
(David Berger) Es ist ein Vorgang, der selbst für die inzwischen an Schikanen gegen traditionsverbundene Katholiken gewöhnte Kirche eine neue Qualität besitzt: Der Vatikan will den Teilnehmern der internationalen Wallfahrt Ad Petri Sedem offenbar nicht nur die Feier der überlieferten lateinischen Messe im Petersdom verwehren. Nun dürfen die Pilger nicht einmal mehr als geschlossene Gruppe die Basilika betreten, um am Grab des Apostels Petrus zu beten. Ausgerechnet jene Katholiken, die nach Rom kommen, um ihre Verbundenheit mit dem Papst zu bekunden, werden vor den Türen seiner wichtigsten Kirche zurückgewiesen.
Wie die Vatikanjournalistin Diane Montagna am heutigen Freitag berichtet, wurde den Organisatoren die Entscheidung durch ein Schreiben des vatikanischen Staatssekretariats mitgeteilt. „Ihre Prozession darf den Petersdom nicht betreten“, heißt es demnach in dem Brief. Der Hauptorganisator Christian Marquant gab die Nachricht am Freitagnachmittag vor Teilnehmern einer Tagung im Augustinianum bekannt.
Wer dem Papst treu sein will, muss draußen bleiben
Seit 2012 versammeln sich jedes Jahr Gläubige aus aller Welt zur sogenannten Summorum-Pontificum-Wallfahrt, um die überlieferte Liturgie zu pflegen und ihre Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri zu bekräftigen. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Veranstaltung der Priesterbruderschaft St. Pius X., deren Verhältnis zu Rom seit Jahrzehnten von kirchenrechtlichen Spannungen geprägt ist. Hinter der Wallfahrt stehen vielmehr traditionsverbundene Vereinigungen und Gläubige, darunter Angehörige von Gemeinschaften, die von Rom anerkannt sind und sich ausdrücklich in voller kirchlicher Gemeinschaft mit dem Papst verstehen.
Noch im vergangenen Jahr durfte Kardinal Raymond Leo Burke mit Genehmigung Papst Leos XIV. im Petersdom ein feierliches Pontifikalamt im traditionellen römischen Ritus zelebrieren. Viele sahen darin ein Zeichen der Hoffnung. Ein Jahr später wird nicht nur die Messfeier verweigert, sondern sogar der gemeinsame Gebetsgang zum Petrusgrab. Als Begründung wurde nach Angaben Marquants unter anderem der Vorwurf erhoben, die Messfeier des vergangenen Jahres sei „instrumentalisiert“ worden. Von wem und auf welche Weise, bleibt offen. Offenbar genügt inzwischen schon der Verdacht, eine feierliche Liturgie könne öffentlich als Zeichen kirchlicher Kontinuität verstanden werden, um neue Einschränkungen zu rechtfertigen.
Besonders verhängnisvoll könnte sich diese Politik für das Verhältnis zwischen Rom und den traditionsverbundenen Katholiken erweisen. Weshalb sollten Gläubige und junge Priester dauerhaft auf die kirchenrechtliche Anerkennung durch Rom vertrauen, wenn ihre liturgische Identität trotz aller Loyalität immer neuen Einschränkungen unterworfen wird? Solche Maßnahmen könnten zahlreiche Gläubige geradezu in die Arme der Piusbruderschaft treiben. Diese wird sich in ihrer seit Jahrzehnten vertretenen Auffassung bestätigt sehen, dass auf römische Zusagen hinsichtlich der traditionellen Liturgie kein dauerhafter Verlass sei. Je stärker Rom die kirchlich integrierten Traditionalisten unter Druck setzt, desto überzeugender dürfte dieses Argument auf enttäuschte Gläubige wirken.
Man muss die kirchenrechtliche Sonderstellung der Piusbruderschaft keineswegs gutheißen, um diese fatale Dynamik zu erkennen: Rom riskiert, ausgerechnet jene Gemeinschaften zu schwächen, die bislang eine Brücke zwischen der traditionellen Liturgie und der kirchlichen Hierarchie bilden.
Die viel beschworene Synodalität endet an der Tür des Petersdoms
Seit Jahren wird den Katholiken erklärt, die Kirche müsse zuhören, begleiten, integrieren und niemanden ausschließen. Von Offenheit, Vielfalt und einer Kirche für alle ist die Rede. Doch gegenüber Gläubigen, die an der überlieferten Liturgie festhalten, scheint diese Großzügigkeit bemerkenswert schnell an ihre Grenzen zu gelangen.
Besonders pikant ist der Zeitpunkt. Erst gestern veröffentlichte das vatikanische Glaubensdikasterium unter Kardinal Víctor Manuel Fernández das Dokument Venite ad me, in dem die Weitergabe des Glaubens und die zentrale Bedeutung der Liturgie behandelt werden. Ausgerechnet unmittelbar vor dem traditionsverbundenen Treffen in Rom erscheint also ein Dokument über die Vermittlung des Glaubens, während den Anhängern einer jahrhundertealten liturgischen Tradition neue Hindernisse in den Weg gelegt werden. Ein direkter Zusammenhang ist nicht belegt, doch die zeitliche Nähe wirft Fragen auf.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung festzuhalten: Nach der bisher bekannten Formulierung richtet sich das Verbot gegen den gemeinsamen Einzug der Prozession. Dass jeder einzelne Teilnehmer auch als gewöhnlicher Besucher vom Petersdom ausgeschlossen wäre, ist nicht belegt. Das Schreiben des Staatssekretariats liegt bislang ebenfalls nicht vollständig öffentlich vor. Dennoch stellt sich die Frage, was an einer Wallfahrt kirchlich anerkannter Traditionalisten so bedrohlich sein soll, dass man ihr den gemeinsamen Gang zum Petrusgrab verweigert. Eine Kirche, die unablässig von Dialog und Inklusion spricht, scheint gegenüber einem Teil ihrer eigenen Gläubigen zunehmend nur noch die Sprache administrativer Verbote zu finden.
Wer Gläubigen, die nach Rom pilgern, um ihre Treue zum Papst zu bekunden, die Türen verschließt, darf sich nicht wundern, wenn diese irgendwann aufhören anzuklopfen. Und wenn sie ihre geistliche Heimat schließlich bei der Piusbruderschaft suchen, sollte Rom die Verantwortung dafür nicht allein bei ihnen suchen.
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