„Die AfD ist für die Demokratie ein Gewinn.“ (Roger Köppel, Die Weltwoche, Schweiz)

Leonid Luks stellt die Frage nach der Wiederholung von Geschichte. Eine Vergleichbarkeit gegenwärtiger rechter, sog. populistischer Bewegungen mit den rechtsextremen,  totalitären Gegnern der westlichen Demokratien in den 30er Jahren lehnt er ab. Die Begründung der Nicht-Vergleichbarkeit ist  dennoch enttäuschend. Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Europa als politisches Verwaltungs-, Wirtschafts- und Rechtsgebilde, das in den Verlautbarungen von Politikern der Altparteien geradezu zwanghaft nach „mehr Europa“ ruft, ist zu einer scheinbar dogmatisch-unwiderlegbaren Sinngröße geworden. Gegner der Mehr-Europa-Forderung  wie Victor Orban oder Václav Klaus werden mit dem Geruch des Braun-Abwegigen versehen, ihre Argumente verstreut man im Wind des öffentlichen Diskurses.

Die Systemmedien tun hier ihre selbstauferlegte Pflicht des Ignorierens oder der Verächtlichmachung dieser Stimmen. Im Zusammenhang mit der Migrationskrise ist die gängigste Methode der Vernichtung des politischen Andersdenkenden, ihn über die Kategorisierung „rechts“ gleich auf die Schiene „rechtsradikal“ zu setzen und ihm dann eine geistige, freiwillig unternommene Reise in die chauvinistisch geprägte Nazivergangenheit anzudichten.

Die Frage nach der Angemessenheit solcher Vergleiche aufgrund gegenwärtiger politischer Entwicklungen stellt sich folglich zwingend. Es nimmt nicht Wunder, dass dies in der jetzigen Phase gewaltiger Veränderungen demographischer und kultureller Art nicht ausbleibt. Die in Gang gekommene Völkerwanderung in Richtung Europa, die nahezu alle Bereiche des politischen und privaten Lebens zunehmend bedrohlich im Griff hat, bewirkt bei großen Teilen der deutschen Stammbevölkerung die Suche nach Möglichkeiten der Standortbestimmung ihrer Identität. Gegner der scheinbar gebotenen Willkommenshaltung gegenüber fundamentalen Veränderungen, auch was die Einverleibung nationaler Identität und Selbstbestimmung in ein übergroßes Europa betrifft,  sehen sich  in eine Verteidigungshaltung gedrängt, gerade auch wegen des Vorwurfs einer dahinter wirkenden, „braunen“ Gesinnung.

Zur Beurteilung dieser komplexen Gegebenheiten empfiehlt sich ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Die Frage lautet dann: Sind Einwände gegen einen deutlich  wahrnehmbaren Strukturwandel in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens in Deutschland ein Zeichen inakzeptablen „rechten“ Denkens, wie es sich schon einmal verhängnisvoll geschichtsprägend entwickelt hat? Oder anders gefragt:

Prägt gegenwärtiges „rechtes“ Denken, das dem Kampf- und Schmähbegriff „Rechtspopulismus“ ausgesetzt ist, tatsächlich nationalsozialistisches Gedankengut?

Dann wäre es lediglich eine Neuauflage.

Leonid Luks, Prof. em. für Mittel- und Osteuropäische Zeitgeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, geht der Frage nach oft vermuteten oder auch behaupteten Wiederholungen der Geschichte in seiner neuesten Kolumne nicht das erste Mal nach. „Über den Sinn der Vergleiche mit der Hitlerzeit“ war eine Veröffentlichung in 2017.

Sein neuester Beitrag stellt ausdrücklich die Frage: „Wiederholt sich die Geschichte?“. In der Auseinanderung mit dieser Thematik ist er kein Einzelkämpfer.  Are We Rome? The Fall of an Empire and the Fate of America des Amerikaners Cullen Murphy ist nur eines von vielen Büchern, die sich dieser Perspektive historischer Forschung widmen. Luks’ Fazit zu den „Rechten“ im  Europa der Gegenwart:

„Die heutigen Bedrohungen, mit denen die europäischen Demokratien konfrontiert werden, lassen sich mit den damaligen kaum vergleichen. Auch nicht mit den populistischen Strömungen, die zurzeit in vielen EU-Staaten den europäischen Gedanken massiv in Frage stellen. So ist den heutigen Populisten das Streben der Rechtsextremisten der 1930er Jahre nach einer uferlosen Expansion und nach der Erschaffung einer neuen, nie dagewesenen europäischen Ordnung weitgehend fremd. Denn ihr Weltbild ist nicht expansiv, sondern ängstlich defensiv. Das, wonach sie streben, ist eine „Festung Europa“.

