(Kopekenstudent) Am 20. Februar 2018 fiel auf DLF – jenem Radiosender also, der wie kein anderes Medium Sprachrohr des deutschen Selbstverständnisses aus Sicht der herrschenden Elite ist – eben dort also fiel zum ersten Mal jener Begriff, der sonst gerne als symptomatisch für die DDR hergenommen wird. Diesmal jedoch galt er der Bundesrepublik.

Es war der Begriff „Mangelwirtschaft“. Er fiel im Zusammenhang mit der Bundeswehr. Es fehle nicht nur an Panzern, sondern auch an Unterhosen. Hatte der Experte das tatsächlich gesagt? Unterhosen? Mangelwirtschaft? Ja, kein Zweifel.

Die Bedeutung des Begriffes kann wahrscheinlich besser verstehen, wer aus der DDR kommt. Mangelwirtschaft äußerte sich darin, dass es – wie man im Alltag zu sagen pflegte – „nichts gab“.

Natürlich gab es nicht „nichts“. Es gab von allem immer gerade so viel, dass das Leben noch irgendwie weiter gehen konnte. Keiner musste wirklich leiden. Da hatte die marxistischen Doktrin, die man im Osten für kommunistische Propaganda hielt, wie sich später herausstellte durchaus nicht Unrecht: im Kapitalismus kann es systembedingt vielen Menschen sehr wohl sehr viel schlechter gehen. Dass dieses „schlechter“ nicht nur materiell zu verstehen war, sondern möglicherweise auch ideologisch, wird erst heute, viele Jahre nach dem so genannten „Fall der Mauer“, da viele Westdeutsche immense geistige Probleme damit haben, die Situation Deutschlands zu erfassen, klar.

Die Mangelwirtschaft war allgegenwärtig. In unserer Stadt gab es einen Werkzeugladen. Ich weiß bis heute nicht, wie der Inhaber hieß und ob der Laden einen richtigen Namen hatte.

Denn alle Leute nannten ihn bloß „Hammernich“. Als Kind stellt man Begriffe nicht in Frage. Ich dachte, es hätte irgendetwas mit „Hammer“ zu tun. Werkzeug = Hammer = Hammernich. „Ich geh mal rüber zum Hammernich“, sagte mein Vater. Später fragte ich dann doch, wieso der Laden denn Hammernich heiße. Weil der Besitzer jedes Mal auf die Frage, haben sie dies oder das, antwortete, nein, hammer nicht, sagte mein Vater. Das war der Humor und die Mangelwirtschaft in der DDR. Dennoch hat mein Vater sein Leben lang gebaut und gewerkelt. Und hatte für alles immer das passende Werkzeug. Besaß er es selbst nicht, hat er es sich von irgendjemandem geborgt.

Heute borgt sich die Bundeswehr Hubschrauber beim ADAC, damit ihre Piloten auf die geforderten Flugstunden kommen.

Mangelwirtschaft. Es ist mehr als bezeichnend, dass der Begriff gerade im Zusammenhang mit der Bundeswehr fiel.

Die DDR hätte die allerletzten Mittel zusammen gekratzt, um die NVA state of the art zu halten. Das kleine Land verfügte über ein Heer von rund 155.000 Mann. Die damalige Bundeswehr zu ihren besten Zeiten übrigens über 495.000. Zusammen hatte Deutschland also rund 650.000 Soldaten. Heute ist die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands allein von der Mannstärke her auf etwas mehr als ein Viertel der damaligen Stärke zusammen geschrumpft. Seine ehemals 2125 Leopard-Kampfpanzer und die 2761 Kampfpanzer der NVA wurden um 95 % reduziert – sprich vernichtet, ins Ausland verschenkt oder verscherbelt; von den verbliebenen 244 sind lediglich 90 einsatzbereit. In anderen Waffengattungen sieht es ähnlich aus.

Von 6 deutschen U-Booten funktioniert keines. Die desolate Hubschrauber-Situation wurden oben bereits erwähnt. Und nun also sogar die Unterhosen. Wenn es nicht so traurig wäre…

Die Bundeswehr ist verglichen mit früher nicht viel mehr als eine Mini-Armee. Doch selbst diese kann der deutsche Staat, das europäische Wirtschaftsboomland Nummer 1, der Motor Europas nicht adäquat ausrüsten. Zu Guttenberg trat ab und übergab de Maizière angeblich „ein gut bestelltes Haus“. In Wahrheit hatte zu Guttenberg die radikale Abwicklung der Bundeswehr eingeleitet. Wehrpflicht ausgesetzt, de facto abgeschafft. Bundeswehr in eine Söldnerarmee verwandelt. Vom Grundgesetz nicht gedeckte Kriegsbeteiligung in aller Welt. Mann und Material voll auf Verschleiß gefahren.

Dann kam von der Leyen und trieb Denunziation, Verweichlichung und Lächerlichmachung in unvorstellbare Dimensionen.

Schwangerengerechte Einstiegsluken im Kampfpanzer. Kinderbetreuung für Zeitsoldaten. Skandalisierter Dauermissbrauchs- und -nazialarm. Zerstörung des Vertrauens. Einquartierung illegaler Migranten in Kasernen.

Die Bundeswehr ist – im Militärjargon gesprochen – absolut am Arsch. Das Ergebnis vorsätzlichen Handelns und nicht etwa ein Lapsus. Die angebliche Mangelwirtschaft offenbart sich deshalb bei Lichte betrachtet als die gezielte Sabotage der deutschen Verteidigungsfähigkeit.

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