(Gastbeitrag) Michael T. Flynn (58) ist seit dem 20. Januar 2017 Donald Trumps Nationaler Sicherheitsberater – einer der wichtigsten Männer in seiner Administration. Michael T. Flynn kennt den Krieg.

Er hat eine erfolgreiche militärische Karriere hingelegt: Einsätze in Mittelamerika, im Irak und in Afghanistan, General (3 Sterne), Geheimdienstchef (Defense Intelligence Agency). Ein Haudegen. Er sieht sich als unangepasst, nicht dem Stereotyp eines Berufsoffiziers entsprechend, und glaubt an die Rolle von unkonventionellen Männern und Frauen. Er ist Mitglied der Demokratischen Partei. Von Obama wurde er 2014 gefeuert. Politische Differenzen. Das können wir uns vorstellen.

Im Sommer 2016 verfasste Flynn ein Buch darüber, wie wir „den globalen Krieg gegen den radikalen Islam und seine Verbündeten gewinnen“.* Mitgewirkt hat Michael Ledeen, Autor zahlreicher Bücher und Berater der Reagan-Administration. Im folgenden werden die Kernaussagen von Flynns Buch dargestellt. „Wir“ bezieht sich auf die Amerikaner, gilt jedoch sinngemäß für den ganzen Westen, einschließlich Europas.

Der Krieg gegen uns

Sehr wenige Amerikaner und sehr wenige Führer des Westens scheinen zu merken, dass ein globaler Krieg gegen uns geführt wird, so Flynn. Die meisten Amerikaner glauben fälschlicherweise, dass der Frieden den Normalzustand der Welt darstellt und der Krieg eine Ausnahme. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt. Es geht um einen sehr großen Krieg, nicht nur um Syrien, Irak und Afghanistan.

Wir befinden uns „in einem Weltkrieg gegen eine messianische Massenbewegung übler Leute“. Die meisten von ihnen sind „inspiriert von einer totalitären Ideologie: dem Radikalen Islam.“ (Den Radikalen Islam schreibt Flynn immer mit Großbuchstaben.) Doch wir dürfen diese beiden Wörter nicht schreiben oder aussprechen. Die Obama-Administration hat uns verboten, unsere Feinde richtig und klar zu benennen. Das ist potentiell tödlich für unsere Kultur. Das muss sich ändern.

Terrorgruppen wie ISIS und al-Qaida sind nicht nur barbarisch, sondern angetrieben von einer Vision, wie sie die Welt erobern und ihre religiöse Ideologie uns allen aufzwingen wollen. Sie mögen verrückt sein, aber sie sind nicht dumm. Sie sind gute Kämpfer. Sie lernen schnell. Sie haben intensive Leidenschaften, Glauben und Furcht. Sie sind bereit, für ihre globale Mission zu sterben, manchmal brennen sie gerade darauf zu sterben. Wir müssen verstehen, dass es bei dem Radikalen Islam nicht in erster Linie um Religion geht. Es geht um Politik. Sie wollen der ganzen Welt ihre Version des Scharia-Rechts aufzwingen, das grundlegende Freiheiten verweigert – „Klerikalfaschismus“.

Die radikalen Islamisten hätten Verbündete, die keine religiösen Fanatiker sind, aber den gleichen Hass auf den Westen in sich tragen, insbesondere auf die USA und Israel. Zu diesen Verbündeten des Radikalen Islam gehörten u.a. Nord-Korea, Russland, China und Venezuela.

Die radikalen Islamisten glauben, dass sie gewinnen. Wir sind sogar tatsächlich dabei zu verlieren. Wenn wir den Ernst der Lage und die Dringlichkeit des Kampfes gegen den radikalen Islam nicht verstehen, werden wir „schließlich besiegt, beherrscht und sehr wahrscheinlich zerstört werden.“

Aufruf zum Kampf

Flynn ruft zum Kampf auf:

„Wie Sie sehen, bin ich kein Anhänger der sogenannten politischen Korrektheit. Ich glaube nicht, dass alle Kulturen moralisch gleichwertig sind, und ich denke, dass der Westen, und besonders Amerika, viel zivilisierter, viel ethischer und moralischer ist als das System, das uns unsere Hauptfeinde aufzwingen wollen.“

„Wir müssen aufhören, uns selbst in die Tasche zu lügen über die Absichten der staatlichen und nichtstaatlichen Unterstützer des gewaltsamen Islamismus, ob auf dem Boden, in den Moscheen oder online… Wir müssen aufhören, uns auch nur ein kleines bisschen schuldig zu fühlen, dass wir sie benennen und als fanatische Killer identifizieren, die im Namen einer gescheiterten Zivilisation handeln… Sie zu besiegen … ist die zentrale Mission dieser Generation.“

„Messianische Massenbewegungen zu besiegen war unsere Mission für den größten Teil des zwanzigsten Jahrhunderts.“ (Damit meint er die Nazis und den Kommunismus.)

