(David Berger) Das Magazin „Cicero“ veröffentlichte heute einen jedes journalistische Taktgefühl vermissen lassenden Beitrag zu der höchst erfolgreichen „Gemeinsamen Erklärung 2018“. Darin schreckt man nicht einmal vor der persönlichen Diffamierung der unterzeichnenden Prominenten zurück.

Viele betrachten das Politmagazin „Cicero“ nach wie vor als eine der intellektuellen Speerspitzen jener Medien, die sich im System Merkel noch nicht haben gleichschalten lassen. Dies kommt sicher noch aus jener Zeit, als exzellente Journalisten wie Alexander Kissler maßgebend das Gesicht des Magazins bestimmten.

Doch das scheint schon länger Schnee von gestern zu sein. Spätestens seitdem heute in der Online-Version des Magazins eine gehässige Abrechnung mit der von Vera Lengsfeld initiierten „Gemeinsamen Erklärung 2018“ erschienen ist, ist klar, wo der Cicero wirklich steht.

Der Autor kommt aus jenen Institutionen, die dem Staatsfunk angehören bzw. diesem im Gleichschaltungsgrad sehr nahe stehen, auch wenn er jetzt wohl seinen Lebensabend genießt: Ernst Elitz war bis 2009 erster Intendant des Deutschlandradios, zuvor ausgerechnet beim „Spiegel“ tätig. Und fungiert jetzt mit 76 als eine Art „Ombudsmann“ (was immer das auch sein soll) bei der BILD.

Für ihn sind alle, die die Erklärung unterschrieben haben, entweder böse reingelegt worden – wie etwa Uwe Tellkamp, dem er schlecht ein gewisses intellektuelles Level aberkennen kann und der dennoch so naiv gewesen sein soll, dass er sich vereinnahmen ließ, dass er eines „morgens neben Lutz Bachmann aufwachte“.

Oder sie sind einfach – aus psychologischen Ursachen, die er zu kennen scheint – nur böse und populistisch.

Dass einer jener Prominenten, die in seinem Weltbild eigentlich zur über dem „Pöbel“ schwebenden Kaste Linksintellektueller gehören, sich auf die Seite des Volkes stellt, das gegen das System Merkel demonstriert, ist für ihn so undenkbar, dass er diese Leute nur noch mit einer therapeutischen Geste zu psychisch Lädierten erklären kann:

Schuld an allem ist für ihn die verdiente Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, die in jener Zeit, als er die politische Clique, die die Hoffnung auf einen Fall der Mauer längst aufgegeben hatte, bespielte, ihren Kopf für Freiheit und Demokratie hinhielt. Der Gang der Geschichte verhinderte, dass sie vom DDR-Regime einen Kopf kürzer gemacht wurde.

Was Honecker und seiner linken Verbrecher-Clique entging, das holt Elitz jetzt verbal nach und richtet Vera Lengsfeld hin:

Alles, was sie politisch und publizistisch unternimmt und damit andere ins Unglück stürzt, sei ihrer extremen Verbitterung geschuldet.

„Wer ist die Frau, die Tellkamp dermaßen ins Unglück reitet? Keiner möchte mit ihr teilen. Ein Leben im Horror: Der Vater Stasi-Mann, sie Friedensaktivistin in der DDR, vom eigenen Mann bespitzelt, Jobverlust, Knast, Ausweisung. Dann die Aufbauzeit: Sie sitzt in der Verfassungskommission des Runden Tisches, erst für Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, dann ihr Wechsel zur CDU. Die schickt sie im roten Biotop Friedrichshain-Kreuzberg gegen den unschlagbaren Grünen Ströbele ins Wahlkampfgefecht. Fieser geht’s nicht. Kein Wunder, wem das widerfährt, der wird sich allseits bedroht und verlassen fühlen und Freunde suchen, wo sie erst recht nicht zu finden sind. Lengsfeld ist nur noch bitter.“

Dass sie angeblich Tellkamp in ihrer Verbitterung mit ins Unglück zog, kann ihr der ehemalige Spiegel-Zögling noch halbwegs verzeihen.

Was für ihn aber gänzlich unverzeihlich ist, ist die Öffnung der Petition für das gemeine Volk: Damit sei die Petition im „Getümmel wutschnaubender Mitbürger gelandet“ und das habe „der Petition jedes Gewicht genommen.“

Ähnlich kann er Matussek nicht verzeihen, dass er sich in Hamburg unter das Volk mischte und dort auf einer „Merkel muss weg“-Demo sprach.

Hier spiegelt sich die ganze üble Arroganz einer kleinen, sich für die geistige Elite haltenden Gruppe aus Toskana-Linken. Deren dauernder Ruf gegen den Populismus steht ihnen äußerst gut und zeigt, was sie in Wirklichkeit von der Demokratie halten (populus/ latein = demos/ griechisch für das Volk).

Für diese Gruppe ewig gestriger, mit Champagner und Koks genährter Betonköpfe ist Merkel die große Führerin, weil sie ebenso abgehoben und voller Verachtung auf die ganz normalen Menschen der indigenen Bevölkerung Deutschlands schaut, wie sie es seit Jahren tun.

Da sie durchaus um die Geschichte wissen, kennen sie die letzten Tage der DDR-Führungselite sehr genau, sie wissen auch um die letzten Tage der Marie Antoinette und die Bedeutung des von Rousseau überlieferten Satzes: „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.“

Daher auch die Untergangsstimmung, die Leute wie Elitz so aggressiv um sich schlagen lässt. Sie wissen, dass sie schon länger nichts mehr zu verlieren haben. Im Unterschied zu dem Magazin „Cicero“ …

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Jetzt erst recht! Hier können auch Sie die Erklärung unterzeichnen: GEMEINSAME ERKLÄRUNG 2018

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