Nicht dass der Chef einer sich christlich nennenden Partei in Ämtern wieder das Kreuz in Bayern sehen will, ist bizarr, sondern dass sich ausgerechnet katholische und evangelische Theologen dagegen aussprachen.

Nun haben sich mehr als 20 katholische und evangelische Universitätsprofessoren für Theologie aus ganz Bayern klar positioniert und stellen sich hinter den Kreuzerlass der CSU.

Wir dokumentieren hier den Text:

Die folgenden aus Bayern stammenden oder in Bayern lehrenden christlichen Theologen bekennen sich zum Kreuz in der Öffentlichkeit.

Wir erklären, dass wir für jedes in öffentlichen Räumen sichtbare Kreuz dankbar sind. Denn das Kreuz steht für die in Gott gründende Würde des Menschen (vgl. Gen 1,26–27), die eines der wesentlichen Würdefundamente ist und die unsere Demokratie nicht aus sich selbst hervorzubringen vermag. Im Christentum und damit im Symbol des Kreuzes vereinen sich göttliche Offenbarung und philosophische Humanität bzw. Aufklärung.

Auch Kants Vernunftreligion kommt nicht ohne Gott aus. Diese beiden Grundpfeiler mit ihrem sicheren Anker der unantastbaren Menschenwürde hatten auch die Gründerväter der deutschen und bayerischen Verfassung vor allem vor Augen, auch wenn selbstverständlich andere Quellen mit einfließen, wie das Judentum oder im Blick auf die christlich-scholastische Aristoteles-Rezeption des 13. Jahrhunderts der humanistische Islam.

Ganz in der Tradition unserer Verfassung ist der Blick auf das Kreuz zweifellos der Blick auf ein Wertefundament unserer pluralistischen Gesellschaft, da es für den menschlichen Zusammenhalt aus einem Geist des Miteinanders auch gegenüber dem vermeintlich Fremden steht.

Dieses Fundament freiheitlicher Toleranz ist sowohl im Grundgesetz als auch in der Bayerischen Verfassung gerade nicht auf einen gottlosen Humanismus reduziert.

Es gründet im Heilswerk und in der Botschaft Jesu Christi, die er selbst auf vollkommene Weise vorgelebt hat.

Für uns unverständlich ist die jetzt öffentlich zur Schau gestellte Solidarisierung einiger kirchlicher Stimmen oder Organisationen mit den Laizisten, die die Kreuze schon lange zumindest aus öffentlichen Gebäuden verbannen wollen. Eine solche Haltung grenzt an Selbstaufgabe, was gerade die Menschen anderer Religionen nicht schätzen und viele Christgläubige befremdet.

Wir hingegen freuen uns über die in öffentlichen und staatlichen Räumen anzutreffenden Kreuze. Das öffentlich sichtbare Kreuz hat nämlich auch dem säkularen Menschen Wichtiges zu sagen. Wer auf das Kreuz blickt, sieht sich dabei gleichermaßen konfrontiert mit einem wesentlichen Werteanker unserer humanistischen Toleranzkultur wie mit Jesus Christus als dem Sohn Gottes. Auch wenn dies manche als anstößig empfinden, so dürfen dennoch Christen niemals Kreuze entfernen oder abhängen.

Dem Vorwurf, hier werde unsere Religion instrumentalisiert, halten wir entgegen, dass der Einsatz von Symbolen ein legitimes Mittel demokratischer Politik ist. Wenn sich beispielsweise die Linkspartei am 1. Mai in Demonstrationen einreiht oder Grüne sich gegen Lebensschützer solidarisieren, wittert keiner die Instrumentalisierung der Arbeiter oder der Genderisten. Man glaubt ihnen, dass das ihrer ehrlichen Überzeugung entspricht. Wenn aber christliche Politiker sich mit dem Kreuz solidarisieren, wird suggeriert, es müsse selbstverständlich reine Parteitaktik sein. Wir sagen nein dazu, dass hier offenbar mit zweierlei Maß gemessen wird. Wir sagen ja zum Kreuz.

