Ein Gastbeitrag von A.R. Göhring

Unterhält man sich als konservativer Mensch mit Anhängern von Willkommenskultur, Klimareligion, Multikulti und Genderfeminismus, fragt man sich, wie diese Zeitgenossen ihre Heilslehren mit der erfahrbaren Wirklichkeit in Übereinstimmung bringen können. Eigentlich sind solche Widersprüche nicht lange auszuhalten.

Eine Lösung für dieses Rätsel bietet die Erkenntnis, dass höher gebildete (und intelligente?) Menschen sozusagen das spezielle Werkzeug besitzen, ihre weltfremden Überzeugungen effizient vor der bösen Wirklichkeit zu schützen.

Und in der Tat: Die oben genannten Ideologien werden fast ausschließlich von formal höher gebildeten Bürgern in der westlichen Welt vertreten. Taxifahrer, Krankenschwestern, Kellner oder Klempner, die von „unzähligen“ Geschlechtern oder der „Religion des Friedens“ erzählen? Fehlanzeige, so etwas wird Ihnen so gut wie nie begegnen.

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Ich halte Taxifahrer, Krankenschwestern, Kellner oder Klempner keineswegs für „weniger“ gebildet. Ganz im Gegenteil: Was in Ausbildungsberufen gelehrt wird, übersteigt das Niveau von Gender“forschung“ oder diversen verbalwissenschaftlichen Zweigen ganz erheblich. Der Blog „Science files“ macht dies an mehr als nur an einer Stelle deutlich.

Die dummstudierten Genderologen (etc.) erhalten in ihrer „Ausbildung“ allerdings neben der reinen, wahren Gesinnung jede Menge Strategien an die Hand, um die mythischen Studieninhalte vor Kritikern, aber vor allem vor sich selbst zu verteidigen.

Das erlebt man dann in Diskussionen z.B. mit den Gläubigen der Willkommenskultur sehr deutlich. So verteidigte mir gegenüber einmal ein das Gebot der Nächstenliebe missverstehender Christ die um sich greifende Kopftuchmode in Dresden mit dem Argument, dass man gar nicht erkennen könne, ob man da wirklich eine strenggläubige Mohammedanerin vor sich habe. Deutsche Frauen trügen ja auch häufig Tuch; früher sogar fast immer. Daß ein mohammedanisches Hidschab-Kopftuch sehr viel aufwändiger und größer ist als ein simples Quadrattuch einer Oma oder eines Rockers ist, da es möglichst alle Haare und den Hals der sündhaften Frau verstecken soll, blieb natürlich unbeachtet.

Derselbe etwas desorientierte Zeitgenosse lobte unsere stets eiskalt agierende Kanzlerin für ihr großes Mitgefühl in der Asylkrise 2015. Auf meinen Einwand, dass Merkel bei rechts wie links niemals als besonders empathisch bekannt gewesen sei, antwortete er, dass Merkel ähnlich dem Grafen Claus von Stauffenberg (!) eben gelernt und sich weiter entwickelt habe.

Meine Zweifel daran, dass sich die tiefgefrorene Machtpolitikerin Angela Dorothea im zarten Alter von 60 plötzlich zur guten Samariterin gewandelt habe, nachdem sie kurz zuvor noch ein arabisches Mädchen öffentlich abschieben wollte, wurden mit Gesprächsabbruch quittiert.

Da sieht man es: Unser christlicher Freund hat ein profundes Wissen, auf das er zurückgreifen kann, und er vermag sich darauf basierend gut Argumente auszudenken. Das funktioniert nicht immer, vor allem dann, wenn der progressive Gläubige es mit einem bösen Reaktionär-Konservativen wie mir zu tun hat, der über ein ähnliches Training verfügt und damit die Mythen demontieren kann.

Aber dann meidet der gute Mensch von Buntland eben die Konfrontation mit dem Ungläubigen und zieht sich in seinen Referenzraum, seine Blase, zurück, in der kaum blasphemische Gedanken geäußert werden. Oder am besten gar keine.