Konservative Bewegungen der Gegenwart, die den ideologiegetriebenen Europa- Zentralisten nicht mit einem pathologisch-chauvinistischen, sondern mit einem „gesunden“  Nationalismus widersprechen, diskreditiert Luks mit Denkmodellen, die den Vorwürfen den Altparteien entstammen: Rückwärtsgewandtheit / Abschottung / Isolationismus.

Was in seiner Bewertung leider fehlt und deswegen zur Diffamierung legitim-nationalen Denkens führen muss: Die Betonung der Unterschiede zwischen den rechtsextremen „Populisten“ der 30er Jahre (“Rechtsextremisten“) und den heutigen sog. „Populisten“.

Genau hier zeigen sich nämlich deren deutlich konträren Auffassungen von Recht, Demokratie und berechtigtem nationalstaatlichen Anspruch auf  Souveränität. Doch genau das würde zu einer klaren Einschätzung der grundsätzlichen Unvergleichbarkeit beider „rechter“ Bewegungen von heute und den 30er Jahren führen und den politischen Begriff „rechts“ endlich rehabilitieren. Dieser in Luks’ abwertender Wortwahl enthaltene Seitenhieb gegenüber freiheitlich gesinnten, einem arroganten Chauvinismus fernstehenden Bürgern eines Europas, wie es etwa Václav Klaus in seinem Buch „Europa braucht Freiheit. Plädoyer eines Mitteleuropäers“ vertritt, enttäuscht den Leser, der anders europäisch denkt als der politische Mainstream.

Und zwar mit dem Anspruch, sich nicht als ein nach Abschottung und von Sehnsucht nach Vergangenheit motivierter, „rechter“ Populist schubladisieren zu lassen. Noch dazu als einer, der sich intellektuell angeblich in den 30er Jahren Deutschlands zu Hause fühlt.

***

Sie wollen Philosophia Perennis unterstützen? Mit zwei Klicks geht das hier:

PAYPAL

… oder auf Klassische Weise per Überweisung:

IBAN: DE04 3002 0900 0803 6812 81
BIC: CMCIDEDD – Kontoname: David Berger – Betreff: Spende PP

Meine Artikelbewertung ist (4.67 / 3)

33
Hinterlassen Sie einen Kommentar

avatar
400
14 Comment threads
19 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
24 Comment authors
info68FragenderJomenkAbsalon von LundWerner N. Recent comment authors
  Abonnieren (alle Kommentare oder nur meine Kommentare)  
neueste älteste beste Bewertung
Ich möchte benachrichtigt werden zu:
Werner N.
Gast
Werner N.

Unbegreiflich, wie wenig „Neu–Rechte“ ihren Unterschied zu den rechtsextremen Nazis definieren. Dabei bauchten sie sich nur von der Wikipedia–Definition distanzieren: ..“Der Nationalsozialismus ist eine radikal antisemitische, rassistische, antikommunistische und antidemokratische Ideologie“.. Bis auf den „Anti–Kommunismus“. Er spricht übrigens nicht für einen linken Nationalsozialismus.

Das Linke Paradox
Gast
Das Linke Paradox

Rechts ist die progressive Avantgarde, die Stirn besitzt, auch erhabene konservative Werte zu verteidigen.
Wir sind von heute, ihr seid von gestern.
Rechts ist sexy!

Nazis waren Sozis
Gast
Nazis waren Sozis

So ein Blödsinn.Rechte Parteien hatten die Farbe SCHWARZ.Wissen sie wie die SPD die NSDAP bezeichnete damals?Als SOZIS!Können sie auf einem alten Wahlplakat sehen(Nazi-SOZI).Und in Die Fahne hoch wird davin gesungen das die Reaktion(gemeint REAKTIONÄRE=Rechte)Nazis erschossen hätte.Und ich habe noch nie eine Nazi Rede gehört in der ein Nazi sagte das er Rechts sei.Welcher R. nennt sich den Genosse

Hans-Jürgen Meyer
Gast
Hans-Jürgen Meyer

Die Nazis waren Linke, Sozialisten! Natürlich leugnen das die heutigen Sozialisten (SPD, Linke). Aber sie benutzen in der politischen Auseinandersetzung dieselben Methoden wie die Nazis, Schlägertrupps (antifa)!
Rechts kommt nicht von der Gesäßgeografie sondern davon, wer das Recht vertritt, wer recht hat und wer sich an das Recht hält! Als solcher bin ich stolz darauf, ein „Rechter“ zu sein!

