Ein Gastbeitrag von Dr. Marcus Franz

Der deutsche Autor und Philosoph Jürgen Fritz hat in einem Essay im liberal-konservativen Magazin namens Tichys Einblicke die „grünlinken Gutmenschen“ als geistig-psychisch krank bezeichnet und in seinem Text auch stringent argumentiert, warum er dieser Meinung ist. Der Beitrag wurde vom Herausgeber Roland Tichy nach heftigen Protesten zwischenzeitlich gelöscht und Tichy hat sich für die Publikation entschuldigt. (Anm. d. Red.: Wurde hier nun veröffentlicht)

Das Streitobjekt heißt „Krankschreiben“

Darüber lässt sich nun trefflich streiten: Darf man in der öffentlichen Debatte eine offizielle politische Haltung bzw. Einstellung als krank bezeichnen? Und ist es in Ordnung, wenn ein Herausgeber einen Text zuerst redaktionell freigibt, danach publiziert und nach diversen Protesten den Essay wieder löscht? (Der inkriminierte Text ist übrigens auf der Website des Theologen David Berger nochmals veröffentlicht worden und dort nachzulesen.)

Der Shitstorm bläst von links

Der im unvermeidlichen linken Shitstorm geäußerte Hauptkritikpunkt an Fritz und Tichy war, dass das intellektuelle Pathologisieren von politischen Überzeugungen an totalitäre Regimes erinnern würde und dass mit der „Krankschreibung“ der linksgrünen Gutmenschen die Grenze des guten Geschmacks überschritten worden wäre. Man fühlte sich im linksgrünen Spektrum durch Jürgen Fritz persönlich angegriffen und schäumte vor Empörung. Freilich darf man in einem freien Land auch diese etwas pikiert-spießige Haltung der Dauerempörung vertreten – so wie jede andere auch, die nicht gesetzlich verboten ist.

Schulmeistern und zum Schweigen bringen?

Doch man kann mit dieser als moralisch besser legitimiert dargestellten Meinung und ständig schulmeisternden Position dann nicht einfach Jürgen Fritz die Diagnostik unterbinden und ihm im Gegenzug seine eigenen Meinungsäußerungen verbieten wollen (auch wenn das nicht so offen und explizit gesagt wurde). Aber es reicht schon der massive Druck im Netz und in den Medien, der hier zu Lasten einer Privatperson aufgebaut wurde, um ein Quasi-Verbot zu installieren.

Tichy hielt den enormen Druck nicht aus 

Und interessanterweise knickte infolge dieses großen Drucks der Herausgeber Roland Tichy selber ein und nicht der Autor Jürgen Fritz. Das hatte noch einen speziellen, anderen Hintergrund: Tichy gibt in Deutschland auch des Netzwerkmagazin „XING News“ heraus. Und über diese Schiene geriet er so extrem unter Druck, dass er seine Herausgeberschaft dort zurücklegen musste.

Lebensbedrohliche Publikation

Der Druck ging nach Tichys eigenen Aussagen soweit, dass er sogar Morddrohungen erhielt.

Die geifernde Empörung reicht den Extremisten nicht. Wenn schon, dann geht man aufs Ganze. Letztlich lief hier ein medienpolitischer Skandal ohnegleichen ab, dessen Furor frappierend an totalitäre Regimes erinnert. Krankschreibungen wie die oben skizzierte tun das eher nicht.

Viel mehr Zustimmung als Kritik

Der Verfasser des Textes hat natürlich in Summe viel mehr Unterstützer als Kritiker: Sehr viele Bürger sowohl in Deutschland wie in Österreich haben den Eindruck, dass die grünlinke Politik besonders seit Beginn der Migrationskrise den Boden der Vernunft und die Basis einer begründbaren Weltanschauung zumindest in Teilbereichen völlig verlassen hat. Selbst eine führende deutsche grüne Politikerin gewann Selbsterkenntnis und sagte zuletzt wortwörtlich: „Die Kommentarlage zu unserer Politik ist bescheiden bis beschissen.“

Krank ist man selber, nicht der Arzt

Wenn also ein luzider Denker und treffend formulierender Blogger wie Fritz das grünlinke Gutmenschentum als krank bezeichnet, so kann er nicht ganz falsch liegen. Die krankhafte Degeneration dieser politischen und pseudomoralischen Haltung als solche zu bezeichnen, das kann man aber dann nicht Herrn Fritz und seiner Diagnostik vorwerfen, sondern da müssen sich die Proponenten des völlig entgleisten linksgrünen Pharisäertums schon selber an der Nase nehmen. So wie das Frau Göring-Eckardt getan hat, von der das obige Zitat zum Zustand der Grünen stammt.

