Ein Gastbeitrag von Dr. Marcus Franz

Der deutsche Autor und Philosoph Jürgen Fritz hat in einem Essay im liberal-konservativen Magazin namens Tichys Einblicke die „grünlinken Gutmenschen“ als geistig-psychisch krank bezeichnet und in seinem Text auch stringent argumentiert, warum er dieser Meinung ist. Der Beitrag wurde vom Herausgeber Roland Tichy nach heftigen Protesten zwischenzeitlich gelöscht und Tichy hat sich für die Publikation entschuldigt. (Anm. d. Red.: Wurde hier nun veröffentlicht)

Das Streitobjekt heißt „Krankschreiben“

Darüber lässt sich nun trefflich streiten: Darf man in der öffentlichen Debatte eine offizielle politische Haltung bzw. Einstellung als krank bezeichnen? Und ist es in Ordnung, wenn ein Herausgeber einen Text zuerst redaktionell freigibt, danach publiziert und nach diversen Protesten den Essay wieder löscht? (Der inkriminierte Text ist übrigens auf der Website des Theologen David Berger nochmals veröffentlicht worden und dort nachzulesen.)

Der Shitstorm bläst von links

Der im unvermeidlichen linken Shitstorm geäußerte Hauptkritikpunkt an Fritz und Tichy war, dass das intellektuelle Pathologisieren von politischen Überzeugungen an totalitäre Regimes erinnern würde und dass mit der „Krankschreibung“ der linksgrünen Gutmenschen die Grenze des guten Geschmacks überschritten worden wäre. Man fühlte sich im linksgrünen Spektrum durch Jürgen Fritz persönlich angegriffen und schäumte vor Empörung. Freilich darf man in einem freien Land auch diese etwas pikiert-spießige Haltung der Dauerempörung vertreten – so wie jede andere auch, die nicht gesetzlich verboten ist.

Schulmeistern und zum Schweigen bringen?

Doch man kann mit dieser als moralisch besser legitimiert dargestellten Meinung und ständig schulmeisternden Position dann nicht einfach Jürgen Fritz die Diagnostik unterbinden und ihm im Gegenzug seine eigenen Meinungsäußerungen verbieten wollen (auch wenn das nicht so offen und explizit gesagt wurde). Aber es reicht schon der massive Druck im Netz und in den Medien, der hier zu Lasten einer Privatperson aufgebaut wurde, um ein Quasi-Verbot zu installieren.

Tichy hielt den enormen Druck nicht aus 

Und interessanterweise knickte infolge dieses großen Drucks der Herausgeber Roland Tichy selber ein und nicht der Autor Jürgen Fritz. Das hatte noch einen speziellen, anderen Hintergrund: Tichy gibt in Deutschland auch des Netzwerkmagazin „XING News“ heraus. Und über diese Schiene geriet er so extrem unter Druck, dass er seine Herausgeberschaft dort zurücklegen musste.

Lebensbedrohliche Publikation

Der Druck ging nach Tichys eigenen Aussagen soweit, dass er sogar Morddrohungen erhielt.

Die geifernde Empörung reicht den Extremisten nicht. Wenn schon, dann geht man aufs Ganze. Letztlich lief hier ein medienpolitischer Skandal ohnegleichen ab, dessen Furor frappierend an totalitäre Regimes erinnert. Krankschreibungen wie die oben skizzierte tun das eher nicht.