Im christlich geprägten Bayern besteht seit langen Zeiten der Brauch, dass nicht nur auf öffentlichen Plätzen und Berggipfeln, sondern ganz selbstverständlich auch in staatlich-öffentlichen Amtsräumen Kreuze angebracht sind.

Auf diese Weise bringt der bayerische Staat seit jeher sein Selbstverständnis zum Ausdruck, dass er zutiefst in der christlichen Tradition verwurzelt ist und sich diesem Erbe verpflichtet weiß.

Demnach sehen wir in dem zum 1. Juni 2018 in Kraft tretenden Kreuzerlass keine Neuerung mit irgendeinem gesellschaftsspaltendem Potential, sondern nur eine Ergänzung, wodurch die höchst sinnvolle und bereits hinlänglich vertraute Präsenz der Kreuze in den Amtsräumen nun flächendeckend sein wird. Auf diese Weise werden künftig auch in jenen Amtsräumen Kreuze anzutreffen sein, wo man deren Anbringung bislang noch nicht beachtet hat oder wo im Einzelfall tatsächlich das Kreuz eigenmächtig abgenommen wurde.

Im Blick auf den inneren gesellschaftlichen Frieden wird der ergänzende Kreuzerlass bewirken, dass künftig nicht mehr der Eindruck entstehen kann, als sei das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Kreuzen in Amtsräumen eine rein private oder gar willkürliche Angelegenheit von Bürgermeistern, Schulleitern oder Amtsgerichtsdirektoren etc.

So bedeutet der Kreuzerlass eine sinnvolle Anknüpfung an eine bereits lange bestehende und bewährte Tradition. Zudem sind wir dankbar für die durch den Kreuzerlass zum Ausdruck kommende Transparenz der bayerischen Staatsregierung, dass sie sich auch künftig wie schon bisher der christlichen Tradition Bayerns verpflichtet weiß, wie es auch dem Geist der nach Kriegsende 1946 verabschiedeten Präambel der Bayerischen Verfassung entspricht, wonach es in Bayern nie mehr eine „Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott“ und damit ohne Achtung des Gewissens und der Menschenwürde geben darf.

Wir würden uns freuen, wenn sich noch weitere katholische und evangelische Professoren und Hochschullehrer der Theologie dieser Erklärung anschließen würden. In diesem Fall möge man sich per Mail an Prof. Dr. Wolfgang Vogl (wolfgang.vogl@kthf.uni-augsburg.de) wenden.

Die weiteren Beitritte können auf der persönlichen Homepage „Kreuzerlass.de“ von Prof. Vogl eingesehen werden.

Erstunterzeichner:

Prof. Dr. Wolfgang Vogl (Theologie des geistlichen Lebens, Augsburg)

Prof. Dr. Dr. Elmar Nass (Sozialethik, Fürth)

Prof. Dr. Christoph Binninger (Dogmatik, Bischöfliches Studium Rudolphinum, Regensburg)

Prof. Dr. Christoph Ohly (Kirchenrecht, Trier; Bischöfliches Studium Rudolphinum, Regensburg)

Prof. Dr. Sigmund Bonk (Philosophie, Regensburg)

PD Dr. Dr. Giuseppe Franco (Theologie, Eichstätt)

Prof. Dr. Hans-Georg Gradl (Neues Testament, Trier)

Prof. Dr. Manfred Heim (Kirchengeschichte, München)

Pfarrer Prof. h. c. Dr. Jürgen Henkel (Ökumenische Theologie, Selb)

Prof. em. Dr. Alfred Egid Hierold (Kirchenrecht, Bamberg)

Prof. em. Dr. Wolfgang Klausnitzer (Fundamentaltheologie, Würzburg)

Prof. Dr. Josef Kreiml (Fundamentaltheologie, St. Pölten)

Pfarrer Prof. Dr. h. c. Hermann Schoenauer (Diakoniewissenschaft, Nürnberg)