Monika Block
Gast
Monika Block

Die AFD isr rechts JA, nach aber weder Hetzer noch braun, Nazi oder Faschist nicht antisemitisch oder rassistisch nur einfach REALISTISCH, KONSEVATIV, DEMOKRATISCH und SOZIAL, rechts einer CDU/CSU die unter MERKEL weit links abgedriftet und zusammen mit den links-grünen Deutschland vorsätzlich zerstört.

Ernst Walter Longbore
Gast
Ernst Walter Longbore

Links kommt von link (= hinterhältig, verschlagen, falsch, böse).
Rechts kommt von richtig, gut, gerecht, Gerechtigkeit (und nicht Gelinkigkeit),
Rechtsstaat, Recht und Gesetz (nicht Links und Gesetz).
Leider gibt es nicht nur Linke, sondern auch (Links)Liberale, Grüne, und was weiß ich noch. All dieses Gezücht sollte man unter dem Begriff „die Unrechten“ zusammenfassen.

Absalon von Lund
Gast
Absalon von Lund

Links und rechts sind zwei Seiten einer Medaille. Farben sind unwichtig. Was sind die Obergegriffe: Souveränität oder Diktatur. In der Diktatur sind alle Sklaven, Herrscher und Untertanen. In souveränen Staaten sind alle souverän, Regierende und Bevölkerung. Nur sie sind gesund und können Bestand haben! Souveräne Staaten gibt es nicht ohne den Souverän und das ist Gott!

Demokrat
Gast
Demokrat

Fakt ist ja wohl, dass Europa eine Insel der allgemeinen Menschenrechte ist (war?). Eine Insel inmitten anderer, teils kruder Vorstellungen von individuellen Rechten. Diese Insel wird von innen wie von außen aus verschiedenen Interessen bestimmter Gruppen bedroht. Mir erscheint es darum absolut legitim, diese bewahren und schützen zu wollen. Was daran rechts sein soll, leuchtet mir nicht ein…

Rumpelstolz
Gast
Rumpelstolz
Meine Artikelbewertung ist :
     

Quiz für die Antifanten und linke Evolutionsverweigerer :
Frage: Wie hieß der erste Bundespräsident?
Antwort: Nazis raus!
Frage: Ist eine Birne ein Gemüse oder ein Obst?
Antwort: Nazis raus!
Frage: Was ist Feinstaub?
Antwort: Nazis raus!
Frage: Was ist der Unterschied zwischen Hauptschule und Gymnasium?
Antwort: Nazis raus!

Wolff Wieland
Gast
Wolff Wieland

Rechte gibt es nicht!Auch nicht Linke!Das stammt aus der Sitzordnung! Die Kommunisten haben das instrumentalisiert um die rechts sitzenden Konservativen als“Bösewichte“zu klassifizieren! Als die kommunistischen UDSSR Generäle gegen Gorbatschow putschten,schrien bei uns die LINKEN,GRÜNEN und ihre Presse-Helfer:“Rechte Generäle stürzen unseren GORBI“!
NAZI ist, wenn schon,total links! PASTA!

Gerd Peter
Gast
Gerd Peter
Meine Artikelbewertung ist :
     

Sofortige Umfrage: sind Sie dafür, dass zukünftig der Klöppel der Kirchenglocke nicht mehr nach rechts ausschlagt? Ein Irrsinn auf ganzer Linie, einfach krank im Kopf:)

Daniel Münger
Gast
Daniel Münger

Kommt doch bitte endlich mal weg vom 2. Weltkrieg und Hitler. Die Geschichte Europas zeigt in ihrer Vergangenheit wesentlich deutlichere Zeiten, weshalb z.B. gerade Orban und Ungarn sich gegen die maßlose Zuwanderung von Muslimen zur Wehr setzt. Wir christlich orientierten Europäer müssen uns im klaren sein, dass sich unsere Vorfahren bereits 2x mit dem blutigen Islam auseinandersetzen mussten.

Matthias Liebe
Gast
Matthias Liebe

Sagt einer zu mir „Nazi“, ist es mir inzwischen egal, sagt einer zu mir „Rassist““, ist es mir inzwischen egal, sagt einer zu mir „Es lebe Multikulti in BuntLand“ sage ich ihm: Du bist SCHULDIG am Untergang unserer Gesellschaftsordnung.

Weissager
Gast
Weissager
Meine Artikelbewertung ist :
     

Man sollte nicht vergessen, dass die NationalSOZIALISTEN (abgekürzt: NAZIS) Linke waren.