Viel mehr Zustimmung als Kritik

Der Verfasser des Textes hat natürlich in Summe viel mehr Unterstützer als Kritiker: Sehr viele Bürger sowohl in Deutschland wie in Österreich haben den Eindruck, dass die grünlinke Politik besonders seit Beginn der Migrationskrise den Boden der Vernunft und die Basis einer begründbaren Weltanschauung zumindest in Teilbereichen völlig verlassen hat. Selbst eine führende deutsche grüne Politikerin gewann Selbsterkenntnis und sagte zuletzt wortwörtlich: „Die Kommentarlage zu unserer Politik ist bescheiden bis beschissen.“

Krank ist man selber, nicht der Arzt

Wenn also ein luzider Denker und treffend formulierender Blogger wie Fritz das grünlinke Gutmenschentum als krank bezeichnet, so kann er nicht ganz falsch liegen. Die krankhafte Degeneration dieser politischen und pseudomoralischen Haltung als solche zu bezeichnen, das kann man aber dann nicht Herrn Fritz und seiner Diagnostik vorwerfen, sondern da müssen sich die Proponenten des völlig entgleisten linksgrünen Pharisäertums schon selber an der Nase nehmen. So wie das Frau Göring-Eckardt getan hat, von der das obige Zitat zum Zustand der Grünen stammt.

Zeitgeistdiagnostik kann weh tun

Jürgen Fritz für sein Statement zu attackieren ist ähnlich daneben, wie einen Arzt wegen der korrekten Diagnose einer unerfreulichen Erkrankung zu beschimpfen. Die Aufregung über einen wenn auch harschen und ins Pathologische weisenden Artikel sagt noch mehr über die innere Verfasstheit der Kritisierten aus als der zitierte Text selber. Offenbar wurde hier ein wunder Punkt zielsicher getroffen.

Analyse heisst zerlegen

Auch Jürgen Fritz ist der Meinung: Wir sollten in der öffentlichen Debatte stets bemüht sein, nicht den Gegner persönlich („ad hominem“) zu attackieren, sondern die politischen Haltungen, die wir für schlecht oder gefährlich halten, argumentativ auseinandernehmen. Und nichts anderes hat Fritz getan. Natürlich lässt sich der Angriff auf die Menschen dahinter nie ganz vermeiden, weil jeder, der eine Überzeugung hat, sich unweigerlich negativ berührt fühlt, wenn diese seine Überzeugung analytisch kritisiert wird.

Das Salz der Demokratie

Aber das freie Äußern von Kritik ist eben die Grundlage des Diskurses auf jenem zweifellos als sakrosankt zu bezeichnenden Fundament der Demokratie, das wir Meinungsfreiheit nennen. Und da müssen wir eben das Risiko in Kauf nehmen, mit nicht genehmen Aussagen konfrontiert zu werden.

Unreifes Verhalten

Die demokratische Reife hat man dann erreicht, wenn man imstande ist, ohne schäumende Empörung die Argumente des Anderen zu betrachten und Gegenargumente findet, ohne den Kritiker massiv bedrohen und unter Druck setzen zu müssen. Im Anlassfall hat aber eine ganze Reihe von „Gutmenschen“ wieder ihr wahres Gesicht und ihre infantil-aggressive Haltung gezeigt. Objektive Gegendarstellungen waren kaum zu finden.

Was gilt jetzt: Darf man „krank“ sagen?

Um die eingangs gestellte Frage nun klar zu beantworten: Ja, es ist natürlich erlaubt, Ideologien und Haltungen als krank zu bezeichnen. Dafür muss man nicht unbedingt Arzt sein (obwohl das hilft). Jeder Mensch weiß: Krankheit ist ein Zustand, der von der Gesundheit abweicht. Und wenn gewisse politische Haltungen einem kritischen Menschen nicht mehr gesund vorkommen und ihm sogar gefährlich für andere erscheinen – ja um Himmels willen, wie soll er sie dann anders nennen als krank?

Hier geht’s zum Blog des bekannten Autors:  THE DAILY FRANZ

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Foto: (c)  Johann Friedrich Karl Kreul (1804–1867) (http://www.hampel-auction.com/) [Public domain], via Wikimedia Commons

34 Kommentare

  1. Eine Ideologie,die sagt :“ Deutschland verrecke“ ist krank !
    Eine Ideologie,die das Deutsche Volk verschuldet,ist krank !
    Eine Ideologie,man bräuchte die Masseneinwanderung, ist krank !