Es ist exakt dieses Phänomen, was wir seit Merkels kleinem Staatstreich 2015 landauf, landab in jeder Familie, in jedem Freundes- oder Kollegenkreis beobachten können. War es zuvor meist durchaus noch möglich, über Energiewende und Atomkraft, Gleichstellung und Islam zu streiten, gingen die Eisernen Tore beim Thema Willkommenskultur und Masseninvasion in der Regel schnell herunter.

Die Linken igelten sich sofort ein und erklärten selbst langjährige Freunde und sogar Verwandte, die sich dem Konformismus verweigerten, zu Personae non gratae.

Eigentlich müßte sich diese Verhaltensweise langsam auflösen, da die Wirklichkeit lehrt, dass die Kritiker von Merkels grünem Kurs schlicht recht hatten. Ich vermute aber, dass die meisten guten Menschen von Buntland nicht offen zurückrudern oder gar um Verzeihung für ihr gar nicht so gutes Verhalten bitten werden.

Das würde erfordern, die eigene gewaltige Dummheit und Kaltblütigkeit zuzugeben. Und man würde seine Identität als besonderer moralisch hochstehender Mensch ersatzlos aufgeben müssen. Man müßte sich zudem noch eingestehen, als Heuchler moralisch sogar unter der verachteten rechten Plebs zu stehen.

Nein, die guten Menschen werden nichts zugeben. Wer sich via Hypermoralismus über seine Mitbürger erheben will, wird nicht die Größe entwickeln, die eigene Kleinheit zuzugeben

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27 Kommentare

  1. Es geht nicht um „links“ versus „konservativ“, diese Kategorien sind obsolet. Es geht um VERNUNFT versus IDEOLOGIE. Die zitierte Realitätsverleugnung und Bessermenschelei ist das typische Merkmal von Ideologen.
    Merkill und Stauffenberg? Hä??
    Jedenfalls wäre ein weiterer Gastauftritt von Stauffenberg laut Artikel 20, Abs. 4 GG legitimiert.

  2. Ich fänd mal eine Sammlung der irrwitzigsten „Argumente“ dieser Leute ganz lustig. Es gibt ja sonst wenig zu lachen in diesen Zeiten. Da hätte ich auch eine ganze Menge zu liefern, wie z.B: „Die Flüchtlinge stehlen in den Supermärkten, weil sie in Deutschland hungern müssen…“ Mein Neffe, 47, 2 Kinder, beschäftigt bei einem der Dritten Programme der ARD! Totaler Kontabbruch zu mir und den Meinen.

    • Wenn man erkannt hat, dass viele sonst recht kluge Leute irrwitzige Argumente bringen, ist es lustig, diese aufzuzählen. Aber irgendwann findet man das dann nicht mehr lustig.
      Es bringt nichts. Für die, die es verstanden haben, ist es egal, ob sie zu sechs Kloppern noch dreißig weitere hören. Und für die, die es bei den sechs noch nicht verstanden haben, auch.

  3. Ich halte das oben angesprochene Phänomen auch weniger für eine Bildungs-, sondern mehr für eine Charakterfrage.

    Und in meinen Kreisen nennt man Leute, die sich 11.000 Seiten Poststrukturalismus und ähnlichen Politologenschmarren an der Uni reingedreht haben und dann auf Staastsknete angewiesen sind, Theorietrottel.

  4. Teil3: Bei den heutigen Blasen sollte man beachten, dass wir es bei der klassischen deutschen Medienlandschaft (TV, Radio, Presse) mit dem aufwendigsten, technisch und psychologisch fortschrittlichsten Propagandaapparat zu tun haben, den es je auf deutschem Boden gab, vor allem in Hinblick auf GEZ-TV. So etwas wie das frühere Korrektiv „Westfernsehen“ existiert für die internet-phobe Gen.70+ nicht

  5. Teil2: Eine Nähkästchenplauderei aus dem SED-Staat im Endstadium besagt, dass viele Funktionäre den Quatsch mit dem Marxismus-Leninismus oder „wissenschaftlichen Kommunismus“ innerlich nicht mehr ernst nahmen, aber man hatte sich mit dem System arrangiert, sich darin bequem eingerichtet, ganz pragmatisch. Solch moralisch fragwürdiges Verhalten gibt es heute mit Sicherheit auch.

