Ein Gastbeitrag von Reinhard Wenner

In Deutschland wird von Muslimen, aber auch von Mitgliedern politischer Parteien immer mal wieder gefordert, islamische Festtage staatlich anzuerkennen. Die Forderung klingt im Hinblick auf die Sonntage und christlichen Feiertage wie selbstverständlich.

Gewöhnlich wird aber nicht erwähnt, dass der Koran weder wöchentliche Ruhetage noch Festtage mit Arbeitsruhe vorschreibt und somit im Islam eine ganz andere religiöse Situation gegeben ist als im Judentum und im Christentum.

1. Forderungen im Judentum

Im Judentum gilt der siebte Tag der Woche, der Sabbat, als ein von Gott gebotener Tag der Gottesverehrung und der Arbeitsruhe. Das dritte Gebot des Dekalogs lautet:

„Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun“ Ex 20,8 f.; siehe auch Dtn 5,12 f..

Arbeitsruhe gilt außerdem an Festtagen (Dtn 16,8 und Num 29,35). Diese Arbeitsruhe gilt auch für die Sklaven und sogar für das Vieh (Dtn 5,14) und hat dadurch eine erhebliche Bedeutung für das soziale Gefüge. Insbesondere strenggläubige Juden gehen am Sabbat und an den jüdischen Feiertagen in die Synagoge und widmen sich dem Gebet und der Schriftlesung.

2. Verpflichtungen im Christentum

Im Christentum gibt es ebenfalls gebotene Tage zur Arbeitsruhe, nämlich alle Sonntage und dazu noch Feiertage. An ihnen darf nicht gearbeitet werden. Rechtlich geregelt ist das für die lateinische Kirche derzeit in can. 1246 § 1 CIC (= Codex Iuris Canonici – Codex des kanonischen Rechtes, Lateinisch-deutsche Ausgabe, 7. Auflage, Kevelaer 2012) und für die mit dem Apostolischen Stuhl in Rom unierten orientalischen Kirchen in can. 880 § 3 CCEO. (= Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, Vatican City 1990)

Alle zum Vernunftgebrauch gelangten Katholiken sind gemäß can. 1247 CIC bzw. can. 881 §§ 1, 4 CCEO verpflichtet, an den Sonn- und Feiertagen an einer Eucharistiefeier teilzunehmen und alle Tätigkeiten zu unterlassen, welche „die dem Sonntag eigene Freude oder die Geist und Körper geschuldete Erholung hindern“. Gemäß Art. 140 Grundgesetz in Verbindung mit Art. 139 Weimarer Reichsverfassung bleiben der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage „als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“. Einzelheiten sind in den Gesetzen der Bundesländer geregelt.

3. Situation im Islam

Eine religiöse Forderung nach einer wöchentlichen Arbeitsruhe wie bei Juden und Christen gibt es meines Wissens im Islam nicht, auch nicht für den Freitag, der bekanntlich als mit Sabbat und Sonntag vergleichbar angesehen wird. Im Koran lautet vielmehr die entsprechende Weisung zum Freitag:

„Ihr Gläubigen! Wenn am Freitag (wörtlich: am Tag der Versammlung) zum Gebet gerufen wird, dann wendet euch mit Eifer dem Gedenken Allahs zu und lasst das Kaufgeschäft (so lange ruhen)! Das ist besser für euch, wenn (anders) ihr (richtig zu urteilen) wisst. Doch wenn das Gebet zu Ende ist, dann geht eurer Wege (wörtlich: breitet euch im Land aus) und strebt danach, dass Allah euch Gunst erweist (indem ihr eurem Erwerb nachgeht)!“ Koranverse 62,9-10

Vor dem „Freitagsgebet“ und nach dessen Beendigung können und sollen also die Muslime eifrig auf Gewinn sinnen und durch erfolgreiches Wirtschaften gleichsam Allahs Huld bestätigen. Somit ist der Tag der Arbeitsruhe, den Juden am Sabbat und Christen am Sonntag aus religiösen Gründen einzuhalten verpflichtet sind, im Islam weitgehend seines Sinnes und Zweckes entleert. In einigen islamischen Staaten sollen aber Schulen und Behörden freitags geschlossen haben.

Gleiches gilt für den Fastenmonat Ramadan vor. Der Ramadan gilt als religiös geboten (Koransure 9,5). Jeder Muslim hat vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang auf Speise und Trank zu verzichten. Während des Ramadans soll kein Krieg geführt, aber es darf gearbeitet werden.

Islamische Festtage wie das Opferfest, das Fest am Ende des Ramadan (Fastenbrechen/Zuckerfest), Mohammeds Geburtstag (Maulid) oder das Aschurafest sind meines Wissens durch den Koran nicht zu Festtagen mit Pflicht zur Arbeitsruhe erklärt worden. Der Anspruch auf Freizeit am Tag des Opferfestes und am Tag des Fastenbrechens sind möglicherweise durch Jahrhunderte langen Brauch zum Gewohnheitsrecht erstarkt. Wenn solche Tage in einem islamischen Staat zu arbeitsfreien Tagen erklärt worden sein sollten, handelt es sich um ein staatliches Gesetz, dem keine religiöse Verpflichtung zugrunde liegt.

