Die Medien berichten ausführlich von den Problemen homo- und transsexueller Flüchtlinge, von der zunehmenden Christophobie, dem Antisemitismus und der Bedrohung auch der negativen Religionsfreiheit ist aber kaum die Rede. Das muss sich dringend ändern. Statt mittelalterlich anmutender Konkurrenzkämpfe brauchen wir eine Allianz des Humanen.

In der Flüchtlingsdebatte ist inzwischen glücklicherweise sehr viel die Rede von den trans- und homosexuellen Flüchtlingen, die sich durch die Homophobie ihrer Mitflüchtlinge immer wieder an Leib und Leben bedroht sehen. In Nürnberg hat inzwischen ein eigenes Flüchtlingsheim für diese Flüchtlingsgruppe eröffnet, in Berlin scheint die Eröffnung noch in diesem Jahr bevorzustehen.

Was noch immer kaum im öffentlichen Bewusstsein angekommen ist: Es gibt noch weitere Gruppen, die sich durch (Mit-) Flüchtlinge zunehmend bedroht sehen.

Erst vor einigen Tagen gingen die Aussagen des Pfarrers einer evangelischen Gemeinde in Berlin Steglitz durch die Medien, der sich um die christlichen Flüchtlinge im Berliner Flüchtlingsheim „LaGeSo“ kümmert. Er berichtet von einem von ihm betreuten christlichen Flüchtling, der dort wegen seines christlichen Glaubens einem dauernden Mobbing ausgesetzt ist: „15 muslimische Bewohner seines Heims hatten ihn und ein weiteres Gemeindeglied angegriffen und geschlagen, ihm das Kreuz vom Hals gerissen und die beiden als ‚Abtrünnige‘ und ‚Unreine‘ beschimpft“ zitiert ein katholisches Nachrichtenportal den Pfarrer. Anzeigen bei der Polizei habe man keine aufgegeben, da diese keinen Sinn hätten, denn  im Heim gebe es genügend muslimische Zeugen, die aussagen würden, dass sie „genau gesehen haben, dass unser Gemeindeglied sich das Kreuz selbst vom Hals gerissen und sich seine Verletzungen selber zugefügt hat … Es ist schon mindestens der dritte Angriff auf dieses Gemeindeglied. Ich habe wiederholt, das letzte Mal vor zwei Monaten, das zuständige Sozialamt schriftlich um eine Verlegung gebeten und die Angriffe geschildert. Es passiert nichts … Konvertierte Christen sind in unserem Land Opfer dritter Klasse“.

Das geschilderte Einzelschicksal ist exemplarisch für ein großes Problem, das weltweit gilt. Die „Welt“ stellte in einem erschütternden Artikel vor drei Wochen fest: „Fast alle Länder, in denen Christen brutal unterdrückt werden, sind muslimisch geprägt. Mehr als 100 Millionen Christen werden verfolgt.“

Von daher ist es prinzipiell verständlich, dass sich ein prominenter Geistlicher, Monsignore Wilhelm Imkamp, jetzt in einem Interview darüber echauffierte, dass der katholische Berliner Erzbischof vor allem  wegen seines Engagements für ein LGBT-Flüchtlingsheim durch die Medien ging, während von den bedrängten Christen in den Flüchtlingsheimen nicht die Rede sei.

Nebenbei sei allerdings erwähnt: Mit der rhetorischen Frage: „Wieso zählt das Schutzbedürfnis eines verprügelten Schwulen mehr als das eines verprügelten Christen?“ geht er aber einen Weg, der nicht nur unfair, weil mit Neid arbeitend, sondern der katholischen Caritas völlig fremd ist: es war immer Prinzip der katholischen Kirche, allen in Not geratenen Menschen zu helfen, unabhängig von ihrer Hautfarbe, sexuellen Veranlagung, ihrem Geschlecht oder ihrer Konfession. Aus Respekt vor dieser Tradition und weil er glaubt, dass alle Menschen guten Willens gemeinsam gegen die Verletzung von Menschenrechten zusammen stehen sollten, schreibt hier ein schwuler Mann ganz bewusst für die grundsätzlichen Menschenrechte (worunter auch die religions- und Meinungsfreiheit zählt) von zwei Religionen, die seinen „Lebenstil“ in ihrer Sittenlehre ablehnen.

