Ein Gastbeitrag von Adrian F. Lauber

Im Rahmen einer neuen außenpolitischen Agenda, die in Kürze vorgestellt werden soll und das schon im Wahlkampf verkündete Motto „America First“ zum Leitsatz erhebt, wird die Trump-Administration laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press und anderer Medien u. a. offiziell bekräftigen, dass der Konflikt zwischen Israel und Palästinensern nicht die Ursache für die Probleme des Orients ist. (1)

Ähnlich wie zu Trumps Jerusalem-Entscheidung kann ich dazu nur sagen: Das war überfällig. Hinzu fügen möchte ich ein „Endlich sagt’s mal einer!“

Über Jahre hat man der Öffentlichkeit eingeredet, dass dieser Konflikt das zentrale Problem des Nahen und Mittleren Ostens sei.

Wenn nur endlich die Sache mit den Palästinensern in Ordnung gebracht würde, würde schlagartig die Wirtschaft in Ägypten boomen, die Saudis würden aufhören, Homosexuelle hinzurichten, in Afghanistan würde man endlich mal einsehen, dass es vielleicht gut und gerecht wäre, Mädchen zur Schule gehen zu lassen, und im Iran würde ein großes Friedensfest unter dem Motto „All you need is love“ gefeiert.

Das ist natürlich persifliert. Man nehme nicht die Schale, aber dafür den Kern wörtlich. Viele Medien und Politiker wollten uns weis machen, dieser eine Konflikt sei die Ursache für die Unruhen und das Chaos in der islamischen Welt – und vielfach wurde einfach nur unkritisch die Propaganda muslimischer Führer übernommen, die ihre ganz eigenen Motive haben, sich derart obsessiv mit Israel zu beschäftigen.

Ich schrieb es schon mehrmals und wiederhole es:

Israel ist ein sehr kleiner Staat, kleiner als der viertkleinste US-Bundesstaat New Jersey und nicht viel größer als das deutsche Bundesland Hessen. Israel ist ein Winzling im Vergleich zum Ausmaß der islamischen Welt.

Der Journalist Fred Maroun schreibt:

„Israel (einschließlich der annektierten Golanhöhen und Ostjerusalem) entspricht nur 19% des britischen Mandatsgebiets Palästina (das Jordanien mit einbezog), auf dem Grossbritannien im Jahr 1924 versprach, eine ‘jüdische Heimstatt‘ aufzubauen. Israel ist so klein, dass es 595-mal vervielfältigt werden müsste, um die gesamte arabische Welt auszufüllen.“ (2)

Die umstrittenen Gebiete sind 6.831 Quadratkilometer groß. Daran hängt der Frieden im Orient oder gar der Weltfrieden? Setzt das mal ins Verhältnis zu den zahlreichen Kriegen, Bürgerkriegen, Besatzungen und ethnischen Säuberungen, die rund um die Welt stattfinden!

Das Magazin Foreign Policy veröffentlichte im Januar die Top Ten der aktuellen bewaffneten Auseinandersetzungen, die aufgrund ihrer Opferzahlen, ihrer Reichweite und weiterer Kriterien unsere Aufmerksamkeit am dringendsten verdienen. So viel nehme ich vorweg: Der Israel-Palästina-Konflikt taucht in dieser Rangliste gar nicht erst auf. An der Spitze steht stattdessen der Krisenherd in Syrien und dem Irak, wo seit Beginn des Syrien-Krieges (2011) schätzungsweise 500.000 Menschen getötet worden sind. (3)

Ich vermeide es übrigens ganz bewusst, den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern noch als „Nahostkonflikt“ zu bezeichnen, weil allein dieses Wort Ausdruck der völlig irrigen Vorstellung ist, dieser Konflikt sei das zentrale Problem der gesamten Region. Ich spreche lieber von „Israel-Palästina-Konflikt“ oder behelfe mir mit anderen Ausdrücken.