  6. Ergänzend möchte ich auf weitere „Stabilisatoren“ dieser sich stets selbst bestätigenden Lebensweise (Blase) hinweisen.
    Da ist die politisch zur sozial erwünschten „Zivilcourage“ deklarierte Auszeichnung, als „Gutmensch“ zu den Unfehlbaren dazuzugehören, im Gegensatz zu den sozial ausgestoßenen Parias, die stets von existentieller Vernichtung bedroht sind…

  7. Hallo,
    ja, diese in Blasen lebenden Menschen sind mir aus der Verwandtschaft schmerzlich bekannt. Natürlich werden die wenigsten zurückrudern, solange ihre persönliche Komfortzone noch nicht von der Realität hinweggefegt worden ist. Da fällt mir ein Sinnspruch ein:
    „Der größte Trieb des Menschen nach dem Sexualtrieb ist, zu den moralisch Besseren gehören zu wollen“

  8. Akademiker verfügen zumeist über höhere Einkünfte und leben deshalb in „besseren“ Wohngegenden, ohne Kontakt zu den Auswüchsen der Willkommenskultur also. Vielleicht stellen sie gar eine der wenigen geflüchteten Frauen als Putzfrau ein und fühlen sich deshalb als Retter der Menschheit für 10 € Stundenlohn. „Die Toleranz wächst mit der Entfernung zum Problem“.

  9. Genau so ist es! Die Konditionierung durch die Politik stellt auch genau darauf ab! Die hohe kollektive Sozial- und Humanitätsbildung der Deutschen macht sie zum leichten Opfer. Für Frau Merkel ist es ausschließlich wichtig lange genug an der Macht zu bleiben um ihr Zerstörungswerk vollenden zu können. Was ihre verantwortungslose Abgebrühtheit betrifft ist sie sicher eine Ausnahmeerscheinung.

  10. Lesen Sie „Psychologie der Massen“ von Gustave Le Bon. 120 Jahre alt, aber immer noch aktuell. Alle die Bessermenschen stecken in der Phase der Übertragung/Ansteckung fest. Ist man erst mal da angekommen, sind Verstand und Logik ausgeschaltet. Muss man fast Mitleid bekommen. Wenn überhaupt, werden die nur geheilt, wenn sie selber Opfer werden. Würde ich aber nicht drauf wetten…

  11. Genau so ist es! Wenn ich anfangen möchte über besagte „Willkommenskultur“zu diskutieren, dann wird abgewunken, maliziös gelächelt und wenn das nicht fruchtet mit der Nazikeule gewunken. Wohlgemerkt bei einigen Studierten in meinem Umfeld. Nach dem Motto: Solange es mich nicht trifft, verteidige ich meine Realitätsferne.

  12. Der Focus brachte gestern einen Artikel (der ganz schnell aus dem Sichtfeld verschwand), dass die IS-Terroristen verstärkt über Anschläge auf Kindergärten und Krankenhäuser nachdenken. Aber selbst das würde MEINE DUMMEN FAMILIENMITGLIEDER wohl nicht davon abhalten, „schlimm schlimm schlimm“ zu murmeln und weiter die Altparteien zu wählen, die unser Land ins komplette Chaos stürzen. Unfassbar!

  13. Viele dieser „Gutmenschen“ sind dumme Schwätzer. Sie haben meist keine Ahnung von der Realität – und wollen auch keine haben. Das Interessante dabei ist, dass sie für ihre Landsleute in Not, also „denen, die schon länger hier leben meist KEINERLEI Mitgefühl oder Empathie haben, dass diese ihnen in der Regel vollkommen egal sind, Denn wären sie so „gut“, hätte man das ja früher sehen können

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