4. Ausblick

Die Bundesrepublik Deutschland ist aus rechtlichen Gründen nicht gehalten, islamische Festtage anzuerkennen. Der Gleichheitssatz des Art. 3 GG wird schon deswegen nicht tangiert, weil der Koran weder am Freitag noch an einem islamisches Fest „knechtliche Arbeiten“ verbietet.

Wenn in Deutschland keine „islamischen Festtage“ als staatliche Feiertage anerkennt werden, geschieht außerdem nichts Ungewöhnliches. Denn auch buddhistische und hinduistische Festtage sind in Deutschland keine staatlich anerkannten Tage der Arbeitsruhe.

Die von der römisch-katholischen Kirche gebotenen Feiertage werden ebenfalls nicht alle in jedem Bundesland berücksichtigt. So sind weder der Dreikönigstag (6. Januar), noch Fronleichnam, weder alle Marienfeste noch das Fest des heiligen Josef (19. März) und auch nicht das Fest der Apostel Petrus und Paulus (29. Juni) in allen deutschen Bundesländern als staatliche Feiertage anerkannt, ebenso nicht das kirchenrechtlich gebotene Fest Allerheiligen (1. November). Das Kirchenrecht sieht ausdrücklich vor, dass kirchliche Feiertage, die staatlich nicht anerkannt sind, auf den darauf folgenden Sonntag verlegt werden können, vgl. can. 1246 § 2 CIC und can. 880 § 3 CCEO.

Auch das für evangelische Christen bedeutsame „Reformationsfest“ ist nicht in allen Bundesländern ein staatlich anerkannter Feiertag.

Was den Juden, Buddhisten, Hindus hinsichtlich aller und den Christen hinsichtlich einiger ihrer gebotenen Festtage staatlicherseits „zugemutet“ wird, kann auch von den Muslimen verlangt werden, nämlich in Deutschland ihre vom Koran ohnehin nicht vorgeschriebenen religiösen Feste mit Arbeitsruhe am nächstfolgenden staatlich anerkannten Ruhetag zu begehen.

Bemerkenswert ist, wie etliche Muslime und Moschee-Gemeinden in Deutschland mit einem staatlichen Feiertag umgehen, dem „Tag der Deutschen Einheit“. Sie haben ihn zum „Tag der Moschee“ erklärt und werben für den Islam statt für die freiheitlich-demokratische Grundordnung in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei böte sich gerade der „Tag der Deutschen Einheit“ an, die Demokratiefähigkeit des Islam zu verdeutlichen – also eine große Chance für jene Muslime und Moschee-Gemeinden, die den Islam für demokratiefähig halten bzw. erklären.

Dieser Beitrag ist eine Kurzfassung des Artikels „Islamische Feiertage staatlich anerkennen? – Forderung ohne religiöse Verpflichtung“, aus dem Buch „Freiheit und Islam – Fakten Fragen Forderungen“, das 2016 erschienen ist.

***

freiheit und islam

 

Buch-Hinweis: Udo Hildenbrand, Friedrich Rau, Reinhard Wenner, Freiheit und Islam. Fakten, Fragen, Forderungen. – Bad Schussenried 2016.

 

Das Buch kann hier bestellt werden: BÜCHER.DE

avatar
400
13 Comment threads
6 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
16 Comment authors
Glaubt der Merkel nichtsIsaac Ben Laurence Weismannmaru v.SpreeathenerIngo T Recent comment authors
  Abonnieren (alle Kommentare oder nur meine Kommentare)  
neueste älteste beste Bewertung
Ich möchte benachrichtigt werden zu:
Glaubt der Merkel nichts
Gast
Glaubt der Merkel nichts

Es darf niemals einen muslimischen Feiertag geben. Deutschland ist kein muslimisches Land, sondern ein christliches. Ja, immer noch. Und das soll auch so bleiben.

maru v.
Gast
maru v.

Sovie Pietätgefühl gegenüber dem Christentum habe ich da nicht, ich denke darüber rein pragmatisch. Für weitere Feiertage kann ich mich immer begeistern. Jeder zusätzliche freie Tag wäre mir recht – auch wenn er noch so einen SINNFREIEN Hintergrund hat. Ich wittere ein ganz neues und reichhaltiges Repertoire von Brückentagen, das sich zu einer Kette von verlängerten Wochenenden ausdehnen könnte. Prima!

Spreeathener
Gast
Spreeathener

Ja natürlich islamische Feiertage einführen und dafür christliche Feiertage abschaffen. Nur als kleiner Denkanstoss der Buss und Bettag wurde in sämtlichen Bundesländern bis auf Sachsen abgeschafft. Es gab ja auch schon Diskussionen den Oster oder Pfingstmontag zu streichen. Aber islamische Feiertage? Soll der blutige Beginn und das genauso blutige Ende des Ramadan als gesetzlichen Feiertag noch würdigen?