„Lasst uns diejenigen, die das Scharia-Recht aufzwingen wollen, nicht fürchten, sondern bekämpfen!“

Die Strategie für den Sieg

„Schließlich werden wir Führer (leaders) wählen, die die Wahrheit sagen, die gewinnen wollen, und die fähig sind zu führen. Wenn diese Führer gewählt sind, wie sollten sie vorgehen?“ fragt Flynn.

Politische, militärische und ideologische Waffen müssen zusammenwirken. Einige „Wohlfühldoktrinen“ müssen dabei abgelegt werden. Flynn nennt vier strategische Ziele:

1. Wir müssen alle Energien zusammenfassen, ähnlich wie im Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg. Das Übel müssen wir klar definieren als Radikalen Islamismus (Radical Islamism). Wahrscheinlich wird es ein Kampf über mehrere Generationen.

2. Wir müssen die gewalttätigen Islamisten stellen, wo immer sie sind, aus ihren sicheren Häfen verjagen und entweder töten oder gefangen nehmen.

3. Wir müssen die staatlichen und nichtstaatlichen Unterstützer dieser gewalttätigen islamistischen Ideologie zwingen, die Unterstützung für unsere Feinde zu beenden. Viele von diesen gelten gegenwärtig als „Partner“ der Vereinigten Staaten. Das muss sich ändern.

4. Wir müssen einen ideologischen Krieg gegen den Radikalen Islam und seine Unterstützer führen. Wenn wir die Dschihadisten vernichten wollen, müssen wir die feindlichen Lehren angreifen, die dazu aufrufen, uns zu beherrschen oder auszulöschen.

Viele Muslime wissen, dass sie miserabel regiert, ständig betrogen und als Kanonenfutter der Dschihadisten benützt werden. Man muss nicht tausende von amerikanischen Soldaten schicken, um radikalislamische Regimes zu besiegen. Die Kriegführung auf dem Feld der Ideologie und Information kann wahrscheinlich das iranische Regime zu Fall bringen. Das hätten wir machen sollen statt der Invasion im Irak 2003. Auf jeden Fall hätten wir den sehr populären Aufstand im Iran 2009 unterstützen sollen. Wenn die Sowjetunion durch innere Opposition zu Fall gebracht wurde, warum soll das nicht auch im Iran geschehen?

Damit wir den Radikalen Islam besiegen können, ist eine Reformation des Islam notwendig. Flynn lobt die „unglaublich mutige“ Rede des ägyptischen Präsidenten Abd al-Fattah as-Sisi am Neujahrstag 2015 an der Azhar-Universität in Kairo, einem Zentrum des sunnitischen Islam. (Man kann die Rede auf Youtube mit englischen Untertiteln anhören.) Flynn sieht diese Rede als den bedeutendsten Aufruf einer muslimischen Führungspersönlichkeit zu einer Reformation des Islam. As-Sisi verdiene daher die größtmögliche Unterstützung.

Als wichtige Verbündete im Krieg gegen den Radikalen Islam sieht Flynn Israel, Jordanien und Ägypten. Hinzu kommen Länder wie Polen, Ungarn, die Tschechische Republik, Indien und Argentinien, neben „langjährigen Freunden“ wie Australien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien.

Was bedeutet das für die amerikanische Politik und für Europa?

Flynn hat offensichtlich die existenzbedrohende Gefahr erkannt, die von dem Radikalen Islam ausgeht. Er spricht Klartext. Unklarheiten ergeben sich im Hinblick auf Bündnispartner der Islamisten – und der USA. Unterstützung für die Islamisten durch scheinbar gemäßigte islamische Regierungen und Kräfte (Anhänger von Saddam Hussein, Baschar al-Assad etc.) und durch Russland wird breit ausgeführt, ohne dass dies umfassend belegt würde.

Andererseits wird die Unterstützung durch Kräfte, die traditionell mit den USA verbündet sind (Saudi-Arabien, Türkei), nur ganz am Rande erwähnt. Wo liegt Flynns echte Überzeugung, was sind taktische und diplomatische Rücksichtnahmen? Was geht auf den Koautor zurück? Ein Buch aus dem Sommer 2016 ist nicht identisch mit der amerikanischen Politik in den Jahren 2017 bis 2020. Flynn ist nicht Trump. Vieles bleibt abzuwarten.

Unter dem Strich: Flynns Ernennung als Sicherheitsberater von Donald Trump lässt auf einen entschlossenen Kampf gegen den Radikalen Islam hoffen. Es wird kein Kaffeekränzchen.

*Michael T. Flynn, Michael Ledeen: The Field of Fight. How We Can Win the Global War Against Radical Islam and Its Allies. St. Martin’s Press, New York, 2016.

