(David Berger) Alan Posener berichtet in der „Welt“ von der Berliner Filmpremiere des neuen Films über Papst Benedikt XVI. und davon, dass „ultrakonservative Katholiken um den schwulen Publizisten David Berger die anschließende Diskussion“ störten. Eine Aussage, die schlicht gelogen ist.

Religion ist schlecht für den Menschen (Alan Posener)

Pünktlich zum Fest „Allerheiligen“ durfte der Religionskritiker Alan Posener („Religion ist schlecht für den Menschen“) wieder einmal in der „Welt“ zu einem kirchlichen Thema zur Feder greifen. Und zwar zu dem neuen Film von Christoph Röhl über Papst Benedikt XVI., den einer der bekanntesten Kirchenmänner, Msgr. Gänswein als „miserable Mache“ und „Debakel“ charakterisiert hatte. Obwohl der Filmemacher Röhl noch wenige Tage zuvor bei der Berliner Kinopremiere des Films behauptet hatte, Gänswein wäre ganz begeistert von seiner Interviewführung gewesen und habe ihm gar ein Interview mit Papst Benedikt angeboten. Diese Aussage kam freilich den Besuchern schon reichlich „spanisch“ vor, da Röhl zugleich behauptete, er habe solch ein Interview gar nicht gewollt…

Benedikts Katholizismus als eine der Hauptursachen für den Kindesmissbrauch?

Noch mehr Zweifel an dem Verhältnis der Benediktkritiker zu Fakten und Wahrheit kommen dann bei Posener auf, der mit der einseitigen Stoßrichtung des Films erwartungsgemäß d’accord ist. Er zitiert – offensichtlich, wie das journalistischer Standard sein müsste, ohne den Wahrheitsgehalt der Behauptungen geprüft zu haben – Röhl, der überall große „Erleichterung unter Katholiken“ spüre, dass er Benedikts Katholizismus als eine der Hauptursachen für den Kindesmissbrauch ausgemacht habe.

Überall würden Nonnen und Priester in die Filmvorführungen strömen, die passenderweise zum Teil die umstrittene Organisation „Wir sind Kirche“ mitorganisiert.

Berlin: Randale angeführt von dem „schwulen Publizisten David Berger“?

Außer in Berlin und Starnberg soll es zu unerfreulichen Reaktionen gekommen sein. Zitat Posener:

„In Berlin allerdings, wo der Film in Gegenwart von Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, gezeigt wurde, störten ultrakonservative Katholiken um den schwulen Publizisten David Berger die anschließende Diskussion.“

Das klingt fast so, als habe ich kurzerhand eine Art krimineller Vereinigung gegründet und wir hätten gemeinsam – nach Antifa-Art – die Bühne gestürmt und durch unser Geschrei jede Diskussion unmöglich gemacht.

Was aber passierte wirklich?

Ich hatte mich in der Diskussion als zweiter oder dritter zu Wort gemeldet, da zuvor nur irgendwelche Bekannten Röhls sich in den üblichen Nettigkeiten ergingen, die man halt so sagt, wenn der Nachbarn einem die Malereien seiner 8-jährigen Tochter präsentiert. Und hatte sehr freundlich die Schätze an Archivmaterial gelobt, die der Film zu Tage gefördert und präsentiert hat.

Insgesamt hatte man nämlich den Eindruck, dass hier Insiderwissen, besonders theologisch fundiertes, praktisch nicht vorhanden ist: So etwa, wenn die legendäre Fronleichnamsprozession auf der Via Merulana in Rom als Bildmaterial zu dem Mexiko-Besuch von Papst Benedikt XVI. gezeigt wurde.

Ich mir aber auch erlaubt, auf Einseitigkeiten des Filmes und die viel zu einfache Grundbotschaft des Filmes hinzuweisen. Ein solch komplexes Phänomen wie die sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche auf ein Priesterbild, das Heiligkeit, Sakamentalität und Würde des priesterlichen Amtes besonders betont, zurückzuführen, erschien mir doch zu simpel.

