(David Berger/Philosophia Perennis) Gestern hat RTL eine Kurzreportage gesendet, auf die uns unsere Leser aufmerksam gemacht haben, da auch Philosophia Perennis zum Objekt der dort arbeitenden Medienschaffenden wurde. Das war gut, denn ich muss gestehen, dass ich den Sender schon seit etwa 4 Jahren nicht mehr eingeschaltet hatte.

In der Reportage geht es um die Gefahr der alternativen Medien. Dabei sagt der Kurzfilm freilich nicht, dass diese Medien für RTL & Co zunehmend zur Gefahr werden, sondern versucht sie mit dem Totschlagwort Fakenews zu kritisieren.

Einige Wortbrocken aus der ganz im RTL-Stil gehaltenen Reportage genügen bereits, damit man weiß, wohin die Reise geht. Und ich hätte vermutlich bereits nach den ersten 30 Sekunden weggeklickt, wenn ich nicht gespannt gewesen wäre, was RTL denn nun zu PP herausgefunden hat:

Da ist von „angeblichen Übergriffen auf Flüchtlinge“ die Rede, der Islam werde „eher negativ“ dargestellt (Skandal! Wo bleibt die Scharia-polizei und sorgt hier für Ordnung?), die Kritik der Alternativmedien an der Regierung wird zur „Hetze“ erklärt, sie seien gut miteinander vernetzt (Netzwerktheorien gehören mit zu jeder guten Verschwörtungstheorie) und weil FPÖ-Mitglieder bei unzensuriert.at schreiben, sei dies eine „Werbeplattform für rechtsextreme Parteien“

Und schon sitzt angeblich eine Undercover-Journalistin in Wien bei der Redaktionskonferenz von Unzensuriert.at. RTL wählt dann Passagen aus dem langen Gespräch aus, in der sich die Redakteure tatsächlich wenig mit Ruhm bekleckern. Die aber die zuvor noch von RTL in den Raum gestellte These von der heimlichen verschwörenden Vernetzung der Alternativmedien widerlegen:

Es geht um einen Artikel, der darüber berichtet, dass es in Deutschland vermehrt Pläne von regierenden Politikern gibt, privaten Wohnraum zu beschlagnahmen, um ihn für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen.

Der zuständige Redakteur von Unzensuriert verschiebt die Verantwortung in dem RTL-Ausschnitt auf Philosophia Perennis (den Namen des Blogs kann er nicht aussprechen). O-Ton eines Unzensuriert-Mitarbeiters über PP: „Das ist aber unseriös!“ – Und: Das habe er halt dort gelesen.

So entsteht am Ende der Eindruck beim Zuschauer, Philosophia Perennis würde Fake News produzieren, die die Rechten aus Österreich ungeprüft – nicht mal genau wissend, von wem – abschreiben.

Gut gebrüllt Löwe, wird man vielleicht im Kanzleramt, bei der Amadeu-Stiftung oder dem Justizministerium sagen und RTL schon mal auf die Verteilerliste der Nannymedien setzen, die einen großen Brocken abbekommen, sollte die Zwangs-Rundfunkabgabe auch auf die Privaten ausgedehnt werden.

Während sich sauber arbeitende Journalisten die Haare raufen werden: Zu einer weiteren Recherche hat es dann bei RTL nämlich nicht ausgereicht. Ein einziger Klick auf den Artikel , auf dem die ganze Fake-News-Theorie der RTL-Macher beruht, (und die Anstrengung, den Text, der freilich über das normale Lesepensum des durchschnittlichen RTL-Zuschauers hinausgeht, durchzulesen) hätten ausgereicht, um zu sehen:

PP hat den Artikel von einer Pressemitteilung des international bekannten US-amerikanischen Think Tank Gatestone Institut übernommen und dies auch kenntlich gemacht. Das wird verschwiegen und so die journalistische Sorgfaltspflicht aufs Übelste verletzt.

Der Beitrag von Gatestone bzw. PP zitiert dabei auch ausführlich Recherchen von bekannten Tageszeitungen. So etwa die Berliner Tageszeitung BZ, genauer den bekannten Journalistem Gunnar Schupelius:

„Eine seltsame Meldung machte am Wochenende die Runde: Der Senat wolle die Polizei ermächtigen, in Privatwohnungen einzudringen, um dort Flüchtlinge unterzubringen, auch gegen den Willen der Eigentümer. Ich dachte erst an Satire, dann an ein Missverständnis, denn im Grundgesetz, Artikel 13, heißt es ja: ‚Die Wohnung ist unverletzlich‘.

Also machte ich mich auf die Suche nach der Quelle dieser seltsamen Meldung und wurde fündig. Es handelt sich um einen ‚Vorschlag‘, der offenbar von der Senatskanzlei in die Runde der Senatoren gestreut wurde. Als Senatskanzlei bezeichnet man das erweiterte Büro des Regierenden Bürgermeisters. Leiter ist Björn Böhning (SPD) …“

Ganz klar steht hier [in dem Vorschlag der Senatskanzlei]: Die Polizei darf ohne richterlichen Beschluss in Privateigentum eindringen, um nach Wohnraum für Flüchtlinge zu suchen, wenn diesen die Obdachlosigkeit droht.

Sie kann das ‚ohne Einwilligung des Inhabers‘ tun. Und nicht nur die Polizei soll das dürfen, sondern auch Ordnungsämter.“

Wer verbreitet hier also Fake-News, liebe Nanny-Journalisten von RTL?

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