Im Oktober 2018 wählt mit Bayern das letzte Bundesland mit sicherer Unionsmehrheit. Die erfolgsverwöhnte CSU ist in einer kritischen Lage. Nicht nur, dass sie nicht verhindern kann, dass es im Landtag eine Partei rechts der CSU geben wird, zusätzlich könnte sich der Abschied von 50+X%, also von der absoluten Regierungsmehrheit als ungeliebtes Zukunftsmodell erweisen.

Der frisch gewählte bayrische Ministerpräsident Söder ist in der Klemme. Nach vielen Jahren des nicht immer geduldigen Abwartens ist er in der Pole-Position auf dem Weg die Führung der CSU zu übernehmen. Dieser Erfolg hat allerdings den Charakter eines vergifteten Geschenks.

Er ist unter Druck von zwei Seiten:

♦ In Bayern durch eine AfD, die mit klassischer CSU Politik einschließlich des Versuchs, die Nachfolge von Franz Josef Strauß für sich zu reklamieren, sich darauf einstellt auch in den bayrischen Landtag einzuziehen.

♦  Und durch einen Bundesinnenminister,  der nicht nur die bei weiten Teilen der CSU Anhängerschaft ungeliebten Grünen auch mal lobend erwähnt, sondern das Symbol für die Politik der Kanzlerin für viele Bayern darstellt.

Wird der Spagat zwischen der zwangsweisen Loyalität zu Drehhofer (CSU Spott) und dem traditionell an höchster Priorität stehenden Ziel eines bestmöglichen Abschneidens in der Bayernwahl für Söder zum Überlebenskampf?

Wenn man sich fragt, welche Optionen Söder nach der Wahl haben könnte, dann sind für die meisten Kommentatoren zwei Dinge am Wahrscheinlichsten. Erstens keine absolute Mehrheit und zweitens eine willige FDP als bevorzugter Regierungspartner. Beides sind vernünftige Annahmen.

Der CSU werden zwischen 40 und 44% prognostiziert, was bei 5% Sonstigen einen Abstand von 4-8% zur absoluten Mehrheit bedeutet. Würde die FDP von derzeit 5-6% unter 5% fallen, so würden der CSU nur noch 1-4% zur absoluten Mehrheit fehlen, was dieser Option besonderen Charme verleiht.

Man sollte aber auch die Grünen nicht abschreiben. Die CSU ist eigentlich inkompatibel zu den Ökos, aber das Beispiel BW zeigt, wie schnell es gehen kann. Der linke Block liegt in Bayern stabil bei unter 30%, ist also für die CSU Mehrheit strategisch nie ein Problem.

Anders sieht es im bürgerlichen Lager aus. Die Freien Wähler sind im Prinzip inhaltlich und von den Wählergruppen her klassische CSU-Klientel, d.h. hochgefährlich für Söder.

Die AfD etwas weniger, aber nicht wegen der politischen Inhalte, die sehr große Überschneidungen zur klassischen CSU Programmatik aufweisen, sondern weil der AfD das bayerische Image fehlt und weil ein radikales Image in Bayern noch nie gut ankam. Die Linke kann ein Lied davon singen und die Grünen hatten sogar in der ödp einen konservativen ökologischen Wettbewerber,  der ihnen lange die Prozente, die zum Einzug in den Landtag nötig gewesen wären, abjagte.

Die Schlussfolgerung ist klar: Von links sind für die CSU keine Stimmen zu holen. Und genau das dürfte hinter Söder Auftakt mit einer Braune-Soße- Kampagne stecken.

Gelänge es Söder, die AfD auf unter 10% zu drücken und die FDP würde unter 5% bleiben, dann wäre sogar die Alleinregierung drin.  Je nachdem, wie es bis zum Sommer läuft, ergeben sich viele Optionen und mögliche Strategien für das Endspiel.

Es könnte also einer der spannendsten Wahlkämpfe seit langem werden.

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16 Kommentare

  1. Die CSU wird nicht mehr als 40% erreichen! Das wird Söder den Kopf kosten. Bei der Wahl eines Koalitionspartners kann die CSU dann nur alles falsch machen! Noch schlimmer wird es aber für den Koalitionspartner kommen. Alles außer AfD oder FDP wird dem CSU-Wähler/innen sehr unangenehm aufstoßen. Ob die die FDP die 5% Hürde schafft halte ich fraglich!