    Es ist an sich immer prinzipiell krank, wenn es gegen unser Deutsches Volk und Vaterland geht !

    gruß vafti

  2. Ist nicht jede Ideologie krank? Jede, die keinen Spielraum lässt, die bespitzelt, denunziert, verfolgt, bestraft, tötet? Beispiele spare ich mir, die sind hinreichend bekannt, dennoch gibt es das immer wieder…

  3. Klar kann man ein Problem, und sei es als Krankheit, so bezeichnen. Im Allgemeinen läßt sich so etwas dann auch lösen bzw. heilen.
    Hier wird es im Hinblick auf die betroffenen Patienten allerdings paradox: Wie will man denn einen Linken auf den RECHTEN Weg zurückbringen?

  4. Moment bitte! Der Autor Fritz hat nicht Ideologien und Haltungen als krank bezeichnet, sondern Menschen, die diese politischen Haltungen einnehmen („Grün-linke Gutmenschen sind – und ich sage das nicht einfach so dahin – krank. Nicht körperlich, sondern geistig-psychisch.“) Das ist ein feiner aber relevanter Unterschied, zumal er mit dieser pauschalen Pathologisierung diese Menschen quasi mundtot machen will („Warum Sie mit psychopathologisch gestörten grün-linken Gutmenschen nicht diskutieren sollten“).

    Wenn wir anfangen, den politischen Gegner als krank abzustempeln, um sich nicht mit ihm und seinen Argumenten auseinandersetzen zu müssen, dann ist der politische Diskurs am Ende. Und das ist sehr wohl zu kritisieren.

    Man stelle sich nur den Aufschrei der Entrüstung hier vor, würden linke oder grüne Politiker Rechtspopulisten als geistig-psychisch krank bezeichnen, um diese quasi mundtot zu machen.

    • Hier sind gleich mehrere Denkfehler enthalten: 1. Mit jemandem, der ideologisch vollkommen verblendet ist, nicht über seine Ideologie mit ihm zu diskutieren, ist etwas völlig anderes als jemanden „mundtot zu machen“. 2. Jemanden „abzustempeln“ ist etwas völlig anderes als eine korrekte Diagnose zu erstellen. 3. Es geht auch nicht darum, sich nicht mit den Argumenten des Kranken auseinanderzusetzen, sondern es geht darum, nicht mit Personen über Themen zu diskutieren, sobald deutlich wird, dass diese sich, obwohl ihre Argumente völlig entkraftet werden, von ihrer Position kein bisschen abrücken, sei es weil sie die Beweise nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. 4. Hier findet auch keine Pauschalisierung statt, sondern die Beschreibung einer ganz bestimmten pathologischen Personengruppe usw. usf.

      Kurzum, der Kommentator hat den Text weder inhaltlich noch auf der Metaebene – der Frage, um was für einen Text es sich überhaupt handelt, was hier vorgenommen wird – wirklich verstanden.

  5. „Grünlinke Gutmenschen“ ist ja keine politische Haltung.
    Ebensowenig ist es eine politische Haltung, in den Schulen den Kindern in die Intimssphäre einzudringen und sie zu brüskieren oder wenn eine Verteidigungsministerin Fummelkurse für Soldaten abhält. Das ist aufdoktrinierte Dekadenz.
    Um so witziger war es, dass sich so viele angesprochen und beleidigt fühlten.
    Der Autor hat mit seiner Diagnose ganz offensichtlich und zielsicher ins Schwarze getroffen.
    Tichy hat seine eigene Veröffentlichung, die viele gut fanden, zurückgenommen und sich dafür entschuldigt.
    Es ist nicht so, dass nur weil auf der öffentlichen Bühne kein Charakter mehr zu erkennen ist, er nicht dringend gesucht würde.