Zeitgeistdiagnostik kann weh tun

Jürgen Fritz für sein Statement zu attackieren ist ähnlich daneben, wie einen Arzt wegen der korrekten Diagnose einer unerfreulichen Erkrankung zu beschimpfen. Die Aufregung über einen wenn auch harschen und ins Pathologische weisenden Artikel sagt noch mehr über die innere Verfasstheit der Kritisierten aus als der zitierte Text selber. Offenbar wurde hier ein wunder Punkt zielsicher getroffen.

Analyse heisst zerlegen

Auch Jürgen Fritz ist der Meinung: Wir sollten in der öffentlichen Debatte stets bemüht sein, nicht den Gegner persönlich („ad hominem“) zu attackieren, sondern die politischen Haltungen, die wir für schlecht oder gefährlich halten, argumentativ auseinandernehmen. Und nichts anderes hat Fritz getan. Natürlich lässt sich der Angriff auf die Menschen dahinter nie ganz vermeiden, weil jeder, der eine Überzeugung hat, sich unweigerlich negativ berührt fühlt, wenn diese seine Überzeugung analytisch kritisiert wird.

Das Salz der Demokratie

Aber das freie Äußern von Kritik ist eben die Grundlage des Diskurses auf jenem zweifellos als sakrosankt zu bezeichnenden Fundament der Demokratie, das wir Meinungsfreiheit nennen. Und da müssen wir eben das Risiko in Kauf nehmen, mit nicht genehmen Aussagen konfrontiert zu werden.

Unreifes Verhalten

Die demokratische Reife hat man dann erreicht, wenn man imstande ist, ohne schäumende Empörung die Argumente des Anderen zu betrachten und Gegenargumente findet, ohne den Kritiker massiv bedrohen und unter Druck setzen zu müssen. Im Anlassfall hat aber eine ganze Reihe von „Gutmenschen“ wieder ihr wahres Gesicht und ihre infantil-aggressive Haltung gezeigt. Objektive Gegendarstellungen waren kaum zu finden.

Was gilt jetzt: Darf man „krank“ sagen?

Um die eingangs gestellte Frage nun klar zu beantworten: Ja, es ist natürlich erlaubt, Ideologien und Haltungen als krank zu bezeichnen. Dafür muss man nicht unbedingt Arzt sein (obwohl das hilft). Jeder Mensch weiß: Krankheit ist ein Zustand, der von der Gesundheit abweicht. Und wenn gewisse politische Haltungen einem kritischen Menschen nicht mehr gesund vorkommen und ihm sogar gefährlich für andere erscheinen – ja um Himmels willen, wie soll er sie dann anders nennen als krank?

Hier geht’s zum Blog des bekannten Autors:  THE DAILY FRANZ

***

Foto: (c)  Johann Friedrich Karl Kreul (1804–1867) (http://www.hampel-auction.com/) [Public domain], via Wikimedia Commons

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vafti
Gast
vafti

Eine Ideologie,die sagt :“ Deutschland verrecke“ ist krank !
Eine Ideologie,die das Deutsche Volk verschuldet,ist krank !
Eine Ideologie,man bräuchte die Masseneinwanderung, ist krank !

Es ist an sich immer prinzipiell krank, wenn es gegen unser Deutsches Volk und Vaterland geht !

gruß vafti

Ich_weiblich
Gast
Ich_weiblich

Ist nicht jede Ideologie krank? Jede, die keinen Spielraum lässt, die bespitzelt, denunziert, verfolgt, bestraft, tötet? Beispiele spare ich mir, die sind hinreichend bekannt, dennoch gibt es das immer wieder…

Bernhard Schwierz
Gast
Bernhard Schwierz

Klar kann man ein Problem, und sei es als Krankheit, so bezeichnen. Im Allgemeinen läßt sich so etwas dann auch lösen bzw. heilen.
Hier wird es im Hinblick auf die betroffenen Patienten allerdings paradox: Wie will man denn einen Linken auf den RECHTEN Weg zurückbringen?

