Ein Gastbeitrag

Die normalerweise Rezepte für die „Zeit“ schreibende Elisabeth Raether hat auch ein Rezept für transsexuelle Frauen. „Was macht die Autoritären so stark? Unsere Arroganz“ titelt sie dort am 18. August 2016. Mit Arroganz kennt sie sich aus. So ganz beiläufig lässt sie ihrer, wohl tiefverwurzelten Transphobie freien Lauf, um Melania Trumps falsche Brüste zu besprechen.

„Aber was ist mit den Fake-Brüsten der jungen Trans-Frau? Warum sind die einen Brüste fortschrittlich, die anderen aber reaktionär? Wenn man sein biologisches Geschlecht nicht annehmen will, darf man sich bis zur Unkenntlichkeit operieren lassen, aber nicht, wenn man jünger oder besser aussehen will, als man ist? Wie soll man das jemandem außerhalb der liberalen Blase erklären? “

Was für eine herabsetzende, überhebliche Sprache.Von einer Autorin, die offensichtlich nicht nur keinen Respekt, sondern auch keine Ahnung von Transsexuellen hat. Dafür aber jede Menge Vorurteile, denen sie freien Lauf lässt.

Erstens mal, sehr geehrte Frau Raether, sind die Brüste von jungen transsexuellen Frauen keine Fakebrüste. Sondern ganz natürlich gewachsen – durch Östrogene und Progesteron.

Wie die ihren …

Und man lässt sich auch nicht „bis zur Unkenntlichkeit“ operieren, sondern gleicht die Hülle dem Gehirn an und zwar an einer, entscheidenden Stelle. Dass das Gehirn bei Transsexuellen nicht dem genetischen Geschlecht entspricht, sondern gegengeschlechtlich ist, wissen heute häufig schon RTL2 Zuschauer – Sie scheinbar nicht.

Das biologische Geschlecht von Transsexuellen hat also zwei gegengeschlechtliche Teile, einen genetischen und das Gehirn. Und wenn man ihren verächtlichen Halbsatz liest, dann folgt daraus, dass das ein Leben lang so bleiben muss. Genau diese Zweiteilung ist es aber, die die Menschen quält und die sie, mit Hilfe einer der schwierigsten und komplikationsreichsten Operationen, die es gibt, ändern lassen.

Nennen Sie das behindert, bitteschön. Vielleicht haben Sie ja für Behinderte mehr Empathie. Mit „wollen“ hat das Ganze überhaupt nichts zu tun. Wann haben Sie sich denn entschlossen eine Frau zu sein? Haben Sie das gut überlegt? Vor- und Nachteile abgewogen und dann: ich bin eine Frau?

Nein? Na so was.

Meine Gehirnaktivität sieht unter dem CT genauso aus wie die Ihre oder die jeder anderen Frau. Und Sie werden es nicht glauben: das ist ohne meinen Willen passiert. Während der Schwangerschaft meiner Mutter. Und das passiert jeden Tag wieder, überall auf der Welt. In rund 1 von 10.000 Schwangerschaften. Also so häufig wie das Down Syndrom.

Vielleicht bleiben Sie besser bei Ihren Kochrezepten, da ist der Schaden, den Sie anrichten geringer.

(c) Carl Larsson [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons