(Gastbeitrag) Dass die AfD gegenüber Claudia Roth, aber auch sonst zu oft im Parlament einen Ton anschlägt, der der Würde des Ortes zuwiderläuft, ist leider offenkundig. Es ist übrigens auch deshalb so fatal, weil sie damit durchaus bedenkenswerte oppositionelle Anstöße und Argumente, mit denen sich die Regierung andernfalls hätte auseinandersetzen müssen, selbst unterläuft und es ihnen zugleich mit dem Verweis auf die unhaltbare Form und Manier der AfD leicht macht, sinnvolle Diskussionen von vornherein zu unterbinden.

Es bleibt aber die Feststellung, dass der Furor der Debatten, dem die AfD mittlerweile regelmäßig verfällt, nach wie vor der Ohnmacht über die Zustände in diesem Land und die Ignoranz demgegenüber im Parlament geschuldet ist. Das macht es zwar nicht besser, aber verständlicher. Die AfD kanalisiert die Wut des Volkes, ihr Ton ist der des Bürgers und angesichts der nicht enden wollenden Berichte des Staats-und Systemversagens und der zugleich aufreizenden Lässigkeit, mit der das vermeintlich auf der richtigen moralischen Seite stehende Altparteienkartell bis heute diese Probleme hinnimmt, mag man begreifen, warum einige in der AfD so reden, wie sie reden.

Claudia Roth geriert sich im jüngsten Spiegel-Interview als Opfer

Die Tatsache freilich, dass nun ausgerechnet Claudia Roth sich in einem aktuellen Spiegel-Artikel als Opfer geriert, ist zumindest ambivalent. Dass  gerade sie als Repräsentantin eines genderaffinen, flüchtlingsbegeisterten und nationalfeindlichen Deutschlands seit einem Jahr die Breitseite abbekommt, sollte sie selbst zumindest nicht allzu sehr verwundern. Die Reaktion der AfD ist eine Reaktion auf die linke kulturelle Hegemonie Deutschlands der letzten Jahrzehnte.

Claudia Roth repräsentiert deren offensivste und sich medial am lautesten inszenierende Flanke. Wer so polarisiert wie sie, sich so schamlos der Medien bedient, um seine politische Agenda der offenen Grenzen, der schrankenlosen Vielfalt und der kollektiven Geschlechter,- und Völkervielfalt in die Gesellschaft zu tragen, muss sich nicht wundern, wenn einem der Wind irgendwann zurück ins Gesicht bläst. War ihr dies in den Jahren seit der Jahrtausendwende bis zum Beginn der Flüchtlingskrise stets problemlos möglich gewesen, weil ihre immer schon lobbyistisch geprägten Anliegen wie der Feminismus, die Energiewende, die EU-Mitgliedschaft der Türkei oder die Homosexuellenrechte im gesellschaftlichen Diskurs entweder nur Randgruppen betrafen, so hat sich diese Situation mittlerweile grundlegend geändert.

Als Anwältin einer grenzenlosen Buntheit (vgl. diverse Posts auf ihrer privaten Facebookseite) nimmt sie in kauf, zu polarisieren und zu spalten.

Von Selbstkritik keine Spur

Der Spiegel-Artikel spricht diese Ambivalenz nur kurz an, in dem er darauf hinweist, dass das Parlament nach außen vertreten und seine Würde des Parlaments wahren solle. Mit ihrer Unterschrift einer Petition diverser Kulturschaffender und Verbände gegen einen möglichen AfD-Vorsitz im Parlament hat sie aber ganz offensichtlich Parteipolitik betrieben und gegen das Neutralitätsgebot verstoßen. Sich zu wundern, dass die AfD sie offen ablehnt, zeugt schon von einer ganz speziellen Weltsicht. Von Selbstkritik freilich bis heute keine Spur.

Dass es, wie im Artikel beschrieben, keine größeren Probleme im Parlament gab, sie im Gegenteil gelobt und beliebt war, spricht Bände und zeugt von jener so oft beschriebenen inzestuösen und alles narkotisierenden Grundharmonie der Altparteien, die Probleme gleichsam parteiübergreifend moderiert haben und erst durch den historischen Fehler der Grenzöffnung, den Claudia Roth bis heute als einer der ganz wenigen immer noch nicht als einen solchen ansehen möchte und die erst durch die Existenz der AfD, die eben wegen dieser kollektiven Ignoranz der Berufspolitiker aufgebrochen wurde.

Da wurden die Mitglieder eines Debattierclubs beim harmonischen Parlieren über Gott und die Welt gestört und sind jetzt erkennbar verstimmt darüber, dass sich Leute von der Strasse lauthals mitreden wollen. Dass Roth sich wundert, in der AfD jenen persönlichen Gegenspieler zu finden, den es gegenüber ihren Ansichten im Volk mittlerweile massenhaft (wenn auch in zivilerem Ton vorgetragen) gibt, zeugt von einer tiefen Entfremdung gegenüber den Zuständen in diesem Land.

