Ein Gastbeitrag von Jürgen Fritz

Das Forsa-Institut ist bekanntlich dasjenige, welches die AfD notorisch zu niedrig angibt. Der Chef dieses „Meinungsforschungsinstituts“ Manfred Güllner, seit Jahrzehnten SPD-Mitglied, wird seit Monaten und Jahren nicht müde, zuerst zu behaupten, die AfD hätte überhaupt kein Wählerpotential und neuerdings sie wäre gefährlich und müsse bekämpft werden. Der Chef eines Forschungsinstituts will nicht die Wirklichkeit erforschen, sondern das, was ihm persönlich nicht gefällt, bekämpfen? Nun gut.

Auf jeden Fall ist bei Forsa überdeutlich eine Tendenz erkennbar, die Zustimmungswerte bei der Alternative für Deutschland immer um einiges niedriger anzugeben a) als andere Institute, vor allem aber b) als es sich dann bei den tatsächlichen Wahlergebnissen herausstellt.

Im März sah Forsa die AfD bis direkt vor der Baden-Württemberg-Wahl bei 11 Prozent. Es wurden aber 15,1. Ähnlich in Rheinland-Pfalz. Da sollten es nicht mehr als 9 Prozent werden, es wurden aber 12,6. Noch extremer in Sachsen-Anhalt. Statt der 18 Prozent bei Forsa wurden es in Wahrheit 24,3 Prozent. Und bei der Berlinwahl im September hatte Forsa die AfD bis sieben Wochen vor der Wahl mit 8 Prozent angegeben, als andere sie längst bei 14 bis 15 Prozent sahen, wo sie auch tatsächlich landeten. Erkennen Sie ein Muster?

Just dieses Forsa-Institut sieht die Alternative für Deutschland nun in Brandenburg aktuell bei 20 Prozent, deutlich vor der CDU und vor den Linken mit jeweils 17 %.

Wenn schon Forsa der AfD 20 Prozent konstatiert, kann man davon ausgehen, dass es in Wahrheit eher noch etwas mehr sein dürften.

Das aber heißt, dass die CDU nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern nun auch in Brandenburg hinter die AfD zurückfällt und zwar noch klarer. 

18,99 % bei den LT-Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern, 17,6 % in Berlin und nun in der Brandenburg-Umfrage nur noch 17 %, allmählich droht der Merkel-Wahlverein völlig abzuschmieren, was der Autor dieser Beitrages schon seit vielen Monaten vorausgesagt hat.

Forsa-Umfrage zum Brandenburger Landtag (1.001 Befragte im Zeitraum 20.09. – 26.09., veröffentlicht am 30.09.16):

1. SPD: 30 %
2. AfD: 20 %
3. CDU: 17 %
3. Linke: 17 %
5. Grüne: 6 %
—————–
6. FDP: 4 %
Sonstige: 6 %#

Gewinne und Verluste seit der Landtagswahl vor zwei Jahren:

#1. AfD: + 7,8 %
2. FDP: + 2,5 %
———————
3. Grüne: – 0,2 %
4. Sonstige: – 0,8 %
5. Linke: – 1,6 %
6. SPD: – 1,9 %
7. CDU: – 6,0 %#

Hier wird sehr schön ersichtlich, dass außer der FDP alle Parteien Stimmen verlieren und zwar vor allem an die AfD, eine aber ganz besonders: die CDU. Die Christdemokraten liegen jetzt schon im vierten Bundesland (Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg) unter 20 Prozent und es droht der ehemaligen 40-Prozent-plus-X-Partei ein Sturz ins Bodenlose. Aus der Falle, in die Merkel ihre Partei hineinmanövriert hat, wobei diese das aber auch sehr willig mit sich machen ließ, scheint es derzeit und vielleicht auch auf absehbare Zeit kein Entrinnen zu geben. Die extreme Annäherung zunächst an die SPD und dann auch noch an die Grünen hat die CDU entkernt und ihrer Seele beraubt.

Hinzu kamen die katastrophalen Fehlentscheidungen der letzten 13 Monate, als man den Rechtsstaat, ja, überhaupt die Grundlagen des Staates (Staatsgebiet + Staatsvolk + Staatsgewalt) in einer einsamen, mit niemand abgesprochenen Entscheidung von oben herab preisgab und damit ein Stück weit das eigene Volk verraten hat. Der Druck durch die AfD, die hier als einzige eine klare Opposition einnimmt, wird immer größer werden. Und die Masche, diese neue und junge Partei mit Hilfe der willfährigen Mainstreammedien zu verteufeln und zu diffamieren, wird auf Dauer immer weniger funktionieren, da die Leute nicht doof sind und dieses Spiel immer mehr durchschauen.

Korrigiert die CDU ihren Kurs radikal, was notwendig wäre, so gibt sie implizit zu, was für katastrophale Fehler gemacht wurden, und nicht wenige werden sich fragen, warum sie die schlechte, heuchlerische Kopie wählen sollen, wenn sie doch das klar profilierte und stringente Original haben können. Bleibt die CDU aber weitgehend bei ihrem Kurs und nimmt nur minimale Modifikationen vor, so werden sich noch mehr Menschen enttäuscht abwenden, da dies immer klarer sichtbar eine Politik nicht für, sondern gegen das eigene Volk ist.

Es gibt Fallen, die graben die Mächtigen sich selbst und springen in absoluter Selbstherrlichkeit, Kritik- und Beratungsresistenz auch noch selber rein, um dann anschließend die Schuld bei allen anderen, nur nicht bei sich selbst zu suchen: Wir machen alles richtig, wir müssen es dem dummen Volk nur besser erklären.

Hinzu kommt, dass nun, da man die Felle immer mehr davon schwimmen sieht, die Nerven langsam blank liegen, so dass die Fehler sich noch häufen werden. Und jetzt auch noch diese widerliche Mobbing-Affäre um den Generalsekretär der CDU Peter Tauber: „Pflegehinweise für ein Kaninchen“, die an Unappetitlichkeit kaum noch zu toppen sein dürfte. Und weil auch das noch nicht genug ist, kommt nun auch noch heraus, was Tauber in einer parteiinternen Diskussion über Merkels Flüchtlingspolitik gesagt hat:

„Wer hier nicht für Angela Merkel ist, ist ein Arschloch und kann gehen.“

Die CDU, laut INSA-Meinungstrend nur noch bei circa 24 Prozent, scheint sehr schweren Zeiten entgegen zu gehen. Wenn sie nochmal vier bis fünf Prozent an die AfD verliert, die bereits bei über 15 Prozent rangiert, und diese den anderen Parteien noch ein, zwei Pünktchen abnehmen kann, was mehr als realistisch ist, wird die AfD die CDU auch bundesweit überholen. Der Tag könnte schneller kommen, als man dies im Konrad-Adenauer-Haus bisher für möglich gehalten hat.

Was daran gut wäre? Dass sich wieder einmal das Sprichwort bewahrheiten würde: Lügen haben kurze Beine. Oder wie Abraham Lincoln es mal formulierte:

„Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen.“

***

jurgen-fritzZum Autor: Jürgen Fritz studierte Philosophie, Erziehungswissenschaft, Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt). Für seine philosophische Abschlussarbeit wurde er mit dem Michael-Raubal-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet. Inzwischen ist er als freier Autor tätig. 2012 erschien sein Buch „Das Kartenhaus der Erkenntnis – Warum wir Gründe brauchen und weshalb wir glauben müssen“ in zweiter Auflage.

 

Foto: (c) von Olaf Kosinsky (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons