(Gastbeitrag) Ist die Frage der Unisextoiletten der neue Test, wo wir mit unserer Gesinnung stehen? Und wie wir es mit dem Fortschritt halten? Ist das nach Veggieday, Arabisch für Deutsche und anderen Menschheitsbeglückungsaktionen der neueste Kampfplatz für den neuen Menschen? Wird damit die Rettung des Abendlandes gelingen? Man hat den Eindruck, wenn man verfolgt, wie wichtig dies für manche Politiker zu sein scheint.

Mich als transsexuelle Frau nervt diesen Thema unglaublich. Vor allem, weil man dieses Thema angeblich für uns macht. Mit der Folge, dass die Befürworter jemanden vor sich herschieben können, der das UNBEDINGT braucht.

Und die Gegner sich nicht über diese Idee aufregen, sondern über uns transsexuelle Menschen, die das ja angeblich brauchen. Danke! – macht richtig Spaß da mittendrin zu stehen. Eines haben Befürworter wie Gegner gemeinsam: Sie können meist eine transsexuelle Frau nicht von dem schwulen Mann, mit zu viel Makeup a la Olivia Jones unterscheiden.

Haltet uns da heraus!

Uns interessiert das nicht. In einem Forum in dem praktisch jeder deutschsprachige Transmensch ein Profil hat, wurde das zu Beginn, also 2015 diskutiert. 26 Wortmeldungen von 12 Beteiligten und davon hatte mindestens die Hälfte nur Spott für diese Idee übrig.
So etwa, dass man dann auch farblich abgestimmtes Papier wolle oder dass ja schließlich 3 Toilettentypen doch viel zu wenig seien bei der ganzen Vielfalt der neu entdeckten Geschlechter.

Ja, während der sozialen Transition ist es eine Überwindung der eigenen Unsicherheit auf einmal eine „andere“ Toilette aufzusuchen, vor allem wenn das eigene Erscheinungsbild noch uneindeutig ist.

Aber ich kenne keine TS, die damit irgendein ernstes Problem gehabt hätte. Ganz im Gegenteil, es ist eine der vielen Hürden, die man nehmen muss. Und Hürden haben etwas Gutes: man wächst an Ihnen und sind einfach ein Teil des Weges zur Selbstverständlichkeit, zur Normalität.

Und wer als Transmensch diese kleine Hürde nicht nimmt, wird auf dem Weg sowieso scheitern. Da warten ganz andere Probleme. Es ist geradezu absurd, wenn vorwiegend Außenstehende uns hier als Argument vorschieben.

Wir werden mit einem Gehirn geboren, dass zu unserer Genetik gegengeschlechtlich ist, was dazu führt, dass wir einen anderen Körperbau haben, als unsere Gehirnaktivität erwarten lässt.

Sich mit diesem Zwiespalt auszusöhnen, ist ein unglaublich langer und emotional schmerzlicher Prozess, die körperliche Anpassung ebenso und noch dazu mit körperlichen Schmerzen und lebensgefährlichen Operationen verbunden.

Niemand der nicht betroffen ist, kann das richtig nachvollziehen. Aber jeder kann verstehen, dass auf so einem Weg der Toilettenbesuch eines der kleinsten Probleme ist.

Ich persönlich hasse Unisextoiletten. Ich bin nicht Unisex und auch nicht uneindeutig, sondern ich habe eine ganz klare Identität und die ist weiblich.

Und das sehe nicht nur ich so, sondern auch jeder Mensch, der mich näher kennt. Und so ist die übergroße Mehrheit unserer winzigen Minderheit.

Also: Haltet uns Transsexuelle aus der Geschichte heraus!

Wenn Ihr uns helfen wollt, dann gibt es viele Dinge, die uns wirklich helfen:
– sorgt für ordentliche medizinische Versorgung
– schafft die Wartezeiten, die z.T. mehrere Jahre dauern, ab
– zwingt uns nicht, in den 2-4 Jahren bis zur offiziellen Personenstandsänderung, mit alten Ausweisdokumenten, Versichertenkarten, Bankkonten zu leben
– und vor allem: Sorgt für Sicherheit!

