Gestern versammelten sich erneut zahlreiche Aktivsten zur Montagsdemo mit dem Motto „Merkel muss weg“ in Hamburg. Ein Erlebnisbericht von Maru

Die Polizei gestern in Hamburg war richtig gut vorbereitet. Wir hatten zwar auch eine eigene Security-Gruppe organisiert, in deren Schutz wir auf den abgesperrten Gänsemarkt gelangten. Aber im Prinzip habe ich mich auch so sicher gefühlt.

Bevor wir auf den für uns abgesperrten Platz gingen, wartete ich auf meine Freunde, mit denen ich mich verabredet hatte. Dabei standen wir mitten in der Gruppe der Gegendemonstranten. Die ordneten uns aber scheinbar aufgrund unserer äußeren Erscheinung als zu ihnen zugehörig ein. Als wir dann geschlossen losmarschierten, klappte denen vor Überraschung richtig die Kinnlade runter. Das hat mich sehr erheitert.

Schließlich standen wir in der Mitte des Platzes und rundum „Merkels SA“, aber weit von uns entfernt, so dass sie nur auf Rufweite waren und nicht an uns herankamen. Die Stimmung unter uns Demonstranten war super.

Ich hatte ganz viele persönliche Gespräche mit den anderen Teilnehmern, wir konnten ja auch nicht herumlaufen. Es war eher eine Art Stand-Demo, fast hätte ich Stand-Party gesagt. Wenn es nicht so kalt gewesen wäre, hätten wir auch ein Picknick machen können – einige hatten Getränke mitgebracht.

Es gab eine kurze Begrüßung und Ansprache der Veranstalterin, danach haben sich alle prima unterhalten und zwischendurch immer wieder „Merkel muß weg“ skandiert oder auch „wir kommen wieder“ oder wir haben zum großen Ärger der Gegendemonstranten die Deutschland-Hymne gesungen. Dann pfiffen und schrien die immer so schön durchgeknallt. Hat Spaß gemacht! Ich muß aber die Hymne noch etwas üben, war nicht ganz textsicher.

Etwas heikel war die Abreise nach ca. einer Stunde. Aber auch das war super organisiert. Wir wurden alle von der Polizei in einen U-Bahn-Eingang geleitet, und es war ein Sonderzug nur für uns eingerichtet, der uns zu einer weit genug entfernten U-Bahn-Station brachte. Die Leute haben sich bei der Polizei artig bedankt.

Als wir durch die Station Jungfernstieg fuhren, wurden Pflastersteine auf unsere Bahn geworfen. Das knallte ziemlich laut und heftig.

Also, mir hat die ganze Aktion richtig Spaß gemacht, und ich bin voller Freude nach Hause gekommen (ich hätte „gestrahlt“, war das Feedback als ich heimkam). Ich bin beim nächsten Mal wieder dabei. Bringt euch was Warmes zu trinken oder eine Thermoskanne mit, es war bitterkalt.

 Einschätzung und Bewertung der Aktion

Der Gänsemarkt, ein großer Platz in der Innenstadt Hamburgs, war viel besser geeignet als letzte Woche der Jungfernstieg. Ich war schon eine Stunde vorher da, um mir einen strategischen Überblick zu verschaffen. Und den hat man dort auch, im Gegensatz zum Jungfernstieg.

Merkels Schlägertruppe konnte nicht an uns herankommen, der Platz war von allen Seiten abgeriegelt, so daß die Gegendemonstranten sich rund um den Platz aufstellen mußten, was sie zwang, sich aufzuteilen. Dadurch waren wir in der strategisch besseren Position, weil wir mehr Überblick und den ganzen Platz für uns hatten, während die Gegner auf weite Distanz gehalten werden konnten.

Es war dadurch keine richtige Demo, aber eine öffentliche Versammlung. In Städten, in denen mit soviel Widerstand und körperlichen Angriffen gerechnet werden muß wie in Hamburg, ist dieses Modell aus Sicherheitserwägungen unbedingt zu empfehlen.

Ansonsten bin ich dafür, in jeder größeren Stadt so eine Montagsdemo auf die Beine zu stellen, so daß der Widerstand DEZENTRAL stattfindet – nach dem „Asterix“-Modell der kleinen widerständigen Dörfer, nun ja wohl eher Städte.

Das hat mehr Durchschlagskraft, weil solche Demos nicht so anfällig sind für Sabotage und Übergriffe seitens der Schläger wie zentrale Großdemos. Man könnte sich überdies gut vernetzen und durch die wöchentliche Regelmäßigkeit könnten zum harten Kern immer mehr Noch-Zauderer dazustoßen.

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