(David Berger) Das gab es in dieser Dimension noch nie. Pio Vito Pinto, der Vorsitzender des obersten katholischen Gerichtshofes, der Römischen Rota, hat gleich mehreren Kardinälen angedroht, dass man ihnen die Kardinalswürde entziehen könnte. Der Grund: Sie hatten sich kritisch zu einem dogmatisch tatsächlich höchst zweifelhaften Rundschreiben (Amoris Laetitia) von Papst Franziskus geäußert.

Mit dabei sind – nach den Informationen mehrerer Nachrichtenagenturen – Kardinäle, die unter dem Vorgänger von Papst Franziskus, Papst Benedikt XVI. Als besonders lehramtstreu galten, unter anderem auch die deutschen Kardinäle Joachim Meisner (Köln) und Walter Brandmüller, ein international bekannter Kirchenhistoriker und persönlicher Freund Papst Benedikts XVI.

Zusammen mit den Kardinälen Burke (Malta/USA) und Caffarra (Italien) hatten diese Kichenfürsten einen besorgten Brief an Papst Franziskus gerichtet und ihn gebeten, in der umstrittenen Enzklika angedeutete Pläne, nach denen auch wiederverheiratete Geschiedene die Hl. Eucharistie empfangen können, nicht zu verwirklichen.

Nun will man sie offensichtlich mundtot machen, um die der Ehelehre der Kirche widersprechenden Pläne ungestört und unter dem Jubel der kirchenfernen Medien umsetzen zu können. Wie bereits bei den unter Paul VI. durchgeführten Veränderungen der kirchlichen Praxis, zeigt sich nun auch unter Franziskus:

Die sich selbst als Reformer und Liberale verstehenden Kirchenmänner, die die kirchliche Disziplin an wichtigen Stellen auflösen möchten, gehen gegen ihre Kritiker mit schärfsten disziplinarischen Mitteln vor.

Oder wie es der vor kurzem verstorbene Philosoph Walter Hoeres formulierte: Die heftigsten Toleranzprediger sind fast immer die intolerantesten Menschen.

Obwohl ich selbst in meiner Biographie die harte Hand Meisners zu spüren bekommen habe, schäme ich mich als Katholik und Theologe für dieses Gebaren, das das treue Festhalten an Kernpunkten der kirchlichen Lehre bestrafen möchte, zutiefst.

Update 01.12.16: Sie dazu jetzt auch den Bericht „Die heftigsten Toleranzprediger sind die intolerantesten Menschen“ bei -> KATH.NET

Update 01.12.16 (14 h):

Mit Datum vom 30.11.2016 veröffentlichte das spanische Internetmagazin „Religión confidential“, von der die ursprüngliche Notiz über die Aussagen Pintos stammte, eine Korrektur. Mit der Aussage, dass die vier Kardinäle ihr Kardinalat verlieren könnten, hätten sie Pinto versehentlich unkorrekt zitiert. Pinto habe vielmehr darauf hingewiesen, dass Franziskus nicht zu jener Sorte Päpste aus anderen Zeiten gehöre, der weitergehende Maßnahmen ergreifen würde, der Papst werde den Kardinälen ihr Kardinalat nicht entziehen. Quelle: kath.net

-> Jeder, der sich ein wenig mit der Informationspolitik des Vatikan bzw. einzelner Vertreter des Vatikan auskennt, weiß, dass dieses Zurückrudern genauso wenig zufällig passiert wie die angebliche Falschmeldung aus Versehen und aufgrund eines Missverständnisses an die Öffentlichkeit gelangte (David Berger).

Update 02.12.2016, 20h:

Auch wenn er die Drohung mit dem Entzug der Kardinalswürde abstreitet, ist der oberste Richter der Rota erneut gegen die genannten vier Kardinäle, ausgerechnet in einem Interview mit der Onlineseite der katholische Bischöfe in Deutschland, ausfällig geworden.  Dass er Kardinal Billot erwähnt, der sein Kardinalat nach einem Gespräch mit dem damaligen Papst (Pius XI) ablegen musste, scheint dabei kein Zufall. Im Endeffekt streitet er den Kardinälen die Kompetenz ab, für die Reinerhaltung des Glaubens aufzustehen. Pinto legt dabei einen Ton an, der eines Kirchenfürsten und obersten Vertreters der Rota unwürdig ist. Hätten wir einen anderen Papst, würde man vorschlagen, er solle möglichst rasch über eine Ablösung Pintos nachdenken (David Berger)

Foto: © Raimond Spekking / , via Wikimedia Commons