***

Foto: Unisex-Toiletten an der Universität Gotenburg /Schweden © Flinga (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

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Hanseatin 55
Gast
Hanseatin 55

Ganz und gar richtig,der Artikel.Weder ich noch irgendeine Biofrau will doch unisex sein!-Ich lebe seit fast 30 Jahren als Frau,da teile ich mir doch nicht mehr die Toilette mit Männern. Da wird einem ja schlecht bei der Vorstellung..

gripseljagd
Gast

Ein WC für alle vereinfacht es doch. Wenn es zusätzlich kommt ist es Schwachsinn. Aber ich glaube nicht, dass selbst eingefleischte Feministinnen (hoffentlich ist das Geschlecht richtig) das dann so wollen.
Rechtlich ist es doch sowieso, dass jeder sich seine Toilette frei wählen darf, denn eine Diskriminierung auf Grund des Geschlechtes ist ja grundgesetzwidrig.

Charlotte
Gast
Charlotte

Jetzt hab ich das auch noch gelesen und weiß immer noch nicht, was eine Unisex Toilette ist. Ist das ein Klo, das jeder benutzen darf und wenn das da ist, genügt das dann? Das wäre ja göttlich. Vor 40 Jahren erlebte ich, wie eine winzige Klause zu Grunde gerichtet wurde, weil sie den dritten geforderten Toilettenumbau sich nicht mehr leisten konnte und dieser Klause mussten aufgrund staatlicher Toilettenhysterie noch viele Lokale folgen. Mir persönlich reicht ein sauberes Klo. In dreckigen Bahnhöfen benutze ich die Behindertentoilette, die ist meist noch erträglich. Für Sex ist mir das Bett angenehmer als ein öffentliches… Mehr lesen »

lilie58
Gast

Ich bin – als Frau – gegen die Unisex Toiletten, oder es gibt 3 Arten von Toiletten Männchen, Weibchen, Unisex. (Reihenfolge beliebig 😉 ). Toiletten sind nicht nur Bedürfnisanstalten, es sind auch Rückzugsorte, Fluchtorte usw. usf. Ein letzter Ort der Intimität. Punkt! Wo bitte ist denn die Intimität, wenn man auch noch unten und oben durch- und drüberschauen kann, gerade in Unisextoiletten! Tut mir Leid, kein Verständnis! Gibt es denn nie Ruhe in einer immer lauter und agressiver werdenden Welt? – Wir sind nicht alle gleich!!

Jutta
Gast
Jutta

..falls OT .. ;-))
Unisextoiletten, Unisexhandel, Unisexreligion, Unisexdiktator ?

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/nestle-mars-unilever-das-sind-die-groessten-lebensmittelhersteller-der-welt/19231996.html

.. alles aus einer Hand, das wäre doch was.. Frieden im Land … keine Meinungsverschiedenheiten mehr, alles geregelt .. da kann man sich doch dann aufs Wesentliche besinnen …

Torsten Rüdiger Ilg
Gast

„Mein Gott Waltraud“ sag ich da nur. Mal ehrlich: Die gesetzliche Pflicht zur Bereitstellung von weiteren Toiletten (UNISEX) wäre doch für kleine Betriebe und Gaststätten unzumutbar! Welcher weltfremde „Beamte“ denkt sich so etwas eigentlich aus? Dieser Regelungswahn ist lächerlich. In Köln sind an Karneval übrigens alle Toiletten „irgendwie UNISEX“ 😉 Spass beiseite: Einfach ein dümmliches „Sommerloch-Thema“ mitten im Winter. Sowohl in den Männer-, als auch in den Frauentoiletten gibt es abschließbare Kabinen. Das ist doch intim genug. Und beim Händewaschen sind alle Menschen gleich – hoffentlich gleich sauber!