Prof. Dr. Achim Schütz (Dogmatik, Rom)

Prof. Dr. Dr. Herbert Stettberger (Religionspädagogik, Heidelberg)

Prof. Dr. Thomas Stark (Philosophie, St. Pölten)

Prof. em. Dr. Anton Ziegenaus (Dogmatik, Augsburg)

Wir unterstützen diese Erklärung:

Prof. em. Dr. Hans Joachim Türk (Philosophie und Sozialethik, TH Nürnberg)

PD Dr. Artur Zuk (Pastoraltheologie, christliche Spiritualität und Homiletik, KU Eichstätt)

Prof. Dr. Harald Jung (Ethik und Soziallehre, IHL Liebenzell)

Prof. Dr. Christian Müller (Wirtschaftswissenschaften, Münster)

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Werner Lachmann (Wirtschaftswissenschaften, Nürnberg)

Prof. Dr. Johannes Brantl (Moraltheologie, Trier)

Meine Artikelbewertung ist (4.25 / 4)

20
Hinterlassen Sie einen Kommentar

avatar
400
18 Comment threads
2 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
17 Comment authors
VeronikaWilhelmr.v.d.m.maruFiliusJulius Recent comment authors
  Abonnieren (alle Kommentare oder nur meine Kommentare)  
neueste älteste beste Bewertung
Ich möchte benachrichtigt werden zu:
Veronika
Gast
Veronika

Die katholische Wochenzeitung Furche (Österreich) kritisiert in ihrer aktuellen Printausgabe Söder scharf. Das Kreuz sei kein Zeichen der politischen macht, sondern der Ohnmacht!

Wilhelm
Gast
Wilhelm

Endlich! Sie nehmen Ihre Aufgabe ernst: Mit Liebe auftreten (Nächsten- liebe), den Glauben b e k e n n e n (confido) die Christen im Glauben stärken (Seelsorge), den Glauben verbreiten (Mission), verfolgten Christen helfen (Barmherzigkeit) unter dem Symbol des Kreuzes. Es stört die „Anderen“. Daher die vielen Schändungen an christlichen Einrichtugen. Am Ende sollen sie brennen wie die Synagogen.

maru
Gast
maru
Meine Artikelbewertung ist :
     

Prinzipiell gehören Glaubenssymbole überhaupt nicht in staatiche Institutionen. Aber dieses „Vakuum“ nutzt der Islam, um sich breit zu machen.
Daher ist es das kleinere Übel, ihm mit dem Kreuz die Stirn zu bieten – wie bei dem Vampiren, fehlt nur noch der Knoblauch:)

Hoffentlich schlägt das Kreuz damit aber keine Bresche für islamische Symbole, die das dann auch für sich reklamieren könnten.

r.v.d.m.
Gast
r.v.d.m.

Ich glaube aber nicht, dass sich diese schmierigen
Theologen, vor den gleichen Erlass gestellt hätten,
wenn Ihn die AFD beschlossen hätte ! Das z.B.,
ist der Unterschied zwischen PP und meiner Wenigkeit !

Demokrat
Gast
Demokrat

Wie wäre es mit Kreuz und Konterfei von Immanuel Kant? Zum Beispiel…

Suria
Gast
Suria

Danke für das klare Bekenntnis zum Kreuz!
Allerdings hatten die Gründer des GG / der b. Verfassung sicher nicht den Islam vor Augen, denn damals gab es kaum Muslime in D!
Humanistischer Islam? Lt. Wikipedia strebt Humanismus ein Gesellschaftsideal an, das jedem Menschen die bestmögliche Persönlichkeitsentfaltung ermöglichen soll. Ein größerer Widerspruch zum intoleranten Islam ist nicht denkbar!

Josy
Gast
Josy
Meine Artikelbewertung ist :
     

Ich freue mich sehr über diese positive Stellungnahme. Die Begründungen gefallen mir sehr!

Und das sage ich als Atheistin.