Die obsessive Fokussierung muslimischer Führer auf Israel hat aus meiner Sicht vor allem zwei Gründe:

1.) Den in der islamischen Welt grassierenden Judenhass – und daraus resultierend der Unwille, die Existenz des jüdischen Staates zu akzeptieren. So erkläre ich mir auch, warum arabische Länder bis heute, siebzig Jahre nach dem israelisch-arabischen Krieg von 1948/49, damals geflohene Palästinenser, deren Kinder, Enkel und Urenkel im Status von Flüchtlingen halten und sich weigern, sie bei sich zu Hause zu integrieren, obwohl man meinen könnte, dass arabischen Ländern durchaus zuzumuten wäre, ihre arabischen Brüder und Schwestern bei sich aufzunehmen. Ich schrieb bereits darüber, dass nur für palästinensische Flüchtlinge besondere Maßstäbe gelten, dass sogar die Nachfahren – die gar nicht geflohen sind – als Flüchtlinge zählen, so dass die Gesamtzahl immer größer wird, obwohl der Krieg immer länger zurückliegt. Mittlerweile gibt es über 5,2 Millionen Personen, die beim zuständigen UN-Hilfswerk (UNRWA) als palästinensische Flüchtlinge registriert sind, aber die Mehrheit dieser Menschen sind in Wirklichkeit Kinder, Enkel und Urenkel von Flüchtlingen. Indem man auf dem so genannten Rückkehrrecht all dieser Menschen beharrt, sagt man eigentlich nur verklausuliert, dass man den Staat Israel demographisch unterwandern und zerstören will. Würden all diese Menschen nach Israel / Palästina geschickt, würden die Juden nicht sofort, aber bald zur Minderheit im eigenen Land. (4)

2.) Den Umstand, dass sie ungeheuer praktisch ist. Man kann so ziemlich für alle Übeln der Region Israel verantwortlich erklären und die muslimischen Führer können jederzeit von ihrem eigenen Versagen ablenken. Es könnte uns allen ja so gut gehen, wenn das verfluchte Palästina-Problem nicht wäre!

Natürlich ist die Palästina-Frage ein ernstes Problem. Aber erstens sollte man die Verhältnismäßigkeit wahren, wenn man darüber spricht und schreibt. Zweitens sollte man nicht verschweigen, dass Israel ernsthafte Anstrengungen zur Lösung des Konflikts unternommen hat, während die angeblich moderate palästinensische Führung um Mahmud Abbas sich einer Lösung verweigert, nicht mit Israel verhandelt und nicht einmal die moderatesten Friedensbedingungen des israelischen Premierministers Netanjahu – wie die Anerkennung Israels als Nationalstaat des jüdischen Volkes – erfüllen will.

So langsam dämmert es angesichts von Bürgerkriegen und dschihadistischem Terror endlich dem einen oder anderen, dass die althergebrachte Perspektive auf die Probleme der Region möglicher Weise fehlerhaft war. Auch der eine oder andere arabische politische Führer fängt ganz langsam an, umzudenken, und merkt, dass der dschihadistische Terror und das Großmachtstreben des Iran für ihn echte Gefahren darstellen, im Gegensatz zu Israel.

Ich glaube zwar nicht recht daran, dass der starke Judenhass in der islamischen Welt in absehbarer Zeit spürbar zurückgehen wird, aber es ist immerhin besser als gar nichts, dass politisch einflussreiche Araber endlich von dem Ziel, Israel zu zerstören, abrücken und anfangen, den jüdischen Staat mit anderen Augen zu sehen – etwa als möglichen strategischen Partner zur Eindämmung des iranischen Expansionismus. (5)

Quellen:

1. The Times of Israel, 18.12.2017: „Trump’s new doctrine to say Israel not the cause of Mideast problems“ by AP and Times of Israel Staff https://www.timesofisrael.com/trumps-new-doctrine-to-say-israel-not-the-cause-of-mideast-problems/

2. Gatestone Institute, 30.8.2016: Fred Maroun: „Araber müssen ein neues Kapitel mit Israel anfangen“ https://de.gatestoneinstitute.org/8823/araber-verhaeltnis-israel

3. Foreign Policy, 5.1.2017: „Ten Conflicts to Watch in 2017“ https://foreignpolicy.com/2017/01/05/10-conflicts-to-watch-in-2017/