  6. Das Argument, dass „in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner“ allein das rationale Argument zulässig sei und keine – wie auch immer geartete – „Psychologisierung“, ist natürlich ein schönes Ideal. Allein, es setzt voraus, dass Menschen hauptsächlich rationale Wesen sind – und das, mit Verlaub, ist grob unrealistisch. Wäre dem so, so hätten wir nicht eine milliardenschwere Werbeindustrie, die nur insoweit funktioniert, als genau das Gegenteilige zutrifft. Es gäbe die „Behavioral Sciences“ nicht und nicht die „Verhaltensökonomik“ mit dem berühmt-berüchtigtem „Nudging“ – also der Vorstellung, dass die Leute trotzt besserem Wissen nicht imstande sind, im rationalen Sinne zu handeln, aber durch diverse psycho-soziale Impulse / Zwänge in die richtige Richtung getrieben werden können. Vom Instrument der Propaganda – und Gegenpropaganda – und der Hysterie um „Fake News“ gar nicht zu reden. Ja, schon die schlichte Rede hat etwas anrüchiges, denn ein „guter Redner“ ist nicht einer, der trocken 1+2 zusammenzählt, sondern einer, der die Leute „mitreißt“ und die Sache „spannend und begeisternd“ macht. Ganz abgesehen davon, dass Argumente natürlich null und nichtig sind, wo es gar nicht um Ratio, sondern schlicht um Macht und Einfluss geht, und die Rede – wie elaboriert oder gefühlvoll auch immer – nur vorgeschoben wird, um die eigentliche Intention zu decken.

    Vor diesem Hintergrund ist natürlich das Argumentative wichtig – aber fast wichtiger noch ist der Versuch der Analyse dessen, was um uns herum so vor sich geht. Es geht hier nicht um „Fairness / Stil“, es geht um ein Verständnis dessen was ist, es geht um Wahrheit. Und zur Wahrheit kann man nur vordringen, wenn man bereit ist, das ganze Spektrum kognitiver, psychologischer, sozialer, biologischer Wirkursachen – wertneutral – als mögliche Erklärung in Betracht zu ziehen und an den zugänglichen Fakten immer wieder neu zu überprüfen. Das nennt man übrigens Wissenschaft – im Unterschied zum bloßen Glauben und zum Meinen. Oder sollte man in diesem Zusammenhang vielmehr sagen: im Unterschied zum bloßen Argumentieren?

  7. Es wäre interessant zu beobachten, in welcher Weise sich Ideologen in „verminderte Schuldfähigkeit“ flüchten würden, kämen ihre zum Teil kriminellen Aktivitäten vor einen Richter.

  8. Meiner Meinung nach kann man alles als krank bezeichnen, was die private und / oder gesellschaftliche Lebensführung erheblich einschränkt (oder gar ernsthat schädigt) – und erst recht auch noch dann, wenn es sich nicht um ein vorübergehendes, sondern ein dauerhaftes Problem ist. Das gilt für Fettleibigkeit, Eifersucht und natürlich auch für Ideologien. Es geht also nicht um die Art der Einschränkung, sondern allein um das Ausmass!

    Und ich wüßte auch nicht, was eine „sachliche“ Diskusion hier zu suchen hätte. Denn dazu bedarf es ja immerhin ZWEIER Partner – sprich einem Gegenüber, der Sach(!)-Argumenten zugänglich wäre. Wie wollte man – nur mal beispielsweise – einen völlig Besoffenen mit „sachlichen Argumente“ beeindrucken? Ideologien, die keinerlei Realtätsnähe und / oder logsisch-belegbare Sachbezüge sowie einen ständigen Realitäts- und Faktenabgleich mehr zulassen, sind dem hier erwähnten „Suff“ also völlig gleichzusetzen. Im übrigen eine Besoffenheit, die unbeteiligten Dritten schadet – da der frei drehende Mob sich zumeist am eigentlichen Geschehen nicht beteiligt – da man sich ja als etwas Besseres wähnt (und purer Schreibtischtäter ist)

