oder: Warum Kühe auch mal eine Abwechslung wollen. Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Es war ein wunderschönes Erlebnis. Meine Enkel gingen mit mir in ein Kinder-MUHsical, wie ich noch kein amüsanteres gesehen habe: „Die Kuh, die wollt’ ins Kino gehn“ von Margit Sarholz und Werner Meier. Der Titel erzählt den Inhalt, die Umsetzung ist ein Feuerwerk von Spaß, sprachlich, musikalisch und dramaturgisch. Hoffentlich, so ging es mir durch den Kopf, wird dem herrlichen Kunstprodukt für Kinder nicht bald das Schicksal von Kinderliteratur blühen, wenn sie sozio-öko-politisch oder sonst irgendwie verbohrten Kulturreinigern in die Finger kommt.

Die Abenteuer des „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“, herrliche Bubengeschichten von Mark Twain, dürfen in den USA wegen ihrer „rassistischen“ Elemente in (allen?) Schulen nicht mehr gelesen werden. Wie lange noch dürfen sie das noch in der Hochburg für korrekte Moral, in Asylantien, in Merkels aus der Taufe gehobenem Post-Deutschland? Der kleine, nickende „Neger“ in deutschen Kirchen am Opferkasten, Aufruf zur Spende für Afrika, gehört längst unserer rassistischen Vergangenheit an. Die politische Angepasstheit, eine Haltung infiltriert aus der DDR in die Post-DDR, hat ihn längst entsorgt.

Warum die fiktionale Kuh in ihrer Existenz bedroht ist- davon später! Vorneweg zur Klarstellung: Als Christ glaube ich, dass jedes Lebewesen Gottes Geschöpf ist. Simple Beweis-Formel : Aus Nix kommt Nix.

Auch die Anti-Theologen à la Dawkins mit ihrem Evolutionsbeweis gegen Gott können nicht weiter zurück als bis zu dem Punkt, wo schon was ist. Wo nix ist, gibt es nix zu erkennen. Also doch nicht Nix vor dem Anfang? Bleibt übrig: Nachdenken und Entschluss, religiös zu werden, oder auch nicht. Weil irgendwas muss vor Nix sein. Was man das Was alles nennen kann, möge man nachlesen in Goethes Faust. Dort gibt der Daseinsgrübler dem Unschuldsgretchen Auskunft darüber in der Gretchenfrage.

Okay also, alles was ist, ist Gottes Geschöpf. Dass wir deswegen nicht vor jedem Krabbeltier mit Kniebeuge Ehrfurcht bezeugen müssen ( während wir z.B. in Deutschland pro Jahr ca. 100 000 abgetriebene Körperchen in den Biomüll jagen), das bezeugt seit XY-hoch-Z Jahren bisher die Realität und die daraus pragmatische Praxis. Mensch essen Tiere auf. (Umgekehrt auch, wenn Gelegenheit dazu).

Carnivoren-Gegner mögen daran erinnert sein: Viren und Bakterien, obgleich ebenso Geschöpfe Gottes, bringen wir sehr gnadenlos ins Jenseits, wenn’s uns an den eigenen Pelz geht. Findet der Christen-Gott auch ganz okay so. Von anderen Göttern, die das ablehnen, habe ich bisher noch nichts gehört.

Mit der Instrumentalisierung, d.h. Einverleibung, tierischen Lebens zum Zwecke des eigenen Fortlebens wollen sich manche Naturgläubige nicht abfinden. Unter kämpferischen BUND-Leuten und allen sonstigen Naturrettern hört man es nicht gern, wenn das „Macht Euch die Erde untertan!“ nicht als „Macht Euch der Erde untertan!“ gelesen wird. Bislang, nach ein paar lumpigen Jahrtausenden, hatte der homo erectus nach deren Ansicht eine geistig und moralisch noch nicht voll entwickelte Einstellung der Natur gegenüber. Tiere einfach aufessen? Das ist für sie längst eine indiskutable, längst überholte Naturauffassung. Für sie heißt die göttliche Offenbarung vom Feinsten: Du sollst vegan leben und essen. Deswegen:

Göttlicher Auftrag hin oder her. Weder Tiere, noch Produkte von Tieren essen, das allein ist moralisch! Und damit zwingend vegan. Wenn diese Philosophie langfristig zum Aussterben so herrlicher Geschöpfe wie Schweinen, Kühen und und und führt, weil sie niemand mehr essen will- das stört dann die Gefühlslogik nicht. Noch weiter: Hier darf die gutmenschliche, vegane Moral nicht Endstation verkünden.

Solange es noch zum Verzehr geeignete Tiere gibt, müssen alle Formen der Unmenschlichkeit gegen Tiere bekämpft werden. Nein, es geht hier nicht um Tierquälerei, die auch Fleischfreunde wie ich nicht wollen. Es geht um Erziehung zu pseudo-moralisch vertretbarem Essen.

Was eignet sich da besser, als bereits den Kleinsten den Verzehr von Fleisch als eine höchst problematische, über Jahrtausende gepflegte Grausamkeit zu verklickern. Wenn sie das dann kapiert haben und vom Fleisch(fr)esser zum Vegetarier geworden sind, ist der Weg zum Veganer nicht weit.

Dann braucht man nur noch entsprechende Kinderliteratur, um auf dem Weg der subrationalen Erkenntnis und Indoktrination die bisherige Einstellung des Menschen zum Tier als Objekt der Ausbeutung vorzuführen. Öffentlich-rechtliche Anstalten: Hier gibt es noch viel für euch zu tun! Der Rest der Indoktrination erledigt sich dann von selbst.

Und damit wären wir bei unserem (aus Sicht der Tierfreunde inakzeptablen) Kino-Kuh. Ein Blick in den Inhalt des genialen Klamauks. Auf einem Bauernhof kommt eine sich durch das tägliche Einerlei gelangweilte Kuh auf die Idee, ins Kino zu gehen. Verschiedene Hindernisse müssen überwunden werden, bis es ihr wirklich gelingt, in der letzten Reihe im „Rex“ Platz zu nehmen. ABER: Der Einwand des Veganers gegen die Geschichte kommt jetzt zu Wort, wenn die Milchmaschinen auf der Weide gemeinschaftlich ihr Los besingen:

„Grasen, kau’n, Milli ge’m / dees is unser Kuah Le’m (= Leben).

Hier liegt der eigentliche Skandal! Die Story, reizend und extrem professionel gemacht auf CD erhältlich, muss vom Markt genommen werden! Aus Gründen einer humanen Sicht auf die Kuh-Existenz.

Meine Empfehlung unter vorgehaltener Hand: Schnell die CD kaufen, bevor sie, weil tierisch inkorrekt, vom Markt verschwunden ist!