M.

T. B. krallte sich ein üppiges Kantholz mit der Aufschrift «JUST DO IT». Die Regie wies an, «I Am What I Am» im Claudia-Roth-Remix aufzulegen [4]. Im verstörenden Kontrast zu Roths samtiger Altstimme kantholzte T. B. die wehrlose Blume brutal nieder. Sein Soja-Spiegel muss so hoch gewesen sein wie die Rutschgefahr im Berliner Berghain [5]. Jeden seiner Schläge begleitete er mit einem inbrünstigen «Wehret den Anfängen!».

Fassungslos wohnten die Rechten dem eruptiven Spektakel sozialistischer Todessucht bei. Unter einem finalen Krächzen ließ T. B. das Kantholz auf den Boden krachen. Nun war auch die letzte Ahnung eines Lebens nach der Klimakatastrophe passé. Von Schwermut übermannt schweiften ihre Blicke im neuerlichen Nichts des Kinosaals umher.

«Und was machen wir jetzt?!», rief R., die Augen ein Tränenhort.

«Nun, JETZT reden wir mal darüber, wie manspreadend du da überhaupt sitzt! Weißes Männerschwein!»

T. B. warf Q. einen triumphierenden Blick zu. Sie war blind. Doch spürte sie es. Das machte Q geil. Sie begann, an sich rumzuspielen. Sie stöhnte: «HALTUNG. ZEIGEN. WIR. SIND. MEHR. ICH. BIN. HIER. ALLE. SIND. GLEICH. VIELFALT. IST. STÄRKE.»

***

Quellen:

[1] «Grüner vergleicht Kritiker der Umweltbewegtheit mit Holocaust-Leugnern» (https://bit.ly/2G7ozZp)

[2] «Horst Seehofer: Bin schon seit den 80ern im Internet» (https://bit.ly/2PY1qun)

[3] «Die Amigos – Ich geh für dich durchs Feuer – Musikantenstadl» (https://youtu.be/QllPABFfsVg)

[4] «I am what I am (Claudia Roth)» (https://youtu.be/krHmcb8fV1Y)

[5] «Die lustigste Yelp-Bewertung für das Berghain, ever» (https://bit.ly/2VuHDsM)