Trumps blutige Osterbotschaft: Wenn aus Hoffnung Entsetzen wird

(David Berger) Große Hoffnungen konservativer Christen auf Donald Trump sind nach umstrittenen Drohungen am Ostersonntag einer tiefen Ernüchterung gewichen. Die Verbindung von militärischer Rhetorik und despektierlichen religiösen Anspielungen sowie sein Versuch sich eine Gewalt anzumaßen, die nur Gott zusteht, wirken dabei besonders abstoßend.

Ich muss gestehen: meine Hoffnungen auf Trump warne enorm groß – gerade als Katholik, dem die Rettung des christlichen Abendlandes ein besonderes Anliegen ist. Auch wenn er immer öfter verunsichernde Zeichen setzte, wollte ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass er dem kriegerischen und anderweitig kriminellen Umtrieben des deep state ein Ende setzen wird. Auch nachdem wunderbare Nationen wie Venezuela oder der Iran unbedingt einen Neuanfang verdient haben und der enorme Blutzoll, den die Iraner im Kampf gegen das Islam-Regime geleistet haben, nicht vergeblich sein darf.

Nachdem Trump nun ausgerechnet am Ostersonntag Morgen in einer abstoßenden Weise mit Kriegsverbrechen gedroht hat, ist diese Hoffnung endgültig gestorben. Selbst wenn das, was er angedroht hat, nicht umsetzen wird, bleibt eine Drohung, die auf eine moralisch übelst verkommene Persönlichkeit zu offenbaren scheint.

Am Dienstag – so Trump – werde er sensible zivile Infrastruktur des Islam (Kraftwerke und Brücken) so lange zerstören lassen, bis die Straße von Hormus freigegeben sei. Um dann ganz obszön fortzufahren: „Open the Fuckin’ Strait, you crazy bastards, or you’ll be living in Hell – JUST WATCH! Praise be to Allah.“

Besondere Brisanz bekommt diese Äußerung durch einen Kommentar, den Trump vor zwei Stunden auf seiner sozialen Plattform nachgeschoben hat: „„Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen und nie wiederkehren. Ich will nicht, dass es passiert, aber es wird wahrscheinlich so kommen.“ J.D. Vance ergänzend: „Der Iran muss wissen, dass wir über Mittel verfügen, deren Einsatz wir bisher noch nicht beschlossen haben. Trump kann sich entscheiden, sie einzusetzen, und er wird es tun, wenn die Iraner ihren Kurs nicht ändern.“ Der Präsident und der Vizepräsident drohen also beide mit dem Abwurf einer Atombombe auf den Iran. Der gefährlichste Moment in der Geschichte der Menschheit?

Setzt sich Trump an die Stelle Gottes oder ahmt er nur den Islamismus nach?

Dass Trump in dieser Weise mit einer Kombination aus militärischen Drohungen und religiösen Anspielungen nicht nur die religiösen Überzeugung der Muslime, sondern auch die der Christen verspottet, ist kaum zu übersehen. Vermutlich war Trump dabei gar nicht bewusst, dass das Wort „Allah“ einfach auf Arabisch „Gott“ heißt, sodass die ohnehin unter schwerer Verfolgung leidenden arabischen Christen selbstverständlich auch zu „Allah“ beten. Aber selbst wenn ihm dies nicht klar war: Wer Religion in dieser Weise am heiligsten Tag der Christen instrumentalisiert, um politische Gegner zu verhöhnen oder Gewalt zu legitimieren, widerspricht dem Kern der christlichen Botschaft auf eklatante Weise.

Der bekannte US-Kommentator Tucker Carlson hat in einem inzwischen hunderttausendfach in den sozialen Netzwerken geteilten und von vielen Katholiken in den USA ausdrücklich unterstützten Video die Drohungen von Donald Trump am Ostersonntag ausdrücklich auch aus einer religiös-moralischen Perspektive kritisiert. Zurecht wirft Carlson Trump mit harten Worten vor, durch seine Wortwahl Religion zu missbrauchen. Besonders kritisierte er die Kombination aus Drohungen gegen zivile Ziele und der Formulierung „Praise be to Allah“. Und entgegnet diesem völlig deplatzierten und provokativem Spott mit dem grundsätzlichen Maßstab: „No president should mock Islam. That’s not your job.“ Spott über Religion bedeute auch, den Glauben selbst infrage zu stellen: „No decent person mocks other people’s religions.“  Trump habe vergessen, dass der Mensch – auch er nicht – nicht Gott sei und sich entsprechend nicht über andere Religionen stellen solle. Zudem seien die USA keine Theokratie und religiöse Motive dürften nicht zur Rechtfertigung von Krieg dienen. Sonst ist die freie Welt dort angelangt, wo die dunklen Kräfte des Islamismus stehen.