Auch auf kleinere Fehler in dem Film, die auf schlechte theologische Beratung zurückgeht, habe ich mir erlaubt hinzuweisen. Insgesamt hatte man nämlich den Eindruck, dass hier Insiderwissen, besonders theologisch fundiertes, praktisch nicht vorhanden ist: So etwa, wenn die legendäre Fronleichnamsprozession auf der Via Merulana in Rom als Bildmaterial zu dem Mexiko-Besuch von Papst Benedikt XVI. gezeigt wurde. Oder „Modernism“ in der Aussage eines Kirchenkritikers und Dominikaners als „Moderne“ übersetzt wurde.

Sind Lügen über Ultrakonservative erlaubt?

Das habe ich alles in einem freundlichen Ton gesagt, da ich im Vorfeld des Filmes mit Röhl ein langes Gespräch geführt habe und er mich auch persönlich zur Berliner Filmpremiere eingeladen hatte. Was übrigens auch für Posener gilt, mit dem ich mehrere Male in diversen Talkshows aufgetreten bin, wo er mir jedes mal sehr freundlich begegnete.

Aber damals kritisierte ich eben neben dem Umgang der Catholica und Benedikts mit dem Thema Homosexualität noch nicht den Schwulenhass des real existierenden Islam. Und war dadurch noch Medienliebling und noch nicht vogelfrei.

Ich weiß nicht, auf wen die Lüge zurückgeht, ich hätte mit „ultrakonservative Katholiken“ zusammen die Veranstaltung gestört

Das hat sich nun geändert. Ich weiß nicht, auf wen die Lüge zurückgeht, ich hätte mit „ultrakonservativen Katholiken“ zusammen die Veranstaltung gestört. Die anschließende Diskussion zeigte, dass ich vermutlich der einzig habilitierte Theologe in dem Saal war, die anderen Leute – außer Sternberg – ein typisches Berliner Publikum waren. Das zwar weiß, dass es 48 verschiedene Geschlechter gibt und die Linkspartei gerade Berlin vor dem Untergang rettet, aber ansonsten Papst als „Pabst“ schreibt und davon ausgeht, dass die Kreuzzüge und Hexenverbrennungen in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderst ihren Höhepunkt erreichten.

Posener: Verletzung des journalistischen Sorgfaltspflicht

Nur so war es möglich, dass es Röhl gelang, das Saalpublikum mit seinem Film und dessen Halbwahrheiten zu triggern. Das zeigte die anschließende Diskussion unter den ausgewählten Besuchern der Premiere sehr deutlich: Da wurde etwa gefragt, warum in Deutschland Priester, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben, grundsätzlich nicht vor ein normales Gericht gestellt werden dürfen. Oder Sternberg wurde dazu aufgefordert, an Ort und Stelle und dann öffentlich vor der katholischen Kirche als „krimineller Vereinigung“ zu warnen.

Das alles habe ich sehr genau hier beschrieben, sodass es zur ganz normalen Sorgfaltspflicht Poseners gehört hätte, nicht nur bei Röhl nachzufragen, was dort genau passierte. Aber es passte halt viel zu gut in Poseners vorurteilsbeladenes Konzept, Fakten hätten da nur die Kirchenkritiker-Dogmen gestört. Aber es passt eben nicht in die „Welt“, die sich noch immer irgendwie als intellektuelles Aushängeschild des Springer-Verlags versteht.

Posener ist seinem Ruf erneut gerecht geworden

Man hat den Eindruck, hier soll ein neuer Hochhut-Skandal herbeigeredet werden, um den Film irgendwie doch noch interessant machen.

Insofern fragt man sich natürlich auch, was an der weiteren Aussage Poseners dran ist, die behauptet, dass in Starnberg „die Diskussion nach Pöbeleien aus dem Publikum sogar abgebrochen werden“ musste. Hat man doch den Eindruck, hier soll ein neuer Hochhut-Skandal herbeigeredet werden, um den Film irgendwie doch noch interessant machen.

Vielleicht wurde aber hier auch nur nach dem Motto verfahren, wenn schon lügen, dann so richtig? Verwunderlich wäre das nach den Vorfällen vom Februar dieses Jahres, wo Posener die Leser von Philosophia Perennis – wegen ihrer Zustimmung an unserer Kritik an Soros – als „stinkende Brühe“ beschimpfte, nicht wirklich.

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