Milchkaffee
Gast
Milchkaffee

Kirchenvertreter selbst waren es kürzlich, die das christliche Kreuz auf missbräuchliche Weise mit dem Hakenkreuz assoziierten, als sie damit Konservative diffamierten und ihnen stellvertretergöttlich das Menschsein absprachen. Dann die Södersche Nebelkreuzaktion. Warum also nicht noch eine verrücktere Provinzgenossenposse obendrauf ? Wenns amused und sich rechnet.. Wählerstimmen und Silberlinge.

Kaltfussengel
Gast
Kaltfussengel
Meine Artikelbewertung ist :
     

Ich war einmal katholisch,bin schon vor langer Zeit ausgetreten.Ich glaube zwar nicht an Gott, lebe aber wohl mehr nach den 10 Geboten als so mancher „Christ“. Das Kreuz ist für mich ein Symbol unsere Kultur, daß zu einem friedlichen Miteinander aufruft. Ich achte und schätze es, genau so, wie ich Jesus als Mensch geschätzt hätte. Pfaffen und die Kirche verachte ich, sie verraten Jesus und uns.

Hannah
Gast
Hannah

Auch wenn ich schon lange aus der Kirche ausgetreten bin, bedeutet das Kreuz für mich Heimat.

FiliusJulius
Gast
FiliusJulius

Nicht dass die ehrenwerten Herren noch Ärger bekommen, mit ihrem Marx(istischen) Oberhirten vom Dienst, und dann – zur Strafe – vom „heiligen Franzerl von und zu Rom“ – auch noch exkommuniziert werden.

Trau schau wem !

Andreas Donath
Gast
Andreas Donath

Ich ergänze noch: Die Herren Seehofer, Söder und Co. unterstützen de facto die Umvolkungspolitik der Angela Merkel – und dafür verachte ich sie zutiefst. Generell verachte ich linke Spinner nie so sehr wie Verräter aus dem bürgerlichen Lager. Ich wünsche der CSU nur das Allerschlechteste, dieser abstoßenden Amigo-Partei, die stets mit dem Zeitgeist kungelt, jedoch das Gegenteil behauptet!

Rubens Bulling
Gast
Rubens Bulling

GOTT SEI DANKK!!
Und den Herren meine aufrichtige Bewunderung für ihren Mut.
Danke
Rubens Bulling

Andreas Donath
Gast
Andreas Donath

Auch als Agnostiker bin ich für den „Kreuzerlass“ und begrüße die Erklärung der 20 Theologen, weil es mir um das christlich geprägte abendländische Kulturerbe geht. Ich bin aber entschieden gegen die selbstgefällige, arrogante und total vermerkelte CSU, die den Erlass nicht um der Sache willen, sondern um Wähler hinter die Fichte zu führen und von der AfD wegzulenken, initiiert hat.

Tinas Senf
Gast
Tinas Senf

Müssen die Theologen sich jetzt wegen ihrer Bekenntnisse zum Kreuz auch als Nazis beleidigen lassen?

Tom - ein Patriot
Gast
Tom - ein Patriot
Meine Artikelbewertung ist :
     

Wieder ein Schritt in die richtige Richtung. Wir brauchen noch sehr viele, aber ist der Karren einmal in Bewegung halten ihn keine Linksextremisten mit ihren verbündeten (Selbstzensur), welche sich gegen jede europäische Kultur und Tradition stellen, mehr auf. Bayern bewegt sich langsam. Vielleicht auch dank Strache und Kurz.

Joe
Gast
Joe

Geballte Kraft an Hochschulkader, das ging richtig ans Geld, ähhh, unseren Steuern.
Religion und 21. jahrhundert, naja….
Es steht Jedem frei sich für eine solche zu bekennen, aber bitte nicht in der Öffentlichkeit, sonst glauben die Kleinen noch ewig an den Weihnachtsmann.

Emma
Gast
Emma

Endlich mal ein vernünftiges Zeichen der Kirche, allerdings ob sich weitere Unterzeichner finden ist fraglich !