  9. Die Erklärung vom Festhalten an bestimmten Weltanschauungen, Weltbildern durch soziale / psychologische Fehlentwicklungen ist Standard in der politischen / sozialen / psychologischen Wissenschaftstradition. So sehr Standard, dass die Methode Vorbild von Unterrichtsmaterialien ist. Man vergleiche hier einen Artikel aus „Poliktik und Unterricht“ -www.politikunterricht.de „Die rechtsextremistische Szene -Einstiege – Gegenstrategien – Ausstiege“ Heft 2 – 2008, Hrsg.: LpB. Er bietet einen kurzen – wenn auch recht parteiisch formulierten – Überblick über die verschiedenen Ansätze. 2 typische Zitate daraus:

    „Für rechtsextreme Einstellungen anfällige Kinder und Jugendliche haben elementare Sozialisationsdefizite: Sie zeichnen sich aus durch ein niedriges Selbstwertgefühl oder mangelnde Ich-Stärke, durch eine kaum ausgeprägte Empathiefähigkeit sowie durch die unzureichende Bereitschaft, soziale Verantwortung zu übernehmen.“

    „Ernüchternd mag auch die Feststellung klingen, dass politische Bildung gegen rechtsextreme Denk- und Handlungsmuster, gegen fest verankerte Vorurteile, gegen Fremdenhass und Antisemitismus häufig nicht ankommt, denn Vorurteile sind häufig „aufklärungsresistent“, erweisen sich gar als „Bildungsbarrieren“.

    Es erschließt sich mir vor diesem Hintergrund nicht, wieso die Anwendung der gleichen Wissenschaftstradition auf gewisses links-grünes Verhalten per se sozial / politisch unakzeptabel sein soll. Kritisiert werden kann legitimerweise nur der jeweils spezifische Erklärungsansatz. Dies aber mit Argumenten, nicht mit Zensur.

    • zensur im eigentlichen sinne ist das löschen des artikels auf einem privaten blog nicht. es ist ein nicht unüblicher vorgang. zensur wäre es, wenn der staat herrn fritz das veröffentlichen generell verboten hätte. aber das ist jetzt sehr theoretisch, zumal ich verstehe was sie meinen.

      und wie erklären sie sich das verhalten eines „zensierten“, der sich in beleidigungen und im pseudowissenschaftlichen ausgrenzungstiraden schmollend in die ecke zurückzieht?

      für mich ist das evtl. verständlich, aber eben das gegenteil von argumentation. man könnte es auch als triumphvorlage für den „zensor“ bezeichnen, weil der „zensierte“ all das bestätigt, weswegen er „zensiert“ wurde.

      ein klassisches eigentor also!

  10. Ideologien können nich krank sein, nur ihre Vertreter. Darf man sie pathologisieren. Man darf, man sollte nicht. Jedenfalls nicht in einem sich wissenschaftlich gebenden Artikel. All dies ist auch Frage des Stils. Man darf auch Scheiße sagen, man sollte indes überlegen, wo und in welchen Kontexten. Tichys Einblick hat richtig reagiert. Damit sollte man den Fall vielleicht vergessen. Es gibt wesentlich Wichtigeres.

    • Nein, haben sie nicht! Die schicken doch ihre Bluthunde jetzt erst recht los.

      „Es gibt wesentlich Wichtigeres“
      Ja Angst haben vor AfD > 25% vielleicht?

    • Wenn es um Stil – Fragen geht, denke ich, ist das Titanic – Orchester ein „tolles“ Vorbild. Die sind tatsächlich mit Stil untergegangen auf der angeblich unsinkbaren Titanic – bis zum letzten Akkord.
      Ich persönlich ziehe es vor, nicht unterzugehen und pfeife salopp gesagt lieber auch den guten Stil.
      Was das hohe Gut der Freien Rede angeht, ist es nämlich schon 5 nach 12 und nicht 5 vor 12 in diesem, meinem Heimatland.
      Seien Sie mir nicht böse aber es geht tatsächlich nicht darum, ob der Artikel gut oder schlecht, stilvoll oder niveaulos war, sondern darum, dass er zensiert wurde !!!!