  2. Doof dabei ist: Je mehr die CSU abschmiert (was passieren wird), desto mehr Macht oder Gestaltungs-Spielraum hat die Berliner Horror-Raute nach der Bayernwahl. 🙁

  3. Verständlicher für alle:
    Der F.J. Strauß würde sich im Grab umdrehen
    was die fabrizieren kann keiner verstehen,
    der Drehhofer flattert wie die Fahne im Wind
    und hofft dass ein Engel die Erleuchtung bringt.
    In Gottesnamen seufzt Minister Söder schwer
    zum Wahl Gefecht muss jetzt das Kreuz nun her.

  4. Auf guat boarisch gsagt:
    Da F.J.Strauß dat se im Grab umdrahn
    was de fabriziern is ois lauter Schmarrn
    da oane draht se wias Fahndl im Wind
    und hofft dass vom Himme de Erleuchtung kimmt
    In Gottsnam seufzt da Markus Söder schwer
    zum Wahlgefecht muas as Kreuz jetzt her.

  5. „….und weil ein radikales Image in Bayern noch nie gut ankam.“ Wo entstanden denn die ersten Arbeiter- Soldatenräte, wo war die Hauptstadt der „Bewegung“? In Bayern, besser gesagt, in München!!!!

  6. Der wird sich genauso verbiegen wie sein ehemaliger Chef, denn die CDU-Bundesvorsteherin wird eine Koalition mit der AFD nicht zulassen und dann machen sie einen „Württemberger“ und finden plötzlich die Grünen Marxisten ganz bodenständig und der bayrische Wähler ist der Gelackmeierte, wie immer nach der Wahl und deshalb nur die AFD wählen.

  7. Da das Innere das Äußere gestaltet, würde ich niemals jemanden mit solch verschlagenem Blick wie bei Herr Söder wählen.
    Sogar unabhängig von Inhalten.
    Leider ist die bayerische Dummheit nicht zu unterschätzen, die es zulässt, ständig von der CSU hinters Licht geführt zu werden.
    Ich hoffe trotzdem auf ein bayerisches Erwachen und dem Abwählen der Herrschaft des Unrecht von Herr Seehofer/CSU.

  8. Es geht nicht darum, Umfragen zu gewinnen, sondern Wahlen.

    Und wer sich nicht für dumm verkaufen lässt, hat nur zwei Optionen: Freie Wähler oder AfD.

  9. Es wird sich nichts in Bayern ändern…weil „des hama schoa imma soa gmacht“.Allein München ist seit Jahrzehnten in linksgrünfaschistoider „Wählerhand“.
    Und wenn man aufmerksam in Tram,Ubahn etc. zuhört,sind sowohl die Grün*innen und die (S)charia (P)artei (D)schlands ganz oben in der Gunst.AfD (die Nazi’s) will „man“ auf keinen Fall wählen.Der bayr. Löwe ist zum zahnlosem Kätzchen mutiert.

  10. AFD wird in Bayern unter 14% bleiben. Eher so um die 11%.

    Das ist die Blaupause für 2021. Kommt in der Realität an.

  11. Söder ist ein guter Mann. Seine realen Problem sind in seiner Partei zu finden. In den letzten Jahren haben zuviele „Eigeninterressler“ den Weg in die Führungspositionen gefunden!(Drehhoferverehrer) Mit dümmlichen Angriffen auf die AfD kann man doch nicht deren Wähler zurückgewinnen!! Genau wie das Verhalten gegenüber der „Freien Wähler“! Das sind doch ehemalige CSU-Wähler die man beleidigt!

  12. Als Seehofer zurücktrat, konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er die Macht sehr wohl nur deswegen abgibt, weil er bei den Landtagswahlen keine Chancen für 50+x% für sich sieht und diese Wahlschlappensuppe bewusst mit Söder auslöffeln lassen will. Dann wäre möglicherweise Söder auch weg vom Fenster und Seehofer könnte seine/n Wunschkandidaten/in doch noch durchsetzen…

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