Harald Schlatter
Gast
Harald Schlatter

Moment bitte! Der Autor Fritz hat nicht Ideologien und Haltungen als krank bezeichnet, sondern Menschen, die diese politischen Haltungen einnehmen („Grün-linke Gutmenschen sind – und ich sage das nicht einfach so dahin – krank. Nicht körperlich, sondern geistig-psychisch.“) Das ist ein feiner aber relevanter Unterschied, zumal er mit dieser pauschalen Pathologisierung diese Menschen quasi mundtot machen will („Warum Sie mit psychopathologisch gestörten grün-linken Gutmenschen nicht diskutieren sollten“). Wenn wir anfangen, den politischen Gegner als krank abzustempeln, um sich nicht mit ihm und seinen Argumenten auseinandersetzen zu müssen, dann ist der politische Diskurs am Ende. Und das ist sehr wohl zu… Mehr lesen »

Charlotte
Gast
Charlotte

„Grünlinke Gutmenschen“ ist ja keine politische Haltung.
Ebensowenig ist es eine politische Haltung, in den Schulen den Kindern in die Intimssphäre einzudringen und sie zu brüskieren oder wenn eine Verteidigungsministerin Fummelkurse für Soldaten abhält. Das ist aufdoktrinierte Dekadenz.
Um so witziger war es, dass sich so viele angesprochen und beleidigt fühlten.
Der Autor hat mit seiner Diagnose ganz offensichtlich und zielsicher ins Schwarze getroffen.
Tichy hat seine eigene Veröffentlichung, die viele gut fanden, zurückgenommen und sich dafür entschuldigt.
Es ist nicht so, dass nur weil auf der öffentlichen Bühne kein Charakter mehr zu erkennen ist, er nicht dringend gesucht würde.

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[…] +++ Darf man Ideologien krank nennen? +++ […]

KlaraElisabeth
Gast
KlaraElisabeth

Das Argument, dass „in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner“ allein das rationale Argument zulässig sei und keine – wie auch immer geartete – „Psychologisierung“, ist natürlich ein schönes Ideal. Allein, es setzt voraus, dass Menschen hauptsächlich rationale Wesen sind – und das, mit Verlaub, ist grob unrealistisch. Wäre dem so, so hätten wir nicht eine milliardenschwere Werbeindustrie, die nur insoweit funktioniert, als genau das Gegenteilige zutrifft. Es gäbe die „Behavioral Sciences“ nicht und nicht die „Verhaltensökonomik“ mit dem berühmt-berüchtigtem „Nudging“ – also der Vorstellung, dass die Leute trotzt besserem Wissen nicht imstande sind, im rationalen Sinne zu handeln, aber… Mehr lesen »

Die Kehrseite
Gast

Es wäre interessant zu beobachten, in welcher Weise sich Ideologen in „verminderte Schuldfähigkeit“ flüchten würden, kämen ihre zum Teil kriminellen Aktivitäten vor einen Richter.

Nur mal so
Gast
Nur mal so

Meiner Meinung nach kann man alles als krank bezeichnen, was die private und / oder gesellschaftliche Lebensführung erheblich einschränkt (oder gar ernsthat schädigt) – und erst recht auch noch dann, wenn es sich nicht um ein vorübergehendes, sondern ein dauerhaftes Problem ist. Das gilt für Fettleibigkeit, Eifersucht und natürlich auch für Ideologien. Es geht also nicht um die Art der Einschränkung, sondern allein um das Ausmass! Und ich wüßte auch nicht, was eine „sachliche“ Diskusion hier zu suchen hätte. Denn dazu bedarf es ja immerhin ZWEIER Partner – sprich einem Gegenüber, der Sach(!)-Argumenten zugänglich wäre. Wie wollte man – nur… Mehr lesen »

KlaraElisabeth
Gast
KlaraElisabeth

Die Erklärung vom Festhalten an bestimmten Weltanschauungen, Weltbildern durch soziale / psychologische Fehlentwicklungen ist Standard in der politischen / sozialen / psychologischen Wissenschaftstradition. So sehr Standard, dass die Methode Vorbild von Unterrichtsmaterialien ist. Man vergleiche hier einen Artikel aus „Poliktik und Unterricht“ -www.politikunterricht.de „Die rechtsextremistische Szene -Einstiege – Gegenstrategien – Ausstiege“ Heft 2 – 2008, Hrsg.: LpB. Er bietet einen kurzen – wenn auch recht parteiisch formulierten – Überblick über die verschiedenen Ansätze. 2 typische Zitate daraus: „Für rechtsextreme Einstellungen anfällige Kinder und Jugendliche haben elementare Sozialisationsdefizite: Sie zeichnen sich aus durch ein niedriges Selbstwertgefühl oder mangelnde Ich-Stärke, durch eine… Mehr lesen »