      • Der Text ist sowohl stilistisch als auch inhaltlich und analytisch ein kleines Meisterwerk. Nicht umsonst wurde er hunderttausendfach gelesen und fünfstellig gelikt. Das hat Gründe. Tiefe Gründe! Er hat nämlich ins Herz getroffen und damit wahrscheinlich mehr bewirkt als 100 andere Artikel, die an besagter Stelle publiziert wurden.

    • Einigen Menschen war dieser Text offensichtlich wichtig genug, für dessen Löschung anderen nach dem Leben zu trachten. Empfinden Sie das als gesunde Vorgehensweise?

      Im übrigen habe ich besagtem Text einen gewissen ironischen Unterton entnommen. Interpretationssache.
      Ist ein Autor dafür verantwortlich, was seine Leser in seinen Text hineininterpretieren?

      • @Simone Janas
        Ich habe den Text als satirisches Experiment gelesen: ersetzen Sie die „Linksgrünen“ durch „Rechtspopulisten“. Lobeshymnen und Dauerapplaus durch die Guten im Lande wären Ihr Lohn.

  11. Wenn es brennt, und ich rette die Kinder des Nachbarn zuerst und lasse meine verbrennen, was ist das.
    Krank!
    Narzisten sind gestört.

    Die Guten herschen ja schon lange, so dass man die Pflicht hat, ihr Wirken als krank zu bezeichen. Unser Volk wird ruiniert.

    Hunderte ins Schlauchboot gelockt, wo sie ertranken.
    Das ist krank.

  12. Ideologien sind dogmatische Gebilde. Der Mensch ist aber zur Freiheit geboren. Im Sinne des jüngerschen Waldgängers sollten wir uns als Individuen auf die Suche nach unserer persönlichen Wahrheit machen und hierzu vergangene Kulturen, alte Schriften, Märchen und Mythen befragen, vor allem aber auf unseren eigenen Verstand hören.

    Ideologien sind in sich geschlossene Wahrheitsgebilde, die keine kritischen Fragen und keine eigne Sicht auf die Dinge zulassen. Wer Kritik übt, ist bereits ein Ketzer.

    Die Hinwendung zur Ideologie ist wie die Hinwendung zur Religion der Sprung ins Absurde. Sie bedeutet zudem die Abkehr von der kritischen Methode.

    Ob der Begriff der Krankheit auf die Ideologie angewandt werden kann, weiß ich nicht. Ich halte es aber sehr wohl für gerechtfertigt zu sagen, dass Ideologien Menschen krank machen.
    Ideologien haben unterschiedliche Vorzeichen. Manche geben vor, dem Wohle der Menschheit dienen zu wollen und manch ein Ideologe mag sogar glauben, dass er mit seiner Ideologie auf der Seite des Guten und Wahrhaftigen steht. Er übersieht dabei, dass jeder Ideologie der Geist des Totalitarismus inne wohnt. Insofern wäre der Begriff der Krankheit im Hinblick auf den der Ideologie vielleicht sogar verharmlosend.

    Der Waldgänger Jüngers ist kein Ideologe. Er hängt auch keiner Ideologie nach. Er ist frei davon.
    Konservatismus bedeutet für mich die Freiheit von Ideologie.

  13. „Freilich darf man in einem freien Land auch diese etwas pikiert-spießige Haltung der Dauerempörung vertreten – so wie jede andere auch, die nicht gesetzlich verboten ist.“

    Was ist an diesem, unserem Land heute, unter der Merkel-Junta noch ein „freies Land“? – Wessen Land ist es, dass so frei ist?

    Es ist ein Fehler das Kind nicht beim Namen zu nennen, und selbst die politisch eher belanglose“ Causa Tichy“ veranschaulicht mit welch Instrumenten heute von der Pseudo-Elite auf die Andersdenkenden eingedroschen wird. Hier hilft kein Schwadronieren, das anti-demokratische Treiben von Linken und Grünen in sämtlichen gesellschaftspolitischen Schaltstellen gehört mehr als thematisiert.