***

Foto: Retired U.S. Army lieutenant general Michael Flynn at a campaign rally for Donald Trump at the Phoenix Convention Center in Phoenix, Arizona. © Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America (Michael Flynn) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

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alexandrabader
Gast
alexandrabader

Und nun hat man ihn abgeschossen – ich versuche hier nachzuvollziehen, was passiert ist: https://alexandrabader.wordpress.com/2017/02/14/general-flynns-abgang-ein-punktesieg-gegen-trump/

hjb
Gast

Dear Mr. Flynn, in remembrance of the founders of our western civilization:
ceterum censeo religionem islamicam esse delendam.
Sometimes, history does seem to repeat itself to a certain extent.

M.M
Gast
M.M

Es könnte so einfach sein….. Menschenrechtsverletzungen? Unterdrückung von Minderheiten? Kindersoldaten? Schariarecht eingeführt(deckt sich mit den Menschenrechtsverletzungen)? Tja liebes Land es tut mir Leid aber leider leider müssen wir alle Diplomatischen Kontakte zu ihnen abbrechen. Ihre Bewohner dürfen nicht mehr in unser Land einreisen da ihre Kultur unsere Bedroht. Sämtliche Verträge sind aufgekündigt und jegliche Geldzahlungen in ihr Land werden gecancelt und gesammelt. Auch Unsere Bewohner dürfen nichtmehr in ihr Land einreisen und unsere Armee wird die Grenze lückenlos kontrollieren. Wenn euch das nicht gefällt dann solltet ihr darüber nachdenken ob die Sharia die richtige Rechtsform ist. Wir dulden das nicht,… Mehr lesen »

Jan aus Köln
Gast
Jan aus Köln

Erst hat dieser Versager die eigene Partei, die Demokraten an kommunistische Globalisten verloren und nun will er Amerika retten. Na, ob Trump sich damit einen gefallen tut. Es sei denn, er war erst einmal im Boot und wurde von seinen „Mitgenossen“ aus der Partei rausgeeckelt und ist nun auf Rachezug. Aber Rachegelüste allein machen noch keinen guten Kämpfer, ba prophezeihen nichts Gutes!

rain..
Gast
rain..

Amerika steht mit in der Verantwortung der Eskalation des Islams, seit der Aufteilung des Nahen Ostens durch England Frankreich Amerika nach dem 1 WK , war diese Region immer schon ein Pulverfass. Es verstärkte sich nach den Einfall durch die USA und seine Verbündete, verschiedene Strömungen des Islams, begonnen untereinander sich zu bekriegen, und tragen es jetzt in die westlichen Ländern aus. 40 Millionen Tote sind in den nahen Osten zu beklagen.

A. Friend
Gast
A. Friend

Ich möchte nicht, dass auch nur 1 Amerikaner stirbt, selbst ein larmoyant, massiv aggressiver „Haudegen“ wie Michael T. Flynn nicht. Wer allerdings dieser geschichtlich kindlich-kindischen Weltsicht folgt, die von Persien (Iran) über Chile, Vietnam und die Mudschaheddin bis hin zu „wieso sitzen die dreckigen Beduinen auf UNSEREM ÖL“ ff., alles ausblendet was „es“ selbst getan hat, wird viele Tote beklagen müssen. Ein paar von der „Mission“ überzeugte Angehörige der eigenen Klasse, im Wesentlichen jedoch das übliche „Kanonenfutter“, die, die für „ein paar Dollar mehr“ den „amerikanischen Traum“ träumen und mit zerfetzten Gedärmen nicht mehr aufwachen. In der Hoffnung, dass diesen… Mehr lesen »

Walter Roth
Gast
Walter Roth

Reformieren kann n man den Islam wohl nicht ……..aber man kann ihn vor die Wahl stellen, sich friedlich zu verhalten oder vernichtet zu werden. – Die Wahl dürfen sie selber treffen. – Aber wir müssen jedenfalls anfangen …UNS… zuerst zu verändern, wieder Wehrhaft zu werden. Die bequeme Sozialstaatlichkeit nicht als Gottgegeben zu betrachten. – Es wird den Kampf der Länder gegen den Islam geben und den Kampf der Bürger gegen dessen alltägliche Gewalt. – Der „EU-Gunbann“ mit dem die EU ihre Bürger, vor denen sie sich aus gutem Grund fürchtet, weiter entwaffnen will, ist die nächste Gelegenheit um etwas zu… Mehr lesen »

Heiko Paul
Gast
Heiko Paul

Was für ein hanebüchener Kokolores ! Die USA sind doch bis heute nicht bereit dazu, die Rolle Saudi-Arabiens beim Anschlag auf das World Trade Center offen zu legen. Russland und China als Unterstützer des radikalen Islam ? Mehr Propaganda geht nicht. Ich habe, wie viele andere Konservative auch, große Hoffnungen in Donald Trump gesetzt. Diese Rhetorik a la George Bush jr., trägt aber gewiss nicht dazu bei, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Wollen die USA etwa einen 3. Weltkrieg vom Zaun brechen ? Das Geldzentrum des radikalen Islam befindet sich im wahabitisch geprägten Saudi- Arabien. Man sollte lieber den… Mehr lesen »

Kerstin
Gast

Ich denke, man kann den Islam nicht „reformieren“.