Ingo T
Gast
Ingo T

Bekommen M. Schulkinder nicht schon manchmal frei?Mein das gelesen zu haben…

waldsee
Gast
waldsee

alles Schwachsinn.Aber es ist nicht ausgeschlossen ,daß die Angelika nach der Wahl diesbezüglich positiv entschedet. Wieviele Milliarden kostet das?

Old-Man
Gast
Old-Man

Gesetzliche Feiertage für die Bückbeter : nie und nimmer!!

Ich warte auf unseren großen Feiertag,den des Kehraus mit den Brüdern,zurück wo sie her gekommen sind,da können sie schächten,Frauen schlagen,Kinder fixxxxn und alles was sie sonst noch so wollen,aber nur raus hier mit der ganzen Bande!!

Baldur
Gast
Baldur

Da wird dann wohl bald in jedem Hinterhof, in jeder Waschküche das Blut in Strömen fließen. Und mit den Feiertagen könnte man es ja so machen, dass die christlichen Feste aus dem Kalender verschwinden. Da dürfen wir Restdeutsche dann arbeiten. Und der ganze Ramadan darf dann mit gefeiert werden – natürlich mit strengem Fasten! Ja, da kommt Freude auf!

Gus Seegel
Gast
Gus Seegel

Ich bin strikt gegen islamische Feiertage! Die Moslems kommen bereits in den Genuss aller christlichen Feier- und Ruhetage. DA ist es unbillig, dass diese Herrschaften noch zusätzliche freie Tage bekommen.

G. Seegel

sagdiewahrheit
Gast
sagdiewahrheit

Bei Moslems gibt’s nur einen Feiertag: Tag der Hirnlosen.

lilie58
Gast

Islamische Feiertage staatlich anerkennen? Allein diese Frage läßt bei mir die Galle überlaufen!! Wir sind ein christlich-jüdisch geprägtes Land, ein sekulärer Staat!! – Der Islam ist gerade einmal seit Anfang der 60ziger Jahre durch die sogenannten Gastarbeiter etwas mehr in den Blick der Öffentlichkeit getreten, er fordert und fordert und fordert. Ist das alles, was die Moslems können, FORDERN???!! Penetrant finde ich das, vor allem angesichts der Morde, der Vergewaltigungen u.a. durch einen Teil ihrer Glaubensbrüder, die sich z.T. illegal in Deutschland aufhalten, hereingeströmt 2015 im Zuge der Massenmigration. *Bemerkenswert ist, wie etliche Muslime und Moschee-Gemeinden in Deutschland mit einem… Mehr lesen »

hubi Stendahl
Gast
hubi Stendahl

Die Geschichte der monotheistischen Götter beginnt mit JHWE bzw. EL etwa 1.200 v.Chr. Zu jener Zeit brach die erste Globalisierung zusammen, die auf dem fruchtbaren Halbmond extreme Verwüstungen hinterließ. Die Fachleute sprechen heute vom Untergang des Hethiter Reichs, was ungenau ist, weil es sich um eine Handelsverkettung bis nach Ägypten handelte. Die ausgegrabenen Schichten im Zentrum weisen auf einen bekannten Zeitverlauf hin: Am Anfang Lehmhütten, dann mittelständische Häuser, danach Paläste vor dem Ende ummauerte Villen. Die Umverteilung durch Urzins hat auch dort das Ende eingeläutet. Der erste Ur-Kommunismus noch ohne liquides Geld war zusammengebrochen. Eine kleine Gruppe die diese Verwerfungen… Mehr lesen »

beware
Gast
beware

Islamische Feiertage müssten ja dann für alle Arbeitnehmer gelten. Das werden die Arbeitgeber nicht mitmachen, die diese Last einseitig zu tragen hätten. Außerdem hat der Islam keine Tradition in unseren Breitengraden. Von daher wäre hier ein Einknicken ein weiterer Rückschritt. Es ist schon eine Provokation, den 3.10. zum Tag der Moschee zu machen. Im übrigen plädieren ja nicht wenige für die Reduzierung christlicher Feiertage. Die Begründung: diese Feiertage haben ihre ursprüngliche Sinngebung verloren, werden mehr und mehr zu Kommerz oder sind reines Freizeitvergnügen. Und selbst staatliche Feiertage sind inzwischen umstritten. Dann kommen auch noch Überlegungen auf, die Sonntage zu ganz… Mehr lesen »

Isaac Ben Laurence Weismann
Gast

Kein Wunder, daß sich die „Ungläubigen“ vor, (während) und danach sehnen, daß die „Gläubigen“ ihrem Sinne nach alles für sich in Anspruch nehmen, von der Ruhestörung während des Ruhetags bis hin zu Feierlichkeiten in ungebremsten Ausmaß sogar durch Nächte hindurch, vor allen Dingen vor Freitagen, Samstagen und Sonntagen in anderen Zeiten schlafen dann die Soukh-Mitarbeiter länger, da fallen sie förmlich aus dem Straßenbild. Und diejenigen, die Deutschland bereits schon einmal mit aufgebaut haben, werden erst bei Anbruch der Dunkelheit wieder ein. Und so geht das weiter. Gott sei Dank nicht bei allen, aber alle sind sie wohl auch nicht ungläubig,… Mehr lesen »