    Das Tichy sich dessen aber nicht stellt, verdient daher kein Mitleid, sondern vielmehr Häme, denn das faule Argument, „er wolle Xing News schützen, glauben ihm doch nur die, die heute den Lügnern aus den Massen Medien und der Politik immer noch glauben schenken.

    • Ich finde es gut, dass sie sich klar positionieren. Ich denke, dass es an der Zeit dazu ist, dass jeder seinen Standort im politischen Koordinatensystem bestimmt. Ich habe Tichys Verhalten ebenfalls kritisiert. Es erscheint mir aber auch in gewisser Weise logisch, da es den gesellschaftspolitischen Gesetzmäßigkeiten der Gegenwart folgt. Auf entsprechende Provokation hin erfolgt der Druckaufbau von Links. Dieser Druck kann die gesellschaftliche und / oder finanzielle Existenz elementar bedrohen. Es folgt die Rücknahme der Provokation, Beschwichtigung nach dem Lieb-Kindchen-Schema und Abgrenzung gegenüber dem Provokateur.
      So distanziert sich die ins gutbürgerliche Spektrum hin orientierende Junge Freiheit beispielsweise immer weiter von fundamentaloppositionellen Positionen und Personen. Es geht schlichtweg für Journalisten und Publizisten um die nackte wirtschaftliche Existenz. Das ist wohl keine Entschuldigung für die Aufgabe der eigenen Positionen, wohl aber eine Erklärung dafür.

  14. Irgendwas stimmt nicht mehr bei tichyseinblick. Erinnert mich irgendwie an Bernd Lucke/Hans-Olaf Henkel und seiner damaligen AfD.

  15. Ich denke nicht, dass man politische Gegner und ihre Meinungen pathologisieren sollte. Aus meiner Sicht gibt es – über die bürgerlichen Gepflogenheiten der Höflichkeit und der Toleranz, die gerade wir Konservativen pflegen sollten – zwei ausschlaggebende Gründe dafür:

    1. Meinungen, so „irre“ sie einem vorkommen mögen, sollte man zunächst einmal immer ernst nehmen und dem Gegner Zurechnungsfähigkeit unterstellen. Es sollte ja schließlich primär darum gehen, die besseren Argumente ins Feld zu führen. Und die haben wir ja wohl in den meisten Fällen.

    2. Wir sollten nicht das Spiel der Gegner mitspielen. Es sind ja bekanntermaßen Linksliberale, Grüne, Sozialdemokraten, Linksextremisten und ihre Medien die mit Vorliebe uns als Personen pathologisieren. Ich erinnere an die unterschiedlichen Begriffsbildungen mit dem Suffix „-phobie“, das in der Medizin bekanntermaßen irrationale Ängste bezeichnet (z.B. vor Spinnen oder engen Räumen). Linke und Linksliberale nehmen diesen Begriff aus der Psychopathologie auf und hantieren mit Kampfbegriffen wie Islamophobie, Homophobie etc.
    Wollen wir uns wirklich auf dieses erbärmliche Niveau der Diversity-, Gender und Islampropagandisten herabbegeben? Wohl kaum, oder? Schließlich sind wir die Gebildeteren, Klügeren, Pragmatischeren und Subtileren.

    Es gibt über die sachliche Auseinandersetzung hinaus andere Mittel, den Linken und Linksliberalen ihre Grenzen aufzuzeigen, die wir noch nicht so häufig nutzen. Ironie und Satire zum Beispiel. Warum gibt es bei uns keinen Autor wie beispielsweise Taki, der im englischen Wochenmagazin „Spectator“ die linken Lebenslügen voller Esprit und Sarkasmus entlarvt?
    Herr Tichy, Herr Berger übernehmen und suchen Sie!

    • Ein Nachtrag zu meinem Kommentar: Natürlich haben wir den intelligenten und intellektuellen Spötter Michael Klonovsky, der in seinen acta diurna Taki sch recht nahe kommt!