Hilft da nur noch beten?

„Sicher, es gehörte von Anfang an zum besonderen Charme und auch Erfolgsrezept von Trump, gegen die üblichen Gepflogenheiten der Politikerkaste zu verstoßen. Das war sogar eines der Hauptinstrumente der populistischen Disruption der MAGA-Bewegung. Auch war, anders als Links-Progressive und viele Bürgerliche dies sahen, in der Idee von „America First“ nichts per se Unchristliches. Denn dass Politiker ihr Land lieben und das Wohl ihres Volkes an die erste Stelle ihres Handelns im Amt setzen sollten, bedeutet ja gerade nicht, die Welt beherrschen und über andere bestimmen zu wollen. Gerade die Abkehr vom moralisch getünchten, aber letztlich unmoralischen Neocon-Imperialismus der letzten Jahrzehnte machte Trump für so viele reizvoll, auch für konservative Christen und Katholiken.“ – so Sebastian Ostritsch in der „Tagespost“.

Aber dass er jetzt – entgegen aller Wahlversprechen zu einem Kriegstreiber mutiert, der auf alle Regeln des „gerechten Krieges“, wie sie die christliche Theologie seit Jahrhunderten entwickelt hat, zu spucken bereit ist, enttäuscht maßlos und zerstört auf brutale Weise, die Hoffnungen, die nicht nur ich in diesen Mann gesetzt habe.

Auch die US-Organisation „Catholics for Catholics“, die Trump im Wahlkampf aktiv unterstützt hat, schreibt: „Dieser Beitrag unseres Präsidenten ausgerechnet am Ostersonntagmorgen, mit seiner Obszönität, seinem Hass und dem Bezug auf einen falschen Gott namens „Allah“, hat die Herzen von Millionen amerikanischer Christen tief betrübt. Wir müssen für Trump und für Amerika beten. Ja, der Iran unterdrückt sein Volk, aber dieser Krieg entspricht nicht den Kriterien des gerechten Krieges gemäß der katholischen Lehre. Daher kann Gott keinen Krieg segnen, der uns von Israel aufgezwungen wurde, was sogar unser eigener Außenminister Rubio zugegeben hat. Ein besonderer Dank gilt Erzbischof Timothy Broglio, dem Oberhaupt der US-amerikanischen Militär-Erzdiözese, der sich gemeinsam mit unserem Heiligen Vater gegen diesen Krieg ausgesprochen hat und der in dieser schrecklichen Situation im Nahen Osten unermüdlich zum Frieden aufgerufen hat. Der Krieg ist ernster, als die Menschen ahnen, und wir müssen für unseren Präsidenten, unsere unglaublichen Truppen und für Amerika beten.“

„Eure Hände sind voll Blut“

Die harten Worte von Papst Leo XIV. in seiner Osterbotschaft werden vor diesem Hintergrund verständlicher und sind diesmal nicht seiner notorischen Trump-Aversion, sondern schlicht dem Evangelium geschuldet: „Diejenigen, die die Macht haben, Kriege zu entfesseln, sollen sich für den Frieden entscheiden! Nicht für einen mit Gewalt aufgezwungenen Frieden, sondern durch Dialog! Nicht mit dem Wunsch, andere zu beherrschen, sondern ihnen zu begegnen! Wir gewöhnen uns an die Gewalt, ergeben uns ihr und werden gleichgültig. Gleichgültig gegenüber dem Tod von Tausenden Menschen.“ Schon am Palmsonntag hatte Leo gemahnt, Gott „hört nicht auf die Gebete derer, die Krieg führen“. Er zitierte Jesaja 1,15: „Auch wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht – eure Hände sind voll Blut.“

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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