Gastbeitrag von Jürgen Fritz 

Kaum hat die Mainzer Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Jan Böhmermann eingestellt, da droht dem jungen Mann mit der frechen Schnauze schon von anderer Seite Ungemach. Die Causa Böhmermann will und will kein Ende nehmen und schlägt immer weitere Wellen.

Denn nun wird der junge Satiriker, der sich inzwischen nur noch mit Polizeischutz frei bewegen kann in Deutschland, richtig in die Zange genommen. Wie „Der Postillon“ bereits vermeldet hat, will nun auch der Zentralrat der Ziegen (ZZ) Böhmermann verklagen und dabei, wenn es sein muss, bis zur letzten Instanz gehen, ja, notfalls sogar vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. Die Entschlossenheit wirkt groß.

Auch eine Ziege habe ihre Wühehehehrde, gab die Sprecherin des ZZ gestern auf der Pressekonferenz zu bedenken. Es sei eine Unverschähehehehmtheit und eine Beleidigung aller Ziegen dieser Erde, was Böhmermann behauptet hat.

Niemals habe eine Ziege mit dem türkischen Präsidenten kopuliert. „Wir sind doch nicht blöhehehehed“, so die Sprecherin des ZZ. “

Die Vorstellung mit diesem Mann Sehehehehehex zu haben, stellt eine Beleidigung der gesamten Ziegenheit, der Zumma, dar. Wir verbitten uns derartige wahrheitswihihihihihiedrigen Behauptungen.“ Auch Ziegen hätten ihren Stolz. Satire habe auch Grenzen, so die Sicht des ZZ. „Wenn mal eben so eine ganze Tiergattung verunglimpft wird, hat das nichts mehr mit dem Recht auf freie Meheheheheinungsäußerung zu tun.“

Unterdessen gibt es in der Türkei inzwischen eine Petition, die bereits von mehr als 70 Millionen Türken unterzeichnet wurde. Unmissverständlich wird die Auslieferung von Böhmermann gefordert.

Die Türken sehen es genau umgekehrt wie die Ziegen. Da hier der türkische Präsident beleidigt worden sei, müsse dem Delinquenten der Prozess in der freien demokratischen Republik Türkei gemacht werden und nicht in irgendeinem nichtmuslimischen Bananenstaat, wo Staatsanwälte und Richter machen, was sie wollen, und man vorher nicht weiß, was hinten raus kommt.

Uneinig ist man sich nur noch bezüglich der Bestrafung. Dass es zu einem lebenslangen Freiheitsentzug kommen wird, gilt als gesichert. Auch dass die Zunge, die solch widerliches Zeug von sich gegeben habe, entfernt werden und dass es vor Haftantritt zu einer öffentlichen Auspeitschung kommen müsse, sei klar. Gestritten wird nur noch darüber, ob der so übel Bescholtene die Auspeitschung selbst vornehmen dürfe oder ob der oberste türkische Staatsauspeitscher, Mustafa Gübs-Ühm, dieses Zeremoniell übernehmen solle, der wesentlich härter zuschlagen könne. Der Präsident soll Andeutungen gemacht haben, dass er auf persönliche Genugtuung bestehe. Die verminderte Zuschlagkraft könne ja durch eine erhöhte Hiebzahl ausgeglichen werden.

Auch sei er empört, dass bisher nur gut 70 Millionen Türken die Petition unterschrieben hätten. Viele davon übrigens mit XXX. Der türkische Folterminister habe aber bereits versichert, dass noch vor Ende der Woche die restlichen 8 Millionen auch unterschrieben haben werden.

Die meisten von ihnen seien bereits inhaftiert und stünden kurz davor, sich den besseren Argumenten des Ministers, die bislang letztlich noch immer zu überzeugen wussten, zu beugen. Die Türkei stehe dann wie immer komplett geschlossen hinter ihrem Präsidenten.

Dieser soll übrigens in einem Telefonat mit der Kanzlerin, in welchem sie vorsichtige Bedenken bezüglich der Auslieferung zu erkennen gab – sie würde ja gerne, diesen Böhmermann kenne sie überhaupt nicht und es sei ihr unendlich peinlich, sie würde ihn sofort ausliefern, wenn es nach ihr ginge, aber wie solle sie das denn diesem dummen deutschen Volk unterjubeln, welches noch immer meine, es werde demokratisch regiert und könne sich auf die Verfassung verlassen -, angedeutet haben, dass man seitens der Türkei ja einfach mal ein paar Millionen Syrer, Afghanen und Pakistani durchwinken könne.

Die türkischen Polizisten hätten die letzten Monate so viele Überstunden gemacht, er, Erdogan, könne das im Grunde nicht länger verantworten, seine ihm treu ergebenen Beamten, denen gegenüber er ja auch eine Sorgfaltspflicht habe, so überzustrapazieren. Er könne ja als fürsorglicher Dienstherr gar nicht anders, als ihnen mal komplett ein, zwei Monate Urlaub zu gewähren.

Und wenn dann irgendwelche Leute die Syrer, Afghanen und Pakistani gezielt zum Meer in die Schleuserboote locken würden, was solle er denn dagegen tun? In einem freien Land wie der Türkei könne man dagegen nun mal nichts machen.

Die Einzigen, von denen man in der ganzen Affäre bisher noch nichts gehört hat, sind die Schafe. Der Zentralrat der Schafe (ZS) soll inoffiziell verlautbart haben lassen, dass ihm diese ganze Diskussion – „Fellatio mit hundert Schafen“ – einfach zu dumm sei. Auf dieses Niveau wolle man sich seitens der Schafe nicht herab begeben.

Aus der freien demokratischen Republik Türkei, der eigentlichen Erfinderin der Demokratie (nicht Griechenland wir hier und da bisweilen noch immer kolportiert wird) und der Ziegenparkabteilung des Streichelzoos berichtete: Ihr Jürgen Fritz.

Einzelheiten zu der Pressekonferenz des ZZ gibt’s auch noch hier.

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