    • ihrem kommentar ist nichts hinzuzufügen! sie haben absolut recht! auch zwanzig artikel von 20 doktoren werden nichts daran ändern daß das pathologisieren von gegnern merkmal von diktaturen und von mangelnder eigener argumentationskraft ist.

      dem gegner einen spiegel vorhalten und ihn argumentativ zu wiederlegen ist gut und sinnvoll, ihn zu beschimpfen und zu pathologisieren ist indiskutabel.

      herr fritz hat das erste nicht geschafft und ist beim zweiten auch nicht gerade sehr geschickt. vor allem hat herr fritz sich n.m.m. benutzen lassen (aus eitelkeit?) in einer retourkutschendebatte anlässlich der scholz and friends aktion gegen die achse.

      nach meiner meinung ist das eines philosophen unwürdig.

      • „nach meiner meinung ist das eines philosophen unwürdig.“

        Was ist denn“ eines Philosophen“ würdig? Sich mit schönen Worten dem System anzuschließen? Nicht nur ihr letzter Beitrag entlarvt ihren unfreien Geist.

      • eines philosophen würdig, wäre es n.m.m. nach eben unabhängig zu blieben undsich nicht vor den karren politischer zeitgeisterchen spannen zu lassen. auch das gegenteil von „mainstream“ ist zeitgeist!

        würdig wäre es ebenfalls zu argumentieren und versuchen zu disktutieren. sich einem diskurs zu entziehen und den gegner als krank und dumm zu bezeichen ist das gegenteil von philosophie.

        das ist populismus pur, auch wenn herr fritz so tut als würde er die freie rede verteidigen. herr fritz verteidigt dagegen den freien monolog, die freiheit der beleidigung und die freiheit, andere in selbstgebastelte schubladen zu sperren.

      • Shifttaste kaputt, was? Oder gibt es philosophische Probleme mit den Regeln der Groß- und Kleinschreibung?

    • die Sache ist nur die, dass die meisten Linken ein ganz einfaches Weltbild haben, das was ist ist verkehrt und wenn das was ist endlich zerstört ist, dann wird alles, alles gut. Sophisten eben.
      Aber es nicht sagen, vielleicht weil es ihnen selber gar nicht bewusst ist, oder wenn es ihnen bewusst ist, sie das bestehende so verachten, dass sie sich nicht gerufen fühlen, dem bestehenden gegenüber zur Wahrheit verpflichtet zu sein.
      Genau deshalb haben die Linken genau keine Strategie, keine Taktik und diskutieren mal so, mal so, gerade wie es eben passt.
      Nehmen sie das Frauenthema, ursprünglich hieß es „der Arbeiter solle in die Lage versetzt werden seine Familie zu ernähren. Sprich das klassische Familienbild wurde zugrunde gelegt.
      Genau indem Moment wo das mehr oder weniger umgesetzt war, man denke an die Werkswohnungen der großen Unternehmen meist Häuschen mit Gärtchen, entdeckte die Linke ein anderes Thema, diesmal die Eamanzipation der Frau und kritisierte genau das, wofür sie sich vorher noch stark gemacht hatte.
      Nehmen wie das Thema Energie. Zuerst hieß es „Industrialisierung ist alles, wirklich alles!“ (im kommunistischen China und Vietnam handelt man auch immer noch entsprechend) Bei uns heißt es auf einmal „Industrialisierung ist das allerletzte“
      Man kann sich wirklich des Eindrucks nicht erwehren die Linken und Grünen sind einfach dagegen und ab und an instrumentalisieren sie Menschen die für etwas sind, aber die werden dann, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben, wieder fallen gelassen. Wie Herr Berger und manche Gastautorin ja gut erkannt haben.
      Das Problem der Konservativen ist, dass sie sich immer wieder auf die Diskussionen einlassen, und die eigene Position nicht einfach vertreten.

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