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[…] Darf man Ideologien krank nennen? […]

Carl Eugen
Gast
Carl Eugen

Ideologien können nich krank sein, nur ihre Vertreter. Darf man sie pathologisieren. Man darf, man sollte nicht. Jedenfalls nicht in einem sich wissenschaftlich gebenden Artikel. All dies ist auch Frage des Stils. Man darf auch Scheiße sagen, man sollte indes überlegen, wo und in welchen Kontexten. Tichys Einblick hat richtig reagiert. Damit sollte man den Fall vielleicht vergessen. Es gibt wesentlich Wichtigeres.

Siart Peter
Gast

Wenn es brennt, und ich rette die Kinder des Nachbarn zuerst und lasse meine verbrennen, was ist das.
Krank!
Narzisten sind gestört.

Die Guten herschen ja schon lange, so dass man die Pflicht hat, ihr Wirken als krank zu bezeichen. Unser Volk wird ruiniert.

Hunderte ins Schlauchboot gelockt, wo sie ertranken.
Das ist krank.

Heiko Paul
Gast
Heiko Paul

Ideologien sind dogmatische Gebilde. Der Mensch ist aber zur Freiheit geboren. Im Sinne des jüngerschen Waldgängers sollten wir uns als Individuen auf die Suche nach unserer persönlichen Wahrheit machen und hierzu vergangene Kulturen, alte Schriften, Märchen und Mythen befragen, vor allem aber auf unseren eigenen Verstand hören. Ideologien sind in sich geschlossene Wahrheitsgebilde, die keine kritischen Fragen und keine eigne Sicht auf die Dinge zulassen. Wer Kritik übt, ist bereits ein Ketzer. Die Hinwendung zur Ideologie ist wie die Hinwendung zur Religion der Sprung ins Absurde. Sie bedeutet zudem die Abkehr von der kritischen Methode. Ob der Begriff der Krankheit… Mehr lesen »

Gaby Kraal
Gast
Gaby Kraal

„Freilich darf man in einem freien Land auch diese etwas pikiert-spießige Haltung der Dauerempörung vertreten – so wie jede andere auch, die nicht gesetzlich verboten ist.“ Was ist an diesem, unserem Land heute, unter der Merkel-Junta noch ein „freies Land“? – Wessen Land ist es, dass so frei ist? Es ist ein Fehler das Kind nicht beim Namen zu nennen, und selbst die politisch eher belanglose“ Causa Tichy“ veranschaulicht mit welch Instrumenten heute von der Pseudo-Elite auf die Andersdenkenden eingedroschen wird. Hier hilft kein Schwadronieren, das anti-demokratische Treiben von Linken und Grünen in sämtlichen gesellschaftspolitischen Schaltstellen gehört mehr als thematisiert.… Mehr lesen »

Runtzinger
Gast
Runtzinger

Irgendwas stimmt nicht mehr bei tichyseinblick. Erinnert mich irgendwie an Bernd Lucke/Hans-Olaf Henkel und seiner damaligen AfD.

Sandinista
Gast
Sandinista

Ich denke nicht, dass man politische Gegner und ihre Meinungen pathologisieren sollte. Aus meiner Sicht gibt es – über die bürgerlichen Gepflogenheiten der Höflichkeit und der Toleranz, die gerade wir Konservativen pflegen sollten – zwei ausschlaggebende Gründe dafür: 1. Meinungen, so „irre“ sie einem vorkommen mögen, sollte man zunächst einmal immer ernst nehmen und dem Gegner Zurechnungsfähigkeit unterstellen. Es sollte ja schließlich primär darum gehen, die besseren Argumente ins Feld zu führen. Und die haben wir ja wohl in den meisten Fällen. 2. Wir sollten nicht das Spiel der Gegner mitspielen. Es sind ja bekanntermaßen Linksliberale, Grüne, Sozialdemokraten, Linksextremisten und… Mehr lesen »