„Deutschland mit Antisemiten fluten“

Von der weiteren Gruppe, die sich in Deutschland durch den Zuzug der Flüchtlinge, in Bedrängnis sieht, gibt es aus den Flüchtlingslagern in Deutschland bislang keine Berichte über Situationen, in denen Flüchtlinge gegen andere Flüchtlinge vorgehen. Als unbestritten aber gilt, dass die meisten Flüchtlinge aus einer vom real existierenden Islam geprägten Kultur stammen, die nicht nur homo- und christophob, sondern noch viel stärker antiisraelisch und antisemtisch ausgerichtet ist. Dies gilt besonders für die Flüchtlinge, die Experten in diesem Jahr noch bei uns erwarten. Klar hat dieses Problem Gunnar Heinson in der „Neuen Zürcher Zeitung“ im Zusammenhang mit den Vorfällen der Silvesternacht benannt: „Allein aus den arabischen Ländern wollen gemäß einer Studie des Doha-Instituts nicht mehr – wie noch nach einer Gallup-Untersuchung von 2000 – nur 23, sondern schon 35 Prozent weg. Das wären momentan über 130 Millionen von insgesamt 380 Millionen Menschen. Natürlich sind dies bloß Umfragewerte – angesichts der Dimensionen wirkt diese Relativierung indes reichlich kraftlos. 85 Prozent der Araber, so zeigt dieselbe Untersuchung, träumen von der Judenvernichtung. Wer eine Million zu sich holt und dann umverteilen will, möchte die Nachbarschaft mit 850 000 Antisemiten fluten – ein Geschenk so deutsch wie schon lange nicht mehr.“

Auch Atheisten und die „negative Religionsfreiheit“ sind betroffen

Noch weniger als Christen und Juden scheint eine andere Gruppe im Blickfeld zu sein. Atheisten sind in den Ländern, aus denen Flüchtlingen zu uns kommen, ganz besonders vom religiösen bzw. konkret muslimischen Extremismus bedroht. Ahmed Nadir berichtet aus Bangladesh: „Als Atheist fürchte mich vor den Extremisten. Im Februar 2013 wurde ich das erste Mal von ihnen überfallen, doch damals konnte ich dem Angriff glücklicherweise entkommen. Als ich einige Wochen später auf einer Geschäftsreise in Schweden war, kam es zu einer neuen Reihe von Überfällen auf Atheisten und nichtreligiöse Menschen in Bangladesch. Zur gleichen Zeit stürmte eine Gruppe von Polizisten meine Wohnung. Mein Vater erlitt dabei einen Schlaganfall und nach dem Bekanntwerden dieser Probleme kündigte mir der Vermieter meines Büros den Vertrag.“

Es scheint nach den bisherigen Erfahrungen nur eine Frage der Zeit zu sein, bis diese Konflikte auch bei uns ankommen und offen auftretende Atheisten auch in Deutschland von Intoleranz, Hassrede und Gewalt betroffen sind. Angesichts dieser Tatsache scheint es geradezu grotesk, das Problem der Intoleranz vom derzeit auf diesem Feld besonders unheilvoll tätigen Islam auf den Atheismus zu schieben, wie das zum Beispiel Papst Franziskus jüngst versucht hat.

Es geht nicht darum, Religionen gegen den Atheismus aufzustellen oder umgekehrt, sondern es ist das Gebot der Stunde, das Recht auf Religionsfreiheit unbedingt einzuklagen. Zu diesem Menschenrecht auf Religionsfreiheit gehört aber auch die negative Religionsfreiheit; das heißt die Freiheit von Religion, die Freiheit eines Menschen, keiner Religion oder keiner bestimmten Religion oder Konfession angehören zu müssen, das Recht auch an keinen Gott glauben zu müssen und dies auch ganz offen sagen und propagieren zu können.

Der Zentralrat der Juden hat die richtigen Signale gesetzt

Vor dem Hintergrund der hier aufgezeigten Probleme ist es ebenfalls gut verständlich, dass der Zentralrat der Juden unlängst ein Limit für den Zuzug von Flüchtlingen forderte. Dessen Präsident Josef Schuster sagte der Zeitung „Die Welt“: „Viele der Flüchtlinge fliehen vor dem Terror des Islamischen Staates und wollen in Frieden und Freiheit leben, gleichzeitig aber entstammen sie Kulturen, in denen der Hass auf Juden und die Intoleranz ein fester Bestandteil ist … Denken Sie nicht nur an die Juden, denken Sie an die Gleichberechtigung von Frau und Mann oder den Umgang mit Homosexuellen.“

Im Unterschied zu Msgr. Imkamp oder Papst Franziskus hat Schuster mit diesem Satz andeutungsweise aufgezeigt, worum es in der gegenwärtigen Flüchtlingsdebatte geht. Es geht nicht darum, für oder gegen Flüchtlinge zu sein. Es kann nur darum gehen, für den Menschen und seine Rechte zu sein. Und dies ganz unabhängig von seiner Hautfarbe, seiner Herkunft, seinem sozialen Status, seinem Geschlecht und seiner sexuellen Veranlagung sowie seiner vorhandenen oder nicht vorhandenen Religion einzuklagen. Hier wäre Platz für einen Lobbyismus des Humanen, bei dem alle Menschen guten Willens zusammenwirken. Notfalls auch gegen eine Mentalität, die eine große Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund prägt, die sich bei uns aufhalten.