4. Siehe meinen Artikel „Don’t back down, Mr President“ und die beigefügten Quellen

5. Siehe meine Artikel „Baschar al-Assad – ich muss meine Meinung ändern“, „Saudis gegen Ayatollahs“, „Arabiens ehrgeiziger Prinz“, die Nahost-Updates und die beigefügten Quellen

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[…] Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist nicht die Ursache der Probleme des Nahen Ostens – hat Trump gesagt, endlich einer, der das ausspricht, statt das falsche Mantra weiter zu wiederholen. Wieso er recht hat, schreibt Adrian F. Lauber auf philosophia perennis. […]

medelchen
Gast

Balfour-Deklaration-Metepedia lesen‼️‼️

Zahal
Gast

Gehört zwar nicht ganz zu diesem Thema, dennoch, ich beschäftige mich seit Jahrzehnten mit dieser Thematik und habe mich immer wieder gefragt, warum Israel in den europäischen Medien so schlecht wegkommt, dabei war das gar nicht immer so, denn bis zum 6 Tage Krieg wurde Israel sogar von allen Linken bewundert, seine sozialistischen Kibbuzzin bewundert, die ja eigentlich nur aus der Not heraus geschaffen wurden. Wenn ich heute den Spiegel von 1967 lese: Zitat: Sie rollten wie Rommel. siegten wie Patton und sangen noch dazu. „Dies ist eine singende Armee. Ihre Krieger singen wie die Helden Hemingways“, staunte Kriegskorrespondent James… Mehr lesen »

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[…] Koth on Der Konflikt zwischen Israel u… […]

Joachim Koßmann
Gast

Die Balfour – Declaration stammt aus dem Jahre 1917 (nicht 1924), der britisch zionistische Deal über Palästina.

Ebenfalls 1917 traten die USA kriegsentscheidend auf Seiten der Entente dem Ersten Weltkrieg bei, also auch zu Gunsten Großbritanniens, obgleich die USA bis dahin ihre Neutralität beteuert hatten.

Wenn es da mal nicht einen Zusammenhang gibt…

Zahal
Gast

Dazu kommt, daß man die jüdische „Nakba“ vollkommen vergessen ließ. Der überwiegende Teil der alteingesessen jüdischen Bevölkerung wurde nämlich in den Jahren nach der erfolgreichen Abwehr des arabischen Angriffs auf Israel im Unabhängigkeitskrieg 1948-1949 aus der arabischen Welt infolge von blutigen Pogromen, globale Ausschaffungsbefehle sowie Terror vertrieben. Es war dies eine der größten ethischen Säuberungen der modernen Geschichte, der etwa 880 Tausend (!) unschuldige jüdische Menschen zum Opfer fielen. Der neuentstandene jüdische Staat, der gerade mal 650.000 Einwohner zählte (darunter zehntausende Shoah Überlebende aus Europa), nahm in den 50’er Jahren etwa 700.000 dieser Flüchtlinge auf. Obwohl anfänglich unter armseligen Bedingungen… Mehr lesen »

Zahal
Gast

Danke für diesen Beitrag, mein Reden seit fast Jahrzehnten, dazu kommt noch, daß die arabischen Führer zum großen Teil auch daran Schuld sind, daß viele arabische Palästinenser erst geflohen sind, nachdem man sie dazu aufgefordert hatte, weil man meinte, den „Disput“ in wenigen Tagen erledigen zu können. Aussagen dazu: „Die arabischen Staaten, die die palästinensischen Araber ermutigten ihre Häuser vorläufig zu verlassen, um den eindringenden arabischen Armeen nicht im Weg zu sein, haben es versäumt ihre Versprechungen den Flüchtlingen gegenüber zu erfüllen.“ – Die jordanische Tageszeitung „Falastin“, 19. Februar 1949. „Der Generalsekretär der Arabische Liga, Azzam Pascha, versicherte den arabischen… Mehr lesen »

caro1610
Gast

Frage : warum baute dann ISRAEL , eine 712 km lange Beton Mauer , teilweise
auf palästinesichem Boden ?

free yourself
Gast
free yourself

Die Probleme des Orients haben wir mittlerweile auch hier. Und all diese Probleme haben einen einzigen gemeinsamen Nenner und der heißt Islam!

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[…] David Berger […]