In gewisser Weise steht Claudia Roth anachronistisch für jene politische Stimmung zu Beginn der Flüchtlingskrise, die sich das Land heute gar nicht mehr leisten dürfte. Sie personifiziert mit ihrer dogmatischen Ignoranz gegenüber den Zuständen in diesem Land und  ihren realitätsfernen die Probleme scheinbar nicht zur Kenntnis nehmenden wollenden bis heute aufrecht erhaltenden Solidaritätsfloskeln und  all das, was viele Menschen in diesem Land erst wahnsinnig, dann ohnmächtig und schließlich zu hasserfüllten Individuen macht. In genau dieser Reihenfolge.

Grenzenlose Gesinnungsmoral muss man sich leisten können und Claudia Roth macht dies – ohne Abwägung jeglicher Kosten. Der teilweise zum Ausdruck kommende Hass einiger AfD Mitglieder ist, wenn auch zu verurteilen, nicht ganz unverständlich. Wenige Parlamente dieser Welt leisten sich eine mit so volksfernen Meinungen ausgestattete Parlamentariern auf verantwortungsvoller Position.

Kölner Domplatte und Oktoberfest

Unvergessen bis heute ihre Gleichsetzung der massenhaften sexuellen Übergriffe auf der Kölner Domplatte mit Vorfällen auf dem Oktoberfest, die sie als grundsätzliches feministisches Problem umdeutete:

„Es gibt auch im Karneval oder auf dem Oktoberfest immer wieder sexualisierte Gewalt gegen Frauen. (….) Mir geht es darum, gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen mehr zu tun: Prävention, eine größere Polizeipräsenz an den Brennpunkten, intensive Opferberatung, Aufbrechen patriarchaler Strukturen (…)  Wir müssen Männergewalt viel stärker in den Blick nehmen als bisher.“

Dabei ist es weniger ihr moralischer Rigorismus, der ihr zur zweiten Natur gewordene Betroffenheitsgestus, der an grüne Atomkraftgegner der 80er Jahre erinnert oder ihr Beharren auf identitätspolitischen Randthemen, die große Teile des gemeinen Bürgers oftmals gar nicht betreffen (sexueller Minderheitenschutz, Schwulen-und Lesbenlobbyismus, Feminismus) als vielmehr ihre unverhohlene und bis an die Grenze der Deutschenfeindlichkeit gehende Distanzierung von allem Eigenen, ihre manische Abneigung gegenüber jedem Nationalen.

Dass sie sich damit als das moralische Ankerzentrum der Republik, das grüne Gewissen der Nation, selbst lächerlich macht, wenn sie das Feiern während der WM als „nationalen Taumel beschreibet, der angesichts unserer unseligen Geschichte“ gefährlich sei und vor „nationaler Selbstbeweihräucherung“ warnt und  dekretiert, „dass es uns Deutschen gut zu Gesicht stehe, wenn wir Zurückhaltung walten lassen“, gibt im Kern alles andere als Anlass zum Lachen.

„Deutschland, du mieses Stück Scheiße“

Denn dahinter wird eben jene pathologische Distanz zu jeglicher nationaler Identität deutlich, die sie selber vorlebt, wenn sie bei einer Demonstration des DGB unter einem Banner mit der Aufschrift „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ mitläuft. Es ist nämlich genau diese ungefragte Dauerdistanzierung gegenüber dem Eigenen, die nicht nur immer mehr schon immer länger Hierlebende stört, sondern auch viele Dazugekommene befremdet und die von immer mehr Identitätsforschern, Soziologen und Politikern als das Grundproblem einer nicht gelingenden Integration angesehen wird.

Wo ein positiv belegtes nationales Narrativ (dies schließt eine Gedenkkultur nichts aus) fehlt, wo gegenüber der eigenen Geschichte und Kultur hauptsächlich Distanz, Zweifel und eine pathologische Flucht in übergeordnete, abstrakte und dem Bürger (vor allem der neu hinzugekommenen, innerlich sich noch stark mit seiner ehemaligen Heimatkultur identifizierenden) nicht fassbare Ordnungen (wie die EU) vorherrschen, wird es nicht gelingen zu integrieren. In was auch? Ein Verfassungspatriotismus vermag niemals derart identitätsstiftend zu wirken wie die Zugehörigkeit zu einer national-kulturellen Gemeinschaft).

Genau dies hat Claudia Roth, die sich erst jahrelang für ein Doppelwahlrecht und die doppelte Staatsbürgerschaft der Deutschtürken eingesetzt hat, um dann, als immer absehbarer wurde, dass ein Großteil jener Deutschtürken aus jahrelang bewahrter innerer Loyalität doch anders stimmen würde als dies geplant war, schnell noch für die türkische Opposition Wahlkampf gemacht hat, nie verstanden, obwohl sie stets bestes Anschauungsmaterial vor Augen hatte.

In diesem Zusammenhang ist es dann auch nur zwangsläufig logisch, dass sie Özils Fotos mit Recep, dem Prächtigen relativiert:

„So falsch ich die Fotos finde: Wir sollten nicht höhere Ansprüche an zwei Fußballer stellen als an unsere Regierung“.

Womit sie zweifelsfrei recht hat, wenn sie sich selber meint.

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